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Gera: Der Niedergang einer deutschen Stadt
Sven Doering / Agentur Focus / DER SPIEGEL

Blühende Landschaften? Nicht in Gera. Die Stadt ist pleite. Wer hier etwas verändern will, verzweifelt. Und das liegt nicht nur am Mangel an Geld.

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quark2@mailinator.com 05.07.2017, 14:20
1.

Genauso ist das in Cottbus. Braunkohle ist bald weg, die Textilindustrie schon lange, der Flugplatz und überhaupt der Bundeswehrstandort ebenfalls, Kleinigkeiten außen vor. Die Uni kümmert vor sich hin, der großen Klinik laufen die Ärzte weg, obwohl sie modern ist. Und was die städtischen Betriebe angeht ... die gehören zwar noch der Stadt, zumindest nach teilweisem Rückkauf ... aber dafür sind hier die Wasser-, Abwasser- und Stromgebühren mit beim Höchsten, was man so finden kann. Die Jugend ist da, wo die großen Firmen sind, also im Südwesten (wie auch ich in BW wohne) ... und die Verkehrsanbindung ist z.T. schlimmer als vor 1990, d.h. die Züge brauchen länger als ehedem. Das fühlt sich hier nicht nach Zukunft an und weder Land noch Bund haben Interesse, obwohl es rund um Cottbus keine andere Großstadt gibt.

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Thomas Schnitzer 05.07.2017, 14:57
2.

"Wer hier etwas verändern will, verzweifelt. Und das liegt nicht nur am Mangel an Geld."

Wenn man den Artikel liest, klingt es eher so, als ob das gar nicht am Geld liegen würde, denn es wird sehr deutlich, dass sich die Menschen mit ihrer ablehnenden Grundhaltung selbst blockieren, und schlimmer noch, annehmen, das sei überall so, und würde von der Presse verschwiegen.

Dagegen kann man aber nur mit einem tiefgehenden Geisteswandel angehen, denn ohne die Erkenntnis, selbst für sein Leben verantwortlich zu sein wäre weiteres Geld nur eine Konservierung der bestehenden Zustände.

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colakirsch 05.07.2017, 15:28
3. Wenn eine Stadt auf dem absteigenden Ast...

...etwas braucht, dann sind es strukturelle Reformen, die produktiv sind und wertschöpfend wirken.
Aber mit Sicherheit keine "Theaterpädagogen".

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TLB 05.07.2017, 15:44
4.

Zitat von colakirsch
...etwas braucht, dann sind es strukturelle Reformen, die produktiv sind und wertschöpfend wirken. Aber mit Sicherheit keine "Theaterpädagogen".
zum ersten stand ja im Artikel NICHT, dass ein Theaterpädagoge die Geisteshaltung einer ganzen Stadt umkrempeln kann. Und zum zweiten ist die Kultur einer Stadt auch ein Kriterium, was sie anziehend macht oder eben nicht. Kultur und Kunst SIND Werte, auch wenn sie oftmals schlecht entlohnt werden.

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spon-facebook-1049022215 05.07.2017, 16:07
5. Postkommunisten

Wie soll es einer Stat schon gehen, deren Geschicke seit bald zwei Jahrzehnten von den Linken gelenkt werden, wenn sich die Bürger Geras offenbar am Stillstand nicht stören. Offenbar muß es Gera noch viel viel schlechter gehen bevor sich was ändert.

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t.31 05.07.2017, 16:12
6. 9,9% Arbeitslosigkeit und damit Schlußlicht in Thüringen - soso?

Nicht schöngerechnet, sondern real bilden Leipzig und Görlitz das Schlußlicht in Sachsen - 20% übrigens. Die Löhne sind in Sachesen ebenso die geringsten im bundensweiten Vergleich. In Leiopzig kommt man schon ins Grüppeln, wieso warum, in Görlitz ist das offensichtlicher, Keramische Werke geschlossen, Waggonbau jetzt (Bombardier) 2 Werke (Werk 1 und 3) geschlossen und mehrmalige Stellenabbau im Werk 2, Maschienenbau (Turbinenwerk) von Siemens übernommen und verschlankt, Kondensatorenwerk geschlossen, Textilindustrie geschlossen, Schuhfabrik geschlossen, die Grube und Kraftwerk Hagenwerda geschlossen, Hefefarbrik geschlossen, Eisproduktion geschlossen, Bako (Bankwarenkombinat) verschlankt, da kommt übrigens der Dresdner Stollen her - der echte. Ach, und witzigerweise ist die Berlinerstraße vor dem Bahnhof im oberen Teil komplett leer, keine Geschäfte, einfach nichts.

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shooop 05.07.2017, 16:38
7. Ich komme ursprünglich aus Cottbus...

...und habe das ähnlich erlebt, wie im Artikel beschrieben. Die Ursachen sind in den individuellen psychologischen Begrenzungen der Menschen zu suchen, auf denen alles andere (Wirtschaft, Kultur, bürgerschaftliches Engagement, menschliches miteinander etc.) basiert. Mich kriegen da keine 10 Pferde mehr hin. Und Theaterpädagogen können da sehr wohl helfen, nur sind alle, die in diesen Gegenden links der CDU stehen, 'Chaoten' und 'Spinner' und solche 'Spinner' wie Theaterpädagogen werden nur abgewertet um sich selbst aufzuwerten. Die Leute vergraulen aus Dummheit und wegen mangelndem Rückgrat die Menschen, die etwas zu geben bereit wären. Gott sei Dank hab ich meine Heimat anderswo gefunden.

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shooop 05.07.2017, 17:10
8. Langer Prozess

Es gibt auch in diesen Orten Menschen, die lernfähig sind, die offen sind und die intellektuell und emitional in der Lage sind, sich zu entwickeln. Aber die sind in der Minderheit bzw. nicht gut sichtbar. Ich habe mich dort von frühester Kindheit an fremd gefühlt und immer gedacht, ich wäre irgendwie falsch. Dabei war ich es, die gesehen hat, was dort los ist und wie schlecht die Menschen zueinander sind. Ich glaube so geht es vielen Menschen dort, die trauen sich aber nur nicht, das auszusprechen, weil die Reaktion Abwertung und Ausgrenzung wären. Und weil die Grobschlächtigen dort die Dominanten sind, ist diese AfD auch so laut und anmaßend: die denken einfach, alle Orte würden so funktionieren wie ihr (auch) selbstgeschaffenes Dilemma dort.

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nk222 05.07.2017, 18:21
9. Es gibt auch positive Signale

Ein Freund ist Geschäftsführer bei einer Werbeagentur in Gera. Lauter junge Menschen, die nicht meckern sondern machen. Und sich ganz nebenbei über spottbillige Mieten für riesige sanierte Altbauten freuen. Vielleicht ist das alles eine Frage der Generation...

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