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Nebenjobs für Studenten: "Studentische Hilfskräfte verdienen zu wenig"
imago/snapshot

Bachelorstudenten dürfen nur rund zehn Euro verdienen: Für Hilfskräfte an Hochschulen ist der Stundenlohn gedeckelt - und damit viel zu gering, findet ein Experte der Bildungsgewerkschaft GEW. Er ruft zum Protest auf.

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Nordstadtbewohner 22.02.2019, 14:23
1. Sinnfreie Forderungen

"Außerdem sind die Gehälter im Osten Deutschlands und in Bayern im Vergleich besonders gering. Dabei steht Bayern finanziell gut da!"

Ich habe selbst studiert und muss Andreas Keller in so ziemlich allen Bereichen widersprechen. Spon hat recht mit der Aussage, dass studentische Hilfsjobs sehr begehrt sind. Nach meiner Erfahrung übersteigt die Zahl der Bewerber die Zahl der Stellen um ein Vielfaches. Von daher ist es völlig unsinnig, die Bezahlung solcher Tätigkeiten anzuheben, wenn es erheblich mehr Bewerber als Stellen gibt. Auch an Hochschulen muss das Gebot der Wirtschaftlichkeit und das Prinzip von Angebot und Nachfrage herrschen. Denn am Ende muss das Ganze auch bezahlt werden. Dazu kommt, dass Herr Keller die Bezahlung von studentischen Hilfskräften abhängig von der finanziellen Verfassung des jeweiligen Bundeslandes machen möchte. Die Bezahlung muss sich aber nach Angebot und Nachfrage richten, nicht nach der finanziellen Leistungsfähigkeit des Arbeitgebers. Ich selbst habe nach meinem Bachelor als Masterstudent nebenbei in der Privatwirtschaft gearbeitet und meine Bezahlung selbst ausgehandelt. Aber so etwas ist Gewerkschaftsvertretern wohl eher ein Dorn im Auge.

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m.sc. 22.02.2019, 14:40
2. Leid dr Nachwuchswissenschaftler

auch Doktoranden werden schlecht bezahlt. Sie erhalten oft nur halbe befristete Stellen, müssen aber Vollzeit arbeiten. Dadurch können sie sich auch nicht nebenbei etwas dazuverdienen.

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steuerzahler1972 22.02.2019, 14:53
3. Bärendienst der Gewerkschaft

Die GEW zeichnet sich hier wieder einmal mehr als eine Einrichtung aus, der es um Ideologie oder die eigene Daseinsberechtigung geht. Wer eine HiWi-Stelle in der Uni ergattert hat, hat das große Los gezogen. Man kann eine Nebentätigkeit in seinem Ausbildungsumfeld durchführen, verbessert sein Wissen, seinen Stand am Lehrstuhl, kann Kontakte knüpfen und muss die negativen Seiten anderer Jobs nicht erleiden. Was machen Leute, die nachts in der Gastronomie arbeiten? Die im Reinigungs- und Sicherheitsdienst schwerer ihr Geld verdienen? Studenten, die einen langen Arbeitsweg auf sich nehmen, um Geld zu verdienen?
Aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen, dass die Leute aus dem Studium, die später zu den Stützen der Gesellschaft gehören, Leistung bringen, viel Steuern zahlen, auch als Arbeitgeber oder dann als Vermieter ihren Beitrag zur Gesellschaft leisten, nur selten der Asta oder GEW angehörten.

Irgendwann schafft es die GEW, dass auch diese Jobs outgesourced werden. Ich erinnere nur an den Fall der jungen Studentin, die in den Universitätsbibliothek als Hilfskraft angestellt war und das gleiche Gehalt wollte, wie eine Fachkraft. Viel Erfolg GEW, weiter so!

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irgendeinleser 22.02.2019, 14:59
4. @Nordstadtbewohner

Zitat von Nordstadtbewohner
Auch an Hochschulen muss das Gebot der Wirtschaftlichkeit und das Prinzip von Angebot und Nachfrage herrschen. Denn am Ende muss das Ganze auch bezahlt werden.
Kommt darauf, in welchen Bereichen. Beispielsweise wo die Studierende in der IT-Industrie verwendbar sind, dort sind die Tarife auch in Berlin eher niedrig. Zumindest in den betroffenen Fächern müssten Sie Ihrer Vorstellung von Angebot und Nachfrage zufolge deutlich angehoben werden. Zudem sind gute studentische Hilfskräfte meiner Erfahrung nach in der Lehre (und als wissenschaftliche Hilfskräfte) im Vergleich zum gelieferten Nutzen äussert kosteneffektiv.

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Sibylle1969 22.02.2019, 15:43
5.

Ich habe von 1991-1996 als studentische Hilfskraft an einer Uni in NRW gearbeitet und habe zuletzt umgerechnet 8 Euro pro Stunde verdient. Vor 23 Jahren! Legt man eine 2prozentige jährliche Erhöhung zugrunde, müssten es heute 12,65 EUR pro Stunde sein. 10 Euro pro Stunde heißt, dass im Schnitt nur 1% pro Jahr erhöht wurde.

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Der_schmale_Grat 22.02.2019, 16:20
6. Seltsamer Vorstoß

Ich bin da ziemlich beim ersten Kommentar (Nordstadtbewohner), obwohl ich ansonsten die Arbeitsbedingungen an Unis haarstäubend schlecht empfinde (Professoren i.d. Regel ausgenommen). Aber wir reden ja letztlich von einem "Azubigehalt", welches nicht schlecht ist und zudem meist eine gute berufsergänzende Vorbereitung bietet. Ich habe mittlerweile das Gefühl, dass irgendwann die Studenten und Professoren richtig gut leben können, aber der kümmerliche "Rest" dazwischen weiterhin ein Dasein fristen wird, was uns noch teuer zu stehen kommt. Ich vermisse das inhaltliche Arbeiten immer noch, doch unter diesen Bedingungen war es nicht mehr tragbar, obwohl ich mal "all the way" oben war). Uni hat schon oft etwas von McMurphys Kuckucknest...

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kayakclc 22.02.2019, 16:38
7. Sinnfreie Fragestellung

Man frage den Lobbist einer jeden Gruppe! Es wird immer zu wenig verdient. Ich habe noch nie jemanden, und besonders von der Gewerkschaft gehört, der gesagt hätte, wir führen jetzt Tarifverhandlungen, mit dem Ziel der Lohnsenkung, den unsere Leute verdienen zu viel! Klappern gehört zu Handwerk! Was die Leute hier aber nicht verraten: die Anzahl der Stunden bei HiWi-Stellen sind oft sehr großzügig ausgelegt. Leute erhalten 6 Monatsverträge über das ganze Semester, arbeiten nur während der Vorlesungszeit (15 Wochen) etc.... Man kann die Stundensätze natürlich verdoppeln. Dann werden aber am Ende weniger großzigie Zusatzstunden bezahlt und Verträge schnell wieder auf die wahre Arbeitszeit reduziert. Ob die GEW das wirklich will? Viele heiße Luft wird da geblubert, weil eben nicht das Problem als ganzes betrachtet wird.

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sternstinator 22.02.2019, 16:40
8. Obergrenze ja oder nein?

Ich habe vor ca. 5 Jahren für etwa ein Jahr an einer Fachhochschule in einer Großstadt in NRW als studentische Hilfskraft gearbeitet und mit 13€ deutlich mehr verdient als die im Artikel genannten 10,27€. Und wie können Studenten in Berlin 13€ kriegen, wenn es doch angeblich eine Obergrenze gibt. Dieser Artikel ist sehr verwirrend und anscheinend sachlich inkorrekt.

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diddeldumm1 22.02.2019, 16:52
9. Check your privileges

Der Artikel schert die Entlohnung von geprüften und ungeprüften wissenschatliche Hilfskräfte zu sehr über einen Kamm. Bei ungeprüften Hilfskräften ist die Entlohnung abgabenfrei, also brutto = netto, und da sind durchschnittlich 10,00 € zwar nicht viel, aber immer noch ok. (Zum Vergleich: Ich verdiene außerhalb des gepamperten akademischen Milieus seit 19 Jahren konstant 10,00 € netto, ohne daß es je eine Lohnerhöhung gegeben hätte). Natürlich gab es das Lamentieren über geringe Bezahlung schon in den 80er und 90er Jahren, es hat sich aber auch der Umstand nicht geändert, daß es sich bei diesen Tätigkeiten um Jobs handelt wie Besetzung der Bibliothekspforten, Kopieren, selten mal Recherchen. (Und wenn ich sehe, wie die Aufsichts-Hiwis an den Bibliothekspforten konstant mit ihren Laptops spielen, finde ich einen Mindestlohn auch völlig in Ordnung.) Eine qualifizierte Mitarbeit am Lehrstuhl (wie Klausurenkorrektur) wird Bachelor-Studenten wohl eher selten angeboten. Und wird sie geprüften Hilfskräften angeboten, sind ca 10,00 € brutto natürlich wenig, läßt sich aber immer noch mit dem Mangel an Stellen, der Masse an Bewerbern und dem Wusch, "akademische Erfahrungen" zu erwerben, rechtfertigen. Schön ist das nicht, aber Ausbeutung ist was anderes.

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