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Medienkrise: Warum Online-Werbung wichtig fürs Netz ist

Wenn man Online-Nutzer vor die Wahl stellt, ob sie Anzeigen akzeptieren oder für Informationen zahlen wollen, ziehen sie Werbung vor. Immer mehr User verweigern allerdings beides - und gefährden damit den Fortbestand kostenloser Angebote im Web. Medienkrise: Warum Online-Werbung wichtig fürs Web ist - SPIEGEL ONLINE

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AusVersehen 22.03.2010, 20:37
380. Kurz

Zitat von Perelly
Kann mir mal einer technisch erklären, ob (und wie) in den TKP einer Seite eingerechnet wird, wieviele Abrufe durch User kamen, die einen Adblocker drinhaben?
Das kommt auf die Art der Werbung an. Flashs werden einfach nicht ausgeführt. Applets werden durch eigene kleine Apps des Blockers ersetzt. Oft zu erkennen an einem kleinen Button, dass die Ausführung bei Interesse doch noch gestartet werden kann.

Viele Werbungen kommen auch von externen servern. Wenn also Spon die Werbung einblenden will, der Werber aber keinen "Besuch" anhand der fehlenden IP verzeichnet, dann läßt sich das daraus folgern.

Zitat von Perelly
Wie soll das denn bei SPON oder sonstwo überhaupt jemand mitkriegen, welche Addons ich auf meinem Rechner überhaupt installiert habe.
Wenn Du auf eine Seite surfst, dann stellt sich Dein Browser vor. Er übermittelt Daten wie "Ich bin Firefox, mein Bildschirm hat die Größe XY, Version, ob Du Cookies ein oder ausgeschaltet hast, welche Sprache Du bevorzugst, welches Betriebssystem auf Deinem Rechner läuft, ob Javascript/java eingeschaltet ist oder nicht usw.
Diese Daten können einfach über das navigator-Objekt im Javascript abgerufen und verwendet werden. Weil verschiedene Browser HTML oft unterschiedlich interpretieren, ist dies auch oft notwendig, damit man auf verschiedene Browser reagieren kann, damit die Seiten optimal dargestellt werden. Ich habe mich damit nicht genau befaßt, aber ich vermute, dass auch die AddOns ihre Daten dabei übermitteln, vermutlich in der Eigenschaft UserAgent.

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Chinasky 22.03.2010, 20:45
381. Wieder was gelernt...

Zitat von AusVersehen
Das kommt auf die Art der Werbung an. (...) Ich habe mich damit nicht genau befaßt, aber ich vermute, dass auch die AddOns ihre Daten dabei übermitteln, vermutlich in der Eigenschaft UserAgent.
Danke für Ihre Erkläuterungen. So gehe ich heute abends wieder ein klein wenig schlauer ins Bett. :-)

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Zirias 22.03.2010, 20:51
382. Cricket.

Zitat von Perelly
Und kann man das nicht so blocken, dass der Abruf verbucht wird, aber man auf dem Bildschirm nichts davon sieht?
Oh, das kann man sicher. Womit dann der Bandbreitenvorteil eines Adblockers dahin wäre. Und bei Anbietern, die Werbung tatsächlich erzwingen wollen, dürfte es zu Konzepten führen, bei denen die Werbung als eine Art aktiver Inhalt ausgeliefert wird, der kryptographisch gesichert Rückmeldung gibt, dass er tatsächlich angezeigt wird. Wohin soll das führen?

Ich würde sagen lass die, die Werbung wirklich erzwingen wollen, es tun. Wenn sie damit wirtschaftlichen Erfolg haben, soll es mir recht sein :)

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marasek 22.03.2010, 21:00
383. Problem

Das Problem an der Online-Werbung ist, dass sie in eine völlig falsche Entwicklung abgedriftet ist. Das Problem sind die Zeroconf-Lösungen, die überall im Einsatz sind, Werbungen werden von Adservern nachgeladen. Das bringt verschiedene Probleme mit sich:

1. man hat einen Zwischenhändler am Hals, der auch die Hand aufhält. Sollte dieser Zwischenhändler zufällig noch eine Suchmaschine haben, stellt sich die berechtigte Frage, ob seine Suchergebnisse was damit zu tun haben, ob man Werbung bei ihm geschaltet hat. Honni soit...
2. der Werbeflächenanbieter hat keine Kontrolle über Auswüchse der Werbung und redaktionellen Inhalt. Was die Auswüchse anbelangt, so habe ich mich mit AdBlockern beschäftig, als die wirklich nervigen Flashwerbungen in Mode gekommen sind.
Ansonsten hat man oft genug abstruse Situationen, etwa den katholischen Katechismus bei Artikeln zur Missbrauchsthematik, Microsoft-Werbung bei Sicherheitslücken oder höchst dubiose Angebote bzw. Abofallen bei warnenden Artikeln.
3. Es ist im Grunde die schiere Selbstverteidigung, AdBlocker zu nutzen. Einfallstore für Angriffe sind in der Vergangenheit immer wieder gehackte Adserver gewesen, wer haftet da eigentlich? SPON? Der Werbehändler?
Und selbst wenn dieser Punkt ausfällt: Anders als bei passiv konsumierter Print/TV-Werbung ist meine Privatsphäre akut durch Adserver bedroht, da hier mein Surfverhalten über mehrere Seiten hinweg verfolgt werden kann. Im schlimmsten Fall kann man eines der Tracking-Cookies sogar mit meiner realen Person verknüpfen.
4. die Fixierung auf Klickraten ist unsinnig, da Printwerbung so auch nicht funktioniert. Klickraten unterschlagen den Aspekt des passiven Konsums von Werbung, der auch Teil einer langfristige Markenstrategie ist.

Wenn man mal endlich mit dem ganzen Adserver-Mist aufhören würde, wäre es auch schwieriger, die Werbung überhaupt zu filtern. So springt sie mir in der AdBlock-Auswahl direkt entgegen.

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SunSailor 22.03.2010, 21:16
384. Titel aus.

Zitat von Zweischneid
Umgekehrt. Ich bezahle meinen Printspiegel am Kiosk und ich bezahle (!) meinen SPON beim Internetbetreiber. Wenn der Kiosk das Geld fuer sich behaelt und der Verlag trotzdem fleissig weiter Spiegel ausliefert, wieso ist dann ploetzlich der Verbraucher schuld?
Sie verstehen es wirklich nicht, oder? Der Internetprovider ist nur der Anbieter des Datenhighways. Zugang, Transport. Nicht mehr. Ich glaube, sie machen sich so gar kein Bild, was die Verlegung von Backbone-Leitungen, Leitungen zum Kunden und die Wartung des ganzen wirklich kostet. Da sind die 20 Euro im Monat dafür schon geschenkt. Dafür auch noch sämliche Inhalte von anderen, die mit dem jeweiligen Provider so überhaupt nichts zu tun haben, zu verlangen, ist schon dumm dreist.

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rabenkrähe 22.03.2010, 21:18
385. Ätzend

Zitat von marasek
Das Problem an der Online-Werbung ist, dass sie in eine völlig falsche Entwicklung abgedriftet ist. Das Problem sind die Zeroconf-Lösungen, die überall im Einsatz sind, Werbungen werden von Adservern nachgeladen. Das bringt verschiedene Probleme mit sich: 1. man hat einen Zwischenhändler am Hals, der auch die Hand aufhält. Sollte dieser Zwischenhändler zufällig noch eine Suchmaschine haben, stellt sich die berechtigte Frage, ob seine Suchergebnisse was damit zu tun haben, ob man Werbung bei ihm geschaltet hat. Honni soit... 2. der Werbeflächenanbieter hat keine Kontrolle über Auswüchse der Werbung und redaktionellen Inhalt. Was die Auswüchse anbelangt, so habe ich mich mit AdBlockern beschäftig, als die wirklich nervigen Flashwerbungen in Mode gekommen sind. Ansonsten hat man oft genug abstruse Situationen, etwa den katholischen Katechismus bei Artikeln zur Missbrauchsthematik, Microsoft-Werbung bei Sicherheitslücken oder höchst dubiose Angebote bzw. Abofallen bei warnenden Artikeln. 3. Es ist im Grunde die schiere Selbstverteidigung, AdBlocker zu nutzen. Einfallstore für Angriffe sind in der Vergangenheit immer wieder gehackte Adserver gewesen, wer haftet da eigentlich? SPON? Der Werbehändler? Und selbst wenn dieser Punkt ausfällt: Anders als bei passiv konsumierter Print/TV-Werbung ist meine Privatsphäre akut durch Adserver bedroht, da hier mein Surfverhalten über mehrere Seiten hinweg verfolgt werden kann. Im schlimmsten Fall kann man eines der Tracking-Cookies sogar mit meiner realen Person verknüpfen. 4. die Fixierung auf Klickraten ist unsinnig, da Printwerbung so auch nicht funktioniert. Klickraten unterschlagen den Aspekt des passiven Konsums von Werbung, der auch Teil einer langfristige Markenstrategie ist. Wenn man mal endlich mit dem ganzen Adserver-Mist aufhören würde, wäre es auch schwieriger, die Werbung überhaupt zu filtern. So springt sie mir in der AdBlock-Auswahl direkt entgegen.
:::::::

Online-Werbund ist absolut ätzend. Wer bei n-tv oder anderen auf irgendeinen Beitrag klickt, bekommt erstmal irgendwelchen Schwachsinn präsentiert, in vielen Angeboten ist nur schwer zwischen Werbung und Inhalt zu unterscheiden.
Nix gegen Werbung, soll doch Schlecker sein Katzenfutter im INett anbieten, aber eben nur für jene, die das auch sehen wollen, und nicht 29 Werbefenster bis zur Information über das ERgebnis eines Fußballspiels!
rabenkrähe

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helmut.sperber 22.03.2010, 21:26
386. Danke für diesen Artikel!

Ich hatte ja keine Ahnung, dass es möglich ist, die Werbung ganz loszuwerden. Und so einfach! Ich bin begeistert.

Mit freundlichen Grüßen

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Tostan 22.03.2010, 21:33
387. Ich wäre nicht bereit, für Content in der jetzigen Form zu zahlen

Zitat von tulontuli
Ich habe ein Problem: Ich will für Content zahlen.
Ich nicht! Warum nicht?
In der jetzigen Form ist SPON im Grunde genommen nichts anderes als ein sehr aktuelles Printmagazin. Meldungen werden von den SPON-Redakteuren ausgewählt, News geschrieben und es gibt für alle dasselbe Magazin. Irgendwie ist das meiner Meinung nach nicht mehr zeitgemäß.
Ein Zeitungsverlag hat Zugriff auf eine Unmenge von Agenturmeldungen, Pressemitteilungen und anderen Quellen. Warum nicht zusätzlich zum journalistischen Bereich eben diese Meldungen an den Interessierten Leser weiterleiten? Praktisch jedem Leser sein personalisiertes SPON? Z.B. würde ich gerne wissen, wie es weitergeht mit irgendeinem Wiederaufbauprojekt nach dem Tsunami in Südostasien, dass damals mal eine kurze Meldung wert war. Oder von der Expedition, welche mit Autos von Paris nach New York fahren will, und von der ich vor einiger Zeit mal was gelesen habe. Das sind News, die sind keine Schlagzeile wert, aber es ist das, was in anderen Branchen als "Long Tail" bezeichnet wird. Nur müssten dazu die Verlage, Nachrichtenagenturen etc. untereinander eine neue Abrechnungsform finden. Soviel ich weiß, kostet ja die Übernahme einer Agentur-Meldung nicht gerade wenig, selbst wenn sie nur wenige lesen.

Also wünsche ich mir eigentlich nichts anderes, als die Newsaggregatoren es heute schon tun, aber wesentlich ausgefeilter.

Warum würde ich dafür zahlen? Für den Content? Für die Zeit, die ich mir erspare, weil ich nicht selbst zig Newsseiten, Blogs, Foren etc. täglich besuchen muss?

Dafür zwar auch, aber das wichtigste ist:
Zitat von tulontuli
Datensammelwut ..... Zähler, die meine Sichtzeit auf einzelne Artikel zählen.
Solche Sachen wären für den Anbieter nötig, um wirklich personalisierte News anbieten zu können. Und der Hauptgrund dafür zahlen zu wollen ist, dass diese Daten sicher sind. Ich müsste dem Newslieferanten vertrauen können, dass er die gesammelten Daten hundertprozentig nur zu dem Zweck nutzt, mir interessante News zu liefern! Und das wäre mir Geld wert! Und deshalb kommen heutige Newsaggregatoren wie Google nicht in frage.

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Tostan 22.03.2010, 21:38
388. ... interessant ...

Zitat von helmut.sperber
Ich hatte ja keine Ahnung, dass es möglich ist, die Werbung ganz loszuwerden. Und so einfach! Ich bin begeistert.
Ganz werden Sie sie sicher nicht los, aber weit mehr als 95% der Werbung lässt sich durch gute Werbeblocker sicher filtern.

Würde mich mal interessieren, wieviele Leser nach dem Artikel nun eine Ausnahme für spiegel.de bei ihrem Adblocker hinzugefügt haben und wieviele erst durch diesen Artikel auf Adblocker aufmerksam geworden sind ;)

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collermann 22.03.2010, 21:40
389. An Sie Spiegel Redaktion

Ich lesen Spiegel-Online 2x täglich, schalte aber grundsätzlich die Werbung ab, weil sie zu der nervigsten im Internet gehört - immer "zappelt" irgendwo etwas und man kann sich nicht auf den Text konzentrieren. Nicht der AdBlock zerstört den Werbemarkt, sonder die Werber, die Flash etc. verwenden. Ich habe keine Lust, mich beim Lesen der sehr guten Artikel durch fahrende Autos am Rand ablenken zu lassen.

Der Hersteller von AdBloch ist sich bewusst, dass Werbung das ganze Internet bezahlt - siehe dort den Blog. Man denkt darüber nach, ob man zwischen informativer und nerviger Werbung unterscheiden kann, weil man das Internet nicht zerstören will.

Es gibt durchaus Anbieter im Internet, die z.B. nur Textwerbung an der Seite einblenden (Google Adsens lässt solche Einstellungen zu). Wenn ich solche Werbung sehe, klicke ich sobar bewusst auf die Werbung um den Anbieter zu unterstützen, auch wenn sie mich nicht unbedingt interessiert. Dieses Würde ich auch gerne bei Spiegel-Online machen um diesen super Dienst belohnen. Ich bin aber dort so Flash-Werbung geschägigt, dass, wie gesagt, mein AdBlock immer eingeschaltet ist.

Übrigens, eine über SSI eingebette Textwerbung, die nicht von einem fremden Server kommt, kann auch AdBlock nicht unterdrücken - zappelnde Bilder schon. Wenn eine solche z.B. oberhalb der Artikel dezent vorhanden wäre, würde ich gern mal darauf klicken.

Zusammenfassung: Es wäre schön, wenn sich zwischen Anbieter und Nutzer eine "Werbekultur" (mir fällt kein besserer Ausdruck ein) einstellen würde: Die Werbung wird informativer ohne zappelne Bilder und der Besucher klickt häufiger auf die Werbung.

Noch etwas: Vielen Dank für die kostenlosen sehr guten Nachrichten!

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