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Katastrophen: Auffällig unauffällig

Japans Journalisten können an der Apokalypse von Fukushima nur scheitern. Scharfe Kritik, harte, unabhängige Recherche oder die Enthüllung von Skandalen gelten als eher unschicklich oder sind gar verpönt. Eine der Ursachen: Chefredakteure verstehen sich als Teil des Establishments.

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Emil Kaufmann 05.04.2011, 15:43
100. Belege, bitte!

Zitat von kjartan75
Bezeichnen Sie eigentlich die hohe Krebsrate, die auch jetzt noch dort vorherrscht eigentlich als irrelevant? Ich glaube, bei solchen peinlichen Kommentaren wie den Ihren wird den Folgen der Katastrophe nicht wirklich gerecht. Gehen Sie mal da hin und fragen sie die Ärzte, die tagtäglich dort zu tun haben, als sich in irgendwelchen Pseudo-Studien zu verstecken, die Sie vom heimeligen Sofa aus anschauen.
Welche hohe Krebsrate? Ich habe gerade eben eine Weile gegooglet und leider keine belastbaren Hinweise auf eine erhöhte Krebsrate gefunden.

Hier mal Gegenbeispiele: Auf World Life Expectancy sieht man die Ukraine in einer Rangliste nach Todesfallarten.
Komischerweise liegt sie bei vielen Krebsarten wesentlich besser als andere Länder. Das überzeugt mich davon, dass moderate Strahlenmengen eher förderlich sind, siehe Hormesis und besonders die Studie in Literaturhinweis 2.

Darf man hier in Deutschland wahrscheinlich nicht mal denken, geschweige denn sagen.

Wo die Ukraine ganz katastrophal in der Todesfallstatistik ist, sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Leberschäden und Vergiftungen, Selbstmorde und andere Verletzungen.

Wahrscheinlich werden diese Todesfälle von Greenpeace und Co. dazugezählt, weil der ganze Kummer über Chernobyl ja nur im Suff ertränkt worden sein kann...

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JoergHamburg 05.04.2011, 15:44
101. Überheblicher Stil im Panikorchster

Zitat von sysop
Japans Journalisten können an der Apokalypse von Fukushima nur scheitern. Scharfe Kritik, harte, unabhängige Recherche oder die Enthüllung von Skandalen gelten als eher unschicklich oder sind gar verpönt. Eine der Ursachen: Chefredakteure verstehen sich als Teil des Establishments.
Sie haben wohl recht, dass es in Japan auf allen Gebieten zurückhaltender und höflicher zugeht als bei uns.
Das mag auch dazu führen, dass weniger Sensationen publiziert werden.
Den herablassenden Tonfall gegenüber einem Kulturvolk, das Hiroshima und Nagasaki erlebt hat, hätten Sie sich aber bei diesem Thema besser verkniffen.
Dass Fukushima ein schlechtes Beispiel dafür ist, wie der japanische Journalismus am deutschen genesen soll zeigt "Die wahre Gefahr" (Spiegel Nr. 14, S. 114, 115)

Die Fakten sprechen sehr viel eher für die japanische Berichterstattung als für das Surfen auf der Panikwelle.

Todesopfer durch Fukushima-Unfall: 6
Todesopfer im Kohlebergbau pro Jahr: 10.000 (d.h. jedes Jahr, seit Tschernobyl also 250.000)
Todesopfer durch den Tsunami Japan: 25.000 - 35.000
Todesopfer durch den Tsunami Philippinen: 200.000
Krebserkrankungen als Folge von Tschernobyl max.: 15.000 - relativ zu 80.000.000 (80 Mio.), die sowieso an Krebs sterben.
Krebserkrankungen als Folge von Fukushima max.: 1.500 - relativ zu 18.000.000 (18 Mio.) "normalen" Krebstoten.

Wenn der Auftrag guten Journalimus' in Wahrheitsfindung besteht, dann wären Fakten und Tatsachen dafür besser geeignet als das Mitsingen im Panikorchester.

Drei Beispiele aus dem Beitrag von Gale
1. Eine Erhöhung des Zigarettenpreises um 50 Cent würde die schlimmstenfalls zu befürchtenden Krebsfälle durch Fukushima überkompensieren
2. Als Kollateralschaden beim Bau des Staudammes in Assuan, Ägypten sind 1.000.000 (1 Mio.) Ägypter erblindet. Eine Mücke hatte sich bei dem "grünen" Eingriff in die Natur massenhaft vermehrt.
3.Solarkraftwerke brauchen Kupfer, bei der Herstellung von Kupfer entweicht --- Uran.

These 1: die Wahrscheinlichkeit, dass die regenerativen Energien "ohne Restrisiko" oder ohne Folgeschäden funktionieren, ist genau so groß wie die, das perpetuum mobile zu erfinden.

These 2: Wenn Sie sich mit "harter, unabhängiger Recherche" den jetzt schon absehbaren Schäden, Risiken und Gefahren zuwenden, die unsere politische Klasse stante pedes mit ihrem hysterischen Alleingang anrichtet, kommen Sie eher zu einer großen Story als wenn Sie den 147ten Ökoprofessor mit seinen Befürchtungen zitieren, was in Japan passieren könnte, würde, sollte.

Ich tippe auf eine Problemlösung wie beim Wassersparen, beim Dosenpfand, bei der Endlösung für die Glühbirnenfrage, beim grünen Punkt, bei E-10.

Aber mit 2-3 Nullen mehr bei den Posten und bei den Kosten.

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alwbd 05.04.2011, 16:00
102. Selten

Zitat von Emil Kaufmann
...Wahrscheinlich werden diese Todesfälle von Greenpeace und Co. dazugezählt, weil der ganze Kummer über Chernobyl ja nur im Suff ertränkt worden sein kann...
einen derart zynischen Satz gelesen!

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joderbaer 05.04.2011, 16:02
103. Japanisch lesen ist schwer

Zitat von hermann gottschewski
Die Seite ist eben für Leser, die Japanisch lesen können.
Datum? Die meisten scheitern ja schon an der "23" für's Jahr. Wobei ich mich frage, wieso dort immer noch nicht internationale Größen genommen werden...
JDB (Der im Jahre 3 in Japan war ;-))

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koganei 05.04.2011, 16:06
104. Pressemitteilungen der "großen" Energiewirtschaft

Zitat von warzenmeissel
Ihnen wäre lieber, auch hierzulande kopierte die Presse wie in Japan nur die einschlägigen Pressemitteilungen der "großen" Energiewirtschaft und ihrer politischen Freunde.
Mich würde interessieren, woher Sie wissen, dass die japanische Presse nur Pressemitteilungen kopieren. Lesen Sie japanische Zeitungen? Hören Sie japanische Radiosender? Sehen Sie japanische Fernsehsender?

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Anthrophilus 05.04.2011, 16:07
105. Hysterisches Geschreibsel oder?

Zitat von nitram1
Sie meinen hoffentlich nicht ihr unsachliches und hysterisches Geschreibsel oder?
Zitat Nitram (Martin?) "Ich habe ein recht auf deutschen Atomstrom!"

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HolgerS 05.04.2011, 16:14
106. In Deutschland ist alles ganz anders

Zitat von sysop
Japans Journalisten können an der Apokalypse von Fukushima nur scheitern.
Mein Eindruck war eher, dass die Deutschen Medien an der Katastrophe in Japan gescheitert sind.

Aber die Erklärung folgt sofort:
Zitat von sysop
Scharfe Kritik, harte, unabhängige Recherche oder die Enthüllung von Skandalen gelten als eher unschicklich oder sind gar verpönt. Eine der Ursachen: Chefredakteure verstehen sich als Teil des Establishments.
In Deutschland ist es so etwas wie die gefühlte Höchststrafe für einen Journalisten: Zugehörigkeit zum Establishment.

Das ist so wie Schriftsteller und Politiker sich aufmüpfige Bürger wünschen. Wer ist eigentlich das Establishment gegen das man immerzu in Oposition geht?

Bei den Politikern ist es einfach nur Dummheit - den Ast abzusägen auf dem man sitzt: wunderschön bei Leuten wie Claudia Rot oder Herrn Thierse zu beobachten, die immer wieder davon sprechen, die Polizei solle sich nicht von der Politik missbrauchen lassen.

Bei Journalisten schlicht Arbeitsverweigerung, da sich hinter dem dagegen sein wunderbar die eigene Aufgabe verstecken lässt: die Berichterstattung des Geschehenen. Wenn heute jemand in den Medien etwas erklärt oder berichtet ist er/sie meist jenseits des Rentenalters (Peter Scholl Latour/Helmut Schmitt/Kienzle). Von den anderen bekommt man nur eine Meinung zum Geschehen, die Recherche überlässt man dem Bürger. Aus Mangel an Zeit und Ressourcen (ich muss das Geld, dass ich den Medien zahle woanders verdienen) macht der dass aber kaum. Und so leben wir wunderbar mit den Journalisten und ihrer kritischen Gesinnung, die nicht nichts anderes ist als eine Neuinterpretation von des Kaisers neuen Kleidern.

Eigentlich eine Schande - da leben wir in einem der freiesten Länder der Erde und im freiesten Deutschland, das wir je hatten und die Medien benutzen ihre Privilegien nur jammernden Selbstgefälligkeit.

Gruß
HolgerS

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ichse-michse 05.04.2011, 16:15
107. Ganz und gar unüberheblich...

Zitat von JoergHamburg
Sie haben wohl recht, dass es in Japan auf allen Gebieten zurückhaltender und höflicher zugeht als bei uns. Das mag auch dazu führen, dass.....
... haben Sie sich geäußert, schon klar. Trotzdem empfehle ich Ihnen mal folgende Quelle:

http://inmotion.magnumphotos.com/essay/chernobyl
Wird in Japan nicht passieren, TEPCO und die Behörden haben alles im Griff... bis auf ein paar Kleinigkeiten^^

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iyami 05.04.2011, 16:18
108. Messwerte

Zitat von takoyaki
Die Werte wurden doch schon seit langem veröffentlicht. Sendai - Miyagi Fukushima innerhalb des 20-30km Radius
Ich finde da aber leider keine Werte fuer die kritischsten Zeitraeume. (die ersten 2 Wochen nach dem Beben aber ich gruendlich gesucht und nichts gefunden)
Zitat von hermann gottschewski
In Japan werden keine vorhandenen Messwerte aus politischen Gründen zurückgehalten. ... Die von Ihnen genannten orangen Kreise sind mit "Wartungsarbeiten" bezeichnet, was vermutlich heißt, dass die Anlagen durch das Erdbeben oder den Tsunami zerstört und bisher noch nicht wiederhergestellt wurden.
Es ist moeglich dass Sie Recht haben. Ich habe noch mal nachgesehen und in der Tat liegen alle Messstationen in Miyagi und Fukushima sehr nahe am Meer.

Zitat von
Hier einen Wert anzugeben, wäre auch so gut wie sinnlos, da sich das KKW in Fukushima in der Nähe befindet und somit abhängig von dem Wetter die Belastung an verschiedenen Orten der Präfektur sehr verschieden hoch sein kann. Man braucht also sowieso detailliertere Angaben.
Richtig und deshalb sind die Links die sie weiter unten auflisten auch nicht so hilfreich. Ich haette schon gerne genauere Angaben.

Zitat von
... wo Sie für drei Orte Messwerte finden. Wenn Ihnen diese nicht genug sind, probieren Sie doch einmal die anderen Links. Die Seite ist eben für Leser, die Japanisch lesen können.
Ich kann Japanisch & Deutsch und sogar Englisch lesen und habe trotzdem nicht den Eindruck dass detaillierte Informationen zu den 'Peak'-zeiten veroeffentlicht worden sind. Es ist moeglich das ich Informationen uebersehen habe aber als ich gruendlich gesucht habe (Mitte-Ende Maerz) habe ich nichts gefunden. Die jetzigen Werte sind zwar beruhigend aber leider nicht so aussagekraeftig.

Zitat von
Viele Grüße aus Tokyo, wo die radioaktive Belastung unter dem deutschen Durchschnitt liegt! Leider wird so etwas in Deutschland selten gemeldet.
Gruesse aus Ibaraki, wo die Werte zwar fallen aber noch immer ueber den deutschen Werten liegen aber wo man trotzdem noch leben kan

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koganei 05.04.2011, 16:19
109. Nachrichten

[QUOTE=iyami;7567976]Themen die meines Erachtens in den Medien diskutiert werden muessten die noch keine Beachtung oder aber viel zu spaet Beachtung gefunden haben; z.b.:
1) Die Versorgungssitutation der Evakuierten in relativer Naehe zu den AKWs. (Ueber das Thema wurde viel zu spaet und auch nicht sonderlich detailliert berichtet.)
[\QUOTE]
Darüber habe ich einiges im Fernsehen gesehen, auch z.B. der Bürgermeister von Minamisoma, einer Stadt, die zum Teil im Evakuierungsgebiet liegt, hat sehr deutlich gemacht, was er von der Regierung und der ausbleibenden Hilfe hält.
[QUOTE]
2) Ich denke auch dass es ziemlich wenig Informationen zu den Arbeitern am AKW gibt (mit welchen Mitteln Druck ausgeuebt wurde, wer wirklich freiwillig da ist,...)
[\QUOTE]

Das mag stimmen. Ich habe nichts davon mitbekommen.

[QUOTE]
3) Wer wirklich entscheidet was an den AKWs passiert und wer sonst noch Hilfe leistet. (Ich habe zuerst aus europaeischen Medien erfahren das Amerikanische Soldaten eins der Feuer an den AKWs (mit?-)bekaempft haben)
[\QUOTE]

Wer wirklich entscheidet ist wohl ein Gremium, dass sich aus Ingenieuren von TEPCO und von NISA zusammensetzt. Diese Tatsache muss dann aber nicht jeden Tag aufs Neue wiederholt werden.

[QUOTE]
4) Moegliche Entwicklungen. Was fuer Folgen verschiedene Entwicklunge an den AKWs fuer die Menschen im Osten Japans bedeuten wuerde (best/worst case scenarios)
[\QUOTE]

Das wird nun wirklich thematisiert, auch wenn es eine Weile gedauert hat, bis man darüber sprach.

[QUOTE]
5) Einmal eine etwas fundiertere Erklaerung der verschiedenen Gefahren (Radioktivitatet in der Luft, im Wasser, im Boden, im Essen).
[\QUOTE]

Kommt ständig.

Zitat von
Wie gesagt ich habe nicht das Gefuehl dass wissentlich falsch berichtet worden ist sondern dass die wirklich kritischen/schwierigen Themen nicht angefasst worden sind.
Die Informationspolitik der Regierung kann man wohl kritisieren (und die Medien tun das), oder vielleicht die Tatsache, dass die Regierung lange von TEPCO an der Nase herumgeführt worden ist (und es immer noch wird?). Von TEPCO selbst braucht man wohl nicht zu reden. Dass die Medien im Allgemeinen die obigen Themen nicht behandeln, stimmt meiner Meinung nach nicht.

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