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Interview mit Landesschülersprecher: "Niemand wird wegen des Bildungsplans schwul"
Privat

"Die Pubertät ist die Zeit zum Ausprobieren": Im Streit um sexuelle Vielfalt in Baden-Württembergs Schulen melden sich die Schüler zu Wort. Landesschülersprecher Christian Stärk erklärt im Interview, warum er die neuen Bildungspläne für richtig und der Widerstand dagegen für Panikmache hält. Christian Stärk, Landesschülerbeirat, über den Bildungsplan in BaWü - SPIEGEL ONLINE

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Urzweck 11.01.2014, 16:39
170. Widerspruch

Ich finde es auch wichtig, dass das Thema in der Schule thematisiert wird. Aber bei einem bin ich mir nicht sicher: "Eine sexuelle Identität hat man, die findet man nicht in der Schule."
Das mag für die Kindheit des Befragten und für dessen Umfeld gelten. Ich denke nicht, dass das für alle Kinder in allen Schulen gilt. Das gilt vermutlich nicht für unsichere Kinder. So wie das soziale Umfeld einen Menschen bei seiner Berufs-, Partei- und Partnerwahl beeinflusst, kann UND WIRD die Schule m.E. Kinder auch bei ihrer sexuellen Identität beeinflussen. Das tut die Schule doch heute (mindestens in meiner Schulzeit vor zehn Jahren) auch! Da wurden auch Rollenbilder vorgegeben, Berufs-, Verhaltens-, Partnerwahl- und Politikvorstellungen massiv beeinflusst. Möglicherweise geht es gar nicht anders. Es geht darum, dass "beste" aus diesem Einfluss zu machen. Sexuelle Identität scheint mir spontan ein ebenso sensibles, schwer zugängiges und individuelles Thema wie Religion. Allein die Greifbarmachung (mir fällt kein besseres Wort ein) der Individualität von Empfindungen zu diesen Themen in einer Klasse mit 30 unaufmerksamen Schülern durch einen Bildungsplan regeln zu wollen, scheint mir schwer und voller Fallen.

"Vor zehn Jahren war das aber noch viel schlimmer. Jugendliche sind da inzwischen toleranter als es immer heißt."

Ob er der Befragte sicher ist, dass er die Situation vor zehn Jahren kennt? Wer hat dazu Daten erhoben? Vor zehn Jahren, als ich in der Schule war, kann ich mich nicht an die Erhebung von Daten zu so etwas erinnern. In den Jahren danach habe ich die Situation von außen als schlechter erlebt.
Gilt die genannte neue Toleranz nur für Gymnasien, nur für Christian Stärks Schule, oder für alle Schulen, auch Hauptschulen? Ich traue dem Frieden nicht.

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mhwse 11.01.2014, 16:39
171. also zu meiner Schulzeit war es ja noch so

dass nur der cool war der die meisten Weibergeschichten hatte ..

Wer sich gar positiv über Schwule äusserte, lief Gefahr selbst als schwul gedisst zu werden.

Wenn ich den Jungs im Footballverein meines Sohnes so zuhöre hat sich seither wenig getan ..

Eine Toleranz Offensive gerade in Vereinen wäre sicher nicht ganz verkehrt

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Gertrud Stamm-Holz 11.01.2014, 16:44
172. für die Zukunft

Zitat von Aktiong
Die sexuelle Orientierung ist kein Schulfach, sondern Privatsache. In Schulen geht es darum, die Grundlagen dafür zu legen, dass sich Menschen Wissen und Kompetenzen selbst aneignen können. Sexuelle Orientierungen sind weder Wissen noch Kompetenzen und haben entsprechend nichts in Schulen zu suchen.
Die sexuelle Neigung besteht ab Geburt und trifft auf die Kinder spätestens in der Pubertät. Es ist daher hilfreich zu wissen was man hat und dass dies eben so ist. Wertungsfrei.
Sollten Sie zukünftig ein Neugeborenes halten, denken Sie immer daran, dass dies ein schwuler Junge oder aber eine Lesbe sein kann. Schon in diesem absolut hilflosen und schreienden Zustand. Lassen Sie bitte das Kind nicht fallen. Es hat es sich nicht ausgesucht und es tut auch nichts aus Bosheit.
Hätte der Säugling drei Arme, Sie würden nach Akzeptanz schreien. Ist der Säugling homosexuell, Sie verdammen ihn. Nach Ihrer Denkweise sollten alle Jugendlichen ähnlich beschränkt aufwachsen und denken. Das eigene Kind hat, egal wie es ausfällt und wie es ist, ein Recht auf Respekt.

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tanzschule 11.01.2014, 16:44
173.

Zitat von sysop
"Die Pubertät ist die Zeit zum Ausprobieren": Im Streit um sexuelle Vielfalt in Baden-Württembergs Schulen melden sich die Schüler zu Wort. Landesschülersprecher Christian Stärk erklärt im Interview, warum er die neuen Bildungspläne für richtig und der Widerstand dagegen für Panikmache hält.
liebe baden-württemberger diese diskussion ist aus den 70ern , und sollte heute nicht mehr geführt werden (müssen). man kann es nur begrüssen das den jugendlichen die gleiche wertigkeit der verschiedenen l(i)ebensweisen aufgezeigt wird. "du schwule sau" als schimpfwort ist nicht länger akzeptabel.

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Psycho Dad 11.01.2014, 16:51
174. Titellos

Zitat von MephistoX
Homo"phobie" ist vorrangig ein Problem in der Persönlichkeitsstruktur, aber auch der Sozialisation der betreffenden Homo"phobiker", Ihren Schuh müssen sich Andersliebende nun wirklich nicht anziehen ...
Der Begriff "Andersliebende" gefällt mir. Gerade weil er das beinhaltet, worum es den meisten Gegnern des "homosexuellen Bildungsplans" geht.

Unbestritten ist, dass Homosexualität die Ausnahme ist (5%). Es handelt sich also um eine Minderheit. Die Frage ist, wieviel Platz man einer solchen Veranlagung in der Schule beimisst. Und viele befürchten, dass ein unangemessen großer Zeitraum auf die Erklärung des "Andersliebens" verwendet wird, obwohl es nur eine Randerscheinung ist. Eben weil es momentan so hip ist (zumindest in den Medien), homosexuell zu sein.

Primär geht es aber in der Sexualkunde weniger um Sex(praktiken), sondern um Sex für die Fortpflanzung bzw. Zeugung von Nachwuchs. Das funktioniert bei "Andersliebenden" schon mal nicht. Von daher ist diese Art der Sexualität rein biologisch gesehen auch wesentlich uninteressanter und hat nur eine Berechtigung als Randerscheinung.

Wichtiger als eine Aktion zur sexuellen Vielfalt fände ich ein paar zusätzliche Initiativen für wichtigere Themen, z.B. Mathe, Sport oder Wirtschaft.

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Dio_genes 11.01.2014, 16:56
175. Toleranz

Zitat von schmiergelsiepen
die Kinder aufzuklaeren das es schwule und lesbische Menschen ist doch richtig. Das die Kirche das verteufelt errinnert mich an die fruehere Hexenverbrennung. In welchem Zeitalter leben wir eigentlich? Und vor allem in welchem Zeitalter lebt die Kirche? Und ein Lehrer der nicht weiss, das man nicht schwul gemacht wird, sondern so geboren wird, sollte man nicht auf die Kinder loslassen. Also ich bin nicht schwul, aber habe mich schon mit vielen unterhalten.
Solange "tolerante" Heterosexuelle grundsätzlich angeblich pseudo-freundliche Beiträge zum Thema Homosexualität mit den Worten: "Also ich bin nicht Homosexuell" beginnen oder beenden, bedarf es noch vielerlei Aufklärung.

Niemand wird schwul gemacht. Das geht genausowenig wie umgekehrt. Einen homosexuellen Mann dazu zu bringen, mit einer Frau zu schlafen dürfte daran scheitern, dass er keine Erektion bekommt. Ein heterosexueller Mann bekommt dagegen keine Erektion bei einem Mann.

Die meisten Menschen ändern ihre angeborene sexuelle Orientierung bis zum Lebensende nicht. Insofern besteht keinerlei Gefahr, dass die Population deshalb sinkt.

99,999999 % aller Wahrnehmungen in unserem Alltag (auch in Medien) sind heterosexuell geprägt. Wenn diese "Werbung" für Heterosexualität einen Effekt hätte, bliebe die Rate der Homosexuellen zu allen Zeiten in allen Ländern und auch im Tierreich nicht konstant bei ca 5 %. Weder Verdrängen noch "Werbung" ändern diese Zahlen.

Viele Menschen scheinen allerdings irgendwie dazwischen zu sein. Die Bandbreite der Bisexualität tendiert zwischen mal ausprobieren und permanentes "Switchen". Trotzdem haben auch sie eine Grundorientierung und haben eben Kinder oder nicht die sie so oder so auch hätten (unabhängig vom Schulunterricht oder medialer Berichterstattung). Auch wenn sie gelegentlich das eigene Geschlecht bevorzugen, so wird das nicht durch "Werbung" gesteuert.

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lupusaureus 11.01.2014, 17:01
176. Leben Sie im Nimmerland

Zitat von bjarneson
Homosexuelle! Sie sollen doch einfach tun was sie wollen, aber anderen ihre Gewohnheiten nicht "aufbrummen"! Kaum jemand ist Homophob. Aber ausgefallene sexuelle Praktiken gehören einfach nicht in den Schulunterricht! jeder Mensch der selbst Kinder hat und diese liebt sieht das genauso.
Erstens: Gehen Sie mal mit einem gleichgeschlechtlichen Bekannten Hand in Hand durch irgendeine Fußgängerzone (10 Minuten reichen). Das wird Sie über Ihre etwas verzerrte Weltwahrnehmung verändern, es gäbe doch keine Homophobie.

Zweitens: Niemand will "ausgefallene Praktiken" unterrichten - und das, woran Sie sicher denken geht auch unter Heteros ... ;-) Es geht um sexuelle Identitäten und deren Gleichwertigkeit.

Drittens: Hier wird höchstens Toleranz "aufgebrummt" und sonst nichts - Ihnen würde ein solcher Unterricht sicher auch gut tun.

Wieso soll ich täglich mit Ihrer Art von sexueller Identität konfrontiert werden - immer und überall und Ihresgleichen möchte am liebsten nicht ein einziges mal sich mit dem "Anderen" konfrontieren ....

"Dass die ... ihre Homos. immer so raushängen lassen müssen." Ich kann es nicht mehr hören .....
Wir reden von unseren Partnern, Freunden, Geliebten Affairen, Ex und unseren Träummännern - ganz genau wie jeder Mensch ...

Wenn das jemanden nicht passt ..... weghören ... get over it.

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gruenewiese 11.01.2014, 17:08
177. @ bjarneson

Sprechen Sie doch bitte für sich und nicht für alle Eltern! Ich bin völlig anderer Meinung.

Ich liebe meine Kinder und möchte daher, dass sie lernen, dass die Welt vielfältig ist. Auch sollen sie sich repräsentiert sehen und angenommen fühlen, egal, welche sexuelle Ausrichtung sie haben.

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polargreis 11.01.2014, 17:15
178. @ 160 Aktiong - Bitte selbst nachrechnen

Knapp 11 Millionen Einwohner zählt BaWü. Laut Emnid gaben 9,4 Prozent der Männer und 19,5 Prozent der Frauen an, sich vom eigenen Geschlecht angezogen zu fühlen. Dass Sie sexuelle Ausrichtung als ein vernachlässigenswertes Thema einstufen, obliegt Ihnen natürlich. Solange dies aber zu Diskriminierungen führt, ist ein Ausschweigen über diese Fragestellung nicht angesagt.
Es wäre fatal, dieses Sujet in Schulen auszuschweigen. Z. B. würde dringend im Fach Geographie die Behandlung der aggressiven Homophobie in Russland zu thematisieren sein. Marodierender Mob tyrannisiert die Homosexuellen in diesem Land mit teilweise massakerhaften Auswüchsen; Mobbing, Verlust des Arbeitsplatzes, gestiegene Selbstmordquote dürfen nicht totgeschwiegen werden und sind zudem auch im Fach Sozialkunde zwingend.
Offenheit und Toleranz stehen hier nicht zur Debatte. Offen muss man gegen so manches sein, womit man im täglichen Leben konfrontiert wird. Toleranz? Bitte das ist kein Kriterium. Akzeptanz wäre hier wohl eher angebracht. Genaugenommen hat man Homosexualität zu respektieren. Es handelt sich um ein Menschenrecht.
Die Petitionsunterzeichner in BaWü müssen sich ihre Intention hinterfragen lassen. Eine Anzahl von 92.000 berechtigt noch nicht, sich für die "schweigende Mehrheit" zu halten. Von 1992 bis 2001 waren die Republikaner im Landtag von Baden-Württemberg. Am 5. April 1992 erhielten die REP 10,9 % (= 539.014 der wahlberechtigten und teilnehmenden Bürger) der Stimmen und zogen mit 15 Abgeordneten als drittstärkste Fraktion ins Parlament ein; 1996 (Wahl am 24. März) gelang ihnen der Wiedereinzug in einen Landtag mit 9,1 % der Stimmen (=437.228 derjenigen Wahlberechtigten, die auch ihr Wahlrecht wahrnahmen. 1968 wählten gar 9,8 % = 381.569 wahlberechtigte wahlteilnehmende Einwohner des Landes die NPD. Quantität bedeutet doch nicht gleich, im Recht zu sein!?
Sollte man zum Beispiel im Fach Geschichte verschweigen, dass der bayerische Konig Ludwig II. homosexuell war; gehört das nicht zu seiner Vita und ist das nicht wissenswert?

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okonmt 11.01.2014, 17:23
179. optional

Ich bin in einer Zeit aufgewachsen wo es keine Aufklärung gab in einer sehr Katholischen Familie, wenn ichs mir hätte aussuchen können, wäre ich sicherlich hetero geworden, allerdings wusste ich schon sehr früh das ich anders tickte. Es war schrecklich sich an niemanden, mit diesen "nicht normalen Gefühlen", wenden zu können. Irgendwann mal festzustellen, man sei ja krank oder pervers, und ständig mit diesen Schuldgefühlen zu leben. Richtig überwunden habe ich es bis heute noch nicht, und ich bin mittlerweile 48. Ich kann nur hoffen, das Junge Männer oder Frauen, lernen das sie nicht abartig sind, wenn sie homosexuell sind, sondern genauso vollwertige Menschen wie jeder andere. Meine Arbeitskollegen heutzutage, haben weniger ein problem damit das ich schwul bin als ich selbst habe.

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