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Mediendebatte: Was kommt, wenn die Regionalzeitung geht

 

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brennstein 12.08.2013, 13:34
1.

Eindimensionale Betrachtungsweisen werden nicht dadurch einleutender, wenn man sie ständig wiederholt. Dass SPON schon seit Jahren die Print-Konkurrenz totsagt, liegt ein bisschen in der Natur der Sache. Ich denke, man muss ein bisschen weiterschauen und das Leseverhalten jüngerer Menschen analysieren. Da stellt man zunächst einmal fest, dass beispielsweise die Zahl junger Buchleser in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen ist. Das passt so gar nicht zum Bild des Internet-Junkies, der Tageszeitungen nur vom Hörensagen kennt. Letztlich stellt sich die Frage anders: Wann gelingt es den Verlegern endlich, Pay content ins Netz zu bekommen, der Qualitätsjournalismus finanziert? Das, was SPON da propagiert, wäre eine Kapitulation vor der Beliebigkeit von Information. Das war damals schon beim Siegszug des Fernsehens so, dass das geschriebene Wort totgesagt wurde. Danach lebte es besser als je zuvor. Ich bin sicher, dass Leser auch künftig in genügend großer Anzahl bereit sein werden, für gute Geschichten und fachlich ausgewählte und sinnvoll vorsortierte Nachrichten zu bezahlen. Ob man sie dann irgendwann einmal nur noch auf einem Bildschirm a la Tablet liest, ist dabei völlig unerheblich.

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michael_freitag 12.08.2013, 13:48
2.

Zum Beitrag von Konrad Lischka/zur Debatte

Ich finde es bemerkenswert, wie geschlossen das Hamburger-Berliner Weltbild bei SPON dann doch ist. Alles unterhalb Berlins nördliche Mongolei? ^^ Erklärlich jedoch, da man statt in den "nahen Osten" zu schauen, eben konsequent linkselbisch bis nach Amerika blickt. Wo ist er der neue Heiland? Heißt er Jarvis? (nein). Was rechts der Elbe frühzyklisch geschah und geschieht, wird teils seit nun fast einem Jahrzehnt im westdeutsch dominierten Medienbetrieb ignoriert, teils offenbar schlicht nicht gesehen. Weshalb ich die die Debatte "Wie weiter" amüsant, im Zeitpunkt aber zu spät finde.

Die "Neuen" sind schon da, die "Alten" sterben in der Tat seit einem Jahrzehnt - und die Zukunft des Journalismus heiß weiß Gott nicht "lokalkompass" (diese flache Polizeiberichtsseite fernab von echtem Journalismus wird offenbar erwähnt, da sie zu SPON keine Alternative oder das einzige ist, was der Autor des Beitrages kennt ;-). Was hier im Artikel Lischkas als "neue" Lösungsvorschläge präsentiert wird, sind alte, die auf dem lokalen Gebiet in Leipzig, Jena, Halle, Dresden, Berlin und Rostock seit Jahren versucht, gelebt und durchaus erfolgreich erprobt werden.

Nicht als einmalige Produktion, sondern täglich, teils mit Bezahlmodellen, teils als reichweitenstarke Lokalzeitungen ohne Bezahlung und teilweise eher Magazinartig und hyperlokal. Da hier gern Beiträge nicht freigegeben werden, die "werblich" sind, unterlasse ich mal die Nennung der Spieler. Die Bewohner der genannten Städte wissen durchaus - wenn auch noch nicht flächendeckend, wir sind ja bescheiden geblieben - welche lokalen Medienangebote ich meine. Es herrscht also seit Jahren "Gründerzeit" im Medienland ...

Ich hätte nicht gedacht, dass ich das mal schreiben würde: Schlaf einfach weiter SPON. Denn wenn Ihr in diesen Fragen wach währt, würdet Ihr nicht als "Lösung" für zukünftigen Journalismus im Netz Communitys ohne journalistischen Wert propagieren und als "Idee" nach dem "Staat", ergo Subventionen/Steuergeldern, und damit erneut nach Zuschuss-Abhängigkeit (statt Unabhängigkeit) der Medien rufen (Lischka), sondern Euch längst mit solchen lokalen Spielern vernetzen, sie selbst "unterstützen" und mit ihnen kooperieren. Auch aus höherem Eigennutz, denn bei solchen Dingen "gewinnt" nicht nur der "Kleine" ...

Aber wer wäre ich, Euch zu beraten. Und das auch noch kostenfrei ;-) Machen wir halt alleine weiter - etwas langsamer, als wir eigentlich wollen, denn das hanseatische Kaufmannsprinzip ist an der Basis längst wieder modern (keine Schulden, keine monströsen Zukäufe, solide Aufbauarbeit von "unten") - aber offenbar immer noch zu schnell für so manche grübelnden Verlagsmanager (also nicht Unternehmer ;-) und Journalisten. Grüße aus Leipzig in meine zweitliebste Stadt und schöne Träume noch.

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ferdi111 12.08.2013, 13:49
3.

Die aalglatten Berichte von Regionalzeitungen können mir gestohlen bleiben. Die sind heute nur noch Sprachrohr von Politikerluschen bis hin zu Unternehmen, die ab und zu nen Scheck einem Kita überweisen...toll! Abgesehen davon wird auch Spon sich anstrengen müssen: Für Fussball gibt es die Zeitschrift Kicker, so viel ich weiß...mit den Berichten, die so unformativ sind, wie ein Stück Klopapier...damit kann es nicht klappen. Das Wahlvolk ist zwar nicht sehr intelligent, aber so doof, wie die Regierung seit Jahren versucht, dass Volk zu verdummen...so doof sind die nun auch wieder nicht! Die kapieren längst, dass der Zug abgefahren ist...in Sachen kritischer Jornalismus...Ende!

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Printleser 12.08.2013, 14:18
4.

Diese Diskussion wurde vor Jahren schon im Buchbereich geführt - und was ist eingetreten?
Im Zeitungsbereich wird es ähnlich laufen - eine kleinere oder nicht fähige Verlage werden vom Markt verschwinden. Viel problematischer ist aber die neue Konzentration in der Regionalpresse (Funke Mediengruppe). Hier liegt die Gefahr der medialen Gleichschaltung und der Austauschbarkeit und die Abwertung von gutem Journalismus. Diese Abwertung wird man aber auch auf den Apps oder den e-Abos haben.
Etwas mehr Optimismus wäre von Seiten der Verlage notwendig - auch von Seiten der Journalisten, die sich wie das Kaninchen vor der Schlange verhalten. Zeigt einfach mal was Ihr könnt - statt permanent zu lamentieren.

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Askan 12.08.2013, 14:27
5.

Irgendwie gibt es nur Extreme. In nahezu jedem Beitrag dieser Diskussion wird der Printjournalismus totgesagt.
Irgendwie kann ich diese Serie von Spon nicht ernst nehmen - alles scheint mir äußerst tendenziös zu sein.

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@n8schicht 12.08.2013, 14:29
6.

Keines der Modelle wird wohl für die hiesige Tageszeitung (Auflage ca. 6.300 lt. IVW) funktionieren. Das Internet ist auf dem Land langsam und noch keineswegs überall flächendeckend in akzeptabler Geschwindigkeit zu bekommen.

Die Zeitung "lebt" meiner Überzeugung nach von zahlwilligen Abonnenten, von den Todesanzeigen, von "Specials" (mit Anzeigen), von Aldi und Lidl.

Welche regionale Plattform bietet sich dann an, die man morgens konsumieren könnte? Keine. Die Vereine sind nicht in der Lage, eigenständig Pressearbeit zu leisten. Irgendwann geht dann alles den Bach runter.

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spon-facebook-10000123096 12.08.2013, 15:24
7.

das internet ist zu langsam für eine zeitung? Wo leben Sie denn? Turkmenistan? Lassen Sie doch bitte die Kirche im Dorf, wo das Internet zwar immer noch nicht berauschend ist, aber halt doch besser als vor 10 Jahren, wo es noch nicht für die morgendliche Online-Zeitung gereicht hätt.

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matze1958 12.08.2013, 16:07
8.

Die Stärken der regionalen Zeitung liegen in der Berichterstattung über regionale Ereignisse. Das muß ausgebaut werden. Wenn ich wissen will, welche Entscheidungen national oder international gefallen sind, dann schaue ich ins Internet oder Fernsehen. Die lokalen Ereignisse aber, die erwarte ich mir in meiner Tagesszeitung. In aller Ausführlichkeit und mit der notwendigen kritischen Haltung. Leider hat das bei uns im Allgäu noch niemand begriffen. Deshalb sehe ich ganz schwarz für die Zukunft der regionalen Auflagen der Augsburger Zeitung.

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andreashirsch 12.08.2013, 17:01
9.

Leider, leider sieht der Autor nicht in die Zukunft sondern in die Vergangenheit. Gibt es alles schon, trägt sich teils. Hat aber mit dem angeblichen Sterben der Regionalblätter nix zu tun. Es gibt auch Stimmen, die der Lokalpresse eine quicklebendige Zukunft voraussagen: Denn große Geschichten entstehen beinahe immer auf lokaler Ebene. Da muss man einfach mal guten Journalismus machen und wieder anfangen, selbst zu recherchieren anstatt die Agenturmeldungen abzutippen - was ja bei Spon gang und gäbe ist. Man muss sozusagen die Agenturmeldungen erzeugen, zur Quelle werden: Wie kam die Mafia in meine Stadt, warum wurde Herr XY aus dem Nachbardorf Weltmarktführer mit seiner Firma etc. Die Themen liegen auf der Straße, sie werden gedruckt auch gelesen, und der Polizeibericht ist immer noch das Salz in der Suppe.

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