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NSU-Prozess: Eine kleine juristische Sensation
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Es war ein riskantes Spiel, das der Verteidiger des früheren NPD-Funktionärs Ralf Wohlleben an diesem Prozesstag einging. Er setzte alles auf eine juristische Karte - und gewann. NSU-Prozess: Phase der Neuorientierung - SPIEGEL ONLINE

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btraven 13.11.2013, 21:58
10. Gerhard Mauz

Zitat von vogtnuernberg
Friedrichsen war auch schon mal besser... Der letzte Satz ist eine Zumutung in einer sachlichen Prozessberichterstattung.
Und ihr Lehrherr Gerhard Mauz, rotiert gerade in seinem Grab ;).

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Annika Bengtzon 13.11.2013, 22:07
11. Deutsche Rechtssprechung ist ...

Deutsche Rechtssprechung ist für mich der Sieg des Buchstaben über den eigentlichen Sinn.
Hinter all den Scharmützeln der Anwälte bleibt das eigentliche Thema doch total auf der Strecke. Und das, was normale Menschen als RECHT empfinden, sowieso. Jaja, ich weiß, der "Rechtsstaat"! Aber für die Familien der Opfer müssen diese Profilierungsspielchen der Juristen doch der blanke Horror sein!

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Andrea.M 13.11.2013, 22:21
12.

Zitat von btraven
Und ihr Lehrherr Gerhard Mauz, rotiert gerade in seinem Grab ;).
Nee gerade nicht. Ich war Mauz Fan, bis heute bewahre ich einen der Artikel über Memmingen (Abtreibungsprozeß) auf.

Ich kann mich an einen Artikel erinnern wo Herr Mauz über eine Richterstochter schrieb die auf die schiefe Bahn "geraten" war. Sie wurde milde verurteilt und Herr Mauz stellte die Frage, wie hier Frau Friedrichs, ob die gesellschaftliche Position einen Einfluss auf das Urteil hatte.

Dieser Fall (Aussage der Zeugin vor Gericht und insistieren) ist schwer zu beurteilen wenn man selbst nicht anwesend war.

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Werner655 13.11.2013, 22:42
13.

Zitat von hakki_bulut
Die letzte Frage hätte sich die Autorin lieber kneifen sollen, denn es geht hier nicht darum, wer aus welchen Schichten stammt, ob jemand reich oder arm ist oder ob reichere Leute vom Gericht besser behandelt werden und ärmere Leute nicht. Es geht hier um Menschenleben, 10 Menschenleben, die einfach so ausgelöscht wurden. Das sollte man immer im Hinterkopf behalten, auch wenn es um Juristerei geht. Von dieser moralischen Verpflichtung sollten sich übrigens auch die Journalisten nicht ausnehmen...
Eigentlich geht es in dem Prozess darum, ob die in der Anklage erhobenen Vorwürfe dezidiert nachgewiesen werden können, oder nicht.
Darum alleine geht es. Nicht um mehr, und nicht um weniger.

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Atomkrafteimer 13.11.2013, 23:10
14. Ja, aber...

Zitat von Annika Bengtzon
Deutsche Rechtssprechung ist für mich der Sieg des Buchstaben über den eigentlichen Sinn. Hinter all den Scharmützeln der Anwälte bleibt das eigentliche Thema doch total auf der Strecke. Und das, was normale Menschen als RECHT empfinden, sowieso. Jaja, ich weiß, der "Rechtsstaat"! Aber für die Familien der Opfer müssen diese Profilierungsspielchen der Juristen doch der blanke Horror sein!
Da ist was dran. Allerdings ist das Prozedere weitestgehend alternativlos. Entweder man will einen fairer Prozess nach klaren - wenn auch manchmal etwas hölzernen - Spielregeln oder man will ihn nicht. Wenn man ihn will, dann muss man auch solche regelkonformen Spielzüge ertragen können. Zumal, diese "Profilierungsspielchen" nicht immer bloß dem eigenen Ego dienen. Manfred Götzl hat als Richter den Ruf drei Juristen roh zum Frühstück zu verspeisen. Wenn man hier als Anwalt nicht von Anfang an die Fronten klärt und deutlich macht "nicht mit mir!", wird man schnell auf dem Beilagentisch serviert.

Im übrigen, meiner Erfahrung nach, ist das, was der Jurist unter Recht versteht nicht so selten deckungsgleich mit dem, was der "normale" Mensch damit assoziiert. Man muss sich oft nur die Mühe machen, ihm den Sinn und die Hintergründe zu erklären. Die Belehrungspflicht sowie das Recht auf Aussageverweigerung im Falle einer Selbstbelastung widersprechen m.E.n. in keinster Weise dem gesunden Rechtsempfinden.

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klogschieter 13.11.2013, 23:29
15. Tom Cruise

Zitat von sysop
Es war ein riskantes Spiel, das der Verteidiger des früheren NPD-Funktionärs Ralf Wohlleben an diesem Prozesstag einging. Er setzte alles auf eine juristische Karte - und gewann.
"riskantes Spiel", "setzte alles auf eine juristische Karte", "Eine kleine juristische Sensation"...angesichts solcher Formulierungen bedarf es schon nicht mehr der ebenso unseriösen wie unangenehmen Suggestivfrage am Ende des Artikels, um den irritierten Leser, nämlich mich, misstrauisch zu stimmen: Sind wir hier in Hollywood? Nimmt gerade der moralisch ambivalente, aber dann doch rechtzeitig bekehrte Hallodrianwalt Tom Cruise den bösen Jack Nicholson auseinander, um drangsalierte Frisösen und einen armen waffenbeschaffenden Trottel, die doch nur, weil sie halt einer rechten Gesinnung verdächtig sind (und nachweislich gut bekannt waren mit zwei üblen rechtsradikalen Killern), in die unmenschlichen Mühlen der deutschen Justiz geraten sind, vor unverdient Schlimmem zu bewahren? Ist dies, um das kleine Filmquiz aufzulösen, "Eine Frage der Ehre"? Oder möchte Frau Friedrichsen denn doch nur ihrer Bewunderung für die technische Brillianz des "raspelkurz" geschnittenen "Szeneanwalts" ausreichend Ausdruck verleihen? Das hat sie prima hingekriegt.

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califactor 14.11.2013, 01:16
16. Haben und Sein

Zitat von Annika Bengtzon
Deutsche Rechtssprechung ist für mich der Sieg des Buchstaben über den eigentlichen Sinn. Hinter all den Scharmützeln der Anwälte bleibt das eigentliche Thema doch total auf der Strecke. Und das, was normale Menschen als RECHT empfinden, sowieso. Jaja, ich weiß, der "Rechtsstaat"! Aber für die Familien der Opfer müssen diese Profilierungsspielchen der Juristen doch der blanke Horror sein!
Das wären paradiesische Zustände, wenn wir uns allesamt auf unser subjektives (Rechts-)Empfinden verlassen könnten. Dann wäre es nämlich objektiv. Bis dahin muss der Verstand als Krücke dienen, mehr als das ist er aber ganz offensichtlich nicht. ;-) Der Sinn wird wohl in irgendeinem Bewusstsein liegen.

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Christian Wernecke 14.11.2013, 07:36
17. Grundsatz der Gleichbehandlung

Zitat von hakki_bulut
Die letzte Frage hätte sich die Autorin lieber kneifen sollen, denn es geht hier nicht darum, wer aus welchen Schichten stammt, ob jemand reich oder arm ist oder ob reichere Leute vom Gericht besser behandelt werden und ärmere Leute nicht. Es geht hier um Menschenleben, 10 Menschenleben, die einfach so ausgelöscht wurden. Das sollte man immer im Hinterkopf behalten, auch wenn es um Juristerei geht. Von dieser moralischen Verpflichtung sollten sich übrigens auch die Journalisten nicht ausnehmen...
Es gilt der Grundsatz der Gleichbehandlung, auch vor Gericht. Die schwere der Tat rechtfertigt kein Abweichen von diesem Grundsatz. Insofern ist die Frage durchaus erlaubt, ob eine Zeugin über das normale Maß hinaus befragt werden darf.

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PH-sauer 14.11.2013, 07:39
18. Schwere Brandstiftung und versuchter Mord reicht.

Es reicht für eine lebenslange Verurteilung. Eine Beteiligung an den vollendeten Morden nachzuweisen wird wahrscheinlich scheitern. Aber hinsichtlich der äußeren Umstände, dem Leben im Untergrund und die Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung, die die Beseitigung der BRD bezweckte, ist als Tatmotiv AUCH ein "sonstiger niederer Beweggrund" beim versuchten Mord ohne weiteres begründbar. Die Verwerflichkeit läßt sich damit begründen. Lebenslang "mit besonderer Schwere der Schuld" ist also immer noch nicht ausgeschlossen.

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bronck 14.11.2013, 07:44
19.

Zitat von Annika Bengtzon
... Und das, was normale Menschen als RECHT empfinden, sowieso. Jaja, ich weiß, der "Rechtsstaat"! ...
Gottlob ist es so, sonst wäre Frau Zschäpe wahrscheints schon von einem wütenden Mob an der nächsten Laterne gehenkt worden.

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