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Leben mit Hartz IV: Ein Kind verklagt die Regierung

Etwa zwei Millionen Kinder gelten in Deutschland als arm und leben von sogenannten Hartz-IV-Leistungen - zum Beispiel Sharon aus Dortmund. Jetzt prüft das Bundesverfassungsgericht, ob der Staat ihnen künftig mehr Geld geben muss.

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Demokrator2007 08.02.2010, 23:19
480. Reitunterricht nur wenn möglich, Urlaub auf jeden Fall

Zitat von unterländer
Sie scheinen anders zu denken. Sie finden also, dass Reitunterricht und Urlaub zu den Grundbedürfnissen zählen. Warum? Eine durchaus Ernst gemeinte Frage.
Reitunterricht zählt nicht zum Grundbedürfniss sondern ist verständlicher Wunsch des Mädchens, vermutlich weil sie dadurch sozial in eine Interessengemeinschaft (Reitgruppe) eingebunden ist.
Urlaub ist tatsächlich ein Grundbedürfniss weil er dem Zweck der Erholung/Rekonvaleszens dient.Arbeitslosigkeit ist nämlich kein Urlaub, im Gegenteil. Schlußendlich ist der Ursprungsgedanke von Hartz4 die Wiedereingliederung in den regulären Arbeitsmarkt und da muß man fit sein.

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steve3000 08.02.2010, 23:24
481. Hetzjagd 2010

Zitat von Mathesar
Freunde gibts für umme und da kann man auch "gemeinsam" was machen. Was für eine armseeliges dasein ist das eigentlich, wo Sie sich soziale Kontakte "erkaufen" müssen..?
Wenn Sie mich zitieren, dann bitte seriös! Ich sprach nicht vom "Erkaufen" sozialer Kontakte, sondern von bestimmten sozialen Netzwerken wie Sportvereinen, bei denen die Teilnahme eben mit Geld verbunden ist (Mitgliedsbeiträge, Sportgeräte etc.). Also drehen Sie mir nicht das Wort im Mund herum, indem Sie einen Satz aus dem Kontext lösen.


Zitat von liebski74
Waeschetrocker als Grundbeduerfniss, Reitstunden sollten es auch noch sein.
Zitat von e-ding
Reitende Durchschnittshauptschülerinnen, die nicht wissen, dass man Wäsche auch auf einer Leine trocknen kann?
Ertönen die Begriffe "Hartz IV" und "Familie", fallen reihenweise Verbal-Rambos in Foren ein, um aus Diskussionen Kleinholz zu machen. Ist das ein Pawlowscher Reflex?

Das Mädchen sagt nicht: Ich will XY haben und das Amt soll das bezahlen. Stattdessen heißt es im Artikel, bestimmte Wünsche seien eben nicht finanzierbar und das hätten die Eltern mit ihrem Kind auch so besprochen.

Reitstunden? Davon darf man als 12jährige wenigstens träumen - oder ist das auch schon verboten? Das Mädchen sieht ja selbst: Die Finanzen der Familie reichen weder dafür noch für eine "Auslandsreise" nach Bayern. Also wird aus Einsicht verzichtet.

Geht ein Haushaltsgerät kaputt, wird gespart. Das Mädchen verzichtet auf das Taschengeld und es werden sogar Flaschen gesammelt (Pfand!). Flaschen, die vielleicht achtlos weggeworfen wurden. Wo liegt eigentlich das Problem?

Wenn wir schon von Eigenverantwortung faseln, dann darf sich jemand, der übrigens laut Artikel arbeitet (!) und ergänzende (!) Hartz-IV-Leistungen bekommt, auch einen Trockner leisten. Noch ist es seine Sache, wofür ein Bürger sein Geld ausgibt. Wenn ein Arbeitsloser z.B. über ein halbes Jahr lang auf ein Konzert spart, damit er sich die Eintrittskarte leisten kann, dann ist das sein gottverdammtes Recht, dort hinzugehen. Oder soll ihn gleich die Sozialdarwinisten-Gestapo verhaften?

Natürlich gibt es nicht wenige Leute, die ihren Haushalt vernünftiger führen könnten und sollten. Das gilt für Erwerblose, Aufstocker und regulär Beschäftigte. Die Bezieher von Transferleistungen deswegen auch noch als quasi asozial abzustempeln, ist jedoch entwürdigend.

Es geht auch anders: Zwei ehemals Arbeitslose organisieren mittlerweile u.a. Kochkurse für Jugendliche, um sie mit handwerklichen Fertigkeiten und dem Organisieren eines Haushalts vertraut zu machen. Anstatt wie hier im Thread nur zu polemisieren ("Hauptschule? Das wird nie etwas mit dir!"), geht man in diesem Beispiel konstruktiv zu Werke. So wird es gemacht, Freunde!

Manche der pseudo-elitären Figuren hier möchte ich wirklich mal an ihrem eigenen Arbeitsplatz sehen, ob sie dort auch mit breiter Brust auftreten oder nur hier den starken Max markieren, um andernorts schön unterwürfig zu buckeln. Wahrscheinlich muß deshalb der Frust irgendwo raus, unter Pseudonym, gegen noch Schwächere.

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I8Flipper 08.02.2010, 23:33
482. Ändert mehr Geld irgendetwas? Nein.

Ich finde es wurde nun oft genug betont, dass Reitstunden auf dem Wunschzettel vieler Kinder stehen und die Nichterfüllung dieses Wunsches nicht die Menschenrechtskonvention auf den Plan rufen sollte.

Ich würde gerne wissen, ob die Mehrheit hier glaubt, dass ein Mehrbetrag tatsächlich etwas verändern würde.

Mein Mann ist Lehrer an einer Sonderschule in Hessen. Entgegen vieler Vorurteile gehen auch Kinder aus Akademikerhaushalten und Haushalten, die der Mittelschicht angehören, in diese Schule. Da die Schule ländlich liegt, sind überwiegend Kinder aus Deutschen Familien dort.

Aus den Gesprächen, die wir führen, wird mir immer wieder deutlich, dass es nicht und nicht ausschließlich darum geht, wer was hat. Es gibt Gruppen, in denen man sich ständig überbieten muss, in denen die Kinder meinem Mann mehrmals im Jahr ihr neues Handy zeigen, mit neuen DVD´s angeben, Markenkleidung vergleichen, etc. obwohl bekannt ist, dass gleichzeitig Klassenfahrten bezuschusst werden müssen, weil die Familien zu wenig Geld haben. In diesen Fällen kommt es regelmäßig vor, dass den Kindern Markenschuhe gekauft werden, die diese dann auch bei Schnee und Kälte auftragen müssen, weil sich die Eltern bei der Entscheidung Marke oder vernünftiger Winterschuh für Marke entschieden haben.

In anderen Gruppen (gleiches Alter) werden Statussymbole bewußt gemieden, die Kinder haben keine Playstation 3, ein Handy für den Notfall ohne Jamba Sparabo und man trifft sich zum Fahrrad fahren.

Ich bin absolut davon überzeugt, dass in Familien, in denen Bier, Zigaretten, Hobbys wie Mäuse züchten, etc. eine große Rolle spielen, ein Mehrbetrag für die Kinder nicht unbedingt sinnvoll investiert werden würde.

Es gibt sehr viele Familien, die trotz kostenlosen Tickets für den Zoo, Schwimmbad, etc. ihre Kinder dort nicht hinschicken, weil ihnen das Begleiten des Kindes, ja selbst das Haus zu verlassen schon Probleme bereitet.

Sinnvolle Freizeitgestaltung hat nichts mit Geld zu tun. Kinder gehen gerne im Wald Kastanien sammeln um dann Tiere daraus zu basteln. Sie mögen es, Qualitätszeit mit ihren Eltern zu verbringen, dass ihnen vorgelesen wird, dass man im Park picknicken geht, etc.

Die hier genannte Familie bezieht insgesamt 1630€ im Monat (Quelle Stern TV), die Miete wird vom Staat übernommen. Ich kann finde das ist nicht unerträglich wenig und mir wird schlecht wenn ich von Kleintierhaltung dieser Familie höre (Eigenaussage in Stern TV) die 150€ im Monat kostet.

Wenn man sich von den Tierchen trennen würde, könnte man mit den Kindern in Spaßbad. Bevor irgendetwas erhöht wird möchte ich Garantien, dass davon nicht weitere Hamster, Ratten oder Mäuse gekauft werden.

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Demokrator2007 08.02.2010, 23:33
483. Klasse Glosse

Zitat von lieven
Ist schon nicht so einfach ohne Wäschetrockner und Spaßbad. Von außen betrachtet mutet das Ganze allerdings schon etwas merkwürdig an, wie dieser Herr (zu recht) meint.
Natürlich ist der Mann Deutscher und kennt das Land, aber eine Außenansicht, wenn auch nur simuliert, ist schon mal ganz interessant:

http://www.bdzv.de/horst_von_buttlar.html

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Blaue Fee 08.02.2010, 23:36
484. Weiher im Winter?

Zitat von Mathesar
Das Thema war "Spaßbad". EInen Besuch am Weiher gibts für umme.
Ist das nicht ein bisschen kalt?


Wenn ich den Fall im sonnigen Süden lese, dann frage ich mich wirklich wieso ich nicht nach D zurück komme und meinen 48h-Vollzeitjob in einen Teilzeitjob und H4-Aufstockung umwandele. Anscheinend habe ich dann mehr Freizeit und meine Tochter mehr Geld für sich zur Verfügung.

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wrdlbrnfd 08.02.2010, 23:44
485. Was steckt dahinter?

Zitat von liebski74
Es ist immer wieder interessant die Diskussionen ueber H4 und die Ansprueche der Menschen anzuschauen. Ich bin froh, dass ich nicht mehr H4 durch mein Steuern unterstuetzen muss, da im Ausland lebend und bleibend. Waeschetrocker als Grundbeduerfniss, Reitstunden sollten es auch noch sein. Warum nicht besser lernen, Einsen schreiben, besseren Job als Eltern erarbeiten und spaeter Reitstunden nehmen. Wenn nicht aus gesundheitlichen Gruenden es moeglich ist zu arbeiten, sollte Leistungen auch durch Gegenleistungen verdient werden.
Es ist ja nicht so, daß es mit der Empathie mit "zu kurz Gekommenen" in jedem Falle fehlen würde. Ich jedenfalls fühle mich (aufgrund meiner eigenen Freundschaften) frei von diesem Mangel und vielleicht kann man mit dem "Joachim" beim Bier ganz netten Schnack über Fußball oder so halten, oder über seine Kleintierzucht, in der ja viel Liebe und Wissen stecken mag, --ich ziehe solches bei einem "Lagerarbeiter" jedenfalls einem Gespräch mit Apothekers über Thomas Manns "Wälsungenblut" durchaus vor. Aber wenn man die Kinder Sharon und Jeremy nennt, die Mutter mit einem Doppelnamen ihre Bedeutung aufwerten zu müssen meint, scheint mir da ein gewisser zeitgeistiger "Stich" in der Familie zu sein, den ich nicht nachvollziehen kann bei den offensichtlich begrenzten persönlichen Möglichkeiten, und vor allem wenn man sich für eine Klage instrumentalisieren läßt. Denn keiner kann mir weiß machen, daß das auf deren eigenem Boden gewachsen ist.

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Demokrator2007 08.02.2010, 23:59
486. selbstgefällige ungebildete Sozialneider

Zitat von steve3000
> > > Nur soviel: Es gibt haufenweise Hauptschüler, die im Handwerk oder auf dem Dienstleistungssektor gute Arbeit leisten. Wo andere noch auf dem Gymnasium lernen dürfen, werden sie bereits ins kalte Wasser geworfen. Eine 16jährige, die z.B. eine Ausbildung zur Altenpflegerin macht und (obwohl "nur" Hauptschülerin) später einmal durch Fortbildung etc. als Fachkraft eine Stations- oder gar Pflegedienstleitung übernehmen könnte, leistet sehr wohl einen "deutlichen Anteil zum Sozialsystem". Über ihre Steuern und über ihre Arbeit. Sie haben doch sicher Eltern, oder? Wenn diese im Alter in die Klinik müssen, wer betreut die dann? Pflegepersonal, das als Schulbildung vielleicht nur Hauptschule hat? Und das ist in ihren Augen kein Anteil am Sozialsystem? Tolle Ansichten haben Sie! Eine Person im Alter von gerade einmal 12 Jahren nur aufgrund eines Zeitungsartikels jetzt schon quasi als unrentablen Bilanzposten abzustempeln, ist asozial. Das meine ich nicht als Beleidigung, sondern so, wie es das Wort sagt: anti-sozial, gegen die Gemeinschaft gerichtet. Wie soll jemand weiter zu indivuellem Lernen und Arbeiten motiviert werden, wenn man ihm schon jetzt sagt: Du bist doch sowieso nur Hauptschule, mit dir kann ich nichts anfangen. Das Thema Reitunterricht ist doch vollkommener Käse, verdammt noch mal! Es geht um die Teilhabe an irgendeiner Form von sozialem Netzwerk unter Kindern. Sportverein, Musikunterricht, ein gemeinschaftliches Erleben. Das hat ganz grundsätzlich auch mit Geld zu tun. Sport im Verein z.B. fördert Sozialverhalten und Motorik, ist positive Freizeitgestaltung. Es gibt (ehrenwerte, keine faulen) Hartz-IV-Familien, die ihre Kinder aus dem Sportverein abmelden mußten, weil die Beiträge zu teuer waren. Hier einfach stumpf herumzupöbeln "... hatte ich als Kind auch nicht!", ist sehr selbstgefällig. Manchem, der solche Äußerungen von sich gibt, hätte nämlich der Kontakt zu Kindern aus allen möglichen Schichten etwa in einem Sportverein sicher nicht geschadet. Dann wäre aus ihm im Erwachsenenalter kein Egozentriker geworden, der meint, er hätte die sozialpolitische Weisheit containerweise gefressen, nur weil er zufälligerweise Steuer zahlt.
Leider gibt es in diesem Thread sehr wenig vernünftig denkende Menschen sondern überwiegend selbstgefällige ungebildete Sozialneider, wobei diese nicht mal kapieren das Hartz4 und/oder jeden Tag besoffen sein, kein Lebensziel sondern meist pure Verzweifelung ist.

Danke für ihre vernünftigen Ansichten.

Ciao
DerDemokrator

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pssst... 09.02.2010, 00:00
487. Würde

Zitat von sysop
Etwa zwei Millionen Kinder gelten in Deutschland als arm und leben von sogenannten Hartz-IV-Leistungen - zum Beispiel Sharon aus Dortmund. Jetzt prüft das Bundesverfassungsgericht, ob der Staat ihnen künftig mehr Geld geben muss.
Würde ist immer, auch in Zukunft.
Der Staat kann und darf die Würde nicht verletzen, die für
Kinder gleich gar nicht.

HartzIV ist Willkür, die Würde missachtend.
nicht vergessend die Diskrimierungskampagne der SPD !
Warum ?
Weil der Staat billigst sein wollte, statt würdig gegenüber
dem Menschen !

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Demokrator2007 09.02.2010, 00:22
488. Spiegelbild einer kaltschnäutzigen Gesellschaft

Zitat von kein Ideologe
Teilweise Zustimmung, die Idee, daß das erste Kind genauso viel kostet wie das dritte ist weltfremd. Hab selber zwei, kann also mitreden. Es ist aber politisch schwierig, ab dem 4. Kind sikende Sätze zu verkünden. Der sozialromantische Aufschrei wäre so laut, Argumente wären nicht mehr anzubringen. Die benachteiligten bei H4 sind übrigens nicht die Singels, denen steht die ganze "Hartz+Schwarz"- Wunderwelt offen, die können auch einen Job in Bayern oder Östereich annehmen, sich fortbilden usw.
Unzutreffend, denn Singles haben höhere Lebenshaltungskosten als Paare oder Familien. Es mag für junge Menschen zumutbar und oft sogar "Fun" sein der Arbeit hinterher zu reisen, ab einem bestimmten Alter wird es zur sozialen Belastung da neue Kontakte schwerer fallen und alte Verbindungen zerreissen.

Zitat von kein Ideologe
Das ist eine Unverschämtheit. Solange bei IKEA im Lager Möbel getragen werden müssen, hat der Mann der die Möbel trägt seinen Sinn und sollte davon seine Familie ernähren können. Treten Sie auf die wirklich vohandenen Sozialbetrüger ein, auch auf H4 Betrüger, aber nicht auf Menschen mit einfacher Bildung.
Eine Menge Schreiberlinge haben hier eine absolut widerwärtige Meinung geäußert, bei der ich Angst bekomme, ob wir Deutschen aus dem Ergebniss des dritten Reichs überhaupt etwas gelernt haben.
So werden sich wohl bald einige gegenseitig haßerfüllt die Schädel einschlagen- klasse Politikkonzept.

Ich würde mich lieber den Verantwortlichen für diese grabeskalte Gesellschaft widmen wollen.

Ciao
DerDemokrator

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tonak 09.02.2010, 00:26
489. hart arbeitende Menschen

Zitat von maxweber
Wie in allen Berichten über Familien, die Hartz-IV bekommen, fehlt auch hier die Angabe der Summe, von der die Familie denn nun leben muss. Der Grund ist klar: Viele hart arbeitende Menschen würden sich dann fragen, warum bei Ihnen morgens um 6 Uhr der Wecker klingelt. Also SPON, was bekommt die FamIlie denn jetzt?
Die Zahlen sind doch bekannt. Die Eltern bekommen 90% ALGII und das 12 jährige Kind 70% ALG2 - Geld für den Bedarf eines Menschen, also Essen, Strom, Warmwasser, Kleidung,... und auch Spielzeug für 91 Cent pro Monat. Zusätzlich gibt es Warmmiete ohne Warmwasser.

100% sind 371 Euro.

Und wenn sich jetzt jemand ausrechnet, dass er, hart arbeitend (genauso wie der Vater dieser Familie), weniger bekommt, dann sollte er vielleicht mal ALGII beantragen.
Das wird der _arbeitende_ Vater dieser Familie wohl auch getan haben.

Viele Löhne sind so niedrig, dass dadurch allein keine Familie versorgt werden kann. Die Politik möchte keinen ausreichend hohen allgemeingültigen Mindestlohn, also gibt es stattdessen Zuzahlungen im Rahmen vom ALGII, steuerfinanziert. Aber dafür kann der Lagerarbeiter doch nun wirklich nichts.

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