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Noteninflation: Was ist eine Eins noch wert?
picture alliance / dpa

Immer mehr Absolventen verlassen die Uni mit Bestnoten. Laut einer Untersuchung spielt das Alter der Professoren eine Rolle - und ihr Geschlecht.

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plutinowski 24.06.2017, 14:46
70.

Wenn der Trend zu immer besseren Noten geht - ok. Meine Erfahrung ist, dass in den 80er und 90er Jahren zum Teil für sehr schwache Leistungen Diplome vergeben wurden. Die heutigen Studenten müssen sich hinter ihren Müttern/ Vätern in puncto Leistung insgesamt nicht verstecken - meine Wahrnehmung.

Eine Tendenz allerdings, die der "Noteninflation" Vorschub leisten könnte, ist die Beschäftigung freier Dozenten/ Honorardozenten an vielen Hochschulen. Jedes Semester gibt es eine "Evaluation" der Lehre. Wer als freier Dozent nur mäßige Noten vergibt, wird tendenziell schlechter evaluiert werden, was die Chance auf Weiterbeschäftigung im nächsten Semester mindert. Es gibt also - zumindest für die "freien" ohne sicheren Arbeitsplatz - einen Anreiz, gute Noten zu vergeben.

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genugistgenug 24.06.2017, 17:47
71. Noteninflation ist oben angekommen und hat sich festgesetzt

Bereits 1984 habe ich die Infaltion bei der Mittleren Reife (2. Bildungsweg - 1 Jahr - Bedingung abgeschlossene kaufm. Ausbildung) erlebt. da haben die Lehrer regelmäßig den Schnitt um 1 gesenkt - mir wurde immer erklärt, dass man den anderen auch eine Chance geben muss und ich ja schon eine 1 hatte. Als ich den Lehrern erklärte, dass die die Noten nur verbessern um 2 Schüler das nächste Jahr garantiert nicht mehr als Wiederholer zu bekommen, schwieg man sehr pikiert.
Später mussten wir mal IT Dozenten bewerten - ich hatte auf 1 = Vollversager bewertet (5 = beste Bewertung) und musste beim Chef der Fortbildung antanzen. Der hat meine Meinung zwar bestätigt, doch deznt darauf hingewiesen, dass schlechte Bewertungen dazu führen, dass die nicht weitervefördert (abgeschoben) werden kann. Breit grinsend habe ich ihm natürlich den Gefallen getan und wurde im Gegenzug von der Dozentin und ähnlichen Kalibern verschont.

Was mich persönlich stört, ist das sich anscheinend kaum jemand SELBST die Frage stellt:
'Ist das eine 1 (sehr gut), 2 (gut) .... überhaupt wert?'
Die Eigeneinschätzung fehlt völlig und die Benoteten glauben tatsächlich den Mist der im Zeugnis steht. Vielleicht solte man wieder zu ausgeschriebenen Noten 4 = ausreichend zurückkehren.

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Landkaertchen 25.06.2017, 23:15
73. Noten sind egal für Chefs, denen Personalentwicklung wichtig ist.

Da es sowieso eine Diskrepanz zwischen den Anforderungen der Lehre und den des Berufslebens in einem konkreten Unternehmen gibt, sind die Noten allein sehr wenig aussagekräftig. Selbst zur Vor-Siebung von Bewerbern reichen sie nur bedingt. Allein, weil der Wert der Note zu sehr von der Ausbildungseinrichtung abhängt. Und selbst ein Sehr Guter Absolvent als Arzt kann erhebliche Defizite im Umgang mit Patienten und ihm unterstellte Angestellten haben. Und umgekehrt. Denn kleine Fehlleistungen im Studium können ihre tieferen Ursachen in persönlichen Details haben haben, die im Berufsleben als sehr positive Dinge in Erscheinung treten.

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Drschlaumeierxy 25.06.2017, 00:16
74. wann hat es ...

Angefangen? Stimmt, als die Schulen/Hochschulen politisch in den Wettbewerb gezwungen wurden. Exelenz-Initiative, Geld nach Studierendenzahlen & Co sind die Gründe ... (und dabei sind die Probleme mit Klageeltern noch nicht einmal berücksichtigt!)

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Kerze der Freiheit 25.06.2017, 07:36
75.

Zitat von stozk
Vor allem das Uni-Ingenieursstudium ist auf das Aussieben ausgerichtet. Höhere Mathematik 1-3 hat die ersten 3 Semester massiv die Reihen gelichtet, Thermodynamik 1/2 im dritten und vierten. Technische Mechanik 1-4 genau so. Und wer im ersten Semester schon rausgeflogen ist, weil Matrizenrechnen zu schwer war, ist dann einfach an die FH gegangen und hat dort locker flockig sein Studium absolviert.
Eine Bekannte von mir ist aus dem VWL-Studium geflogen, bedauerlicherweise nur wegen eines Faches. Ihr FH-Studium hat sie dann ohne Probleme geschafft. Ein Bekannter meinte, er hätte auf der FH nicht viel mehr gelernt als er schon vom beruflichen Gymnasium her mitbrachte.

Andererseits höre ich von FHs, auf denen man pro Semester sieben Klausuren schreibt. Das ist auch ziemlich verrückt, wobei dann aber auch fraglich ist, wie viel Stoff die einzelnen Fächer dann überhaupt umfassen.

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Kerze der Freiheit 25.06.2017, 07:38
76.

Zitat von varlex
Das ist nicht korrekt und entspricht auch keinesfalls der Realität. Gerade an staatlichen Unis wird besonders in den erstem Jahr (also Semester 1&2) besonders stark ausgesiebt um die Studenten auf die maximal vorhandenen Plätze herunterzubringen. Im Endeffekt bedeutet dies, dass hier die Aufgaben schon besonders schwer gestaltet werden, dass zum Teil 80% der Leute durchfallen. Danach senkt man den Bewertungsmaßstab, sodass es nur 60% sind. So erlebt in Mathe eines Chemiestudiums. (Welches ich irgendwann abgebrochen habe). Ich studiere jetzt Nebenberuflich an einer privaten Uni. Und siehe da, gleiche Themen, weit aus weniger schwierige Aufgaben (die aber prinzipiell das gleiche Wissen abfragen), da eine Privatuni nicht aussieben muss.
Das sieht man auch schön an den Lehramtstudiengänge für MINT-Fächer. Dort gibt es Durchfallquoten von bisweilen über 80 Prozent, und dann beschweren sich die Leute über einen angeblichen Mangeln an Lehrern, die Mathematik oder Naturwissenschaften unterrichten können.

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wahrscheinlichwahr3 25.06.2017, 09:24
77. In den ersten Semestern nicht zu bestätigen

Wenn ich mir in meinem Fach die Notenverteilungen in den Klausuren anschaue (Mathematik, Bachelor), ergibt sich zumindest beim Studienbeginn bis Anfang Mitte ein anderes Bild: sehr wenige 1,x, sehr viele 3,x und 5. Meist eine nach rechts verschobene Glockenkurve.

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ykeita 25.06.2017, 11:12
78.

Es gibt schon lange Universitäten, die mit "sehr gut" im Diplom um sich werfen, zumindest in Mathematik. Vor etwa 15 Jahren hatte ich kurz nacheinander zwei Bewerber von einer Uni aus Süddeutschland, die beide etwa eine 1.3 im Diplom hatten, aber - auch in den Fächern, über die sie sich gerade haben prüfen lassen - gelinde gesagt nichts wußten, keine Zusammenhänge, kein Verständnis. Kurz darauf ist mir eine Statistik in die Hände gefallen, daß (den Zeitraum der Erhebung weiß ich jetzt nicht mehr so genau, muß wohl ungefähr von 1990 bis 2002 gewesen sein) die Abschlußnote im Mathematikdiplom - je nach Uni - zwischen 1.3 und 3.0 liegt...
Zugegebenermaßen ist es heute noch schlimmer. Es gibt Lehrstühle an manchen Unis, da ist eine 1 wenig wert. Das sind Erfahrungswerte aus zig Vorstellungsgesprächen (ich bin kein Personaler). Schlimm ist das meiner Meinung nach für die Leute, die an einer solchen Uni studiert haben und tatsächlich sehr gut sind. Die kann man dann kaum von den anderen unterscheiden, und wenn man viele Bewerbungen bekommt, dann läd man eher Leute von einer Uni ein, wo diese Unsitten noch nicht so stark verbreitet sind.

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ykeita 25.06.2017, 11:16
79.

Es gibt schon lange Universitäten, die mit "sehr gut" im Diplom um sich werfen, zumindest in Mathematik. Vor etwa 15 Jahren hatte ich kurz nacheinander zwei Bewerber von einer Uni aus Süddeutschland, die beide etwa eine 1.3 im Diplom hatten, aber - auch in den Fächern, über die sie sich gerade haben prüfen lassen - gelinde gesagt nichts wußten, keine Zusammenhänge, kein Verständnis. Kurz darauf ist mir eine Statistik in die Hände gefallen, daß (den Zeitraum der Erhebung weiß ich jetzt nicht mehr so genau, muß wohl ungefähr von 1990 bis 2002 gewesen sein) die Abschlußnote im Mathematikdiplom - je nach Uni - zwischen 1.3 und 3.0 liegt...
Zugegebenermaßen ist es heute noch schlimmer. Es gibt Lehrstühle an manchen Unis, da ist eine 1 wenig wert. Das sind Erfahrungswerte aus zig Vorstellungsgesprächen (ich bin kein Personaler). Schlimm ist das meiner Meinung nach für die Leute, die an einer solchen Uni studiert haben und tatsächlich sehr gut sind. Die kann man dann kaum von den anderen unterscheiden, und wenn man viele Bewerbungen bekommt, dann läd man eher Leute von einer Uni ein, wo diese Unsitten noch nicht so stark verbreitet sind.

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