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Große Schüler-Befragung: Hitler oder Honecker? Mir doch egal!
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War der Nationalsozialismus eine Demokratie oder eine Diktatur? Und was ist mit der DDR? Eine Studie zeigt, dass viele Schüler erschreckend wenig über die deutsche Geschichte wissen. Die Forscher warnen: Deutschlands Jugend braucht dringend mehr Aufklärung. Schüler wissen wenig über DDR und Nationalsozialismus - SPIEGEL ONLINE

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neanderspezi 27.06.2012, 21:42
160. Der Lehrstoff für Geschichte sollte kulturelle Zusammenhänge in den Vordergrund rücke

Interesselosigkeit für den Geschichtsunterricht ist geradezu symptomatisch für die Methode, Wissen nach Schema F auszuteilen, quasi sich von Krieg zu Krieg und von Jahreszahl zu Jahreszahl mit dem Geschichtsbuch in der Hand durch den zu lehrenden Stoff hindurchzuhangeln. Dabei könnte gerade Geschichte hochinteressant vermittelt werden, aber man höre sich das Gelaber so mancher Geschichtslehrer nur für kurze Zeit an und man wird sich sehnsüchtig zum Thema ein gutes Buch in die Hand wünschen. Viele werden sich auch erinnern können, dass die jüngere Geschichte im Unterricht ziemlich stiefmütterlich behandelt wurde, dagegen aber bei Griechen und Römern kein Feldherr ausgelassen wurde und die Jahre in denen Krieg war sehr ausführlich behandelt wurden, kulturelle Ereignisse wurden schlicht ausgeblendet, die passten wohl nicht in den Lehrplan, selbst in der französischen Revolution ging es in erster Linie darum, zu lernen wer wann geköpft wurde.

Man kann Aufmerksamkeit, geistige Regsamkeit, Interesse für Zusammenhänge, Neugierde für bestimmte Wissensgebiete, eigene Kreativität mit abzuarbeitenden Lehrplänen, die von Lehrern ohne Phantasie im Unterricht im Jahresrhythmus durchgezogen werden, bei den zu Unterrichtenden kaum anleiern. Da gähnt sich was über die Runden, quält sich den Stoff, der zur nächsten Prüfung ansteht lustlos ins Kurzzeitgedächtnis um ihn gleich anschließend wieder über Bord zu werfen und sucht verzweifelt nach Ablenkung jedweder Art, um nicht in der Trostlosigkeit schulischer Langeweile zu versinken.

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DerKritische 27.06.2012, 21:47
161. ...

Zitat von loeweneule
Man muß nicht "voreingenommen an der Vergangenheit kleben", nur weil man ein bißchen über sie bescheid weiß. Und was ist "falsches Geschichtsverhältnis"? "Geschichtsverständnis" dürften Sie wohl gemeint haben. Die Frage ist aber, wer bestimmt, was da falsch und was richtig ist.
Nein, ich meinte schon Geschichtsverhältnis, welches
anpassbar ist, je nach politischer Stimmung.
Was falsch oder richtig ist, ist individuell.

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Stäffelesrutscher 27.06.2012, 21:47
162.

»Demnach glaubt nur gut die Hälfte der Befragten, dass die Bundesrepublik durch demokratische Wahlen legitimiert ist.«

Hm. Angriffskrieg gegen Jugoslawien, Hilfestellung im Irakkrieg, TankerBombardement in Afghanistan, Milliarden für die Banken - stand das jemals auf dem Stimmzettel?

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hjm 27.06.2012, 21:49
163.

Was man bei einer solchen Befragung/Studie auch bedenken sollte: Hätte sie überhaupt zu einem anderen Ergebnis kommen dürfen?

Also, mal angenommen, rein hypothetisch, es hätte sich herausgestellt, dass die Jugend in Deutschland fundiert über die jüngere Geschichte informiert ist, und zwischen DDR und 3. Reich durchaus differenzieren kann. Hätte man die Studie dann überhaupt veröffentlichen dürfen? Sicher nicht, denn das hätte bedeutet, alles ist in Ordnung, man muss keine zusätzlichen Anstrengungen unternehmen, so wie es läuft mit der Geschichtsvermittlung ist es gut.

Aber das darf man so niemals sagen. Wer sagt, es würde ausreichend über das 3. Reich informiert, der steht doch sofort als potenzieller Relativierer (oder sogar als N...) am Pranger. Es ist quasi axiomatisch festgelegt, dass nur der die richtige Einstellung zur deutschen Geschichte haben kann, der, bevor er mit seiner wissenschaftlichen, medialen, schriftstellerischen, politischen oder was auch immer für einer Arbeit beginnt, eindeutig feststellt, dass über den Abschnitt 1933-1945 viel zu wenig geforscht, berichtet, geschrieben etc. wird. Das ist quasi eine Art Initiationsritual für jeden, der sich mit der Materie befassen will, ohne in die falsche Ecke gestellt zu werden.

Aber was ist eine Studie wert, deren Ergebnis zwar nicht vorher feststand, das will ich keinesfalls unterstellen, die aber nicht veröffentlicht worden wäre, wenn sie zu einem anderen Ergebnis gekommen wäre? Da es sich um eine statistische Erhebung handelt, bei der durch Zufall immer ein „falsches“ Ergebnis herauskommen kann: Nichts. Denn möglicherwiese hat es 100 andere Studien gegeben, die zu einem anderen Ergebnis kamen, von denen wir aber nichts wissen.

Wie gesagt, nur ein Gedankenspiel.

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DerKritische 27.06.2012, 21:50
164. ....

Zitat von TS_Alien
Ist die Bundesrepublik Deutschland wirklich (noch) eine Demokratie? Formal sicherlich, aber real eher nicht. Denn für eine Demokratie reicht es nicht, auf demokratische Weise sein Kreuz bei den Wahlen zu machen. Man sollte auch Einfluss haben auf die Wahlmöglichkeiten. Insofern sind Parteilisten kritisch zu sehen, da sich dort viele Politiker befinden, die anders nicht den Weg in ein Parlament finden würden. Der ganze Lobbyapparat rund um die Politik ist ebenfalls nicht mit einer Demokratie zu vereinbaren, da viele Querverbindungen zwischen Politikern und Lobbyisten nicht öffentlich bekannt werden. Hier muss für mehr Transparenz gesorgt werden. Ebenfalls abzulehnen sind Beschäftigungen von Politikern in der freien Wirtschaft, beispielsweise als Aufsichtsrat. Auf die Dauer untergräbt das jede Demokratie.
Das liegt an der Art der Demokratie.
Eine parlamentarische Demokratie hat
sicher nicht den Reifegrad einer direkten Demokratie.
Deshalb die demokratischen Abstriche, von denen
sie sprechen.

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Donac 27.06.2012, 22:00
165.

Zitat von barlog
Das ist wahr - YouTube-Kommentare anschauen ist wie ein Blick in einen Abgrund.
Allerdings! Und wer glaubt das wäre das Ende der Fahnenstange, schaut mal hier Foren - World of Warcraft vorbei.
Wobei man auf jeden Fall beachten muss das die Foristen nach eigener Aussage nur in diesem Forum so schreiben. Im "normalen" Leben ist das natürlich etwas ganz anderes und es findet angeblich eine wunderliche 180° Umkehr statt.
Auch sehr interessant ist die Vermischung der englischen und deutschen Sprache vor Ort. Da gibt es richtig kreative Erfindungen...die laufen dann unter "Sprache entwickelt sich" bzw "Sprache lebt". Listen now...and understand me later.

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leolosemann 27.06.2012, 22:11
166. Falsch

Was soll das hier denn alles?
Es ist zwar schlimm genug, dass überhauot jemand sowas nicht weiß, aber ich würde wetten, dass diese Umfrage vor Hauptschulen etc. durchgeführt wurde. Ich bin selber Schüler einer 9. Klasse und finde es grausam, dass hier Leute so über die Jugend von heute herziehen. Dieses fast Rassenähnliche denken bringt mich fast zum kotzen.
Und bevor hier irgendjemand über RTL&Co schimpft, sollte er sich vorher überlegen was er schreibt. Dieses so genannte Assi-TV wird keinesfalls nur von "uns Jugendlichen" geguckt, außerdem können solche Sendungen nur in einer Gesellschaft ankommen, in der viel, viel zu wenig in die Bildung investiert wird. Wir werden in einem Einsturzgefährdeten Gebäude unterrichtet. Als der Bescheid kam, dass kein Geld vorhanden war, war das Gebäude auf einmal begehbar...

Also, hört auf mit diesem beschämenden Denken über die Jugendlichen von heute!!!

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klowasser 27.06.2012, 22:22
167.

Zitat von Stäffelesrutscher
»Demnach glaubt nur gut die Hälfte der Befragten, dass die Bundesrepublik durch demokratische Wahlen legitimiert ist.« Hm. Angriffskrieg gegen Jugoslawien, Hilfestellung im Irakkrieg, TankerBombardement in Afghanistan, Milliarden für die Banken - stand das jemals auf dem Stimmzettel?
Nein, aber es gibt Wahlprogramme in denen sie die grundsätzliche Ausrichtung von Parteien nachlesen können.

Da aber Wahlprogramme und ähnliches "langweilig" und nicht "hip" sind, werden sie nur von einem kleinen Teil der Bevölkerung gelesen. Nachvollziehen kann ich das schon, auch ich empfinde es als lustiger, wenn sich irgendein Asi im TV bloßstellt als das bei meiner Partei auf Seite 20 die Position zu Europa genannt wird.

Trotzdem ist es meine Bürgerpflicht mich über die Parteien zu informieren! Viele Bürger unterlassen es, weil die Politik langweilig ist.

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unsinkbar2 27.06.2012, 22:24
168. Geschichtsunterricht

Zitat von Baptist
Wie mein Geschichtsunterricht aussah? ..Die Zeit zwischen 1933 und bis zum 8. Mai 1945 wurde nur ein einem Nebensatz erwähnt..
Bei mir, Abi in BW Mitte der Achtziger, kam der zweite Weltkrieg noch dran, die Weimarer Republik wurde kurz gestreift, aber für "Neuzeit" BRD und DDR war dann leider kaum noch Zeit..

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mnbvc 27.06.2012, 22:32
169. Liebes Suppenhuhn

Zitat von Suppenhahn
Alles, jede Woche fällt jemand anderem ein Gerümpel ein, was die Kinder unbedingt noch lernen müssen. Mal dies, mal das, wie es gerade in den Sinn kommt. Musiklernen, vielleicht für Musik als Beruf? Sport betreiben vielleicht für Sport als Beruf? Zeit für Hobbies? Das gibt es gar nicht, jedenfalls keinesfalls ohne Pflicht-Mathe, Pflicht-Sprachen, und Alkoholismus, nach der Erfahrung, darin versagt zu haben. Und versagen müssen sie wohl.
bei dem seltsamen Text bleibt mir nur ein ungelenkes "Häh?
Wie Sie ohne Mathe und Sprachen durchs Leben kommen wollen, müssten Sie mir mal erklären. Genauso, warum man dabei "versagen muss" und in "Alkoholismus" verfallen. Nochmal "Häh?!?".
Stellen Sie sich vor: ich habe das alles geschafft. Ganz ohne Alkoholismus. Bin ich jetzt Superman? Schlagen Sie mich morgen für den Posten als Europas Gottkönig vor?

Vielleicht lag es nur einfach daran, dass ich (neben Hobbies und viel Sport) die Schule als notwendig ernstgenommen habe und meine Eltern Faulheitsanwandlungen und Schuldzuweisungen an andere zwar wahrgenommen aber nicht mitgemacht haben.

Das könnte ein ganz allgemeines Erfolgsrezept sein, in einer Zeit, in der alles, was nicht direkt verwertbar erscheint oder sofort ganz doll Spaß macht aus den Schulen getrieben werden soll.

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