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Ökonomie: "Die Welt hat viel zu sehr auf Pump gelebt"

Hasso Plattner ist Multimilliardär. Im Jahr 2008 hat auch er sehr viel Geld verloren. Dennoch verteidigt der SAP-Mitbegründer das System - den Kapitalismus, den Aktienmarkt und sogar die hohen Manager-Boni.

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DorisP 02.01.2009, 16:58
70. Ökonomie: "Die Welt hat viel zu sehr auf Pump gelebt"

Zitat von sysop
Hasso Plattner ist Multimilliardär. Im Jahr 2008 hat auch er sehr viel Geld verloren. Dennoch verteidigt der SAP-Mitbegründer das System - den Kapitalismus, den Aktienmarkt und sogar die hohen Manager-Boni.
DER SPIEGEL 1/2005 vom 03.01.2005, Seite 56
"Zum Wachstum verurteilt"


Zitat von SPON;
Hasso Plattner, SAP-Mitbegründer und -Aufsichtsratschef sowie Multimilliardär, über sein Spenden-Engagement in Deutschland und die Verantwortung der Reichen für die Republik, den Druck der Globalisierung und die Frage,....
Wie soll dann ein SAP R/3 ein gutes Enterprise Resource Planning System sein ?!

P.S.
Ich habe meine SAP Aktien sofort nach dem Interview im SPIEGEL verkauft ;-$

http://www.heise.de/newsticker/SAP-G...meldung/120932

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Einbauschrank 02.01.2009, 16:59
71. Was wir von den Österreichern lernen können

Zitat von Degnaphta
Daß das Grundprinzip über Schuldengeld eine Wirtschaft dauerhaft an fruchtbarem Leben erhalten zu wollen, jetzt endlich als Fehler erkannt werden kann, dürfte der elementare Vorteil der Finanzkrise sein, wird man eines Tages hoffentlich konstatieren können.
Da wäre ich weniger optimistisch. In den lese ich vermehrt, daß gerade dies befürwortet wird. Die ganzen "Konjunkturpakete" sind nichts weiter als eben der Versuch, mit Schuldengeld den Staatskapitalismus am Leben zu erhalten. Frau Merkels Zögern mag der Tatsache geschuldet sein, daß die Kanzlerin nicht völlig verblödet ist und sich scheut, gutes Geld schlechtem hinterherzuwerfen. Daß Keynes, der ein großer Befürworter der Abkopplung der Geldwirtschaft von der Realwirtschaft war, jetzt unter Schmalspurökonomen als Retter gilt, läßt Übles für die Zukunft erahnen. Lohnenswerter scheint mir ein Blick auf Mises und Hayek, welche die Grundlagen des "Austrian Business Cycle" erarbeiteten.

http://en.wikipedia.org/wiki/Austria...s_Cycle_Theory

Allerdings gilt Hayek merkwürdigerweise als "Verlierer" der Krise, obwohl er sich stets gegen Zentralbanken etc. ausgesprochen hat. Es hilft wohl, eine durch keinerlei Sachkenntnis getrübte Weltsicht zu besitzen, um Konsumgutscheine" und andere "Konjunkturpakete" zu bejubeln.

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Ulrich Ochmann 02.01.2009, 17:00
72. Interview (letzter Teil)

Die Kernbotschaft des gesamten Interviews:

6. [i]"Plattner: Alle haben mitgemacht, nicht nur die Banken. Die Amerikaner waren bereit, mit Schulden zu leben. Warum kauften die zum Beispiel völlig überdimensionierte Autos, die zudem weit schneller fahren können, als es auf ihren Highways erlaubt ist? Es war ja nicht nur die Industrie, die verführte. Die Menschen wollten sich auch verführen lassen.[i]

Es wird inzwischen die Forderung laut, dass endlich wieder "solider, nachhaltiger und konservativer" gewirtschaftet werde. Das ist eine legitime Forderung. Wer sie konsequent vertritt (also mit ihren Konsequenzen leben will!), der muss am Ende folgendes akzeptieren, ja sogar öffentlich fordern:

a) Eine wesentlich geringere Renditeerwartung auf das Geld von Kleinsparern, die über die Sparbuchzinsen hinaus etwas dazuhaben wollen. Das wird natürlich auch das Geld in Altervorsorgefonds betreffen.

b) Keine günstigen Kredite mehr an Menschen, die diese eigentlich gar nicht bedienen können. Also keine "kauf heute, zahl später"-Kaufangebote für Fernseher und Autos. Keine Eigenheimfinanzierung mit 5% Eigenkapital und 1% Tilgung pro Jahr.

c) Konsequenz daraus: Viele Menschen, die sich heute auf Pump etwas leisten können, werden dies in Zukunft nicht mehr können. Wer wenig Einkommen hat und trotzdem einen großen Fernseher kaufen will, der wird in Zukunft verzichten müssen oder 10-20% Risikozins zahlen müssen, damit die Banken an derartigen Schuldnern nicht mehr pleite gehen können.

Wer Korrekturen im Finanzsystem fordert, der wird diese drei Punkte zu seinen zentralen Forderungen machen müssen. Das Tragische an ihnen ist, dass damit vor allem Menschen mit wenig Geld oder wenig Einkommen getroffen werden. Denn sie haben (auch wenn es niemand glauben mag) vom derzeitigen System ebenso profitiert wie die "großen", die ja bereits durch die Abwertung ihrer Anleihen reichlich Blut gelassen haben.

Insofern fand ich das Interview angenehm ehrlich und logisch schlüssig. Einzig die Spiegel-Redakteure erweisen sich leider als gänzlich voreingenommen und provokant, denn in ihren Fragen steckte derart viel Vorurteil und Hass, dass es wirklich eine Leistung von Hrn. Plattner darstellt, dass er das Interview überhaupt bis zum Ende gegeben hat.

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Dr_Carlo 02.01.2009, 17:10
73. Narren, Kinder und Software-Millardäre können die Wahrheit sagen

Zitat von Ulrich Ochmann
Das Interview mit Hrn. Plattner finde ich ganz hervorragend.
Schön, dass das mal einer sagt.

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Dr_Carlo 02.01.2009, 17:24
74. Austrian economics rule (leider nicht)

Zitat von Einbauschrank
Daß Keynes, der ein großer Befürworter der Abkopplung der Geldwirtschaft von der Realwirtschaft war, jetzt unter Schmalspurökonomen als Retter gilt, läßt Übles für die Zukunft erahnen. Lohnenswerter scheint mir ein Blick auf Mises und Hayek, welche die Grundlagen des "Austrian Business Cycle" erarbeiteten. .. Allerdings gilt Hayek merkwürdigerweise als "Verlierer" der Krise, obwohl er sich stets gegen Zentralbanken etc. ausgesprochen hat. Es hilft wohl, eine durch keinerlei Sachkenntnis getrübte Weltsicht zu besitzen, um "Konsumgutscheine" und andere "Konjunkturpakete" zu bejubeln.
Es ist in der Tat zu befürchten, dass sich einige von Mises als "Wahnideen" bezeichnete Konzepte auf Grund der politischen Stimmung als Mittel der Wahl durchsetzen.

Wenn jetzt überhaupt Geld ( = zukünftige Schulden ) in die Hand genommen wird, dann sollte es für Maßnahmen sein, die die Abhängigkeit vom Öl verringern. 40-Zoll-LCDs für alle werden die deutsche Wirtschaft nicht retten.

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Ignorant00 02.01.2009, 17:45
75. Doping?

Zitat von Ulrich Ochmann
4. Auch diesem Satz möchte ich explizit zustimmen. Eine Zielsetzung von 25% Rendite klingt für viele Menschen zwar....
Wie wir inzwischen sehen sind Renditen von 25% nicht dauerhaft zu erreichen! Man müsste all die derzeitge Geldervernichtung dagegenrechnen, dann sähen die Renditezahlen bereinigt deutlich anders aus! Daneben versuchen doch alle mittels des Leverage Effektes Ihre Rendite zu schönen: d.h. umsoweniger eigenes Geld ich investiere umso mehr Rendite erziele ich!

Interessanterweise schreiben Sie in Ihrem vorigen Posting: "Die großen und kleinen Anleger ließen sich von der hohen Rendite locken und fielen am Ende auf die Nase." Wieso kann/darf die Deutsche Bank eine Rendite von 25% erwarten - aber Kleinanleger sind beschränkt, wenn Sie den Versprechungen glauben schenken? Fielen die renditehungrigen Banken nicht auch (als erstes und heftigstes - wofür sonst die Milliardenpakete) auf die Nase?

Widersprüche noch und nöcher!

Ihr Sportbeispiel ist schön, da es den Kern trifft!:

Hier fingen Banken an mit unlauteren/kurzsichtigen Mitteln Geld zu erwirtschaften; da die anderen nicht die Dummen sein wollten, machten immer mehr mit. Inzwischen sind alle gedopt und erreichen die tollen Renditen /9 Sekunden nicht aus eigenen Mitteln, sondern durch Betrug.

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Ignorant00 02.01.2009, 17:49
76. Doping?

Zitat von Ulrich Ochmann
4. Auch diesem Satz möchte ich explizit zustimmen. Eine Zielsetzung von 25% Rendite klingt für viele Menschen zwar ....
Wie wir inzwischen sehen sind Renditen von 25% nicht dauerhaft zu erreichen! Man müsste all die derzeitge Geldervernichtung dagegenrechnen, dann sähen die Renditezahlen bereinigt deutlich anders aus! Daneben versuchen doch alle mittels des Leverage Effektes Ihre Rendite zu schönen: d.h. umsoweniger eigenes Geld ich investiere umso mehr Rendite erziele ich!

Interessanterweise schreiben Sie in Ihrem vorigen Posting: "Die großen und kleinen Anleger ließen sich von der hohen Rendite locken und fielen am Ende auf die Nase." Wieso kann/darf die Deutsche Bank eine Rendite von 25% erwarten - aber Kleinanleger sind beschränkt, wenn Sie den Versprechungen glauben schenken? Fielen die renditehungrigen Banken nicht auch (als erstes und heftigstes - wofür sonst die Milliardenpakete) auf die Nase?

Widersprüche noch und nöcher!

Ihr Sportbeispiel ist schön, da es den Kern trifft!:

Hier fingen Banken an mit unlauteren/kurzsichtigen Mitteln Geld zu erwirtschaften; da die anderen nicht die Dummen sein wollten, machten immer mehr mit. Inzwischen sind alle gedopt und erreichen die tollen Renditen /9 Sekunden nicht aus eigenen Mitteln, sondern durch Betrug.

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DorisP 02.01.2009, 18:16
77. Offensichtlich haben Sie

Zitat von Ulrich Ochmann
... Wer Korrekturen im Finanzsystem fordert, der wird diese drei Punkte zu seinen zentralen Forderungen machen müssen. Das Tragische an ihnen ist, dass damit vor allem Menschen mit wenig Geld oder wenig Einkommen getroffen werden. Denn sie haben (auch wenn es niemand glauben mag) vom derzeitigen System ebenso profitiert wie die "großen", die ja bereits durch die Abwertung ihrer Anleihen reichlich Blut gelassen haben...
von VWL genau so wenig Ahnung wie Hasso Plattner:

Das existierende FED-Finanzsystem, sorgt durch die Zins->Zins->Zins etc. Dynamik dafür, dass die 5% Reiche auf Kosten der 85% Normalbürger leben...

Zitat von BILD-Zeitung am 27.7.1990,
Fräulein Quandt (3 Milliarden) heiratete Herrn Klatten (4.600 Brutto) Der gebürtige Hamburger hat die Liebesprobe bestanden und braucht nicht mehr für 4.600 Mark brutto im Monat zu arbeiten. Er hat schließlich im Nobel-Ort Kitzbühel (Österreich)ein scheues Mädchen geheiratet, das alleine an Zinsen täglich über 650.000 Markt verdient. Jan hätte sich zwölf Jahre als Angestellter abplagen müssen, um die Tageseinnahme seiner Frau zu verdienen.
Wie hoch sind Ihrer Meinung nach die Tageseinnahme von Hasso Plattner und vieviel Jahre müssen Sie arbeiten, um so viel zu verdienen ?!

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Ulrich Ochmann 02.01.2009, 18:20
78. Leverage (1)

Zitat von Ignorant00
Wie wir inzwischen sehen sind Renditen von 25% nicht dauerhaft zu erreichen!
Die Zahl "25%" steht zunächst mal losgelöst vom Zusammenhang. Meinem Wissen nach hat Ackermann das Ziel einer bereinigten Eigenkapitalrendite vor Steuern von 25% gesetzt. Dies ist in der Tat nur dadurch möglich, dass man sich einen Großteil des investierten Geldes als Fremdkapital beschafft, um es dann gewinnbringend zu investieren und den Gewinnüberschuss als Rendite zu verbuchen. Der klassische Leverage-Effekt halt. Solange das Ziel mit legalen Mitteln erreicht wird, sehe ich da kein "moralisches Problem". Es ist wie mit dem Läufer, der die 100 Meter nicht in 20 Sekunden, 15 Sekunden oder 10 Sekunden schaffen will, sondern in 9 Sekunden. "Verrückt!" sagen da die Hobbyläufer. "Möglich" sagt der Experte. Als Zielsetzung sicherlich nicht verboten. Ob man es dann erreicht, ist eine andere Frage.

Wenn gleichzeitig 6.000 Leute entlassen werden, ist das ganze Vorhaben zudem gewagt, denn die 6.000 Leute waren ja nicht per se unnötig beschäftigt. Es sollte aber die unternehmerische Freiheit sein, ein Renditeziel mit weniger Leuten erreichen zu wollen. Gerade im Investmentbanking ist es m.E. Teil des Arbeitsverhältnisses, dass es kurzfristig gekündigt werden kann.

Zitat von
Man müsste all die derzeitge Geldervernichtung dagegenrechnen, dann sähen die Renditezahlen bereinigt deutlich anders aus!
Ich kenne die Zahlen der Deutschen Bank nicht, deshalb weiss ich nicht, inwiefern diese einzelne Firma davon stark betroffen sein wird. Die Bilanz für 2008 wird es uns sicherlich zeigen!

Zitat von
Daneben versuchen doch alle mittels des Leverage Effektes Ihre Rendite zu schönen: d.h. umsoweniger eigenes Geld ich investiere umso mehr Rendite erziele ich!
Richtig! Die Frage ist nun, ob die Fremdkapitalgeber da langfristig mitmachen. Ihr Geld wird ja in riskantere Anleihen investiert, um den Renditeüberschuss zu erwirtschaften. Wenn die Fremdkapitalzinsen steigen, verlieren diese Geschäfte schnell an Attraktivität.

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Ulrich Ochmann 02.01.2009, 18:20
79. Leverage (2)

Zitat von
Interessanterweise schreiben Sie in Ihrem vorigen Posting: "Die großen und kleinen Anleger ließen sich von der hohen Rendite locken und fielen am Ende auf die Nase." Wieso kann/darf die Deutsche Bank eine Rendite von 25% erwarten - aber Kleinanleger sind beschränkt, wenn Sie den Versprechungen glauben schenken?
Danke für den Hinweis. Erwarten dürfen das zunächst mal beide Gruppen. Ich finde beide Gruppen allerdings gleichermaßen beschränkt, denn Rendite und Risiko sind untrennbar verknüpft. Die professionelle Bank weiss das, denn sie macht derartige Geschäfte tagtäglich. Der Kleinanleger allerdings sollte sich das ganze gut überlegen, denn Risiko bedeutet, dass das Geld hinterher weg sein kann.

Leider hat die eine Gruppe die andere Gruppe dazu gezwungen, es ihr gleich zu tun. Inzwischen versucht diese eine Gruppe (Anleger), die andere Gruppe (Banken) für die Krise alleinverantwortlich zu machen. Und das ist realitätsfremd.

Zitat von
Fielen die renditehungrigen Banken nicht auch (als erstes und heftigstes - wofür sonst die Milliardenpakete) auf die Nase?
Das stimmt, und das Auf-die-Nase-Fallen war auch konsequent und gerechtfertigt. Es jammert ja auch keine Bank, dass es sie erwischt hat. Man hat riskant investiert, und das Risiko ist eingetreten. Wer ins Casino geht und auf "Schwarz" setzt, darf sich nicht wundern, wenn "Rot" kommt und das Geld weg ist. Ich finde es lediglich daneben, hier den Anleger aus der Verantwortung zu nehmen. Die Menschen haben die Banker ins Casino geschickt und beklagen sich nun über den Verlust des Geldes. Ich muss immer wieder an den Island-Geschädigten denken, der so oft im Fernsehen als das unschuldige Opfer präsentiert wird. Er ging ins Casino und ärgert sich inzwischen darüber.

Zitat von
Hier fingen Banken an mit unlauteren/kurzsichtigen Mitteln Geld zu erwirtschaften; da die anderen nicht die Dummen sein wollten, machten immer mehr mit. Inzwischen sind alle gedopt und erreichen die tollen Renditen /9 Sekunden nicht aus eigenen Mitteln, sondern durch Betrug.
Betrug beginnt dort, wo unsaubere Anleihen als sauber deklariert und verkauft wurden. Dort wird es hoffentlich auch entsprechende Urteile und Strafen geben. Dass eine einzelne Aktie gefallen ist, weil die überhöhten Renditeaussichten sich schlagartig als unrealistisch herausgestellt haben, ist allerdings kein Betrug. Und ich habe das Gefühl, dass nur eine sehr kleine Gruppe von Menschen wirklich betrogen wurden, meistens sind es Großanleger (die sich wiederum mit der Materie auskennen sollten).

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