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Hass auf Flüchtlinge: Das Erbe der DDR
Jens Rötzsch/ Ostkreuz

Der Hass auf Flüchtlinge hat ein einfaches Motiv: Ostdeutsche Bürger sind neidisch auf die Zuwendung der Kanzlerin. Eine Streitschrift zum Einheitsfest.

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arminku 03.10.2016, 00:54
1. Wenn das typisch für Ostdeutschland ist

sind dann Dänen oder Österreicher auch Ostdeutsche? Überall hat man den Kopf über Deutschlands Verhalten in der Flüchtlingskrise geschüttelt. Im übrigen auch in den ausländischen Medien. Da gibt es nichts schönzureden. Merkel hat sich eigenmächtig über das Grundgesetz hinweg gesetzt. Die Koalition hat das mitgetragen und ein Fehler wird nach wie vor nicht zugegeben. Weder von der Deutschen Politik noch von den meisten Deutsch Medien. Ich halte dieses Verhalten für ignorant aber mittlerweile alltäglich in der Deutschen Politik.

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blackfyre 03.10.2016, 05:19
2. Neid?! Danke für das Stichwort.

Danke für den Artikel.

Das Thema Neid ist ein schwieriges Thema. Ob sich die Deutschen damit schwieriger tun als andere? Wir möchten ja gerne als sehr "aufgeklärt" gelten. "Gefühle", insbesondere negative spielen ja bei uns eine untergeordnete Rolle, die "Vernunft" ist einzig und allein unser aller Maßstab in Politik und Gesetz.

Wie steht es mit um das Thema Neid und "Andere" generell? Müssen "Die" nicht prinzipiell weniger haben als "Wir"? Insbesondere wenn sie in "unserem" Land leben? Ich nehme mal die Debatte um die "Doppelte Staatsbürgerschaft". Hat es wirklich der Integration geholfen, dass wir Menschen, die seit Jahrzehnten in diesem Land leben, arbeiten, ihre Steuern und Sozialabgaben verrichten, vielleicht sogar hier geboren sind die Tür zu einer Staatsbürgerschaft verbauen, nur weil sie nicht die alte Staatsbürgerschaft abgeben wollen? Zur Info: die meisten davon geben sie nicht oder nur widerwillig ab, weil es einfach einen praktischen Nutzen für sie hat, in Bezug als Reisen und/oder Arbeit. Nicht weil sie dieses Land weniger als eigenes anerkennen. Mal ganz ehrlich, wer hätte nicht gerne noch eine anderen Reisepass, mit dem man ohne langwierig ein Visum zu beantragen, woanders leben und arbeiten kann, um beispielsweise Urlaub zu machen? Oder gar wenn es einem hier nicht mehr gefällt? Gerade jetzt, wo so viele Ausländer unsere gesamtes Hab und Gut auffressen...

Im Ernst, wenn sie Jahrzehnte lang in einem anderen Land gelebt und ehrlich gearbeitet hätten, oder dort geboren und aufwachsen wären, würden Sie sich nicht über einen Reisepass des jeweiligen Landes freuen. Wollten Sie dann wirklich vor die Wahl gestellt werden ihren deutschen Pass für immer abgeben zu müssen um den neuen zu erhalten? Oder es nicht als schön, nett, verständnisvoll erleben, wenn sie sich durch ihren Aufenthalt den anderen Reisepass einfach "verdient" hätten? Ohne "wenn und aber". Schließlich haben Sie durch die Strapazen sich in einem anderen Land niederzulassen (die Sprache zu lernen, neue Gesetze zu begreifen, Angehörige in der "alten Heimat" hinterlassen) auch einen hohen Preis dafür bezahlt.

Die politischen Debatten rund um dieses Thema sind fern dem eigentlichen Motiv, dem Neid, der den Ausländern entgegengebracht wird, wenn sie mehr Vorteile genießen als wir. Der Neid, der hinter der Debatte steht, erreicht die Betroffenen trotz aller scheinbar objektiver Rhetorik (oft unbewusst) und ich wage die These zu behaupten, dass dies ein wesentlicher Faktor dafür ist, das sich "unsere" Ausländer oft abgelehnt fühlen und subjektiv weniger integriert sind. Oder hat die jahrzehntelange Praxis gezeigt, dass unsere eingebürgerten Ausländer "patriotischer" sind als die anderswo? Ich glaube nicht. Und es wird Zeit, den Fehler auch im allzu menschlichen zu suchen, unserem eigenen Neid.

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OlafKoeln 03.10.2016, 06:56
3. Kluge Analyse

Als ehemaliger Ossi, welcher nun schon seit 1994 das Geschehen in der alten Heimat aus der Ferne verfolgt, kann ich der Analyse nur zustimmen. Nicht zu vergessen ist auch, das der Anti-Faschismus der DDR auch nur oberflächlich war. Eine zu tiefe Anaylse des Faschismus und seiner Strukturen und damit einer Diktatur hätte wohl die offensichtlichen Paralellen mit der herrschenden Realität für alle erkennbar gemacht.

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Hochwuerden 03.10.2016, 07:00
4. Homogenenitätskult seit 1933 ..

Ein Homogenitätskult, auch Fremdenfeindlichkeit und die geschlossene Gesellschaft als Ziel wurde genaugenommen von 1933 bis 1989 im Osten von totalitären Regimen propagiert, über drei Generationen hinweg, während im Westen ab 1945 offiziell Schluss damit war. Ebenso der amoralische und entmenschlichte Umgang mit jedem, der nicht "dazugehörte". "Das Volk der DDR grüßt das Kubanische Volk" und ähnliche typische Phrasen hatten auch immer einen völkisch-nationalistischen Beiklang, ein ethnisch reines "Freiluftgefängnis" grüßte ein anderes u.ä.

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PatSi 03.10.2016, 07:54
5. Ja endlich!

Das ist doch mal eine wirklich interessante Idee zum einem Phänomen, das sich erst mal jeglicher Logik zu entziehen scheint. Toller Artikel, vielen Dank!

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kakadu 03.10.2016, 08:35
6. Detailiert und exakte Analyse

Exakten und treffsichere Analyse der ostdeutschen Erwartungen und politischen Einstellungen. Besonders gut gefällt es mir, daß es nicht bei einem banalem Ost-Bashing bleibt und die im zweiten Teil darauf eingegangen wird, wie beispielsweise die CDU die Lage instrumentalisiert und zu ihrem politischen Gunsten ausnutzt. Das erinnert an die CDU der 90er, die westdeutsche Resentiments gegen Ausländer politisch instrumentalisierte und eine Integration erschwerte. Wir kommen aus dieser Lage, wenn wir uns mehr mit der Gefühlslage der Menschen im Osten beschäftigen. Aber auch mit der Gefühlslage der Immigranten muß man sich beschäftigen. Wir können nicht Menschen aufnehmen und so tun, als ob sie keine Gefühle hätten, indem wir schlecht über sie reden und die Resentiments gegen sie politisch ausschlachten.

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guenne.unseld 03.10.2016, 09:30
7. Die beste Analyse seit dem Beginn von Pegida

Das ist die beste Analyse über all die vielen Verletzungen seit 1990, vor allem seit dem Beginn von Pegida vor zwei Jahren.
Vielen Dank für diesen traumhaft guten Artikel!

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sadski 03.10.2016, 09:30
8.

Gehts nicht etwas weniger geschwollen? Der Artikel mag sich, auch mithilfe solch hohler Formulierungen, klug geben, und gewiss freut es manchen 'Wessi', wenn Wut und Hass mal nicht von der eigenen braunen Tradition abgeleitet werden, sondern vom Mief der Mielke-Gesellschaft. Aber wie wäre es denn, wenn man mal nach Verständnis für die erschreckenden Ausbrüche von Gewalt gegen hilfsbedürftige Mit-Menschen (!) in der Gegenwart und bei sich selbst suchen wurde? Persönlich mögen Ihre Erfahrungen ja sein, Herr Berg, aber wissenschaftlich fundiert (so die Wortbedeutung von "Empirie" = 'wissenschaftliche Datensammlung'!) wahrhaftig nicht im geringsten. Lesen Sie lieber mal was Wissenschaftliches, z.B. Colin Crouch's 'Postdemokratie'!

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odapiel 03.10.2016, 09:36
9. Falsch

Der Neid betrifft nicht die Zuwendung der Kanzlerin. Oder Gaucks. Der Neid, wenn es denn Neid statt Angst ist, betrifft die Umverteilung von äußerst geringen Ressourcen. Und die Angst besteht vor eingeschleusten Kriminellen, die Deutschland als Selbstbedienungsladen in jeder Hinsicht ansehen. Wenn Sie übrigens glauben, daß das im ehemaligen Ostdeutschland ausgeprägter als im ehemaligen Westen ist, dann täuschen Sie sich auch dort gründlich. Im Westen sind die Leute lediglich angepasster und murren unterschwellig. Im Osten schwingt da immer noch ein "endlich können wir reden" und die Wut die den Umschwung trieb mit.

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