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Ich-Perspektive: Altes Ego
Corbis

Wer in seinem Tagebuch von früher liest, muss starke Nerven haben. Und kann doch viel über sich lernen. Eine Tagebuchschreiberin packt aus.

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lynx2 25.02.2016, 13:11
1. Starke Nerven...

.. ist vielleicht übertrieben. Aber man muß auf Einiges gefaßt sein. Da tauchen Erinnerungen auf, die positiv als auch negativ belegt sind. Vor allem Überraschungen, wenn man Dinge entdeckt, die man wirklich schon vergessen hatte. Ich habe vom 13. bis zum 21. Lebensjahr TB geschrieben. Und dann auch Reisetagebücher, aber diese leider nur fragmentarisch.
Mit 16 alle Tagebücher von 13-15 Jahren vernichtet, was mir heute leid tut. Es war viel unsäglicher Schmarrn drin, aber leider ging auch dabei die eingeklebte Haarlocke einer Jugendliebe verloren. Heute lese ich auch manchmal in den alten TB und spiele auch noch mit dem Gedanken, diese auch zu vernichten.

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Fädele 25.02.2016, 14:10
2.

Ich habe auch jahrelang TB geschrieben, irgendwann damit aufgehört und später alle TB vernichtet, weil der Inhalt im Nachhinein so nichtssagend/peinlich war. Nichtsdestotrotz war das Schreiben eine Art Dampfablassen, mit der ich unbedingt mal wieder anfangen muss. Deshalb danke für diesen Artikel!

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Fädele 25.02.2016, 14:54
3. P.s.

Habe mir TB-Apps angesehen, würde mich aber sehr unwohl dabei fühlen, die zu benutzen. Dann lieber das kleine Moleskine in der Jackentasche, das ist im Zweifel auch viel schneller wieder entsorgt... ;-)

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Josefine 25.02.2016, 22:36
4. Ich erkenne vieles wieder...

... und danke für diese positive Beleuchtung dieses Themas, was oft belächelt und als zeitraubend deklariert wird. Ich habe öfter darüber nachgedacht es einzustellen, es aber doch (bisher 16Jahre lang) weterbetrieben. Ich mache weiter - es hilft, Dinge besser zu verarbeiten, die man so vll auch nie einer Freundin erzählen würde, weil sie so absurd sind. ;)

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annelliott37 26.02.2016, 12:11
5. Schöner Beitrag ...

... zum Thema, weil Sie klar machen, worum es beim Tagebuchschreiben wirklich geht. Es macht den Kopf frei, es ist ein Ruhepunkt. Wie für andere das Meditieren. Ich mache auch immer wieder die Erfahrung, wie früh sich oft etwas ankündigt, dass schon als "Bauchgefühl" im Tagebuch verewigt ist, lange bevor es konkret wird. Danke für den schönen Artikel.

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ibrahim-solmaz 26.02.2016, 13:03
6.

Ich ertappe mich selber, dass ich mir beim digitalen Tagebuchschreiben eine Selbstzensur auferlegt habe: Für den Fall, dass ich später noch mal darüber stolpere will ich die Sache so hinterlassen habe, dass sie hin nehmbar ist. Es ist somit ein Kampf um die Deutungshoheit.

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binismus 26.02.2016, 14:13
7. Tagebuchschreiber

So bin ich jedenfalls zur Erkenntnis der bipolaren Grundlage allen Seins gekommen. Dem Binismus!

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rbehringer 27.02.2016, 20:25
8. Wunderbarer Artikel!

Danke für diesen schönen Artikel! Ich kann diese Begeisterung für das Tagebuchschreiben sehr teilen. Habe selbst im Alter von 16 Jahren (inspiriert von Max Frischs Romanen) damit angefangen, und es hat mir oftmals sehr geholfen, Dinge klarer zu sehen. Jetzt in meinem hohen Alter (haha!) sind diese Tagebücher auch sehr gut als Fundgrube von vielen Details aus der Vergangenheit zu verwenden, die man sonst vergessen/verdrängt hätte.
Mit Tagebuch-Apps wäre ich (als eigentlich IT-zentrischer Mensch) eher vorsichtig: Daten sind schnell verloren. Seit etwa 20 Jahren habe ich einen Teil der Tagebücherei in einfachen Word-Dateien erstellt, und habe jetzt Schwierigkeiten, die alle zu finden. Wegen der Privacy habe ich einige Schutzmaßnahmen ergriffen, die sich jetzt bei der Suche nach den Einträgen als hinderlich erweisen. Und zugleich muß man ja auch Backups haben denn so eine Festplatte geht manchmal auch kaputt.
Was ganz gut funktioniert: Blogsoftware (z.b. Wordpress oder Blogger). Kann man als Tagebuch nur für sich selbst benutzen, mit der Möglichkeit, diese dann auch mal irgendwann zu veröffenltichen.

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meta39 29.02.2016, 23:13
9.

Ich schreibe seit 36 Jahren Tagebuch. Bis auf wenige Ausnahmen täglich. Mein persönliches Logbuch in den Stürmen des Lebens bringt mich runter, wenn mich mal wieder eine Monsterwelle erfasst hat, da ich die wirren Gefühle im Bauch und wilden Wortfetzen im Hirn zu ordentlichen Sätzen formulieren muss.
Und auch im Nachhinein ist es sehr interessant zu lesen, wie man frühere Klippen und Riffe überlebt, umschifft und gemeistert hat, wenn man ähnliche Strudel erlebt.
Ich möchte es nicht missen und blättere immer mal wieder drin herum, um mich an schöne und auch nicht so schöne Momente zu erinnern.

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