Forum: Blogs
Political Correctness: Auf dem Weg zur Trottelsprache

Erst "Pippi Langstrumpf", jetzt die "Kleine Hexe": Nach den Schulbüchern werden jetzt die Kinderbücher politisch korrekt umgeschrieben. Die Frage ist: Wer soll hier eigentlich vor wem geschützt werden? Warum Kinderbücher politisch korrekt umgeschrieben werden - SPIEGEL ONLINE

Seite 35 von 63
ogniflow 17.01.2013, 20:02
340. Musik überwindet Tabus

Vorbildlich waren für mich Bands wie z.B. Depeche Mode, die
schon seit Beginn der 80er das Wort Zigeuner konsequent
vermieden haben. Statt dessen nur Einsatz von Sinti.

Beitrag melden
Ihr Armen! 17.01.2013, 20:04
341. "Der Ausdruck Inuit ist komplett falsch"

Zitat von belleslettres
Ich habe die Geschichte mit der korrekten Benennung der Eskimos schon öfter in Grönland erzählt. Die freuen sich wie die Schneekönige, dass man sich in der Ferne solche Gedanken an über sie macht. Es ist eine skurrile Geschichte für sie (Illarnarpoq! Lustig, dass man husten muss!), weil sie sich selbst, wenn sie Dänisch oder Englisch sprechen, als Eskimos oder Greenlander bezeichnen und niemals als Inuits. Der Ausdruck Eskimo ist auch in offiziellen Texten in englischer Sprache üblich, wenn von der Ethnie die Rede ist (zB someone of pure Eskimo-blood = ein reinrassiger Eskimo = no Danish half-blood). Der Ausdruck Inuit ist komplett falsch. Wenn man mit Eskimos auf Grönländisch spricht, kapieren sie das nicht recht, weil die Vokabel 'inuk' darin den Menschen als solchen bezeichnet und nur in Zeiten ausdrücklich für Eskimo stand, wo es keinen Kontakt mit Fremdlingen gab. Also vergleichbar mit dem Ausdruck 'deutsch' oder 'Leute' bei uns. In der Fachsprache bezeichnet 'Inuit' andere Polarvölker in Kanada und eben nicht die Menschen aus Grönland (als würde man die Deutschen als Slawen oder Spanier bezeichnen). 'Inuit' ist dem Otto-Normal-Eskimo gänzlich unbekannt, die Eskimos in Labrador nennt man akilinermiut, weiter westlich lebende haben keine Bezeichnung, weil man sie nicht kennt (heutzutage auf englisch Canadian Eskimos). Daran ändert auch nichts, dass Grönland auf Grönländisch seit jeher Inuit nunaat (Menschenland) heißt. Inuit ist also für Eskimos kein Ausdruck, mit dem sie sich selbst von anderen Menschen als Volk abgrenzen. Sie verwenden ihn auch nicht, wenn sie englisch sprechend über sich als Volk oder Ethnie reden. Sich selbst bezeichnen die Grönländer als Grönländer oder Eskimos. Dieser Ausdruck wird besonders für alle nicht aus Dänemark stammenden verwandt und klingt in Grönland alles andere als herabsetzend. Die grönländischen Eigenbezeichnungen sind kalaalli. Sie ist aber nur im Süden üblich, im Osten sagt man tunuarmiu, im Norden avannaa. Kalaalli geht wohl auf isländisch skræling zurück, elender Wicht (als Schimpfwort gemeint wie Nigger einst in Amerika), damit käme man am Prenzlauer Berg vom Regen in die Traufe. Als würden sich die Berliner selbst Saupreußöön nennen. Die Etymologie von 'Eskimo' ist übrigens ganz und gar unklar. Die Eskimos können diesen Ausdruck also aus ihrer Muttersprache auf keinen Fall als 'Fleischfresser' deuten. Es ist auch Ausdruck, mit denen sie von Besatzern geringschätzig bezeichnet worden wären. Runa Gisladottir (belleslettres.eu)
Sehr informativ & erheiternd ;-)) Danke!

Beitrag melden
hkubin 17.01.2013, 20:13
342. Vorauseilender Gehorsam

Vielen Dank für die hervorragende Analyse. Letztlich handelt sich bei der schon nahezu fanatisch praktizierten politischen Korrektheit um ein altes deutsches Phänomen. Mit einer neuen Art von vorauseilendem Gehorsam kommt eine deutsche Urtugend zu tragen, nämlich aller Welt beweisen zu müssen wie unheimlich perfekt und ordentlich wir sind und sicherlich allen anderen Nationen als Vorbild dienen.

Beitrag melden
frieslandjogger 17.01.2013, 20:26
343. Endlich...

sagt mal einer, wie's ist. Vielen Dank dafür.
Der (Irr-)Glaube, dass man durch die bloße Veränderung von Begriffen auch das Denken ändern könnte, scheint nicht mehr auszurotten zu sein...

Beitrag melden
Blaue Fee 17.01.2013, 20:28
344.

Zitat von My2Cents
Zum Thema "Indianer" sollte vielleicht noch hinzugefügt werden, dass dieses "Unwort" nur in englischsprachigen Ländern auf Verärgerung stößt und hier in deutschsprachigen Ländern allerhöchstens aufgrund blinder Gefolgschaft als solches bezeichnet werden kann. Auf Englisch heißen Indianer nämlich "Indians", also "Inder". Und die Indianer haben natürlich vollkommen recht, wenn sie schimpfen: "Wir sind keine Inder!"
In Kanada spricht man von East Indians (Indern), Native Indians (einheimische Indianerstämme, darunter auch Inuits) oder West Indians (aus der Karibik stammende Menschen).
Sehr verwirrend für Europäer, aber definitiv nicht abwertend.

Hier in Mexiko sagt man immer noch Indios im normalen Sprachgebrauch und nennt die Inder "hindues", was ja auch nicht für alle stimmt.

Beitrag melden
urvogel 17.01.2013, 20:28
345. Um Himmelswillen

Zitat von biggerB
"Auf dem Weg zur Trottelsprache" politisch korrekt "Trottel/innensprache"!
Sie haben leider garnichts von korrekter Sprache verstanden! Beim Trottel wäre "Trottelin" eine Beleidigung von Frauen! Aber das ist nicht das eigentliche Problem: Trottel ist abschätzig, eventuell gar ein Schimpfwort! Vielleicht könnten wir sagen: "Geistig nicht immer voll zupackender Mensch". Wer das nicht versteht ist eben ein Trottel oder eine Trotteline.

Beitrag melden
Seb. 17.01.2013, 20:45
346. Wenn man schon Kinderbücher verunstaltet

sollte man sich doch gleich sämtlicher literarischen Fehltritte in der deutschen Geschichte annehmen. Zunächst sollten da ganz schnell die Anmerkungen Martin Luthers über Juden und Türken komplett geschwärzt, umformuliert und aus der Geschichte entfernt werden.

Nun mal im Ernst: wo kommen wir denn hin, wenn jetzt alle 30 Jahre sämtliche literarischen Werke auf aktuell vorherrschende political correctness hin überprüft und umgeschrieben werden??? Es geht hier um geistiges Eigentum der Autoren, die sich gemäß ihrer Zeit ausgedrückt haben. Somit geht den Büchern nicht nur die Authentizität verloren, sondern auch ein gewisser BIldungshintergrund. Oder warum dürfen heutige KInder nicht lernen, dass Neger, Zigeuner, Eskimo etc. damals gebräuchliche Worte waren? Müssen wir alles über die Nazi-Schiene ziehen? Am besten werden demnächst noch alte Schlager neu eingesungen, ("Da sprach der alte Häuptling der amerikanischen Ureinwohner" oder "Sinti-und Romajunge, Sinti- und Romajunge")
Ich habe durch Jim Knopf gelernt was ein "Neger" ist und für mich hat dieses Wort dank diesem Buch bis heute eher einen verniedlichenden Grundton, der mich an einen sehr sympathischen, sehr mutigen sehr schwarzen Jungen erinnert, der mich durch meine Kindheit begleitet hat. A propos, die Texte der Augsburger Puppenkiste müssten auch noch neu synchronisiert werden...

Beitrag melden
berliner54 17.01.2013, 20:47
347. Nö

Zitat von ELOquenz
Meinem Verständnis nach, geht es doch grundsätzlich darum, den heutigen Generationen, Begriffe die seit jeher negativ diskriminierend besetzt sind, erst garnicht anzugewöhnen...
Nein, es geht darum Herrschaft über Köpfe zu gewinnen !

Und mit sinnentleerten Begriffen die Möglichkeit zu rauben, Klartext zu reden.

Dieses "seit jeher negativ diskriminierend besetzt" ist in den meisten Fällen (nicht in allen) erst heute! von der Sekte der Neusprecher erfunden worden.

Übrigens noch nebenbei: Der Begriff Neger bezeichnete im "alten" Berlin denjenigen, der die Hausfrau beglückte während der Ehemann auf Arbeit war.

Beitrag melden
Schokobär 17.01.2013, 20:54
348.

Vielleicht sind es Schwarze auch einfach nur leid, immer und immer wieder gegen den Begriff anzukämpfen, wenn Sie es mit so einem selbstgefälligen **** wie Ihnen zu tun haben, Herr Fleischhauer. Ich bin rein zufällig Schwarzer und finde das Wort "Neger" furchtbar, weil damit so viele so widerliche Ressentiments transportiert werden, dass einem nur schlecht werden kann. Würden Sie sich richtig damit auseinandersetzen, wüssten Sie das. Würden Sie mal mit Betroffenen reden, wüssten Sie das. Aber das ist wohl zu viel verlangt.

Beitrag melden
rhenanusius 17.01.2013, 20:54
349. Negerkuss

Da wollte ich doch mal politisch korrekt sein und fragte bei meinem Bäcker nach einer "aufgeschlagenen Eiweißsüßschaumspeise mit afrikanischem Migrationshintergrund".
Nach langen Diskussionen mit Händen und Füßen kamen die Bäckereifachverkäuferin und ich überein, das das Ding "Negerkuss" bzw. "Mohrenkopf" hieße.
Tja, wir Deutschen sind halt unbelehrbar!
Aber wen wunderts in einem Land, in dem man einen "Coffee to go" zum "Shoppen" während des "Sale" zu sich nimmt!?

Beitrag melden
Seite 35 von 63
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!