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Namenswechsel bei Heirat: Ja, ich will nicht
Thilo Rothacker / DER SPIEGEL

Wie dämlich war ich nur? Anna Clauß bereut es zutiefst, den Nachnamen ihres Ehemannes angenommen zu haben. Es quält sie ein schrecklicher Verdacht: Sie hat sich als Frau dem Patriarchat unterworfen.

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giftzwerg 30.10.2016, 14:07
1. Lol

Krass, was für Probleme manche Menschen haben. Mal ehrlich, wenn das die größte Niederlage ihres Lebens ist, prost Mahlzeit XD

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sascha2.0 30.10.2016, 14:10
2. eigentlich umgekehrt

Ob in Griechenland, Russland oder im arabischen Raum: Die Frau behält ihren Geburtsnamen. Das ist alte Tradition in den Pstkirchen und im Islam (beides mit byzantinischen Wurzeln), die Kinder bekommen den Vatersnamen und falls eine Frau die Scheidung will, kann sie zu ihrer Familie zurückkehren, ohne Kinder, ohne gemeinschaftlichen Besitz, ohne Erbe. Dass der Familienname der Frau ein Fortschritt war, ist vergessen. Dass man sich heute den Familiennamen aussuchen kann, ist schön, auch wenn Männer selten den Namen der Frau annehmen. Mit einem Doppelnamen kann (meist) die Frau ihren Mädchennamen behalten und trotzdem als Mutter ihrer Kinder, wenn diese den Vatersnamen tragen, ersichtlich sein. Glücklicherweise gilt nicht mehr katholisches bzw. westliches christliches Recht, sondern die zivile Ehe und freie Namenswahl. Wie wäre es für die Autorin mit einem Doppelnamen, vielleicht auch für ihren Mann? Dann bleiben auch die alte Familienbande aufrecht und im Namen ein Leben lang ersichtlich.

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cerberus99 30.10.2016, 14:23
3. fast gleich - doch anders

Wir haben dieses "Problem" nicht als solches betrachtet.
Meine Frau heisst (mit "Mädchennamen") Clauß.
Mein "Familienname" ist Ebert.
"Ebert" ist belastet: Ich entstamme einer Familie mit "zweifelhaftem" Ruf (wer das nicht mehr weiss, weil er die 1940er/1950er Jahre nicht mehr kennt, mag es googeln).
Doch das war auch nicht so entscheiden dafür, dass wir heute zwei unterschiedliche Einträge im Pass haben:
Bei mir steht "Ebert", bei meiner Frau steht "Clauß-Ebert".
Ich habe darauf bestanden, dass sie den Namen Clauß weiter führt (wenn auch nur als Doppelnamen). Denn die Elern meiner Frau hatten nur weibliche Nachkommen - diese Linie der "Clauß" wäre 'namentlich' verschwunden. So war es ein Geschenk an meine Schweigereltern, das sie sehr glücklich gemacht hat.

Indes: Warum man aus einem solchen Theme eine so larmoyante Geschichte machen kann wie die Autorin - das entzieht sich vollkommen meinem (oder besser: unserem) Verständnis.

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Minette 30.10.2016, 14:24
4. So ein Schmarrn

... ich unterwerfe mich als Frau dem Patriarchat.... Wie kann man so blöd denken. Ich bin sehr stolz, den Namen meines Mannes führen zu dürfen, ebenso wie unsere Kinder. Ich vergebe mir nichts, garnichts bei dieser Wahl.
Ich mache mich allerdings lächerlich, wenn ich meinen Mädchennamen behalte, noch schlimmer sind diese
katastrophalen Doppelnamen. Herr Müller und Frau Meier sind ein Ehepaar? Ach ja, und wie stelle ich sie vor? Herr und Frau Müller und Meier? Wie bescheuert ist das denn? Oder Herr und Frau Huhn-Hähnlein... Herr und Frau
Weniger-Zulauf..... Seit Anbeginn der Welt gilt der Mannesstamm - und nur so sind Familiennachforschungen möglich. Weltweit ist es so. Nur in Deutschland kann man mit den Nachnamen machen, was und wie man es will.
Sogar geschiedene Frauen können den Mannesnamen behalten und diesen auch noch einem neuen Ehemann weitergeben und unter diesem Namen Kinder in die Welt setzen... es ist unglaublich hierzulande.

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donquixxote 30.10.2016, 14:45
5. Eigentlich Ansichtssache

Im spanisch-sprechenden Raum behält die Frau ebenfalls ihre Nachnamen. Die Kinder erhalten den ersten des Vaters und den ersten der Mutter. Vater:Fritz X Y Mutter: Maria A B Kinder: Kindsname X A. Das ist die Standart-Reihenfolge, die kann auch geändert werden. Meine Mutter hätte sich nie vorstellen können den Namen meines Vaters anzunehmen, einem spanische Pendent zu Müller oder Mayer. Ihr Name ist typisch für die Region aus der sie kommt und ist relativ selten.
Es kommt also auf den Standpunkt an. In einer Welt in der Frauen auch ohne den Namen des Patriarchen ein sicheres und geschütztes Leben führen können ist das aufgeben des "Mädchennamens" nicht mehr notwendig. Ich kann das Sentiment der Autorin, obwohl Mann, sehr gut verstehen.

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plopp 30.10.2016, 14:48
6. Man kann die Verantwortung dem Patriachat zuschreiben, klar.

Also ich fasse die Geschichte mal zusammen: Der Partner holt sich drei Wochen nach dem Kennenlernen eine schriftliche Bestätigung dass die Autorin sich umbenennt. Die Autorin hält das (nachvollziehbarerweise) für einen Scherz, nichtsdestotrotz wird das aber in der entscheidenden Stunde zusammen mit Blumen mobilisiert um Macht auszuüben (laut Max Weber „jede Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durchzusetzen, gleichviel worauf diese Chance beruht.“). Die Autorin lässt sich überrumpeln, ok, wem ist das noch nicht passiert.

Aber jetzt passiert das spannende: Statt den Missstand als solchen anzuerkennen und zu korrigieren – was halt auch wirklich anstregend ist weil es den Mut zur ehrlichen Aussprache erfordert, den ja auch der Partner nicht aufzubringen vermochte um die Sache einvernehmlich zu klären –, statt also voll und ganz anzuerkennen dass es _mit der Beziehung_ und dem (greifbaren) sozialen Umfeld (z.B. Erwartungen der Familie) zu tun hat, wird das Problem in etwas ungreifbares projiziert: das Patriachat. Jahrtausende alt, überall und nirgendwo. Praktisch dabei: Man kann schön weiter in der Opferrolle verbleiben. Ich mein das nicht böse, kenn ich nur auch von mir selbst. Von daher meine Hoffnung an die Autorin: Machen Sie reinen Tisch mit ihrem Mann, und sagen Sie ggf. dass Sie doch wieder ihren alten Namen möchten. Auch wenn Sie im ersten Moment von allen schräg angeguckt werden wegen dem "Hickhack": Langfristig wird man Ihnen dafür Respekt zollen, Ihren eigenen Weg gegangen zu sein.

Und wenn schon Kritik am "Patriachat", dann wäre fände ich Texte wo man merkt dass sich jemand mal tiefergehend damit auseinandergesetzt hat erfrischend (z.B. mal nen soziologischen Text drüber lesen und drauf Bezug nehmen wäre wahnsinn). Hat garnichts mit der Autorin zu tun, aber der "Feminismus" der Journalist/innen erscheint mir (wie viele andere Dingen) sehr häufig in erster Linie eine Form der projektiven Identifikation.

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karatekid 30.10.2016, 15:33
7. Verwandte Seele!

Ich verstehe Sie VÖLLIG! Habe meinen Namen behalten und bedaure, dass mein Mann sich so ähnlich verhält wie Herr Bohnensack.
Rückgängig machen geht gar nicht, soviel ich weiß.

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Nordstadtbewohner 30.10.2016, 15:57
8.

Also wer solche "Probleme" hat, sollte vielleicht generell aufs Heiraten verzichten.

Zur Beziehung und Ehe gehören meines Erachtens wichtigere Dinge als derartige Trivialitäten.

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k.u.m. 30.10.2016, 16:05
9.

Als meine Frau und ich 1991 heirateten, beschlossen wir, dass jeder seinen Nachnamen behält. Lustig war nur, dass wir die neue Rechtslage unserem Standesbeamten erst erklären mussten; er kannte sie noch nicht. Gleichwohl schaute er drein, als säßen zwei Anarchisten vor ihm. Dabei ist das doch eine der sinnvollsten Regelungen, die der Staat auf diesem Gebiet erlassen hat. Es gibt keine Diskussionen untereinander und man ist zufrieden - zumindest war es bei uns so - dass jeder seinen gewohnten Namen beibehalten konnte.

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