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Internet: Im Schwarm

Sie sind anonym, sie treffen sich im Internet, sie scannen Dissertationen und überführen Politiker als Fälscher: Guttenberg, Koch-Mehrin, nun den FDP-Mann Jorgo Chatzimarkakis. Wer sind diese Menschen? Was wollen sie? Was treibt sie an?

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mathaeus 19.07.2011, 15:37
190.

Zitat von Pan Sartre
Das macht er vermutlich, weil so die korrekte lateinische Schreibweise lautet.
Es war wirklich nur die Emailadresse... ^^

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Rabban 19.07.2011, 15:39
191. .

Zitat von pege1
Eine seltsame Antwort. Ich habe nicht die geringste kriminelle Ambition und würde Ihnen sicher nicht bei einem Einbrauch bei meinen Nachbarn helfen. Ich gehöre nur zu denen, die sich lieber um ihre eigenen Angelegenheiten kümmern und es widerlich finden, wenn andere aus undurchsichtigen Motiven an den Pranger gestellt werden. Genauso abstoßend war die Vorführung von Zumwinkel. Aber wir sind wieder soweit, daß man angesichts der Erniedrigung anderer ohne Scham Beifall klatscht.
Nun wenn Sie schon an vergangene Zeiten erinnern, dann sollten Sie aber auch nicht unterschlagen, dass dieses "sich um eigenen Angelegenheiten Kümmern" nicht so heldenhaft ist, wie Sie vortäuschen. Auch damals haben sich die verschiedensten homogenene Interessengruppen nur um sich selbst gekümmert. Was dabei rauskam ist heute bekannt.
Und ausgerechnet Zumwinkel anzuführen, ist wirklich sowas daneben. Einen Mann, der als Geschäftsführer eines riesigen Staatsbetriebes Unsummen an Steuern hinterzogen hat,der Träger des Bundesverdiesntkreuzes war, der in fast allen Ausichtsräten der größten privatisierten Staatsbetriebe saß, der sich nach einer äußerst milden Strafbewertung als freier Mann auf seine Burg zurückzieht, sich aber vorher nochmal 20 Millionen Rente auszahlen lässt, den wollen Sie hier als Belastungszeugen anbringen?
Das ist ja wohl so was von lächerlich...

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Justitia 19.07.2011, 15:45
192. ...

Zitat von gallstone
ich kann mir absolut nicht erklären wie die menschen immer wieder dieses alte zitat aus der schublade ziehen um betrug zurechtfertigen!
Zeigen Sie mir bitte aucn nur eine Stelle, an der ich Betrug rechtfertigt habe!

Zitat von gallstone
niedere beweggründe kann man hier nicht erkennen! betrug aufdecken ist kein niederer beweggrund, für sie vielleicht?
"Man" kann insbesondere bei dem Golfer aus dem SPON-Artikel durchaus niedere Beweggründe vermuten, ebenso wie bei dem Bremer Prof., der die ganze Chose ins Rollen brachte.

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barf 19.07.2011, 15:46
193. Drei Gedanken

1. Von Politikern darf man nicht nur, man muss sogar höhere ethische Standards erwarten als von einer Durchschnittsperson. Denn schließlich übertragen letztere Macht an die erstgenannten, und Macht darf immer nur einher gehen mit hoher Ethik, sonst verwandelt sie sich durch die mit ihr verbundenen Verlockungen fast automatisch in Korruption. Es ist also keineswegs altmodisch, eine derartige Forderung an Politiker zu stellen.

2. Natürlich mögen politische Grundüberzeugungen der „Jäger“ bei der Auswahl der „Gejagten“ eine gewisse Rolle spielen – es wäre wohl naiv, dies komplett zu leugnen. Dennoch sollte bedacht werden, dass Anhänger insbesondere wirtschaftsliberaler Ansätze, wie sie nun mal vorrangig im FDP/CDU-Lager vertreten sind, sich in der Regel auch durch ein gewisses sozialdarwinistisches Wertesystem auszeichnen, das gerne auch mal Auswüchse in Richtung „der Zweck heiligt die Mittel“ ausbildet. Insofern ist es vielleicht durchaus angebracht, Plagiate vor allem in diesem Lager zu vermuten. (Aber davon abgesehen bin bin sicher, sie lassen sich auch bei den Mitgliedern anderer Parteien nachweisen – man muss nur lange genug suchen.)

3. Mich wundert ein wenig, dass in der gesamten Diskussion ein weiterer Aspekt bislang kaum eine Rolle gespielt hat. Das mag daran liegen, dass man sich damit auf sehr spekulatives Territorium begibt, aber es muss erlaubt sein, diese Frage einmal laut zu stellen: Haben diese Personen Ihre Arbeiten eigentlich alle vollständig selbst verfasst? Schließlich sind Plagiate das Mittel der Wahl bei Ghostwritern, da diese in der Regel zwar über Methoden- und Formaliakenntnisse verfügen, aber keine Experten auf dem jeweiligen Gebiet sind (das können sie ja auch gar nicht sein, weil sie ganz unterschiedliche Arbeiten verfassen). Ich beziehe diese Frage auf keine konkrete Einzelperson, aber da es sich (meist) um gewählte Politiker handelt – siehe Punkt eins – halte ich sie für legitim.

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dramaticmoments 19.07.2011, 15:54
194. .

Zitat von derSpatz
Wer den Namen des Mannes und seine Adresse wissen möchte, kann mal kostenlos auf dem server der denic () eine whois Abfrage auf vroniplag durchführen.
Im Schattenboxen sind Sie grandios! http://vroniplag.de/ ist eine herrliche schneeweiße Seite und der Domaininhaber selbst ein Webdesigner und Webhoster: http://www.smart-enterprise.de/. Aber lassen Sie den Kopf nicht hängen – versuchen Sie's einfach nochmal!

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moex 19.07.2011, 15:54
195. Mal was zum Schmunzeln...

Leute,die den Aufklärern Neid vorwerfen,lesen auch Bild:

http://www.youtube.com/watch?v=3g9gWD5csOQ

Wer sich so dreist einen Doktortitel erschummelt wie z.B. Guttenberg,der darf sich nicht wundern,wenn das irgendwann mal rauskommt.Es kommt einer Verhöhnung der Wissenschaft hierzulande gleich,wenn sich ein Vertreter der Regierung eines solchen Betruges schuldig gemacht hat.Und erst Recht,wenn der- oder diejenige auch noch dienstlich mit Forschung und Wissenschaft zu tun hat,wie im Falle Koch-Mehrins.
Da kann man froh sein,dass es Leute gibt,die sich die Mühe machen,sowas aufzudecken,ganz egal,welche Motive sie selbst dabei haben.

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de.nada 19.07.2011, 15:57
196. ~

Zitat von Haio Forler
Unabhängig davon, was sie antreibt: die Unternehmung war gut und richtig. Dem Wissenschaftsstandort Deutschland tut eine Berlusconisierung in diesem Falle nicht gut, unabhängig davon, ob einem Guttenberg zusagt oder nicht. Was hätte dieser Mann punkten können: Aber wenn man erst einmal drin ist im Rechtfertigungswahn ..
Was Sie als Hitchcock Fan von einem nicht ganz echten Dr. Juris. erwartet hätten, passt wohl kaum in ein Drehbuch. ;)
Selbst jedem psychologisch anders Gelagertem muß doch selbstverständlich sein, das sojemand der Letzte wäre das freimütig, offen und ehrlich zugibt.
Aber was wäre das für ein spannender Film geworden ?

Die Aufdeckung hätte praktisch so stattfinden müssen.
Dr. Vater geleimt...Parteirückhalt...steieler Aufstieg zum Verteidungsminister.....Freunde aus Holywoods schräger Visionsabteilung, für die sich ein amtierender Verteidigungsminister persönlich einsetzt, trotz altem deutschen Adelstitel, um einen Helden der eigenen Vorstellung in tödlich ernster Situation mimen zu lassen.....
"Die Vögel aus dem Web" oder so, und der Spuk ist vorbei...

Abspann, Konfekt gabs schon vor'm Film, und was sehen wir nächste Woche in diesem Theater ?

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fpa 19.07.2011, 15:57
197.

Zitat von Erich91
die Rolle der Universitäten, die offensichtlich nicht bereit oder in der Lage waren, die Arbeiten fachlich und sachlich zu überprüfen. Oder wurde etwa dort auch gemauschelt? was ja an sich auch nicht verwunderlich wäre. Die Meisterprüfung im Handwerk kann jedenfalls nicht so einfach erschummelt werden.
Ich denke, Sie müssen das vor dem Hintergrund der sich verändernden technischen Möglichkeiten betrachten.

Bis etwa Mitte der 90er Jahre lohnte es sich allein vom Arbeitsaufwand schlichtweg nicht, ganze Textpassagen zu übernehmen. Als ich z.B. Mitte der 70er meine Diplomarbeit schrieb, hieß das Eintippen auf einer geliehenen elektrischen Schreibmaschine ohne jede Korrekturfunktion. Auf der Arbeit fertigten wir dann z.B. Sitzungsprotokolle handschriftlich an und gaben es der Abteilungssekretärin zum tippen. Als wir die Sekretärin 1980 in einer engen Terminsituation auch einmal auf einem 8080-Intel-Entwicklungssystem einige Programmzeilen eintippen ließen, geriet sie geradezu in Verzückung: "Also diese Delete-Taste, das ist ja einfach nur phantastisch!" Und das war in einem internationalen IT-Konzern, der selbst zu jener Zeit auch technische Büro-Infrastruktur im Angebot hatte.

Bis Mitte der 90er mussten Texte generell noch wie ein Schulaufsatz geplant, strukturiert und dann ausgeführt werden. Der Aufwand, durch Literatur angelesenes Wissen in eigene Worte zu fassen, war dabei geringer als eine direkte Übernahme, also abtippen jener Textstellen. Direkt übernommen, und dann auch entsprechend gekennzeichnet, wurden nur solche Zitate, die dessen Inhalt gerade auch durch das Zitieren ein besonderes Gewicht verleihen sollten. Auch wenn Ende der 80er auf den Unis bereits Computer eingesetzt wurden, aber das war dann TeX ... und das war erst ein Spaß, schaute am Ende zwar schön aus, aber der Aufwand, das lief auf Großrechnern und wurde mit einem VT100 eingegeben. Erst mit der Sun-Workstation kamen Grafikbildschirme und mit dem FrameMaker das erste allgemein verwendbare Wysiwyg-System, was aber zunächst ganz im technischen Bereich genutzt wurde.

Mit dem PC-Textsystemen (WORD, am Anfang auch noch WordPerfect) und dem Internet ergaben sich Mitte der 90er plötzlich ganz neue Möglichkeiten, sowohl was das einfache cut&paste anbelangt - keine Sekretärin bei uns musste mehr Texte eintippen - , als auch was die Recherge anbelangt. Die ersten privaten Prifiteure dieser Entwicklung waren z.B. unsere (d.h. der IT-Mitarbeiter) Kinder. Für Schul-Referate brauchte man plötzlich keine großen Lexika, keine Fachliteratur aus Bibliotheken, usw. mehr, sondern eine kurze Recherge des Papa's auf der Firma mit AltaVista & Co.

Und wieder ein paar Jahre später konnten es die Kinder dann nicht nur selbst und besser als der Vater, sondern im Internet gab es nun statt der bisherigen Primärquellen auch schon inhaltliche Verdichtungen a'la hausaufgaben.de. Und das sprach sich unter den Schülern (und sicher auch Studenten) schnell herum. Und wieder einige Jahre später, spätestesn mit Beginn der kostengünstigen DSL-Zeit hatte eh jeder einen PC mit Internetanschluss zu hause. ... Zu einer Zeit als jene Jura-Professoren noch gar nicht wußten was das ist, Internet.

(weiter in Teil 2)

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fpa 19.07.2011, 15:58
198.

Zitat von Erich91
die Rolle der Universitäten, die offensichtlich nicht bereit oder in der Lage waren, die Arbeiten fachlich und sachlich zu überprüfen. Oder wurde etwa dort auch gemauschelt? was ja an sich auch nicht verwunderlich wäre. Die Meisterprüfung im Handwerk kann jedenfalls nicht so einfach erschummelt werden.
(Fortsetzung von Teil 1)
Wieder eine anekdotische Erinnerung für junge Leute: 1999 gab es in der Firma, in der meine Frau arbeitete (Bayernwerke, ein Vorläufer der EON) eine Kampagne zur Abgabe von Verbesserungsvorschlägen. Ich sagte meiner Frau, sie möge doch vorschlagen, dass Ihr Betrieb eine offizielle Webseite aufmachen solle, wo er sich im Internet vorstellt. ... Sie traute sich nicht, diesen Vorschlag einzureichen, da er ja zu abstrus sei, vielleicht zu einem IT-Konzern passen würde, aber doch nicht zu einem Energie-Konzern. So schnell ändern sich die Zeiten.

Die Arbeitsweise, Texte mit Textsystemen auf Computern zu erstellen, bewirkte schon recht bald andere Herangehensweisen. Man konnte Mosaiksteine in beliebiger Reihenfolge erstellen und aus diesen später das große und ganze gestalten. Die bis dato top-down-Arbeitsweise wurde mehr und mehr zu einer bottom-up-Arbeitsweise. Und hier liegt m.E. das Ursprungstreiber für die Plagiatoren. Was vorher eine Stoffsammlung mit Zeitung lesen und Artikel ausschneiden war, konnte nun mit Hilfe von copy&paste bereits als Grundbausteine in der bottom-up-Arbeitsweise wiederverwendet werden. Wer die so auf elektronische Weise entstandene Stoffsammlung nicht sauber gekennzeichnet hat, hat später u.U. überhaupt nicht mehr sehen können, welche Formulierungen originär von ihm selbst, und welche von anderen Autoren stammten. So unterbleib dann an vielen Stellen die eigene Umformulierung, wie sie wahrscheinlich bei dem copy&paste-Vorgang selbst noch ursprünglich beabsichtigt war.

Die Politiker sind gewiss keine Einzelfälle. Ich gehe davon aus, dass bestimmt in 50% der in der Zeit zwischen 1995 und 2005 entstandenen Doktorarbeiten eine gewisse Anzahl nicht ausgewiesener, direkt Wort für Wort übernommener, Zitate enthalten sind, sie also nicht frei von Plagiaten sind. Bei den harten Naturwissenschaften wahrscheinlich eher etwas weniger, und bei Fächern, wo lange Texte angefertigt werden, wohl eher mehr. Die ersten brauchbaren Plagiatserkennungs-SW-Programme kamen dann so um 2004-2006. Rückwirkend wurden diese aber offenbar nicht angewendet. Natürlich entschuldigt das nichts - weder bei den Plagiatoren noch bei den Unis, denen das nicht auffiel. Es erkärt jedoch so einiges.

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mathaeus 19.07.2011, 15:58
199. qwertz

Zitat von Pan Sartre:"Das macht er vermutlich, weil so die korrekte lateinische Schreibweise lautet."

Zitat von Stampler
Hätten sie seinen post gelesen, könnten sie auch mitreden.
Hätten Sie, Stampler, mir die korrekte Schreibweise denn auch abgenommen???
Wenn Pan Sartre mir Allgemeinbildung unterstellt, ist das doch eine Nettigkeit!! ^^

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