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Katastrophen: Auffällig unauffällig

Japans Journalisten können an der Apokalypse von Fukushima nur scheitern. Scharfe Kritik, harte, unabhängige Recherche oder die Enthüllung von Skandalen gelten als eher unschicklich oder sind gar verpönt. Eine der Ursachen: Chefredakteure verstehen sich als Teil des Establishments.

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k.h.a. 05.04.2011, 16:39
110. Und bitte nicht vergessen: die Herausgeber!

Sofern diese das eigene Erzeugnis zur Verbreitung des persönlichen Wortes benutzen - wie bei anspruchsbemühten Blättchen hierzulande nicht unüblich - lassen sie fahren dahin: Recherche, Bemühung um Fairness, ja einfachste auch etwa juristisch fundierte Regeln etwa über Unschuldsvermutung (Berlusconi et alt.) und Reste guten Benehmens werden freigiebig geopfert, wenn es um ureigene spießige Moralvorstellungen geht. Nun gut, es gibt auch noch andere Herausgeber, nicht wahr, Herr Nonnenmacher.

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Maxjonthal 05.04.2011, 16:42
111. Nichts mitbekommen

Zitat von sorata
Eine ausgezeichnete Analyse über das Gemengelage, Politik, Wirtschaft und Medien in Japan. Genauso wie ich es in meinen Jahren dort erlebt habe. Ich glaube kaum, dass die meisten Kritiker hier in einem solch korrupten und manipulierten System leben möchten. Vor einigen Tagen gab es in der FAZ einen ähnlich klaren Bericht,der das Japan Bild vieler Deutschen entmystifizierte.
Dann haben Sie in "Ihren Jahren in Japan"nichts von dem Land mitbekommen,wenn Sie es darauf reduzieren.Unzweifelhaft gibt es auch hier,wie in jedem Industrieland,ein gehöriges Maß an Korruption und Vertuschungen in den oberen Etagen.Das traurige Ergebnis kann man jetzt sehen.
Doch käme im Westen zu der Angst vor der immer wieder(warum wohl?)prophezeiten radioaktiven Wolke,vor den (hier Tepco-)Schlampereien noch die Angst vor dem Mitmenschen hinzu.

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mont_ventoux 05.04.2011, 16:43
112. Verdachtsjournalismus

Zitat von sysop
Japans Journalisten können an der Apokalypse von Fukushima nur scheitern. Scharfe Kritik, harte, unabhängige Recherche oder die Enthüllung von Skandalen gelten als eher unschicklich oder sind gar verpönt. Eine der Ursachen: Chefredakteure verstehen sich als Teil des Establishments.
Deutschlands Journalisten scheitern auch bereits seit dreieinhalb Wochen an der Katastrophe von Fukushima. Sachverstand, unabhängige Recherche oder die objektive Darstellung von Fakten gelten als eher unschicklich oder sind gar verpönt.

Eine der Ursachen: Der Kampf um Auflagen und Marktanteile. Je dramatischer die Schlagzeile, umso besser lassen sich die ängstlichen und katastrophensüchtigen Deutschen fangen. Beispiel: SPON vom 03.04.2011: „Tote Arbeiter in havariertem AKW gefunden“ (http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,754722,00.html). Soll natürlich suggerieren: Hier sind endlich die ersten beiden Japaner verstrahlt worden. Erst weiter unten im Bericht wird dann klar, dass es sich vermutlich um unmittelbare Opfer des Tsunamis handelt.

Andere Ursache: Die Journaille schreibt gerne das, was derzeit hierzulande als politisch korrekt gilt. Und ärgert sich anschließend darüber, dass man nicht nur im restlichen Europa, sondern insbesondere auch in Japan selbst wesentlich weniger hysterisch mit der Katastrophe umgeht. Und da der Panik-Funke von Deutschland aus einfach nicht überspringen will, denunziert man genervt mal eben die japanischen Kollegen.

Die Katastrophe in Japan belegt ein weiteres Mal, dass wir es hierzulande insbesondere mit Suggestiv- und Verdachtsjournalismus zu tun haben. Wirklich besser als die für Japan unterstellte Hofberichterstattung ist das letztendlich auch nicht.

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Aldaris181 05.04.2011, 16:48
113. Falsche Aussage bzgl. Krebs

Zitat von einszweidrei
Schon vor dem Fukushima-Desaster erkrankte jeder zweite Japaner im Laufe seines Lebens an Krebs. Es wurde dort nie ein Zusammenhang mit den 54 KKW im Land gesehen.
Woher haben sie denn diese Information?
Ohne ihnen jetzt etwas unterstellen zu wollen halte ich diese Aussage für total Falsch und reines Japan bashing, so wie es ein Großteil der Deutschen tut.
Japanische Frauen haben z.B 5-6 mal weniger Brustkrebs als Europäerinnen.
Außerdem ist Japan das Land mit der höchsten Lebenserwartung.

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hermann gottschewski 05.04.2011, 16:53
114. tokyo-ibaraki.miyagi

Zitat von iyami
Ich kann Japanisch & Deutsch und sogar Englisch lesen und habe trotzdem nicht den Eindruck dass detaillierte Informationen zu den 'Peak'-zeiten veroeffentlicht worden sind. Es ist moeglich das ich Informationen uebersehen habe aber als ich gruendlich gesucht habe (Mitte-Ende Maerz) habe ich nichts gefunden. Die jetzigen Werte sind zwar beruhigend aber leider nicht so aussagekraeftig.
Entschuldigung, da habe ich Sie vollkommen falsch eingeschätzt. Aber auf der Seite, die ich Ihnen verlinkt habe, nämlich dieser

http://www.pref.miyagi.jp/gentai/Pre...(sokutei).html

finden Sie doch sämtliche Werte vom 14. März bis heute, jeweils mehrere Messungen pro Tag, angegeben? Was wären für Sie aussagekräftige Werte? Natürlich bleiben für den Wissenschaftler ein paar Fragen offen, und die werden sicher nicht von jeder Messstation beantwortet. Sehr detailliert und hilfreich (allerdings nicht für die unmittelbare Umgebung des KKW Fukushima) informiert ein Institut der Tsukuba-Universität. Vielleicht ist es ja in Ihrer Nähe, da Sie in der gleichen Präfektur wohnen:

http://www.aist.go.jp/taisaku/ja/measurement/index.html

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sorata 05.04.2011, 16:56
115. Nicht nur das

Zitat von joderbaer
Datum? Die meisten scheitern ja schon an der "23" für's Jahr. Wobei ich mich frage, wieso dort immer noch nicht internationale Größen genommen werden... JDB (Der im Jahre 3 in Japan war ;-))
Auch die eigene Geschichte wird da wohl weich gespült. Anfangs
war es wohl ein Matriarchat und eine Kaiserin, auch noch aus
Korea kommend, die Japan besiedelten, außer den Ainus, die wohl schon vorher in Hokkaido da waren. So genau wollen die Japaner das gar nicht wissen, weshalb man auch die ersten
Kaisergräber nicht antastet. In japanischen Schulbüchern haben es praktisch die Chinesen selbst zu verantworten, dass es damals in Nanking "zu einigen Übergriffen" kam.

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Rainer Helmbrecht 05.04.2011, 16:56
116. Ohne Titel ist man freier.

Zitat von takoyaki
............ Ich muss mich denen, die von deutschen Berichterstattung der Katastrophe entsetzt sind nur anschliessen. Seit Tag 1 wechseln sich nur noch Panikmacherei,reisserische Schlagzeilen, oberflächeliche Recherchen und romantisierte Stereotypen von Japan nur noch ab. Dazu kommt natürlich eine gute Dosis der westlichen Arroganz hinzu und der Journalistische Supergau ist perfekt. Kritschere Medien kann man hier sehr wohl finden - dazu muss man leider nur die Sprache verstehen, welches viele der westlichen Journalisten anscheinend nicht können.
Es mag sein, dass man so etwas selektiv liest, aber ich lese in Abständen nur von Verharmlosungen, die schon wenige Tage später bestätigt werden.

Da explodiert Reaktor 2, ach nein, 3, aber 4 ist schlimmer, aber der ist ja schon lange abgeschaltet. Bei Reaktor 2 ist nur das Dach runter geflogen, was nicht so schlimm ist, weil man da besser kühlen kann, was leider nicht funktioniert, weil kein Strom da ist. Dafür funktionieren die Pumpen nicht mehr, aber die wurden ja schon durch neue aus BW ersetzt. Das bisschen Wasser, welches man in die AKWs rein bringt, das könnte durchsickern. Aber kein Problem, da sickert nichts, sondern läuft in voller Breite seitlich raus.

Das hielt man früher für einen Gau, aber heute entlastet das die Speicherkapazität für das verseuchte Wasser. Vorsichtshalber hat man die Grenzwerte für die Strahlenbelastung in Deutschland erhöht, aber nur, damit wir uns nicht so aufregen.

Scheiße ist einfach als Lebensmittel erträglicher, wenn man Geschmacksverstärker dran macht, Frau Aigner überlegt schon, ob sie das Reinheitsgebot auch auf solche Produkte ausdehnen sollte, damit das alles Gesundheitskonform wird.

MfG. Rainer

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realpirate 05.04.2011, 16:58
117. immer nur warmduschen

Zitat von Emil Kaufmann
Momentan haben hier die Warmduscher Hochkonjunktur, das ist schon klar... Leider ist mit dem wahrgenommenen Vorteil "AKW abschalten" auch im Regelfall ein Nachteil verbunden, der von den Hysterikern vornehm ausgeblendet wird...
# Kaufmann
Wiki definiert Warmduscher als eine spaßhafte oder beleidigende Bezeichnung für eine Person, die für „schwächlich oder feige“ gehalten wird.

In diesem sinne, werter Kaufmann : Sie haben natuerlich recht ! Als versierter warmduscher bin ich natuerlich bloss zu feige und schlapp um mit der atomkraft zu leben. Auch eine differenzierte berichterstattung ist mir nicht zuzumuten, da ich gleich hysterisch reagiere.
Ich versuche mich jetzt mit der lektuere eines guten buches zu beruhigen : der Bildband 'Sperrzonen Pripyat and Chernobyl' aus dem Steidli Verlag 2003 zeigt doch immer wieder wunderschoene natur.....und so leer.
In diesem sinne - vorsicht bei der metaphernwahl :-)

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iyami 05.04.2011, 17:04
118. ---

Darüber habe ich einiges im Fernsehen gesehen, auch z.B. der Bürgermeister von Minamisoma, einer Stadt, die zum Teil im Evakuierungsgebiet liegt, hat sehr deutlich gemacht, was er von der Regierung und der ausbleibenden Hilfe hält. wie gesagt: zu spaet

Das mag stimmen. Ich habe nichts davon mitbekommen.

Zitat von
3) Wer wirklich entscheidet was an den AKWs passiert und wer sonst noch Hilfe leistet. (Ich habe zuerst aus europaeischen Medien erfahren das Amerikanische Soldaten eins der Feuer an den AKWs (mit?-)bekaempft haben)
Wer wirklich entscheidet ist wohl ein Gremium, dass sich aus Ingenieuren von TEPCO und von NISA zusammensetzt. Diese Tatsache muss dann aber nicht jeden Tag aufs Neue wiederholt werden. was mich hier stoert ist das "wohl ein Gremium" und "Tatsache". Klar einmal berichtet waere schon genug. Natuerlich waere es nett etwas stichhaltigere Begruendungen fuer die gefaellten Entscheidungen zu bekommen. (Die ersten Entscheidungen sind wohl groesstenteils auf der Basis von TEPCOs Wirtschaftsinteressen gefaellt worden)

Das wird nun wirklich thematisiert, auch wenn es eine Weile gedauert hat, bis man darüber sprach.

Zitat von
5) Einmal eine etwas fundiertere Erklaerung der verschiedenen Gefahren (Radioktivitatet in der Luft, im Wasser, im Boden, im Essen).
Kommt ständig. Ich denke unsere Auffassunge davon was "fundiert" bedeutet stimmt vielleicht nicht ueberein, wobei ich vielleicht zu viel Erwarte.


Zitat von
Die Informationspolitik der Regierung kann man wohl kritisieren (und die Medien tun das), oder vielleicht die Tatsache, dass die Regierung lange von TEPCO an der Nase herumgeführt worden ist (und es immer noch wird?). Von TEPCO selbst braucht man wohl nicht zu reden. Dass die Medien im Allgemeinen die obigen Themen nicht behandeln, stimmt meiner Meinung nach nicht.
Wie gesagt, zu spaet oder nicht hinreichend. Zum Beispiel sind (falls Fukushima unter 'Kontrolle' bleibt) nicht die Strahlunsintensitaeten in der Luft sondern die Anreicherung in der Nahrungskette und die Langzeitwirkung das Groesste Problem.

Ich muss aber auch zugeben dass ich die ersten Wochen mehr Zeit hatte (als mein nicht-japanischer Vorgesetzter sich erst einmal verkruemelt hatte) Nachrichten zu gucken, Zeitung zu lesen und im Netz zu suchen.

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Medienkritiker 05.04.2011, 17:06
119. abenteuerlich...

Zitat von einszweidrei
Schon vor dem Fukushima-Desaster erkrankte jeder zweite Japaner im Laufe seines Lebens an Krebs. Es wurde dort nie ein Zusammenhang mit den 54 KKW im Land gesehen.
Unglaublich welchen Unfug Sie hier verbreiten! Sie sollten sich schämen.

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