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Integrationsdebatte: Die Muslim-Studie? Völlig missverstanden
dapd

Sind viele junge Muslime gar nicht bereit zur Integration? Eine Studie im Auftrag des Innenministeriums hat Scharfmacher mit Schein-Argumenten versorgt. Peter Holtz ist einer der Autoren der Papiers. In einem Gastbeitrag beklagt er, dass der Bericht gar nicht gelesen und grob falsch zitiert wurde. Integrationsdebatte: Die Muslim-Studie? Völlig missverstanden - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik

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Dumpfmuff3000 03.03.2012, 17:07
30. xxx

Zitat von hubertrudnick1
Diese Studie soll den Keil zwischen Deutschen und den Zugewanderten ständig offen halten, diese Leute haben es gewußt was sie damit anrichten werden und sie taten es mit voller Absicht.
Denke ich auch, das war kein Zufall und auch kein Versehen, inklusive des Zeitpunktes. Hier soll mal wieder von unseren braunen Brüdern abgelenkt und der Islam als Sicherheitsrisiko Nummer 1 stilisiert werden.

Das Inneministerium solle mal lieber mit der Fräse gegen rechtsradikale Tendenzen im eigenen Haus vorgehen. DIE sind eine Gefahr für die Demokratie.

Ansonsten ist die Integrationsproblematik in allererster Linie eine Bildungsproblematik. Die Integration in unsere Gesellschaft, nicht nur von Migranten sondern von allen Menschen, läuft in entscheidendem Ausmaß Linie über das Bildungssystem. Und dieses Bildungssystem, das in wesentlichen Punkten über 100 Jahre alt ist, kann einfach die Anforderungen des 21. Jahrhunderts nicht mehr erfüllen. Gut gebildete und ausgebildete Menschen mit Perspektive stehen der Gesellschaft wesentlich weniger ablehnend gegenüber und erkennen ihre Verantwortung als Teil der Gesellschaft eher an als Leute, die man spätestens mit dem Übergang auf die weiterführende Schule aussortiert und marginalisiert.

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bayrischcreme 03.03.2012, 17:08
31.

Zitat von 47/11
.... müsste mal definiert werden, was mit Integration überhaupt verbunden ist : wieviel "altes " kann erhalten bleiben und wieviel " neues " muss dazugelernt werden . Dann erhebt sich die Frage, warum sollte jemand interessiert sein, seine Identität, seine Wurzeln, seine Vorfahren und seine Kultur aufzugeben ? Auch wenn sich viele selbst in die Tasche lügen, es kommt der Tag, da würden sie alle materiellen Vorteile eintauschen für die Geborgenheit der eigenen Heimat und der eigenen Kultur !!!
Mag schon sein.
Man kann sagen: "Ich zieh hier mein Ding genau so durch wie ich es will. Was um mich herum ist, ist mir egal."
Dass man sich dann bei der autochthonen Gesellschaft nicht unbedingt beliebt macht, ist aber eine logische Konsequenz mit der man dann leben muss.

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AxelSchudak 03.03.2012, 17:10
32. Statistiken und ihre Nutzung...

Wer schon Stunden nach der Veröffentlichung einer Studie über mehr als 700 Seiten eine darauf bezogene Meinung veröffentlicht, entlarvt sich.

Letztendlich haben wir jetzt erstmal Daten.

Das eine bedeutende Minderheit nicht integrationswillig ist und ggf. religiösen Geboten den Vorrang vor Gesetzen gibt, ist genausowenig zu ignorieren wie die Erkenntnis, dass der Grossteil integrationswillig ist.

Das Wissen um den tatsächlichen Sachstand kann vernünftiger Politik nur nutzen. Den Scharfmachern und Ignoranten auf den extremen Seiten sind Fakten eh egal.

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nunmallangsam 03.03.2012, 17:15
33. Nicht nur das

Zitat von elikey01
Die/der Verfasser einer in Auftrag gegebenen Studie sollte sich gegen unterschiedliche Auslegungsweisen, die den Wesensgehalt verzerren bzw. verfälscht wiedergeben, selbstverständlich wehren dürfen, egal, woher unberechtigte Kritiken kommen. Eine inhaltlich sachliche und faire Debatte, die Erkenntnisgewinn befördert und Wege für künftiges ggf. änderungsbedürftiges polit. Handeln aufzeigt, sollte für alle Seiten ein erstrebenswertes Ziel sein.
Verfasser sollten sich nicht nur wehren dürfen, sondern müssen sich auch vor Verzerrungen und Verfälschungen schützen. Bei professionellen Studien legt man deshalb gleich am Anfang vertraglich fest wie, wo, und von wem Studienergebnisse veröffentlicht werden dürfen. Wer sich dann nicht daran hält, hat sofort eine Klage am Hals.

Das hat man hier wohl versäumt. Herr Holtz ist dafür auch einfach zu jung und zu unerfahren und wahrscheinlich zu naiv.

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c++ 03.03.2012, 17:20
34. .

Zitat von die_piratenbraut
Andererseits hat keiner ein Problem, wenn englische Arbeitskollegen auch nach zwanzig Jahren in Deutschland sich ihr Taxi noch nicht selber bestellen können. Diskriminierung erleben Engländer deswegen nicht bei uns.
Das sind immer diese unsinnigen Relativierungen. Wo bitte gibt Einwanderer aus Großbritannien, der nach 20 Jahren, die sie in Deutschland leben, kein Taxi bestellen können?
Gibt es eine englische Parallelgesellschaft in Deutschland, die die westliche Gesellschaft ablehnt, die Werte unserer Gesellschaft verachtet, die uns wegen unseres Glaubens oder Nichtglaubens hassen?

Es gibt Menschen moslemischen Glaubens in Deutschland, die voll integriert sind und solche, die es nicht sind. Dazu muss man keine Studie haben, dazu muss man nur mit offenen Augen durch Großstädte gehen. Wobei natürlich jeder individuell seine Rolle in der Gesellschaft sucht, es gibt viele Grautöne.

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elikey01 03.03.2012, 17:23
35. Laut

Zitat von Fackus
Die Studie hat die falsche Zielgruppe befragt. Viel interessanter wären Fragen an die Deutschen, ob und wie weit sie selbst den Islam integrieren wollen. Warum traut sich das eigentlich keiner? Weil das Ergebnis schon vorher klar ist ?
GG besteht in Deutschland ein Trennungsgebot von Kirche und Staat.

Die Frage, ob und wie weit man den Islam "integrieren" wolle (was immer auch darunter udn überhaupt unte der Integrierung einer Religion verstanden werden soll), stellt sich daher mitnichten.

Außerdem herrscht in diesem Land bekanntlich Religionsfreiheit; es bedarf daher keiner wie auch immer gearteten Integration einer Religion.

Darüber hinaus: Sind über 2.000 Moscheen in DEU und viel "Entgegenkommen" i.S.v. Respekt vor dem Glauben der Moslems u.a. z.B. in KiTas und Schulen sowie Einführung von Islamunterricht an den Schulen nicht trotzdem eine Form von Integration des Islam?

Evtl. werden jedoch Forderungen wie nach Einführung eines islamischen als gesetzlichem Feiertag u.ä. (z.B. Einzug von Kirchensteuer, staatl. "Zuwendungen" analog den Konkordatsverträgen mit der RKK) als Integrationsmaßnahme verstanden.

Der allzeit gegenwärtige Beschwerde- und Forderungskatalog der Verbände und ihrer Protagonisten ist umfassend.
Entsprechend auch die Beleidigungsbekundungen, die selbst vor Büttenreden nicht Halt machen, in denen von der Kanzlerin bis zum Papst alles durch den Kakao gezogen wird, ohne dass deshalb von allen Seiten sofort "Diskriminierung" skandiert würde.

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georgius1 03.03.2012, 17:40
36. Ergebnisvorgabe Religion ??

Zitat von Zitat Artikel
Ich muss an den jungen Studenten denken, der einen deutschen Pass besitzt, hier geboren wurde und genauso gut Deutsch spricht wie ich. Er sagte mir, dass er sich nicht als "echter" Deutscher, sondern eher .
Also in Deutschland "fuehlt" er sich als Tuerke....
... und wenn er in der Tuerkei ist, dann wuerde er offen als Deutscher "abgelehnt" werden.
In der Tuerkei habe ich mal einen deutschen Kollegen Tuerkischer Abstammung in eine recht gute Position gebracht.
Die Sprachkenntnisse deutsch/Tuerkisch waren gut
und auch fachlich wars OK.
Das wurde dann auch noch von ganz "oben" genehmigt.
Der Gute hatte nach nicht einmal 2 Monaten das Handtuch geworfen:
"Ich komme nicht klar mit meinem Tuerkischen Team!!"
Ein anderer Tuerkischer Kollege hat nur in Deutschland studiert und ist sofort nach Abschluss zurueck.
Auch er berichtete von sich und anderen ueber Schwierigkeiten danach.
Das alles war Ende der 90ziger Jahre.
Also in Deutschland "gefuehlt" als Tuerke und in der Tuerkei als Deutscher vorwiegend "abgelehnt".
DAS ist ein Basis-Problem, welches einmal genauer untersucht, viel Nachfolgendes verstaendlich erscheinen laesst.
Nuuuur wenn eine Studie mit Ergebnisvorgabe die Religion in den Vordergrund stellt, dann sind andere Motive zu vermuten.
Gruss George

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Strandhaus 03.03.2012, 17:42
37. Bedrückend

Ich finde den Text und wie er versucht, das Missverständnis rund um die Studie aufzuklären, sehr bewegend!
Und bedrückend, denn leider ist es eher die Regel als die Ausnahme, dass Meldungen, die in einer Zeitung erschienen, von anderen Medien, spiegel-online inclusive, kritiklos übernommen werden und sich so in rasender Geschwindigkeit über die ganze Republik verbreiten. Der erste Eindruck wird kaum noch aufzuhalten sein.

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earl grey 03.03.2012, 17:44
38. eine der größten Gefahren für unser Land

Zitat von sysop
Und dann kommt am Tag vor der offiziellen Veröffentlichung die E-Mail "Wir sind schon in der 'Bild'-Zeitung"
Für mich einer der Schlüsselsätze in diesem Artikel.

Egal in welche Richtung solch eine Studie tendiert oder zeigt, wenn die BILD davon erfährt schlachtet sie das sofort für ihre tumben ausländerfeindlichen Artikel aus; sie braucht die Studie nicht zu kennen, die machen da eh was völlig eigenes draus...

Dieses Machwerk (ich weigere mich, es Zeitung zu nennen, weil die wird von Journalisten gemacht) ist eine der größten Gefahren für unser Land.

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NewHuman 03.03.2012, 17:46
39. Tabuthema: Verhältnis von Staat und Religion

Leider ist zu befürchten, dass eine moralisierende "political correctness" das Thema "Integration von Menschen islamischen Glaubens" noch eine längere Zeit im Griff haben wird.

Das Thema, das dabei kunstvoll umschifft wird, ist das Verhältnis von Staat und Religion.

Eine bemerkenswerte Erkenntnis der Studie ist, dass viele in Deutschland lebende Muslime glauben, der Westen wolle ihre Religion verdrängen. Genau das macht das zentrale Dilemma deutlich. Deutschland ist ein säkularisierter Staat: Religion ist Privatsache und keine Staatssache. Das gilt unterschiedslos für alle in Deutschland anzutreffenden Religionen.

Deutschland will und soll die islamische Religion nicht verdrängen, aber Deutschland muss richtigerweise von den hier lebenden Muslimen eine säkularisierte Mentalität fordern.

Wie nicht nur diese Studie feststellt, ist ein stärkerer islamischer Glaube mit stärkeren Vorbehalten gegenüber einem „westlichen“ Lebensstil verbunden. Da Lebensstilelemente und Lebensführung auch Glaubenselemente darstellen, ist diese Spannung verständlich.

Nichtsdestotrotz müssen sich Muslime verdeutlichen, dass die moderne, offene und tolerante Lebensführung in Deutschland staatlich gewollt ist. Deshalb muss der deutsche Staat eine säkularisierte Mentalität nicht nur fordern, sondern auch fördern. Deutschland muss für die Teilnahme der Muslime an unserem modernen Leben werben und ihnen Angebote machen - vom Sportbereich über die Kultur zur Bildung. Das ist ganz besonders wichtig für junge Muslime, die sich ansonsten ausgegrenzt und nicht zugehörig fühlen.

Bei der Trennung von Staat und Religion sehe ich genauso an anderen Stellen Aufmerksamkeitsbedarf: Auch fundamentalistischen christlichen Strömungen muss jeder Einfluss auf den Staat verwehrt bleiben (siehe in die USA – und auch bald hier?). Die ersten religiös motivierten Versuche der Kreationisten, modernes biologisches Wissen über die Änderung von Lehrplänen und Schulbüchern in Frage zu stellen, hat es bereits in Deutschland gegeben.

Man sollte sich immer vergegenwärtigen, dass wir in Deutschland ganz unabhängig von den Religionen eine freiheitliche Lebensführung entwickelt haben, die es unbedingt zu schützen gilt (siehe z.B. Frauenrechte und Rechte von Homosexuellen).

Religiöse Lehren dienen der persönlichen Orientierung der Gläubigen, aber es ist staatlich nicht gewollt, dass religiöse Lehren – und zwar egal welche – die Lebensführung der Bürger in diesem Staat bestimmen.
Das müssen die Anhänger jeder Religion akzeptieren.

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