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Grass' Israel-Schelte: Dichter im Abseits
dapd

Günter Grass ist Schriftsteller - aber auch eine politische Figur. Sein Gedicht zum Konflikt zwischen Israel und Iran hat deshalb in Berlin heftige Reaktionen aus den Reihen von Regierung und Opposition provoziert. Die Zeilen des Nobelpreisträgers stoßen fast ausnahmslos auf Ablehnung. Grass' Israel-Schelte: Dichter im Abseits - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik

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Jan B. 04.04.2012, 18:28
1. ....

Zitat von sysop
Günter Grass ist Schriftsteller - aber auch eine politische Figur. Sein Gedicht zum Konflikt zwischen Israel und Iran hat deshalb in Berlin heftige Reaktionen aus den Reihen von Regierung und Opposition provoziert. Die Zeilen des Nobelpreisträgers stoßen fast ausnahmslos auf Ablehnung.
na jetzt schießt man sich aber auf Günter Grass ein, da machen die werten Autoren bestimmt Überstunden.

Fakt ist doch:

Es ist nicht bewiesen, dass der Iran an der Bombe baut. In diesem Fall ist Israel der Aggressor und man kann nicht mehr von Selbstverteidigung sprechen. Auch hat sich Israel die letzten Jahre wenig um eine Aussöhnung mit den Arabern bemüht. Wobei man sagen muss, dass der größte Teil der Israelis Frieden möchte und es nur Hardliner und religiöse Funtamentalisten sind, welche die Kriegstrommeln schlagen.

Kritik an Israel muss erlaubt sein und hat nichts mit Antisemitismus zu tun.

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innajjanni 04.04.2012, 18:40
2. Hat Grass wirklich so unrecht?

Nehmen wir mal an, der israelische Angriff verläuft planmäßig, die Atomanlagen werden konsequent zerstört und das Mullah-Regime (und vermeintliche Verbündete dieses Regimes) verzichtet auf Vergeltung und lenkt erneuten Friedensverhandlungen ein.

Was würde passieren?

Der Iran wäre zumindest vorläufig vollständig auf Erdöl angewiesen, da Atomstrom nicht mehr möglich wäre. Dies hätte ebenfalls eine Export-Verminderung zur Folge, was besonders uns Europäern nicht gefallen dürfte. Das Regime hingegen würde weiteren Rückhalt in der eigenen und in den angrenzenden Bevölkerungen erhalten und könnte sein verqueres Gedankengut besser in den Köpfen der Menschen verankern!

Somit denke ich, dass Herr grass garnicht mal so verkehrt liegt. Wenn den Israelis und uns westlichen Verbündeten wirklich so viel am Frieden gelegen ist, dann müsste man viel eher das Mullah-Regime im Iran stürzen und einen demokratischen Wandel aktiv unterstützen.

Durch einen israelischen Angriff aber (der nur auf die Atomanlagen zielt, nicht aber auf das Regime selber) - ob mit oder ohne Atombombe des Irans - wird sich die ohnehin angespannte Lage nur weiter verschärfen.

Viele Grüße

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S.Kern 04.04.2012, 18:43
3. Form und Inhalt

Zitat von sysop
Günter Grass ist Schriftsteller - aber auch eine politische Figur. Sein Gedicht zum Konflikt zwischen Israel und Iran hat deshalb in Berlin heftige Reaktionen aus den Reihen von Regierung und Opposition provoziert. Die Zeilen des Nobelpreisträgers stoßen fast ausnahmslos auf Ablehnung.
Die Rezipienten sollten bei ihren heftigen Reaktionen nicht vergessen, dass es sich um ein Gedicht, respektive um künstlerischen Ausdruck handelt - somit also weniger eine Aussage zu treffen, als das Aufwerfen von Fragen Intention ist. Verfehlungen seintens Irans sind hinlänglich bekannt und auf mögliche Misstände in Israel hinzudeuten ist m.E. völlig legitim.
Wäre es Ziel gewesen, eine konkrete Ausage treffen, hätte Günter Grass nicht auf die Form des Gedichtes zurückgegriffen, sondern ein Interview gegeben, ein Essay geschrieben etc.

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Apologet 04.04.2012, 18:44
4. Selten

Ich bin selten mit Cem Özdemir einer Meinung.

Heute bin ich`s.

Gut gesagt: Keinen Zweifel lassen wer der Agressor ist und auf wessen Seite wir stehen werden.

Gut gesagt.

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Knicke 04.04.2012, 18:45
5. Wieso im Abseits?

Zitat von sysop
Günter Grass ist Schriftsteller - aber auch eine politische Figur. Sein Gedicht zum Konflikt zwischen Israel und Iran hat deshalb in Berlin heftige Reaktionen aus den Reihen von Regierung und Opposition provoziert. Die Zeilen des Nobelpreisträgers stoßen fast ausnahmslos auf Ablehnung.
er hat den Ball lediglich zu früh übernommen, gespielt hat ihn die israelitsche Regierung selbst.

Auch nach mehrmaligen Lesen finde ich keine antisemitischen Ansätze,
es fehlen allerdings die üblichen "amtlichen" Gedankengänge.

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jb_78 04.04.2012, 18:45
6. Das kann nicht sein ...

Zitat von sysop
Günter Grass ist Schriftsteller - aber auch eine politische Figur. Sein Gedicht zum Konflikt zwischen Israel und Iran hat deshalb in Berlin heftige Reaktionen aus den Reihen von Regierung und Opposition provoziert. Die Zeilen des Nobelpreisträgers stoßen fast ausnahmslos auf Ablehnung.
... dass die Inhalte des "Gedichtes" auf Ablehnung stossen.
Ist es doch genau mainstreammässig auf die Vernichtung des einzigen demokratischen Staates in Nahost gerichtet.
Die islamfinanzierten (Wahabiten) Medien nehmen die Grass "Pubse" mit wohlwollen auf und thematisieren sie.

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senneka 04.04.2012, 18:47
7. ....

Zitat von sysop
Günter Grass ist Schriftsteller - aber auch eine politische Figur. Sein Gedicht zum Konflikt zwischen Israel und Iran hat deshalb in Berlin heftige Reaktionen aus den Reihen von Regierung und Opposition provoziert. Die Zeilen des Nobelpreisträgers stoßen fast ausnahmslos auf Ablehnung.
Was mir dazu einfällt: Günter Grass hat in zwei Dingen recht. Es ist tatsächlich hierzulande so, dass man die Politik Israels nur äußerst vorsichtig kritisiert und man dabei immer betonen muss, dass man kein Antisemit ist. Grass hat außerdem recht in der Befürchtung, dass ein israelischer Präventivschlag auf den Iran massiv den Weltfrieden gefährdet und die terroristische Bedrohung, gerade auch für Israel selber, enorm erhöht. Vergessen hat er aber über die Bedrohung der Existenz Israels durch die iranische Atompolitik zu reden und darüber dass die Bedrohung des Friedens von der hasserfüllten iranischen Führung ausgeht und Israel eine Lösung sucht, sich dagegen zu wehren. Dass allerdings ein Präventivschlag eine vernünftige Lösung ist, bezweifle ich auch.

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Johannes Peters 04.04.2012, 18:53
8. Grass verdient Respekt

Zitat von sysop
Günter Grass ist Schriftsteller - aber auch eine politische Figur. Sein Gedicht zum Konflikt zwischen Israel und Iran hat deshalb in Berlin heftige Reaktionen aus den Reihen von Regierung und Opposition provoziert. Die Zeilen des Nobelpreisträgers stoßen fast ausnahmslos auf Ablehnung.
Man sollte Grass dankbar sein, dass er etwas artikuliert, das nicht leicht über deutsche Lippen geht. Israel setzt sich ins Unrecht und ist womöglich in der Gefahr sich in einem Ausmass ins Unrecht zu setzen, das einer Kombination von Hiroshima und Irakkrieg gleichkäme.

Ich habe gelesen, dass niemand an eine Bombe auf Iran denke. Das halte ich für naiv.

Dass Grass Antisemit sei, habe ich auch gelesen. Dabei liest sich dass Gedicht eher so wie eine Mahnung an Verbündete.

Der Hauptaspekt des Gedichts ist jedoch nicht Israel oder Iran, sondern der innere Konflikt, der zu Denkverbot und Selbstzensur führt.

Ob Grass Recht hat oder auch nur halbwegs richtig liegt, darüber kann man streiten, darüber, dass er ein Tabu benennt und es bricht weil das richtig ist und nicht nur für ihn selbst sondern für viele, darüber kann man kaum streiten.

Man muss reden - und zwar jetzt solange es noch nicht zu spät ist und solange keine Bombe gezündet wurde, egal ob vom Iran, Israel oder den USA.

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erasmus_von_r 04.04.2012, 18:56
9. Here we go again

Der Vorwurf des Antisemitismus ist vor allem zu einem bequemen Instrument verkommen, unliebsame Kritik auszuschalten und eine rationale Diskussion bestimmter Themen zu verhindern.

Handelt es sich dabei letztlich nicht um eine Instrumentalisierung der Millionen Toten des Holocaust für politische Opportunismen?
Zumindest ist es eine Verharmlosung.

Man mag den Aussagen von Herrn Grass nicht zustimmen, der reflexartige Antisemitismusvorwurf aufgrund dieses Gedichtes ist aber geradezu lächerlich.

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