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Netanjahu bei Merkel: Eine Freundschaft, die viel aushalten muss
DPA

Siedlungsbau, Uno-Abstimmung - die deutsch-israelischen Beziehungen sind angespannt wie lange nicht. Doch die Visite von Premier Netanjahu bei Kanzlerin Merkel zeigt auch: Das Verhältnis ist noch immer so gut, dass beide Regierungschefs offen zu ihren Differenzen stehen. Merkel und Netanjahu sind sich über Siedlungsbau uneinig - SPIEGEL ONLINE

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phaeno 06.12.2012, 18:09
40. Wer´s glaubt.

Sollte hier wirklich dem gemeinen Wahlvolk weiss gemacht werden, dass es bei dieser sog. Freundschaft um etwas anderes ging, als nur und ausschlielich um´s Geschäft? Da lachen ja die Hühner.
Die deutsche Regierung unterstützt die völkerrechtswidrige Politik der israelischen Regierung weil das gut ist für die Geschäfte der Waffenindustrie. Oder glaubt hier irgendjemand, dass nur die Lobby der Hoteliers ihre Spenden in die Kassen der Regierungsparteien fliessen lassen? Und da ist es dann letztlich ziemlich egal, wer dem Einsatz dieser Waffen zum Opfer fällt und ob das Ganze mit irgendwelchem Handelsdoktrinen der Bundesrepublik oder dem Völkerrecht kompatibel ist.
Doch es gibt Hoffnung. Die israelische Friedenbewegung wird im mer stärker, viele Bürger Israels lassen sich von der unsozialen Politik ihrer Regierung auch durch deren Kriegsgeschrei nicht mehr ablenken. Vielleicht wird ja in Zukunft doch wenigstens in Israel eine Regierung gewählt, die wirklich an Frieden interessiert ist.
Die tatsächliche n Profiteure des momentanen Zustandes sind nur und ausschließlich die Waffenproduzenten.

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atech 06.12.2012, 18:39
41. Netanjahu ist das Problem

Zitat von justtk
Fakt ist, dass weder die Palästinenser noch die anderen arabischen Staaten (Ausnahme Ägypten) den ursprünglichen UN-Teilungsplan noch das Existenzrecht Israels jemals anerkannt haben.
die Anerkennung Palestinas impliziert die Anerkennung der Zwei-Staaten-Lösung. Der Staat, der gegen die Anerkennung Palestinas, also gegen die Zwei-Staaten-Lösung stimmte, war Israel. Es ist Israels Regierung unter Netanjahu, die die Zwei-Staaten-Lösung nicht anerkennt. Nicht die Palestinenser.
Es ist Netanjahu, der durch den Siedlungsbau die Zwei-Staaten-Lösung verhindern will.
Zitat von _sobieski
Die Gegend, in der jetzt gebaut werden soll wurde schon immer, als Teil Israels, im Rahmen eines Friedensvertrages, betrachtet.
Maale Adumin ist eine israelische Siedlung in der Westbank. In dem Gebiet, dass gerde erst von der UN als künftiger Staat Palestina anerkannt wurde. Alle israelischen Siedlungen, die sich in der West Bank befinden, gelten international als illegal.
Und die Gegend, wo jetzt gebaut werden soll, in E1, liegt zwischen Jerusalem und Maale Adumin auf Palestinensergebiet. Damit ist dieser geplante Bau neuer Häuser ebenfalls illegal.

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JDR 06.12.2012, 18:41
42. ...

Zitat von schon,aber
Nehmen doch bitte auch mal Sie zur Kenntnis, dass Israel viermal von seinen friedlichen Nachbarn überfallen wurde, aber diese Nachbarn viermal unverrichteter Dinge und mit zerbeulten Panzern wieder abziehen mussten. Jeder Kriegsgewinner bestimmt die nachfolgenden Regeln. Das war stets so und diktiert auch weiterhin die Regeln. Israel wäre schön blöd, auf strategische Gebiete zu verzichten. Sie haben Gaza geräumt und haben dafür Raketenhagel geerntet. Netanjahu vertritt die legitimen Interessen seines Volkes.
Der Abzug aus Gaza hat dafür gesorgt, dass der Staat Israel diplomatisch auf wesentlich stabilere Fundamente gesetzt ist, als zuvor. Gerade die sehr unterschiedliche Wahrnehmung und Reaktion auf einerseits die Gazaoperation der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte und die Ankündigung des Siedlungabaues in E1 zeigen, wie sehr diese Maßnahme den Staat Israel gestärkt hat. Auch die Hamas hat sich - wenn auch nicht annähernd ausreichend - verändert.

Richtig ist, dass der Staat Israel sich nach wie vor gegen fanatische Feinde verteidigen muss. Die Entwicklung in der Region ist mehr als gefährlich.

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Mogamboguru 06.12.2012, 19:02
43. Falsch, frau merkel!

Kanzlerin Merkel macht in ihrem Verhältnis zu Israel einen fatalen Fehler:

Die Existenz und das Wohlleben Israels - oder das eines jeden anderen Staates - KANN NICHT, KANN NIE UND DARF NIE deutsche Staatsräson sein!

Deutschland hat schon einmal den fatalen Fehler gemacht, sich auf Gedeih und Verderb per Staatsräson an einen anderen Staat zu binden: Die Folge davon war die Katastrophe des Ersten Weltkriegs, in dem das Deutsche Reich sich in sprichwörtlicher, blinder Nibelungentreue ebenso kritiklos wie unnötig an die Seite von Österreich-Ungarn gestellt hat.

Die schrecklichen Folgen davon waren nicht nur der erste, sondern auch der zweite Weltkrieg mit zusammen rund 75 Millionen Toten, die russische Oktoberrevolution und die zwischenzeitliche Herrschaft des Kommunismus in Osteuropa, der Nazismus, ein kalter Krieg und Dutzende von Stellvertreterkriegen auf der Welt, die zum Teil noch heute erbarmungslos geführt werden.

Die deutsche Staatsräson MUSS die Aufrechterhaltung von Recht, Frieden und das Wohlbefinden jedes Menschen jeder Religion, Rasse und Hautfarbe IN DEUTSCHLAND sein.

Aber was JENSEITS der deutschen Grenzen passiert, ist NICHT deutsche Staatsräson! Es ist Gegenstand internationalen Rechts, das für alle Völker dieser Welt gleich ist - oder wenigstens gleich sein sollte - ABER MEHR NICHT!

Und das internationale Recht gilt übrigens AUCH für die Palästinenser, Frau Kanzlerin Merkel!

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neanderspezi 06.12.2012, 19:02
44. Eine intakte Freundschaft sollte auch eine heftige Kontroverse aushalten können

Eine Freundschaft, die rein gar nichts aushalten muss, die aber pro forma so tut, als ob es da gelegentlich viel auszuhalten gäbe, leidet nur ein ganz klein wenig an der Glaubwürdigkeit in Sachen Aushalten. Der eine Partner dieser Freundschaft hat nur darauf zu achten, dass er auf jedes Verlangen des Anderen rechtzeitig und gehorsam reagiert und sich bei Entscheidungen, die den fordernden Partner betreffen und bei ihm Ärger auslösen, durch neutrales Stimmverhalten schwere Rüffel einhandelt. Dieser gehorsame Partner steht unter einem unerfüllbaren Wiedergutmachungszwang, zweifellos zu Recht, aber der tonangebende Partner beliebt unaufhörlich als militärisch haushoch überlegener Popanz Unterdrückungsmaßnahmen im unterworfenen Siedlungsgebiet als hochnotwendige Sicherheits- und Schutzvorkehrungen zu charakterisieren, obwohl ihm das im globalen Konfliktbeaufsichtigungsverein kaum einer abnimmt. Gleichzeitig engt er die Lebensgrundlage der Anrainer nach Gutdünken ein und für all dies hat der im Freundschaftsverhältnis stehende Partner ein fortgesetztes Abnicken vorzuführen, um keine schlechte Laune zu provozieren. Nichts gegen Freundschaft, aber Partnerschaft mit dem Recht sich kritisieren zu dürfen und in bestimmten Fällen auch zu müssen, zeichnet ein ehrlicheres Bild, als Abnicken im Dauermodus.

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jrcom 06.12.2012, 19:08
45.

Zitat von JDR
Der Abzug aus Gaza hat dafür gesorgt, dass der Staat Israel diplomatisch auf wesentlich stabilere Fundamente gesetzt ist, als zuvor. Gerade die sehr unterschiedliche Wahrnehmung und Reaktion auf einerseits die Gazaoperation der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte und die Ankündigung des Siedlungabaues in E1 zeigen, wie sehr diese Maßnahme den Staat Israel gestärkt hat. Auch die Hamas hat sich - wenn auch nicht annähernd ausreichend - verändert. Richtig ist, dass der Staat Israel sich nach wie vor gegen fanatische Feinde verteidigen muss. Die Entwicklung in der Region ist mehr als gefährlich.
Ja, die Lage ist gefährlich. Die Frage ist: wie kommt man aus dem Dilemma ewiger Konfrontation heraus? Kann dauerhaft für die Sicherung des einen Volkes ein anderes geknebelt werden?

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adal_ 06.12.2012, 20:04
46. Siedlungspolitik größtes Friedenshindernis? Wer's glaubt, wird selig.

Zitat von angnaria
Die Siedlungsfrage ist sicher nicht die Wurzel des Konflikts, aber sie ist mit Sicherheit das größte Hindernis für eine endgültige friedliche Lösung.
Tatsächlich? Zitat von _sobieski
Die Gegend, in der jetzt gebaut werden soll wurde schon immer, als Teil Israels, im Rahmen eines Friedensvertrages, betrachtet, die Idee fand sogar Zustimmung von Arafat.
Richtig. Leider brach Arafat die Friedensverhandlungen in Camp David 2000 kommentarlos ab, weil erstmals ein Friedensvertrag zustandezukommen "drohte". Er hätte ihm zuhause wohl den Kopf gekostet. Seither glaubt in Israel kaum noch jemand an einen ernsthaften Friedenswillen der palästinensischen Funktionäre.

Das eigentliche Friedenshindernis war und ist die Uneinigkeit innerhalb der PLO in den entscheidenden Detailfragen, die bis heute nicht ausdiskutiert sind. Vom Bürgerkrieg zwischen Fatah und der absolut friedensunwilligen Hamas, der 2006 nach den palästinensischen Parlamentswahlen ausbrach, gar nicht zu reden.

Trotzdem hat Merkel Recht: Der unilaterale Beschluss Netanyahus ist ein taktischer Schuss ins eigene Knie, weil er der PA den bewährten Vorwand liefert, sich wieder mal in den gemütlichen Opfer- und Schmollwinkel mit großzügiger internationaler Hilfe zurückzuziehen, statt sich mit lästigen Friedensverhandlungen herumzuärgern. Aus eben dem Grund verfängt Netanyahus Faustpfand-Logik nicht wirklich.

Die PA hat es allem Anschein nach nicht eilig, die Verantwortung für das eigene Volk zu übernehmen. Das hätte ja auch nicht nur Vorteile für sie. Beispielsweise könnte man nicht mehr alles, was schiefläuft, Israel in die Schuhe schieben, womöglich gäbe es auch auf Dauer weniger internationale Hilfen.

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pragmat 06.12.2012, 20:06
47. Olle Kamellen

Zitat von JDR
Der Abzug aus Gaza hat dafür gesorgt, dass der Staat Israel diplomatisch auf wesentlich stabilere Fundamente gesetzt ist, als zuvor. Gerade die sehr unterschiedliche Wahrnehmung und Reaktion auf einerseits die Gazaoperation der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte und die Ankündigung des Siedlungabaues in E1 zeigen, wie sehr diese Maßnahme den Staat Israel gestärkt hat. Auch die Hamas hat sich - wenn auch nicht annähernd ausreichend - verändert. Richtig ist, dass der Staat Israel sich nach wie vor gegen fanatische Feinde verteidigen muss. Die Entwicklung in der Region ist mehr als gefährlich.
Der Abzug aus Gaza war sowohl militärisch, politisch und psychologisch richtig. Wer will schon eine Million feindlicher Bewohner regieren und besetzt halten? Darin sind sich wohl alle Denkfabriken der Welt - auch die israelischen - einig. Da ist es besser, die Leute einzusperren und sich selbst zu überlassen. Die werden dann radikal und wählen nicht die Vernunft sondern die Hamas. Also, die psychologische Rechnung ging auf.

Der Siedlungsbau in Ost-Jerusalem dient einzig dem Ziel, die Stadt zur Hauptstadt der bibeltreuen Anhänger in aller Welt zu machen. Dieser biblisch uralte Traum bedarf keiner politischen oder psychologischen Erklärung. Da ist es egal, ob damit eine palästinensische Hauptstadt unmöglich gemacht wird oder nicht. So ist die Logik von Religionskriegen.

Was hatten denn die Kreuzritter einst in Jerusalem zu suchen? Auf diese Frage haben die Denkfabriken bis heute noch keine zufriedenstellende Antwort gegeben. Fragen Sie mal im Vatikan nach!

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e.schw 06.12.2012, 20:10
48. Freunde unter sich...

Zitat von Lemmi42
existiert nur zwischen der Deutschen Regierung und dem israelischen Regime.Die stets hervorgehobene Deutsche Staatsräson sollte schon eine andere sein als Fr. Merkel vorgibt,schließlich ist sie dem Deutschen Volk verpflichtet und keinen anderen.
Richtig. Und wenn man den Deutschen sagen würde, dass der Zeitpunkt schnell näher rückt, an dem die Bundeswehr zusammen mit Streitkräften weiterer europäischer Länder für die Sicherheit des Staates Israel einstehen müssen, würde auch der letzte Rest an Freundschaft schwinden.

Wenn auch die Unruhen im Nahen Osten und in Nordafrika noch keine einheitliches Ziel erkennen lassen, sollte ein Solidarisierungseffekt der betroffenen Völker als Reaktion auf den Palästinakonflikt nicht ausgeschlossen werden. Wenn dieser Fall eintritt, wird die Bundeswehr zum ersten Mal seit ihrem Bestehen wirklich gefordert werden...

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localpatriot 06.12.2012, 20:29
49. Gescichte bleibt Geschichte

Zitat von adal_
Tatsächlich? Richtig. Leider brach Arafat die Friedensverhandlungen in Camp David 2000 kommentarlos ab, weil erstmals ein Friedensvertrag zustandezukommen "drohte". Er hätte ihm zuhause wohl den Kopf gekostet. Seither glaubt in Israel kaum noch jemand an einen ernsthaften Friedenswillen der palästinensischen Funktionäre. Das eigentliche Friedenshindernis war und ist die Uneinigkeit innerhalb der PLO in den entscheidenden Detailfragen, die bis heute nicht ausdiskutiert sind. Vom Bürgerkrieg zwischen Fatah und der absolut friedensunwilligen Hamas, der 2006 nach den palästinensischen Parlamentswahlen ausbrach, gar nicht zu reden. Trotzdem hat Merkel Recht: Der unilaterale Beschluss Netanyahus ist ein taktischer Schuss ins eigene Knie, weil er der PA den bewährten Vorwand liefert, sich wieder mal in den gemütlichen Opfer- und Schmollwinkel mit großzügiger internationaler Hilfe zurückzuziehen, statt sich mit lästigen Friedensverhandlungen herumzuärgern. Aus eben dem Grund verfängt Netanyahus Faustpfand-Logik nicht wirklich. Die PA hat es allem Anschein nach nicht eilig, die Verantwortung für das eigene Volk zu übernehmen. Das hätte ja auch nicht nur Vorteile für sie. Beispielsweise könnte man nicht mehr alles, was schiefläuft, Israel in die Schuhe schieben, womöglich gäbe es auch auf Dauer weniger internationale Hilfen.
Gaza und die West Bank sind die Kreaturen der Internationalen Gemeinschaft, Produkt der Vereinten Nationen.
Laesst sich nicht aendern. Verantwortung fuer die Loesung und die am Ende berechtigte Wiedergutmachung liegt und bleibt bei der Internationale Gemeinschaft und dazu gehoeren die Folgeschaeden.

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