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Piusbruder Gaudron: "Die Kirche in Deutschland wird zusammenbrechen"
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Die Mitglieder der Piusbruderschaft verachten Homosexualität, Religionsfreiheit und Ökumene. Papst Benedikt suchte den Dialog mit der erzkatholischen Gemeinschaft, sein Nachfolger fährt einen anderen Kurs. Im Interview spricht der Dogmatiker Matthias Gaudron über das schwierige Verhältnis zu Franziskus. Piusbruder: "Die Kirche in Deutschland wird zusammenbrechen" - SPIEGEL ONLINE

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stormking 05.10.2013, 13:05
320.

Zitat von bert1966
Die konsequent zu Ende gedachte Alternative zöge ein kalvinistisches bis anarchistisches Leben nach sich: warum sollte man dann im allgemeinen Chaos zum Stoiker degradieren und nicht das kurze chaotische, willkürliche Leben bis zur Neige auskosten und gegen alle Widerstände an sich reißen ?
Weil der Mensch sich evolutionär zu einer sozialen Spezies entwickelt hat (andernfalls wäre er wohl nie soweit gekommen), bei der die allermeisten Individuen einfach kein Interesse daran haben, auf Kosten aller anderen "das kurze chaotische, willkürliche Leben bis zur Neige auskosten und gegen alle Widerstände an sich (zu) reißen".

Und diejenigen, die das wollen, die lassen und ließen sich weder von weltlichen, noch angeblich göttlichen Gesetzen davon abhalten.

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stormking 05.10.2013, 13:16
321.

Zitat von bert1966
Wie kommen Sie dann darauf, dass Gott oder ein anderes übergeordnetes Prinzip zufällig entstanden ist ?
Ihr Argument lautet im Prinzip folgendermaßen: Die Welt kann nicht spontan entstanden sein, weil nichts spontan entsteht sondern alles eine Ursache hat. Die Welt wurde vielmehr von Gott erschaffen. Gott hingegen braucht keine Ursache, weil er eben Gott ist.

Das nennt man das Argument der unbegründeten Ausnahme.

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stormking 05.10.2013, 13:23
322.

Zitat von jüttemann
Und für was reicht das "einfache Bestreiten"? Nur dafür, dass der behauptete Anspruch nicht mehr unumstritten ist und deshalb ohne weitere Beweise auch nicht mehr geltend gemacht werden kann.
Richtig. Und dennoch machen die Religionen täglich Millionen von Ansprüchen gültig, obwohl sie in ihrer jahrhunderte- bis jahrtausendelangen Geschichte noch nie etwas vorzuzeigen hatten, daß auch nur entfernt wie ein Beleg, Beweis oder auch nur konkreter Hinweis aussah. Es sind bloße Behauptungen gestützt auf weitere bloße Behauptungen, die irgendwann mal niedergeschrieben und für heilig erklärt wurden.

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reuanmuc 05.10.2013, 13:24
323.

Zitat von Peterle
Da es in Deutschland ja schon seit vielen Jahren leider Mode ist, alles wertvolle mit Füssen zu treten, zeigt doch nur wie identitäts -und seelenlos dieses Land und seine Gesellschaft mittlerweile geworden ist.
Was ist denn so wertvoll an dem, was die Piusbrüder verteidigen? Ich kann da nichts erkennen, ganz im Gegenteil. Das autoritäre, überhebliche, freiheits- und menschenfeindliche, inhalts- und geistleere, oberflächliche und selbstinszenierende Gehabe ist alles andere als wertvoll. Es ist einfach nur lächerlich.

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jüttemann 05.10.2013, 14:05
324. Wenn es so einfach wäre ...

Zitat von stormking
Richtig. Und dennoch machen die Religionen täglich Millionen von Ansprüchen gültig, obwohl sie in ihrer jahrhunderte- bis jahrtausendelangen Geschichte noch nie etwas vorzuzeigen hatten, daß auch nur entfernt wie ein Beleg, Beweis oder auch nur konkreter Hinweis aussah. Es sind bloße Behauptungen gestützt auf weitere bloße Behauptungen, die irgendwann mal niedergeschrieben und für heilig erklärt wurden.
Sie machen es sich verdammt einfach und wischen ein ganzes Kapitel der Menschheitsgeschichte einfach mal so als "unbewiesen" beiseite.

Dabei ignorieren Sie völlig, das die vielen Berichte über mystische Erfahrungen, Gotteserlebnisse, paranormale Phänomene, Nachtoderlebnisse und vieles mehr jeweils ein existierender Beleg, Beweis und Hinweis ist.

Auch Sie kommen nicht an der nüchternen Tatsache vorbei, dass diese Berichte durchaus existieren. Und sie kommen auch nicht an der Tatsache vorbei, dass eine objektive Feststellung des individuellen Wahrheitsgehaltes dieser unzähligen Einzelereignisse auch für Atheisten unmöglich ist.

Bleiben wir bei der christlichen Religion: Welchen konketen "Beweis" haben Sie denn, das die (Zeit-) Zeugenberichte der Evangelien nicht ernstzunehmen sind?
Nur den, dass diese Berichte ziemlich alt sind und teilweise den bekannten (!) Naturgesetzen widersprechen?

Wir Religiösen "glauben" dass an diesen Überlieferungen etwas dran ist, Sie und andere Nichtreligiöse glauben es eben nicht.
Vom wirklichen "Wissen" sind deshalb auch Sie und andere Atheisten meilenweit entfernt.

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doc.burton 05.10.2013, 14:08
325.

Zitat von Peterle
Die Piusbrüder sind keine Feinde wie sie hier gerne dargestellt werden, sie sind vielmehr die Bewahrer eines 2000 Jahre alten Glaubens und daher sehr wertvoll.
Als Bewahrer sollte man allerdings dafür sorgen, dass es in Zukunft noch Schäfchen gibt, die diesen Glauben ebenfalls bewahren. Allerdings haben es die Pius-Brüder geschafft, Millionen und abermillionen von Menschen die Kirche madig zu machen, woraufhin diese sich angewidert von ihr abwandten. Wenn irgendwer die Kirche zerstört, dann sind es diese radikalen Hinterwäldler, die kein Stück besser sind als Salafisten oder ultra-orthodoxe Juden. Alles gleichermaßen gefährlich für Glaube und Menschheit.

Zitat von Peterle
Da es in Deutschland ja schon seit vielen Jahren leider Mode ist, alles wertvolle mit Füssen zu treten, zeigt doch nur wie identitäts -und seelenlos dieses Land und seine Gesellschaft mittlerweile geworden ist.
Inwiefern ist das Land und seine Leute denn identitäts- und seelenlos?
Nur weil es nicht die Identität oder Seele innehat, die ihnen und den Pius-Brüdern vorschwebt? Bitte machen sie sich nicht lächerlich. Das letzte was dieses Land braucht, sind irgendwelche Hampelmänner, die sich als selbsternannte Bewahrer des einzig wahren Glaubens wichtigmachen wollen. Meiner Seele geht es hervorragend und ich bin mir meiner Identität vollauf bewusst, ganz ohne mich einer katholisch-orthodoxen Gleichschaltung zu unterziehen, die die Nazifizierung um längen übertreffen würde, wenn man sie denn lassen würde.

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reuanmuc 05.10.2013, 14:27
326.

Zitat von jüttemann
Sie machen es sich verdammt einfach und wischen ein ganzes Kapitel der Menschheitsgeschichte einfach mal so als "unbewiesen" beiseite.
Das Einfachste ist es, ein allmächtiges Wesen zu phantasieren, das machen nämlich schon kleine Kinder. Die Vorstellung eines natürlichen Vorganges der Welt- und Lebensentstehung ist sehr viel schwieriger.
Zitat von
Dabei ignorieren Sie völlig, das die vielen Berichte über mystische Erfahrungen, Gotteserlebnisse, paranormale Phänomene, Nachtoderlebnisse und vieles mehr jeweils ein existierender Beleg, Beweis und Hinweis ist.
Niemand bestreitet diese Phänomene. Aber schon die Bezeichnung "Nahtoderlebnis" ist eine Vorwegnehme der Interpretation. Der Neurowissenschaftler Christian Hoppe beschäftigt sich intensiv mit Nahtoderlebnissen und ist nebenbei auch noch Theologe. Lesen Sie was er schreibt.

Bei diesen Erlebnissen handelt es sich nicht um Erlebnisse in Todesnähe; denn Todesnähe ist weder eine hinreichende noch eine notwendige Bedingung für diese Bewusstseinszustände. Die Bezeichnung „Nahtoderfahrung“ ist daher irreführend.

Schon gar nicht handelt es sich um Erlebnisse im Tod; denn niemand, der uns etwas berichtet, war jemals tot – auch nicht „klinisch tot“. Das unstrittige Minimalkriterium des Todes ist der unwiderrufliche Verlust aller Hirnfunktionen – der bei einer Person, die mir lebendig gegenüber steht, offensichtlich nicht eingetreten sein kann.

Zitat von
Wir Religiösen "glauben" dass an diesen Überlieferungen etwas dran ist, Sie und andere Nichtreligiöse glauben es eben nicht. Vom wirklichen "Wissen" sind deshalb auch Sie und andere Atheisten meilenweit entfernt.
Sie dürfen glauben, was Sie wollen, Sie dürfen aber keine Wahrheits- und keine Moralansprüche erheben. Wenn Sie sich daran halten würden, dann würde sich kein Atheist für Religionen interessieren.

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juttakristina 05.10.2013, 14:30
327. reuanmuc,

Das meiste davon hat aber ziemlich wenig mit Jesus zu tun sondern ist Kirchenerfindung. Oder nehmen wir mal die Jungfrauengeburt. Mal ganz abgesehen davon, dass es biologisch möglich ist und auch passiert, wenn auch selten, als Jungfrau zu empfangen und zu gebären, ganz ohne Heiligen Geist, gibt es da ja noch mehr Aspekte. In der ursprünglichen Version stand nur was von junger Frau. Erst durch Übersetzungen wurde daraus die Jungfrau. Es gibt auch in den Göttermythen anderer Kulturen die Geburt eines "Helden" durch eine Jungfrau, bei dessen Zeugung zumindest kein irdischer Mann beteiligt sein soll. Damit soll das Herausragende des Helden, seine Vorbestimmung dokumentiert werden. Die Menschen könnten es sich damals nicht anders vorstellen als das so etwas von besonderen Zeichen begleitet werden müsse. Es ist ja noch nicht mal sicher, dass Jesus in Betlehem geboren wurde, aber er musste zu den alten Prophezeiungen passen, also hat man es passend gemacht. Das war ja auch nicht Jesus selbst gewesen sondern seine Anhänger. Und zumindest bei einigen Evangelisten ist absolut sicher, dass sie Jesus nie gekannt haben können. Die Probleme eines Glaubens erwachsen aus den Institutionen, die sich anmaßen, die Repräsentation eines Glaubens zu sein.

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reuanmuc 05.10.2013, 14:40
328.

Zitat von juttakristina
Das meiste davon hat aber ziemlich wenig mit Jesus zu tun sondern ist Kirchenerfindung.
Völlig einverstanden. Deshalb wird zu Recht zwischen Glaube und Religion unterschieden. Die Unterschiede sind allerdings diffus. Was genau gehört zum Glauben, was ist Religion? Zitat von
In der ursprünglichen Version stand nur was von junger Frau. Erst durch Übersetzungen wurde daraus die Jungfrau.
Deshalb schließt der denkende Mensch daraus, dass die Bibel nicht sehr glaubwürdig sein kann, dass Vieles falsch gedeutet oder metaphorisch oder allegorisch gemeint ist. Damit zerfällt die ganze Geschichte zu Staub. Zitat von
Die Probleme eines Glaubens erwachsen aus den Institutionen, die sich anmaßen, die Repräsentation eines Glaubens zu sein.
Genau, es bleiben nur noch die Machtansprüche und Selbstbezüglichkeiten der Institutionen übrig. Der Glaube ist nur noch Vehikel zur Selbsterhaltung der Institution.

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juttakristina 05.10.2013, 14:44
329. Women,

was hat nur die SPON-Zensur dagegen, dass ich Ihre Lüge berichtige? Es ist nun einmal so, dass die katholische Kirche eben NICHT seit über zweitausend Jahren besteht! Der christliche Glaube, ja, der existiert (fast) so lange, aber das ist nicht gleichbedeutend mit der katholischen Kirche. Die entstand so gesehen erst im vierten Jahrhundert. Da hat's noch ein paar Tage hin bis zum Jubiläum. Und wenn man es ganz genau nimmt, hat der christliche Glaube auch noch nicht das zweite Millennium erreicht. Wir rechnen zwar ab Christi Geburt, aber der begann ja nicht als Säugling zu predigen. Und auch wenn man berücksichtigt, dass man das genaue Geburtsjahr nicht kennt, fehlen da noch ein paar Jahre, da Jesus nur ca. 3 Jahre predigte und bei seiner Kreuzigung in den 30ern war. Also folgt daraus, dass Ihre Aussage von ÜBER zweitausend Jahren beim allerbesten Willen nicht zutreffen kann!

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