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In eigener Sache: Guter Journalismus macht keine Kompromisse
SPIEGEL ONLINE

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protzmanski 26.03.2015, 01:41
160.

Das ist alles sehr lobenswert. Aber es ist eine Verteidigungsrede. Und das zeigt, dass sich der Spiegel wie fast der ganze deutsche Journalismus in die Defensive drängen lässt. Das Misstrauen und die Zweifel am deutschen Journalismus haben keine Grundlage und keine Berechtigung. Jedenfalls keine größere als vor 2,3, oder 4 Jahren. Der Journalismus ist seitdem nicht schlechter geworden. Das, was sich an Misstrauen gegenüber der sogenannten "Lügenpresse" breitmacht, ist der Effekt einer systematischen Diskreditierungskampagne, die die russische Propaganda in RT, in Foren und Facebook, in Blogs und tausenden nur für diesen Zweck produzierten Youtube-Kanälen und Nachrichtenportalen betreibt. Dort wird gleichzeitig eine parallele falsche Wahrheit inszeniert und die reale, verifizierte und mit Fakten belegbare Wahrheit, die der seriöse Journalismus veröffentlicht, zu vorsätzlichen angeblich US-gesteuerten Lügen umdeklariert. All das ist Teil der hybriden Kriegsführung Russlands gegen ein geeintes Europa und die Nato. Und wenn die westlichen Medien nicht bald aufwachen und das Problem offensiv angehen, dann haben sie in Kürze das letzte Vertrauen der Konsumenten verspielt, das ihnen noch bleibt. Dann braucht Putin keine Panzer mehr um zu bestimmen, was in Europa passieren soll oder nicht.
Dass das so ist, wie ich es hier beschreibe, ist keine westliche Propaganda. Darüber gibt es sehr detaillierte Analysen, die diesen Sachverhalt anhand von Dokumenten der russischen Propagandaorgane und politischer Thinktanks und auf der Basis von Aussagen ehemaliger Mitarbeiter der russischen Medien belegen. Es wäre fatal, wenn sich mein Eindruck bestätigt, dass der Spiegel sich unter dem Druck nachlassender Abonnentenzahlen und Werbeeinnahmen dazu verleiten lässt, sein linkes Image zu schärfen, indem er den Antiamerikanismus und die falsche Berichterstattung über die Ukraine und die russische Bedrohung Europas, die aus dieser russischen Ecke gefordert werden, weiter bedient, ohne sich seiner Verantwortung für Demokratie und ethische Werte nicht nur der westlichen Staaten sondern auch der Vereinten Nationen, zu stellen. Fatal für Deutschland, fatal für Europa und auch fatal für den Spiegel.

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Efhawe 26.03.2015, 01:43
161.

Gute Vorsätze!
Ich lese den Spiegel schon fast 50 Jahre und nutze SPON als erste aktuelle Informationsquelle - bis der Ukraine-Konflikt mein Spiegelbild völlig durcheinander bringt und ich mich nicht mehr wieder erkenne. Gewiss hat der Spiegel schon früher Nachricht und Meinung gelegentlich unkenntlich vermengt. Doch jetzt wird es so augenscheinlich, dass sich selbst Fans wie ich von Tag zu Tag mehr erschrecken. Es ist, als ob eine verlässliche bislang friedensgerichtete Lebensstütze wegbricht. Ja, und dann kommt als unfassbarer Höhepunkt der “Stoppt Putin“ - Titel und beinahe noch schlimmer seine versuchte Rechtfertigung.
Eine zweite Chance aufgrund der guten Vorsätze? Von Herzen gerne, nur gehört als Voraussetzung eine unmissverständliche Distanzierung von dieser Art der Kampagne dazu, auch wenn dieser Schritt SPON und dem Spiegel noch so schwer fallen mag. Er wird sich im Ergebnis auszahlen.

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Styx 26.03.2015, 02:03
162. nicht ganz...

Da muss ich ein paar Dinge klar stellen:
1) nicht alle Printmedien leiden. Die junge Freiheit z.B. steigert ihre Auflage von Monat zu Monat. Was macht die anders? Sie ist unabhängig und halt doch nicht an Denk- und Sprechverbote.
2) gut recherchierte Artikel sind ein guter Vorsatz, bringen aber nicht viel wenn der Leser merkt, dass die veröffentlichte Meinung nicht mit der öffentlichen Meinung überein stimmt. Es gibt bei Spiegel keine sachlichen Informationen. Jeder Artikel ist wertend und belehrend und halt sich an die pc. Der Leser will sich ändert nicht belehren lassen. Informationen müssen zwar aufgearbeitet aber nicht gefiltert und kommentiert werden.
3) Spiegel verschweigt oft Fakten wenn es um Themen der inneren Sicherheit geht. Da lese ich Artikel auf politically incorrect und da man der Schundseite nicht trauen kann, muss ich diese Artikel selbst recherchieren. Und was stelle ich fest? Die Wortwahl ist oft unpassend aber der Inhalt der Beiträge war bisher immer korrekt und obendrein vollständiger als bei Spiegel.
4) Spiegel bedankt sich für mein Vertrauen wenn ich die Seite besuche? :-D Wie schon erwähnt, die meisten Artikel muss ich auf anderen Plattformen suchen und vergleichen. Ich traue dem Spiegel nicht (und solange Jakob dort schreiben darf aus Prinzip nicht) .
5) die Zensur in den Kommentaren ist offensichtlich politisch motiviert. Ich habe nichts dagegen wenn die Kommentarfunktion von Anfang an ausgeschaltet ist. Aber wenn Spon Kommentare zulässt, dann sollte er dazu auch stehen und nur dann einschreiten wenn es strafrechtlich relevant wird. Die Kommentarfunktion wird recht häufig nach kurzer Zeit geschlossen obwohl nur einige wenige Kommentare veröffentlicht wurden - in einem zeitlichen Abstand, der zum normalen Verhalten im Forum nicht passt ;-)
6) Vergleicht man Artikel bei Spiegel mit Polizeiberichten, so stellt man fest, dass Spiegel sich strickt weigert linke Gewalt gegen die Demokratie zu erwähnen. Gewalttätige Linkeextremisten sind laut Spiegel immer "Gegendemonstranten" oder "Aktivisten". Die Opfer der linken Gewalt sind immer "Rechtsextreme". Ich stelle fest, dass in ca. 80% der Fälle Spon die Polizeiberichte nicht gelesen hat. Wenn ed heißt "am Rande kam es zu Tumuten", dann kann man davon ausgehen, dass Polizisten und Zivilisten verletzt und Güter beschädigt worden. Schubst ein pegida Anhänger einen Angreifer beiseite, dann sind es "Ausschreitungen von neonazis". Leider gibt es zu viele Videos bei YouTube, die Spon überführen.
7) Spon kennt nicht den Unterschied zwischen rechts, rechtsradikal und rechtsextrem obwohl das unser Verfassungsschutz genau definiert hat. Indem Spon die Begriffe durcheinander wirft, diffamiert er Parteien, Organisationen und einzelne Personen (Bsp. AfD aber ebenso pegida).

Und da soll ich Spon vertrauen? Nein, definitiv nicht. Es ist ein Medium um sich einen Überblick zu verschaffen. Wenn man etwas wirklich wissen will, so muss man was anderes lesen als Spon.

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Trondesson 26.03.2015, 02:28
163.

Gerade weil es kostenlos ist, nutze ich SPON gelegentlich, ja, bin ich überhaupt erst darauf gekommen; ich denke aber nicht, daß es mir wichtig genug ist, dafür zu zahlen, da ich die Informationen, die speziell mich interessieren, auch aus anderen, oft auch ausländischen Quellen bekommen kann.
Zu den Veränderungen: es sind ja einige hochgesteckte, lobenswerte Ziele dabei, die, wenn sie so umgesetzt werden können, die Qualität von SPON anheben werden. Aus vielen anderen Bereichen des täglichen Lebens heutzutage weiß ich allerdings, daß man den Tag nicht vor dem Abend loben sollte, und daß zwischen Wunsch und Wirklichkeit oft Welten liegen. Also heißt es für mich mal wieder abwarten und Tee trinken. Oder etwas anderes.
Trotzdem, ich bin gespannt.

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blindgaenger 26.03.2015, 02:34
164.

Ihre Absichtserklaerungen klingen gut. Aber verlaesslichen Journalismus bieten im Augenblick sehr wenige auf dieser Welt. Wer sich wirklich informieren will, muss vieles lesen von RT ueber SPIEGEL ueber Internetnachrichten und sich dann AUS DEN WIDERSPRUECHEN ein Bild formen. Allerdings amerikanischen Agentur- und Printmedien sind allesamt untauglich, und europaische nur bedingt.

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Malshandir 26.03.2015, 02:50
165.

Und wieder schlaegt die Zensur zu.
Genau das ist das Problem. SPON setzt sich nicht mit kritik auseinander, sondern alles was NICHT ins linke Spektrum passt, wird zensiert und einfach nicht veroeffentlicht.
Der Journalismuss hatte einmal die Funktion die Freiheiten zu verteidigen.
Gerade in Hinblick auf Charlie Hebdo ist es entsetzlich, dass SPOn viele Kommentare einfach nicht veroeffentlicht, weil sie nicht der Meinung von SPON entsprechen obwohl diese rechtlich nicht zu beanstanden sind.
Das Grundgesetz lautet:
"Artikel 5
(1) Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. Die Pressefreiheit und die Freiheit der Berichterstattung durch Rundfunk und Film werden gewährleistet. Eine Zensur findet nicht statt."
nun Spon unterdrueckt oft die Verbreitung. Diese Kritik muss sein.
Daneben muss auch SPON andere Meinungen tolerieren, hier muss hinzugelernt werden.
"Ich teile Ihre Meinung nicht, ich werde aber bis zu meinem letzten Atemzug kämpfen, daß Sie Ihre Meinung frei äußern können."

Hier sollten einige SPON Mitarbeiter einmal nachdenken.
Die journalistische Qualitaet und Unabhaenigigkeit bei SPON haben deutlich nachgelassen.
Die Leser sind nicht dumm.
SPON muss auch den Mut haben und aufhoeren mit der Schere im Kopf. Andere renommierte internationale Medien haben nach Charlie Hebdo oder den Mord an Lee Rigby durch Terroristen deutlich unabhaengiger und serioeser berichtet. Sei es The Guardian, The Independant, Times, New York Times, Le Monde, die BBC. ALLE berichten wesentlich unzensierter ohne die Schere im Kopf. Wenn SPOn sich auf deisen hohen Level des Journalismus bewegen will, dann muss es auch die Anforderungen erfuellen.


Der Spiegel war Qualitaetsjournalismus und im Zweifel links. (Augstein) hier jedoch hat sich SPON von Qualitaetsjournalismus entfernt. Alleine die Masse an inhaltlichen Fehlern und Stilblueten ist katastrophal.
Manchmal habe ich den Eindruck, da sitzen nur Volontaere herum.

Meine Erwartungshaltung ist:
- Freier Qualitaetsjournalismus ohne Schere im kopf
- Besseres Korrekturlesen
- Unterlassen der Zensur von Kommentaren durch Nichtveroeffentlichung

Mal sehen ob man den Mut hat bei SPON die Kritik zu veroeffentlichen.

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John.Moredread 26.03.2015, 02:55
166.

"Aber Schnelligkeit ist für sich allein genommen inzwischen kein Mehrwert mehr. Schnelle Informationen finden Sie heute im Internet überall, leider allzu oft eher halbrichtig als wirklich stimmig - oder sogar ganz falsch.

Das ist nicht unser Weg. "

Doch, das ist euer Weg. Eure Wissenschaftsartikel sind so grauenhaft falsch. Und zwar so oft, das man sich eigentlich nur auf eines verlassen kann, nämlich, das der Inhalt keinen Sinn ergibt. Ich habe noch nie bei einem Artikel aus dem Wissenschaftsressort nachrecherchiert ohne herauszufinden, das euch nicht katastrophale Fehler unterlaufen sind. Und mit Recherche meine ich nicht, einen Wiki-Artikel zu überfliegen. Ich kenne viele Wissenschaftler aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Dieses Ressort gehört abgerissen und neu aufgebaut.

Das zieht sich auch durch andere Themenbereiche. Ich erinnere mich an die Berichterstattung zu Fukushima. Mir wurde dabei nur eines deutlich, nämlich, das wirklich keiner der Autoren in diesem Themenbereich Ahnung von Radioaktivität oder Isotopen hat. Und wenn ein Artikel, wie hier geschildert, durch so viele Hände läuft und dennoch so grobe Fehler enthält (und das durchgehend und andauernd) so ist das leider ein Armutszeugnis.

"Wir erzählen Ihnen Geschichten häufiger als multimediale Kompositionen aus Texten, Fotos, Videos und interaktiven Grafiken. Jede Form übernimmt dabei denjenigen Teil einer Geschichte, den sie am besten darstellen kann (eine Sammlung unserer größeren Storytelling-Projekte finden Sie hier)."

Die Multimedia-Stories sind noch schlimmer. Die Aufmachung wirkt, als ob kleine Kinder die Zielgruppe sind. Obwohl, so ganz sicher bin ich mir nicht, denn weder auf Chrome, Opera oder Firefox laufen diese Multimedia-Dinger korrekt. Wenn ich versehentlich auf eins draufklicke, verschwinde ich mittlerweile sofort wieder. Das Layout ist totaler Mist und technisch betrachtet ist das ganze eine Katastrophe. Ich kenne genug Webdesigner, die das Problem locker lösen können; es ist mir unverständlich, warum ihr das nicht geregelt bekommt. Sich darüber aufzuregen ist natürlich letztlich sinnlos, schließlich gefällt es mir eh nicht. Aber vielleicht bin ich da ja alleine.

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Newspeak 26.03.2015, 03:57
167.

An den Taten wird man guten Journalismus erkennen, nicht an den Worten (ironischerweise nicht an den Worten).

Erfahrungsgemäß reden immer die gerne und lange darüber, wie man etwas gut macht, die es dann gar nicht gut getan haben oder tun, während gute Journalisten/Wissenschaftler/Künstler etc. weniger darüber reden, als danach zu leben, ungefragt, aus sich heraus, ohne Aufforderung von oder Erwartungen an Andere (z.B. deren Lob). Diese wirklich guten Leute reflektieren sich selbst sicher nicht zu wenig, aber sie tun das allein oder in kleinem Kreis und machen daraus keine "Homestory".

In diesem Sinne...mehr Demut wäre angebracht.

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cosy-ch 26.03.2015, 04:05
168. Ich nehme Sie beim Wort

Zitat:" Eine brisante Neuigkeit gilt erst dann als verlässliche Information, wenn wir sie aus zwei voneinander unabhängigen, vertrauenswürdigen Quellen erhalten haben"
Dann bitte erklären Sie mal, wie Sie zu den 2 Quellen kommen bei der Meldung zu Germanwings, dass nur ein Pilot im Cockpit war. Ich bin entsetzt:
1) wie leichtfertig heute laufende Untersuchungen mittels "durchsickernden 'Infos' " torpediert werden. das ist sogar strafbar..und sie haben 2 unabhängige Quellen?
2) Ihr vom Grafiker montiertes Bild der A320 ist sowas von Quatsch: ein Flz im Sinkflug mit 3000 fpm sieht ganz andrrs aus! Wenn ein Pilot nur eine Minute die von Ihnen gezeicnete Fluglage unter Leistung beibehalten würde, wäre das Flz in der Luft zerlegt wegen überschreitens der Vno. So ein Quatsch!
Aber Danke für die Absicht.

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binaerwesen 26.03.2015, 04:18
169.

Grundsätzlich eine sehr ehrenvolles Vorhaben - Qualität in den Online-Journalismus zurück zu bringen. Ich wünsche von ganzem Herzen, dass dies auch gelingt.

Aber: Warum ist es überhaupt soweit gekommen. Reisserische Überschriften im Bild-Stil, angerissene Themen ohne Hintergrundinformation, Meinungen, die als Fakten verkauft werden, Rechtschreibfehler in schöner Häufigkeit? Und letzte Woche - oder war es vorletzte - habe ich drei Artikel hintereinander gelesen, bei denen die Redaktion am Ende des Artikels die vorab "gegengescheckten" Fakten korrigieren musste.

Spiegel war über viele Jahre mein Leitmedium, Spiegel Online die Ergänzung zu tagesaktuellen Themen. Investigativer Journalismus das Stichwort. Spiegel hat viel in dieser Republik geändert, vieles sogar zum Guten.

Leider ist meine Erfahrung, dass Online-Journalismus und Qualität-Journalismus nicht (mehr) zusammenpassen. Auch nicht bei SpOn. Und die "Qualität" von SpOn auch mehr und mehr Einzug gehalten hat in die gedruckte Ausgabe.

Ich würde mir wünschen, dass dieser Artikel nicht nur eine Absichtserklärung ist, sondern auch Taten folgen; dass gute Recherche und Hintergrund-Information im Mittelpunkt stehen; dass der Leser ermutigt und befähigt wird, sich eine eigene Meinung zu bilden. Gefolgt gerne von einer auch entsprechend gekennzeichneten Redaktion-Meinung.

Medien sollen und dürfen eine politische Meinung vertreten und diese auch vermitteln. Obwohl mir die politische Richtung des Spiegel persönlich nahe steht, fühle ich mich oftmals durch die "journalistische Propaganda" in meiner Intelligenz beleidigt. Konkrete Beispiele haben Mitforisten schon genug genannt.

Lassen Sie uns in einem Jahr doch mal gemeinsam Fazit ziehen, um zu sehen, ob es nur bei den guten Vorsätzen geblieben ist. Oder diese - zumindest teilweise - auch umgesetzt wurden. Vielleicht würde hier sogar ein Leserbeirat hilfreich sein, um einen externen Blick auf die Veränderungen zu spiegeln. Denn oftmals neigt der Mensch ja gerne zu Betriebsblindheit...

Ich wünsche jedenfalls viel Glück und Durchhaltekraft,, denn Widerstände sind absehbar. Und ja, auch ich wäre bereit, für guten Online-Journalismus zu zahlen.

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