Forum: Blogs
Früherer Erzbischof von Mailand: Die Abrechnung des Kardinal Carlo Martini
DPA

Es war sein letztes Interview. Kurz vor seinem Tod hat Kardinal Carlo Maria Martini heftige Kritik an der katholischen Kirche geübt. "Unsere Bräuche sind aufgeblasen, unsere Kirchen groß und leer", sagte der Mann, der 2005 für das Amt des Papstes gehandelt wurde. Kardinal Carlo Martini rechnete im letzten Interview mit Kirche ab - SPIEGEL ONLINE

Seite 3 von 13
burgundy2 01.09.2012, 23:32
20. Eine richtige Analyse

Zitat von jörg seifert
Die Zerfallserscheinungen der kath. Kirche sind offensichtlich (die der evangelischen erst recht!). Allerdings ist es mit einer Anpassung an die Moderne nicht getan - denn die Moderne weist ja exakt die gleichen Zerfallserscheinungen auf: Vergreisung, moralischer Zerfall, aufgeblähte Bürokratien die wachsen wie Krebsgeschwüre, mangelnde Glaubwürdigkeit eines (politischen) Führungspersonals das sich in seinem Elfenbeinturm immer weiter der Lebenswirklichkeit entfremdet. Die Krise der Kirche ist in Wahrheit ein Ausschnitt einer viel größeren gesamtgesellschaftlichen Krise. Seien wir ehrlich: Niemand hat eine Antwort oder Lösung für diese Krise; wir sind komplett ratlos.
Eigentlich gibt es nichts hinzuzufügen. Vielleicht nur eines: Die Zerfallserscheinungen der Kirche mögen einhergehen mit den Zerfallserscheinungen der modernen Zivilisation, haben aber dennoch eigene Ursachen und eine eigene Dynamik. Natürlich wird das in der heutigen Zeit noch flagranter.

Nicht so richtig einig bin ich mit der Meinung des Foristen, der nicht-teleologischen Denkweisen den Vorzug gibt. Diese Denkhaltung ist wohl bereits überholt. Es ist zwar praktisch für das naturwissenschaftliche Denken, Abläufe in der Natur als nicht zweckgebunden zu verstehen - und dies ist ja auch nicht gerade einfach, sondern erfordert ein Distanzieren des Wissenschaftlers von sich selbst - aber letzten Endes bleibt, zumindest für den Menschen in seinem Sein, doch die Frage nach einem Sinn, nach einem Woher und Wohin, worauf die Wissenschaft eben keine wissenschaftliche Antwort geben kann. Das ist nicht ihr Fehler, denn dafür ist sie nicht da, was allerdings gerade in der heutigen Zeit immer wieder vergessen wird. Antworten auf dieses Fragen mögen auch die Religionen zu geben nicht imstande sein, aber das bedeutet nicht, dass solche teleologischen Gedanken nicht gedacht werden müssten. Sie sind kein Zeichen für Unreife, sie sind ein Hinterfragen des Phänomens. Dies - im Wissen oder Ahnen um seine Unbeantwortbarkeit - mag sogar kühner sein als die kühnste wissenschaftliche Theorie.

Beitrag melden
Anindo 01.09.2012, 23:33
21. Unbedingt austreten

Viele denken ja, die Kirchensteuer wird für soziale Zwecke eingesetzt, dabei wandert der weitaus größte Batzen in den Erzbischhöftümern und nur ein Bruchteil in sozialen Einrichtungen.

Jede dritte Grundschule in NRW ist katholisch, aber staatlich voll finanziert, also nicht über die Kirchensteuer. Trotzdem werden dort andersgläubige Kinder abgelehnt: http://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2011-02/staatliche-bekenntnisschulen-nrw

Beitrag melden
swibu 01.09.2012, 23:50
22. Heilige Logik...

Zitat von sanctum.praeputium
..."wir sind komplett ratlos" ... Gläubigen aller Religionen ist eines gemeinsam: Sie können sich kein Leben/ Denken jenseits einer Religion vorstellen. Diese künstliche Grenze verhindert, dass sie sich nach evolutionären Lösungskonzepten umschauen. Das kausale Denken, dessen Ausdruck u.a. die Frage nach einer "Lösung" ist, hindert das An-/Erkennen oder Konstruieren komplexer Denksysteme. Gedankenwege, die eindeutig auf Nicht-Teleologisches abzielen, können von Gläubigen nicht honoriert werden. Ein Nicht-Gläubiger kann nachvollziehen, dass und wie es passieren konnte, dass geglaubt wird, was einem Gläubigen logisch verwehrt ist, da er im Glauben lebt, sich also nicht außerhalb des Glaubens aufstellen kann. Wer sich aber nur im Glauben aufstellen kann, leitet letztlich alles zu Gott hin, bzw. von ihm ab; ihm erscheinen andere Denksystem als undenk- bzw. unlebbar. Ab dieser Grenze sind Gläubige "komplett ratlos".
Es ist schon eine Kunst, in einem so kurzen Kommentar so viele Vorurteile unterbringen zu können. Als gläubiger Ingenieur (ja, so etwas gibt es tatsächlich!) bin ich durchaus in der Lage, logische Konstrukte ohne Bezug auf ein höheres Wesen aufzubauen. Bei statischen Problemen hilft bekanntlich weder Gottesglaube noch die Bibel. Also werden Sie mir zubilligen müssen, dass ich logisch denken kann. Das wird bei Ihrem Glauben (an die Nichtexistenz eines höheren Wesens) aber schwierig, da Sie offensichtlich Ihre Denksysteme auf eine Ausschließlichkeit gründen, die Sie als bei Gläubigen erkenntnishindernd ansehen. Wo bleibt denn da die Logik?

Beitrag melden
umbertoko 01.09.2012, 23:58
23. echt woa???

Komisch. Mir hat er vor seinem Tod das Gegenteil erzählt. Wie schade, dass mir keiner lüge nachweisen kann...

Ich halte dieses Interview für teilweise echt. Würde deshalb gerne wissen, was nach seinem Tod in die Gesprächsnotizen Einzug fand. Ich glaube den Jesuiten kein Wort ;-)

Beitrag melden
kilger_1999 02.09.2012, 00:00
24. Obit Anus, Abit Onus.

Kardinal Martini starb in einem Altenheim der Jesuiten. Er wurde 85 Jahre alt, ein verschwendetes Leben.

Wir wissen nicht, - und werden es wohl nie erfahren - ob er am Ende Buße getan hat, und wir können es daher nur zum Wohle seiner unsterblichen Seele hoffen - und zum Wohle seines sicherlich etwas müden Schutzengel - dass er es geschafft hat, der Hölle zu entkommen. Zweifel daran sind, wenn man mich fragt, vollkommen gerechtfertigt.

Die Vorstellung, dass dieser Mann einer der Papabili gewesen sei - allerdings war dies sehr wahrscheinlich das Ergebnis eines liberalen Wunschdenken, als eine konkrete Möglichkeit - ist eine sehr gute Beschreibung des Ist-Zustandes der Krise innerhalb der Kirche.

Wir sollten für seine unsterbliche Seele beten. Trotzdem denke ich, sollten wir auch ganz offen konstatieren, dass der Tod eines Feind des Katholizismus nur als gute Nachricht betrachtet werden kann. Martini hat vor wenigen Monaten sein letztes subversive Buch herausgegeben. Er war also nicht ein Mensch, der sich damit zufrieden gab, langsam und in aller Stille in das Vergessen zu entschwinden. Nein, stattdessen leistete er bis zuletzt seinen Beitrag an der Verdammnis der Seelen. Ein echter moderner Jesuit.

Es ist zu hoffen, dass viele seiner Mitstreiter ihm bald folgen werden - hoffentlich zum Fegefeuer, ansonsten in die Hölle - besser früher als später.

Um mit Arthur Schopenhauer zu sprechen "Obit Anus, Abit Onus"- „der Alte stirbt, die Last vergeht“. Ich denke, das sind die passenden Worte um die Nachricht vom Tode Martinis zu kommentieren.

Beitrag melden
caspiat 02.09.2012, 00:19
25. Die Lüge ist das Problem!

Ein Leser schrieb, der Reichtum sei das Problem.

Nein, stimmt nicht! Das Problem ist, dass nichts daran stimmt.
Die Bibel stimmt nicht, die Traditionen stimmen nicht, das Verhalten ist dementsprechend.
Was aber kein Vorwurf sein soll.
Ohne Gott kommt nichts besseres heraus, als dass überall das Vieh herausguckt. Und andersrum: Abgesehen von ein paar netten Sachen die der Mensch hat, ist er doch ein erbärmiches Tier, und das alleine schon spricht gegen die Existenz Gottes. Wenn man dazu dann die heiligen Bücher nimmt, die sämtlich auf Täuschung konstruiert sind, hat man das Gesamtbild: Gott ist erfunden, und auch noch mit den primitiven Zügen seiner Erschaffer.

Beitrag melden
umbertoko 02.09.2012, 00:21
26. optional

Elias, wie wäre es mit dem Prophezeien? Oder wenigstens mit weiter blättern?
Da steht so was wie: Die Kirche nimmt dich mit Freunde auf. Mag das ganze archaisch klingen. Es hat seinen Sinn.

Apropos archaisch: Jede Braut lässtum Altar vom Vater schleifen. Dort, wo der Brauch her stammt, hat man Gleiches mit Kühen und Schweinen getan, als sie den Besitzer wechseln sollten (also auf dem Markt und nicht in der Kirche). Es ist die symbolische Eigentumsübergabe. Sollten wir nicht zuerst solche entwürdigende Sitten zuerst lassen? Wir gleichberechtigte Christen kommen als Paar vor die Kirchentür und werden dort vom Priester freudig begrüßt und in den Raum eingeführt. Die Ehe wird auch nicht einseitig erklärt, wie im Judentum...

Ich denke, mit etwas Wissen über den Sinn der Feiern, könnten wir Katholiken auf die tollen sinnstiftenden und in Teilen tausend Jahre alten Riten stolz sein. Was ja nicht besagt, dass Wortgottesdienste oder Gebetstreffen ganz anders aussehen könnten oder vielleicht auch sollten...

Beitrag melden
dubmaid 02.09.2012, 00:22
27. schade...

ich finde es schade, dass ich seit geraumer zeit anschluss an eine katholische gemeinde suche, und kaum gleichaltrige vorfinde, die es sich mit einem "die sind doch alle gleich" *pardon* billig davonschleichen... während in südlichen Ländern die Kirchen noch gesund und gut besucht sind, alle Schichten, alle Altersklassen, mit netten, freundlichen Pfarrern, darf ich hier in der Großstadt (!) sonntags mit einem halben Dutzend Rentner gelangweilt einer Messe zuhören, die ich nicht verstehe - dabei gibt der Pfarrer sein Bestes, aber Kirche lebt nicht ohne Gemeinde... naja, dafür sind ja gottlob die Reisen nach Indien günstiger, wo dann wieder nach Spiritualität gesucht wird - traurig, aber es liegt nicht an der Kirche..

Beitrag melden
Zeitwesen 02.09.2012, 00:39
28. .-

Das Problem mit der Kirche ist, dass Sie als oberstes Ziel den Selbsterhalt hat, bzw den Machterhalt -/erweiterung.
Die katholische Kirche ist ja nicht nur in Europa aktiv, hier gibt es ja überwiegend Bildungsbürgertum, sondern auch in Schwellen- und Entwicklungsländern mit sehr niedriegem Bildungsgrad.
Das soll jetzt nicht abwertend klingen, aber je niedriger der Bildungsgrad ,um so wörtlicher wird die Bibel gesehen und umso eher wird die kirchliche Lehre unkritisch befolgt und sind kirchliche Traditionen Gesetz.
Dass sich die Erde um die Sonne dreht und nicht umgekehrt war den katholischen Kirchenoberen ja schon zu Galileos Zeiten mehr oder weniger bekannt, man hatte aber Angst was passiert wenn die Gläubigen herausfinden dass die Kirche hierbei jahrhundertelang falsch lag.
Diese Politik der katholischen Kirche hat sich seitdem nicht geändert und es gibt genügend Aufpasser im Hintergrund, die dafür sorgen dass es so bleibt.
Man macht zwar bedingt kleine Zugeständnisse von Zeit zu Zeit, trotzdem befindet sich die katholische Führungsriege in einem Spagat zwischen gebildeten und ungebildeten Gläubigen, zwischen fortschrittlichen Katholiken und Traditionalisten.
Deswegen wird man so schnell keine weiblichen Priester, die Aufhebung des Zöllibats, einen unverenkten Umgang mit Geschiedenen, einen dunkelhäutigen Papst oder einen ungezwungenen Umgang mit der eigenen Geschichte dort finden.
Da ist es einfacher mal eben die Vorhölle abzuschaffen :) (wie man das auch immer gemacht haben mag....lach)

Beitrag melden
dadanchali 02.09.2012, 00:43
29. ne

Zitat von sysop
Es war sein letztes Interview. Kurz vor seinem Tod hat Kardinal Carlo Maria Martini heftige Kritik an der katholischen Kirche geübt. "Unsere Bräuche sind aufgeblasen, unsere Kirchen groß und leer", sagte der Mann, der 2005 für das Amt des Papstes gehandelt wurde.
Das wichtigste hat der Mann nicht gesagt:
Wir veralbern seit 2000 Jahren die Menschen und lachen uns halb tot über die Naivität derer die uns mit ihrem Aberglauben die Taschen füllen

Beitrag melden
Seite 3 von 13
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!