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Krank in der Leistungsgesellschaft: Wie der Kapitalismus den Stress privatisiert
Corbis

Wer trägt die Kosten, wenn das Wirtschaftssystem krank macht? In seinem Essay "Kapitalistischer Realismus" fordert der britische Wissenschaftler Mark Fisher: Die Gewerkschaften müssen die politische Dimension von Burnout und Depression erkennen. Mark Fisher: "Kapitalistischer Realismus ohne Alternative?" - SPIEGEL ONLINE

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Professor Balthasar 16.10.2013, 17:48
20. Lösung des Problems

Problembewusstsein und Analysen sind erste Schritte. Wie man die Ursachen der Probleme lösen kann, zeigt bandbreitenmodell.de/vision.

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severin123 16.10.2013, 18:00
21. Der Kampf

ums Überleben hat die Menschen seit eh und je begleitet. Gesetz des Jungels , der Stärkere gewinnt, das haben wir Alle schon mal gehört . Bei der Arbeit geht es nicht nur ums Geld zu verdienen. Nennt mich verrückt aber ohne die Arbeit und ohne den Stress, wäre ich auch unglücklich. Was ist schlimmer? Ausgebrannt oder nicht ausgelastet?

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UweZ+ 16.10.2013, 18:28
22. Können "Analysen" unserem "Bewusstsein" denn tatsächlich Beine machen...???

Zitat von Professor Balthasar
Problembewusstsein und Analysen sind erste Schritte...
Gegenwärtig durchlaufen wir augenscheinlich ein grosses Gesellschaftsexperiment, bei dem zwangsläufig geklärt werden wird, ob nun Immanuel Kant mit seiner Annahme richtig lag, dass die Moral (Kritik der praktischen Vernunft) mit den Mitteln des Verstandes (Kritik der reinen Vernunft) begründbar sein müsse.

"Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person, als in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchst."
Immanuel Kant - Grundlegung zur Metaphysik der Sitten (1785)

Oder ob evtl. doch Adam Smith recht behält, der in seiner "Theorie der ethischen Gefühle" (1759) postulierte, dass Moral nicht rational hergeleitet werden müsse, da diese sich unter den destruktiven Vergeltungsgefühlen sozial Benachteiligter "wie von unsichtbarer Hand geleitet" von ganz alleine einstelle.

Klar scheint gegenwärtig schon mal zu sein, dass in Fragen der Wechselwirkung zwischen KOLLEKTIV HANDELNDER Gemeinschaft und in genannter Gemeinschaft aktiven Händlern der grosse Vordenker aller Marktwirtschaft, Adam Smith, den offensichtlich empirisch-analytischen richtigen Riecher besass:

Adam Smith, "Wohlstand der Nationen", 4. Buch (1776)
"Die Herrschaft einer privilegierten Gesellschaft von Kaufleuten ist wohl die schlimmste aller Regierungen für jedes Land. Eine Gesellschaft von Kaufleuten ist offensichtlich unfähig, sich als Landesherr zu begreifen. Selbst dann nicht, wenn sie diese Aufgabe selbst wahrnehmen. Sie betrachten nach wie vor den Handel als ihre entscheidende Funktion. Und in seltsamer Verkennung der Tatsachen sehen sie in der Aufgabe des Souveräns bloß ein Anhängsel zu den Pflichten des Kaufmanns."

Während ein offensichtlich von Immanuel Kant inspirierter Sprachkünstler Goethe die INDIVIDUELL MENTALEN Folgen der kapitalistischen Ideologie umgangssprachlich überaus zutreffend umschreibt:

"Die Menschen werden an sich und anderen irre, weil sie die Mittel als Zweck behandeln, da denn vor lauter Tätigkeit gar nichts geschieht, oder vielleicht gar das Widerwärtige..."
Johann Wolfgang von Goethe - Wilhelm Meisters Wanderjahre (1829)

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klaus meucht 16.10.2013, 18:30
23. Man bekommt was man misst und nicht was man haben will

Zitat von carolane
Es ist ja soo schlimm dass nicht nur Schüler dauernd gemessen werden, jetzt wird auch noch der Erfolg der Lehrer gemessen, mit dem Resultat dass alle Lehrer furchtbar leiden. ... Wozu sind Schulen und Unis denn da? Zur Ausbildung und Vorbereitung fürs Erwerbsleben, und zu sonst nichts. Und da will man so effizient und schnell wie möglich durchkommen.
Die Schule dient in erster Linie zur Persönlichkeitsbildung und in zweiter Linie zur Vorbereitung aufs Erwerbsleben.

Mein bester Lehrer den ich je hatte war mein Deutschlehrer in der Oberstufe. Der wäre bei jeder Messung des Erfolgs wahrscheinlich nur im Mittelmaß gelandet.

Dieser Deutschlehrer war sicherlich nicht der beste uns Rechtschreibung und Grammatik beizubringen. Aber er war ein Vorbild in Engagement und Umgang mit Menschen. Wenn er von seinen persönlichen Erfahrung erzählte war es spannend. Und er hat uns Interesse auf Kultur und Geschichte geweckt. Man spürte dass er uns als Menschen respektierte und er hat sicher dazu beigetragen dass wir aktiver durchs Leben gehen.

Verschiedene Lehrer haben verschiedene Vorstellungen was ein erfolgreicher Unterricht ist. Die Pisa Tests können nur Wissen und ggf. mathematisches logisches Denken testen. Sie können nicht Sozialverhalten, Kreativität, Engagement testen. Das sind genau die Punkte auf die es ankommt. Auch im Berufsleben.

Wer Erfolg misst bekommt das was man misst und nicht unbedingt das was man haben will. Wie wollen Sie Vertrauen und langfristige Zufriedenheit von Kunden messen? Wie wollen Sie messen ob Schüler eingeschüchtert oder gerne zur Schule gehen?

Übrigens leben wir in einer Demokratie. Die funktioniert nur dann wenn ein sehr hoher Anteil von Menschen in der Lage ist eine eigene Meinung von Politik und Wirtschaft zu machen. Wer sonst als die Schule kann hier helfen? Schule ist deutlich mehr als nur Vorbereitung auf das Erwerbsleben.

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dr.joe.66 16.10.2013, 18:36
24. aus-gebrannt

Zitat von habnichviel
Deutschland AG. Jeder soll sich Mühe geben, um mit seinem Job ausreichend Geld zu verdienen und damit die privatisierten Dinge im Leben zahlen zu können. Jeder ist seines Glückes Schmied selbst, habe ich schon seit meiner Kindheit gehört. Aber jetzt hat das eine überragende Bedeutung erlangt. Die Menschen haben das verinnerlicht, es gibt kaum noch einen Schuldigen. Phantastische Zeiten für Politiker, die sind an nichts mehr schuld. Fehlt bloß noch, das dann alles auf den lieben Gott geschoben wird, auch das Ausgebranntsein. Wo leben wir denn?
Ich gebe Ihnen komplett Recht!

Zum Thema Gott: Jesus hat sich zum Beten allein zurückgezogen, obwohl bzw. gerade weil ständig alle etwas von ihm wollten. Auch ER brauchte Zeiten zum Auftanken. Mal abgesehen davon, dass er ziemlich deutliche Worte zu Geldgier gefunden hat.

Zur Frage: Wo leben wir denn? Genau dort, wo wir entweder selbst hinwollten, oder wo wir uns haben hin(ver)führen lassen.

Merke: Es hat noch nie jemand auf seinem Sterbebett gesagt: Ich wünschte ich hätte mehr Zeit im Büro verbracht...

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ginthos 16.10.2013, 18:42
25. Der Mensch

Zitat von spon-facebook-10000283853
..... Wer "versklavt" einen dann wohl? Der Existenzdruck. Man muss etwas zu essen finden, man muss sich gegen die Kälte schützen, gegen Tiere und Organismen, die einem das Essen streitig machen .... DA kommt der Druck her und nicht aus dem "Kapitalismus" - der freie Markt hilft einem diesen Druck zu mindern und nicht andersrum.
So ist das nicht.

Es ist dem Menschen in die Wiege gelegt, möglichst viel Glück und möglichst wenig Leid zu erleben und zu verursachen.
Nur kranke und asoziale Gemüter wollen unnötiges Scheinglück zum echten Leidwesen Anderer erreichen.

Im ersten Schritt gehört zum Glück natürlich dazu, dass man zu Essen hat, nicht friert etc...das erklärt den "Existenzdruck"

Aber es gehört nicht dazu, dass jemand sein hundertstes Traumschloss baut, während Andere hungern und frieren.

Kurzum, wir leben am Glück vorbei.
Die einen aus Not, die anderen aus Überfluss.

Und wie man das nennt ist egal. Es ist die Gier

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dr.joe.66 16.10.2013, 18:43
26. Glück / Zufriedenheit

Zitat von ginthos
Absolut korrekt. Ein zielführender Weg könnte sein, das Fach "Glückslehre" in der Schule einzuführen. Versuche gibt es bereits. dabei geht es natürlich nicht darum, wie man im Lotto gewinnt, sondern welche Regeln (wissenschaftlich fundiert) man im Leben anwenden soll, um möglichst viel Glück und möglichst wenig Leid im Leben zu erleben und zu verursachen. Mit Neoliberal wäre dann schnell Feierabend.
Sehr guter Punkt.

Ich würde zwei "Kurse" einführen:
1) Zufriedenheit
2) Glück

Meine Oma hat zwei Kriege erlebt, Vertreibung, Flucht, nie ein Haus besessen, nie ein Auto. Als sie 100 war, hat sie mal gesagt: Ich habe viel Elend gesehen und selbst alles verloren. Wir mussten bei Null wieder anfangen. Aber ich habe im Krieg weder den Mann noch eins meiner Kinder verloren. Wir hatten nie wirklich schlimmen Hunger. Wir waren immer gesund. Ich hatte ein gutes Leben.

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dr.joe.66 16.10.2013, 18:51
27. Oh mein Gott...

Zitat von carolane
... Wozu sind Schulen und Unis denn da? Zur Ausbildung und Vorbereitung fürs Erwerbsleben, und zu sonst nichts. ....
Schon mal versucht ein Bild von van Gogh zu verstehen?
Oder eine Stunde vor einem Bild von Mondrian gesessen?
Oder einem Stück von Bach zugehört? Oder Mozart? (Nicht als Nebengeräusch im Einkaufstempel, sondern bewusst?!)
Schon mal ein Buch gelesen? (Kein Fachbuch. Und auch nicht, weil der Nachbar mit dem Porsche die Autorin empfiehlt...)

Wenn Sie Ihr Leben auf das Erwerbsleben reduzieren, sind Sie bereits Sklave des Kapitalismus.

Wenn Sie Bildung auf Ausbildung reduzieren, haben Sie den Sinn von Bildung nicht verstanden.

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spon-facebook-10000283853 16.10.2013, 19:02
28.

Zitat von klaus meucht
Zunächst einmal bedeutet Kapitalismus nicht freier Markt. Sie scheinen sich sogar auszuschließen. Wir werden beherrscht von Konzernen, freien Wettbewerb gibt es nur noch in den Nischen. Menschen haben den Druck der Risiken der freien Natur bis zu einem gewissen Grade überwunden, weil sie sich zusammengeschlossen haben und gegenseitig helfen. Die persönlichen Risiken wurden vergesellschaftlicht. Werde ich in der Natur verletzt und kann meine Nahrung nicht mehr suchen, werde ich von der Gesellschaft aufgefangen. Das Dorf bringt mir Nahrung bis ich wieder gesund bin.
Ein Konzern kann niemanden beherrschen.
Er kann Ihnen keine Polizei nach Hause schicken, wenn Sie sein Produkt nicht kaufen wollen.

Das kann einzig und allein der Staat.
Er hat das Gewaltmonopol und wird Sie physisch angehen, wenn Sie z.B. nicht einsehen Abgaben und Steuern zu zahlen.

Mit einem "Konzern" treten Sie nur FREIWILLIG in eine Handelsbeziehung.
Nur wenn beide Seite zufrieden sind, kommt es zu einer Kooperation.
Ist ein Unternehmen erfolgreich dann NUR wenn es ein Produkt oder eine Dienstleistung preiswerter als die Mitbewerber anbietet.

Monopole können nur durch die Hilfe der Politik entstehen - als z.B. wohlmeinende Gesetze, den Wettbewerb unterbinden.

Wenn man das weiß, will man dann mehr Staat oder weniger?
Muss man "den Markt regulieren" oder den Staat möglichst klein halten?

Der vorindustrielle Zustand, die Not, wenn man alleine in einer Hütte im Wald ist ... Handel und Industrie bedeuten genau die Kooperation von der Sie reden - FREIWILLIGE Kooperation in einer arbeitsteiligen Gesellschaft. Ohne dass Sie eine kleine Gruppe dazu mit Gewalt zwingt.

Eine Versicherung, die Sie sich suchen macht auf dem freien Markt genau davon Gebrauch - sie versichern sich z.B. gegen einen Unfall oder gegen Invalidität.
Ein Produkt des freien Markts - auch dort profitieren alle von einer Kooperation. Aber ganz ohne staatlichen Zwang und Kollektivierung.

Sich sozial zu verhalten lohnt sich für das Individuum - denn es könnte auf das soziale Verhalten seiner Freunde und Bekannten angewiesen sein.

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dioogenes 16.10.2013, 19:36
29. Kritik läuft leer

Der Grundthese Fishers entsprechend muss auch klar gesagt werden: die Kapitalismus-"Kritiken" in Form von solchen Artikeln wie diesem hier in SPON oder auch von TV-Formaten wie Hart aber Fair, Anne Will etc. pp laufen, wie die mittlerweile kommerzialisierte "Independent Music", ebenfalls ins Leere und sind nichts als systemstabilisierend. Nach dem Motto: "Wenn wir drüber labern, müssen wir ja nichts ändern". Mein Vorschlag: ein Jahr lang keine solchen "Psychopharmaka"-Formate, mal sehen was passiert.

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