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Krank in der Leistungsgesellschaft: Wie der Kapitalismus den Stress privatisiert
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Wer trägt die Kosten, wenn das Wirtschaftssystem krank macht? In seinem Essay "Kapitalistischer Realismus" fordert der britische Wissenschaftler Mark Fisher: Die Gewerkschaften müssen die politische Dimension von Burnout und Depression erkennen. Mark Fisher: "Kapitalistischer Realismus ohne Alternative?" - SPIEGEL ONLINE

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kurtliberal 21.10.2013, 11:06
140.

Zitat von Xircusmaximus
Es kommt freilich mitnichten auf die Anzahl von Einzahlern und Entnehmern an, sondern einzig und allein darauf was eine Volkswirtschaft erwirtschaften und anschließend wie auch immer verteilen kann.
Ha, Sie sind gut. Also immer weniger Menschen müssen sich kaputt buckeln um den Wohlstand aller zu erarbeiten. Und das nennen Sie dann bestimmt auch noch Gerechtigkeit, oder?

Zitat von Xircusmaximus
Ganz davon abgesehen, dass die systematische Lohnsenkungspolitik der letzten 20 Jahre die Sozialkassen systematisch ausgetrocknet haben. Die Parole aber ist, Weiter so der Kapitalismus siegt....sich zu Tode.
In den letzten 20 Jahren wurden die Sozialkassen bestimmt nicht von der Seite der Einzahler ausgetrocknet. Schauen Sie sich doch den Link vom UweZ an, wenn Sie mir nicht glauben. Dort ist zu lesen, dass 1990 die Sozialleistungsquote bei 25,8% lag und im Jahre 2010 bei 31,7%. Wenn dem so ist, können die Sozialkassen wohl nur von der Entnehmerseite ausgetrocknet worden sein.
Abgesehen davon senkt noch steigert die Politik Löhne. Die Löhne richten sich nach Angebot und Nachfrage :))). Also wie viel ist jemand bereit für eine bestimmte Arbeit zu zahlen. Das wird sich übrigens auch nicht mit dem Mindestlohn ändern.

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Xircusmaximus 21.10.2013, 13:07
141. Das nenne ich nicht Gerechtigkeit, sondern Logik und Realismus

.
Die von der Konkurrenz getriebene technologische Rationalisierung, macht menschliche Arbeitskraft tendenziell überflüssig.Das ist wirklich nichts Neues.
Zitat von kurtliberal
Ha, Sie sind gut. Also immer weniger Menschen müssen sich kaputt buckeln um den Wohlstand aller zu erarbeiten. Und das nennen Sie dann bestimmt auch noch Gerechtigkeit, oder? In den letzten 20 Jahren wurden die Sozialkassen bestimmt nicht von der Seite der Einzahler ausgetrocknet. Schauen Sie sich doch den Link vom UweZ an, wenn Sie mir nicht glauben. Dort ist zu lesen, dass ....
Es ist natürlich eine schöne Illusion daß die Löhne sich lediglich nach Angebot und Nachfrage richten. Freilich ist es kein Zufall, dass es stets Millionen und aber Millionen Anbieter von Lohnarbeit und nur eine verschwindend geringe Anzahl von Nachfragern von Lohnarbeit gibt. Und freilich steuert die Politik mit der Senkung sozialer Standards ( Ein Euro Jobs-HATZ IV usw. ) auch die Löhne. Damit ist Deutschland Exportweltmeister geworden. Wovon freilich die große Masse der Lohnabhängigen nichts hat. Doch Deutschland geht es gut, wie überall verkündet wird. Nur wer ist Deutschland. Sie sind voller Illusionen bester Kurt. Die Erhöhung der Sozialleistungsquote hat natürlich auch weitergehende Ursachen als staatliche Lohnsenkung. Nämlich oben genanntes. Das diese Quote gerdae nach 1990 gestiegen ist, ist natürlich kein Zufall. Die deutsche Einheit hat die große Mehrheit der DDR Industrie zusammenbrechen lassen wie ein Kartenhaus. Neue Arbeitsplätze die die entschwundenen ( siehe oben ) kompensieren könnten, sind allerdings nicht entstanden. Das heißt die Zahl der Einzahler sinkt die Zahl der Empfänger steigt, was freilich nicht das Geringste mit Demographie zu tun hat. Sondern siehe oben.
Sie können natürlich weiterhin soziale Standards senken, die entschwundenen Arbeitsplätze bringt dies nicht zurück. Der deutsche Osten wird auf ewig am Tropf des deutschen Westens hängen, sowie der europäische süden am Tropf des europäischen nordens hängen bleiben wird. Und auch auf den Aufschwung können Sie trotz Senkung sozialer Standards warten bis zum Skt Nimmerleinst Tag.Denn wie sagte schon Henry Ford; Autos kaufen keine Autos und HATZ IV Empfänger, Hungerlöhner,Niedrig-Rentner usw. natürlich auch nicht.

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UweZ+ 21.10.2013, 15:05
142. ...

Zitat von kurtliberal
Ja, wenn man nur bis zur Nasenspitze denkt. Wobei Sie zum Glück noch das Wort unmittelbar eingefügt haben. Es scheint Ihnen selbst also auch bewusst zu sein, dass solche Prozesse oftmals über viele Jahre oder Jahrzehnte ihre volle Wirkung entfalten...
Klar ist mir das bewusst...!
Im Kommunismus sollen nach kommunistischer Ideologie ja für die Menschen auch primär die ersten, endlos langen 50 Jahre schlimm sein.

Im Kapitalismus gilt selbiges nach kapitalistischer Ideologie glücklicherweise gerade mal für ein ruckzuck vergangenes, läppisches halbes Jahrhundert...

Zitat von kurtliberal
...Gut dass Sie dabei nicht die Werte ab 1960 erwähnt haben. Absicht? Oder einfach nur übersehen?...
Dass ich unsere bundesrepublikanische Gegenwart im Gegensatz zu Ihnen nicht mit der des Jahres 1960 vergleiche, ist keine meinerseitige Schluderigkeit, sondern Absicht...

Denn um die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Jahres 1960 zu reaktivieren müsste wir:

(i.) 1-2 Jahrzehnte zuvor einen gut Teil der deutschen Bevölkerung töten, sowie es bekanntlich im 2. Weltkrieg geschah.

(ii.) Grosse Teile des bundesdeutschen Privatvermögens pyrotechnisch neutralisieren, so wie es auch im 2. Weltkrieg geschah.

(iii.) Einen politisch auf Ost-West-Konfrontation bedachten Geldgeber finden, der uns nen grosszügigen Marshall-Plan für die Zeit bis 8 Jahre vor dem von Ihnen präferierten Vergleichsstichtag spendiert.

(iv.) Mittels eines fulminanten Staatsbankrotts Deutschlands ausländsche Gläubiger über den Tisch ziehen, so wie es dem Kabinett Adenauer I mit Wirtschaftsminister Ludwig Ehrhard beim "Londoner Schuldenabkommen 1953" gelang.

Die Vorstellung der realen Erfüllung dieser ökonomischen Rahmenbedingen wirkt auf meine sozialromantische Wenigkeit nicht ganz so erstrebenswert, wie selbiges manchen Wirtschaftsliberalen als durchaus akzeptabeler Weg zur erneuten Erhöhung der kapitalistischen Profitrate erscheinen mag.

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kurtliberal 21.10.2013, 15:57
143.

Zitat von Xircusmaximus
. Die von der Konkurrenz getriebene technologische Rationalisierung, macht menschliche Arbeitskraft tendenziell überflüssig.Das ist wirklich nichts Neues.
Was Sie schreiben dürfte ja mittlerweile jeder Deutsche gefühlte 100.000 Mal gehört haben. Das ist diese ganze staatssozialistische Propaganda die einem ja täglich auf allen Kanälen das Gehirn wäscht. Nur leider verpufft diese ganze vermeintliche Logik bei näherem Hinsehen.
Die Automatisierung und Rationalisierung hat gewisse Arbeit überflüssig oder effektiver gemacht. Dieser Prozess hält jetzt aber bestimmt schon, sagen wir mal, 5000 Jahre an. Und seit dem ist es Usus, wenn eine gewisse Arbeit weg fällt, derjenige der diese Arbeit verrichtet hat etwas anderes macht was nützlich für die Gesellschaft ist. Mal ein Beispiel welche Arbeit vor über 2000 Jahren automatisiert wurde. Im alten Rom gab es Leute die haben ihren Lebensunterhalt, oder einen Teil davon, damit verdient Wasser von den Quellen auf die Felder und in die Städte zu tragen, die Wasserträger. Jetzt kamen also vor mehr als 2000 Jahren böse Kapitalisten auf die Idee diese Arbeit zu automatisieren und haben diese Aquädukte gebaut. Nach Ihrer Logik müsste es also heute immer noch Wasserträger geben die nichts anderes tun können als von Sozialtransfers zu leben.
Die Realität ist natürlich eine andere. Die Leute haben einfach etwas anderes sinnvolles mit der frei gewordenen Zeit angefangen. Und auf diese Weise hat jede Automatisierung die Gesellschaft insgesamt wohlhabender gemacht.
Wenn keine neuen Ideen vorhanden sind was man mit der freien Zeit machen kann, dann schaut man sich im Markt um was gut läuft und macht da eben Konkurrenz. Dadurch verteilt sich dann wenigstens die Arbeit die aktuell in der Volkswirtschaft anfällt auf mehr Leute.
Dieser Prozess ist ganz normal und findet immer statt. Das einzige was man heute als einmalige Situation in der Menschheitsgeschichte bezeichnen könnte ist der rasante Strukturwandel in so vielen unterschiedlichen Branchen. Deswegen darf man aber trotzdem nicht einfach aufgeben und den Sozialstaat als dauerhafte Alimentierung, sogar noch über Generationen hinweg, betrachten.

Ansonsten ist es gar nicht was ich will die Sozialstandards zu senken. Wegen mir können die beliebig hoch sein, so lange die Realität dabei auch mitspielt. Wenn allerdings alles auf einen gesellschaftlichen Zusammenbruch hinausläuft, dann würde ich sie lieber nicht ganz so hoch ansetzen.
Mir geht es auch gar nicht ausschließlich um den Sozialstaat. Ich hatte ja ganz allgemein von der Staatsquote geschrieben und dem Grad der Bürokratisierung. Die hohe Staatsquote, die Regulierungswut und auch der Sozialstaat verhindern oder verlangsamen aber eben auch die Erneuerung der Gesellschaft.

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Xircusmaximus 21.10.2013, 16:45
144. Ich stelle mal ganz einfach fest

.
daß Sie nicht den Hauch einer Ahnung haben, wie Kapitalismus überhaupt funktioniert. Ich habe ja nicht umsonst etwas von Konkurrenz getriebener technologischen Rationalisierung geschrieben. Diese Rationalisierung erfolgt nicht wegen besserer Lebensbedingungen oder ähnliches, ein solches ist den Investoren auch völlig schnurz. Im Kapitalismus geht es nur um Eines, um die Verwertung investierten Werts. Die Befriedigung von Bedürfnissen ist dabei völlig gleichgültig. Sowie es gleichgültig ist, ob nun mit Kondomen, Tütensupen oder Tellerminen Profit gemacht wird.
Beschäftigen Sie doch erst einmal mit etwas Kritik der politischen Ökonomie, damit Sie überhaupt wissen, wovon ich hier schreibe.
Zitat von kurtliberal
Was Sie schreiben dürfte ja mittlerweile jeder Deutsche gefühlte 100.000 Mal gehört haben. Das ist diese ganze staatssozialistische Propaganda die einem ja täglich auf allen Kanälen das Gehirn wäscht. Nur leider verpufft diese ganze vermeintliche Logik bei näherem Hinsehen. Die Automatisierung und Rationalisierung hat gewisse Arbeit überflüssig oder effektiver gemacht. Dieser Prozess hält jetzt aber bestimmt schon, sagen wir mal, 5000 Jahre an.

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