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Prostitutionsdebatte: Willige Dame für Love-Box gesucht

Na, wie steht's? Haben Sie Lust, zwanzig Freier in einer Nacht zu bedienen? Nein? Vielleicht gibt es ja Frauen, die freiwillig mit Fremden für Geld verkehren. Aber es dürften sehr wenige sein. Wir müssen eine Lösung finden, damit nur diejenigen als Prostituierte arbeiten, die das wirklich wollen. Sibylle Berg über Prostitution und Gleichberechtigung - SPIEGEL ONLINE

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Nahleben-Erfahrung 27.10.2012, 18:00
180.

Zitat von lila123
Und anstatt dass genau diese Zwänge bekämpft werden (Menschenhandel, mangelnde Perspektivlosigkeit, Drogensucht, etc.), wird Prostitution verharmlost.
Vermutlich meinen Sie Perspektivlosigkeit, und nicht der mangelnde Perspektivlosigkeit.

Demnach könnte man auch Bandenmitglieder, Drogendealer und Diebe/Räuber für unschuldig erklären, schließlich hat sie ihre "Perspektivlosigkeit" dazu gezwungen, kriminell zu werden, um nicht von H4 oder 6 Euro die Stunde leben zu müssen.

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cybermama 27.10.2012, 18:01
181.

Die Prostitiuierten beseitigen den "Dreck", den Männer in ihrem größenwannsinnigen, testosterongesteuerten Selbst-Männer-Bild, dass ihnen entweder von ihren Frauen versagt wird oder durch übermäßige, von der Gesellschaft tolerierte, dauerpornographisch berieselte, mittlere Gehirnhälfte genauso, wie eine Friseurin Ihren fettigen Kopf wäscht, wenn Sie beim Friseur sind.

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eigenvalue 27.10.2012, 18:02
182. wieder nichts verstanden ?

Zitat von sysop
Na, wie steht's? Haben Sie Lust, zwanzig Freier in einer Nacht zu bedienen?
Nein.
Hätte ich Lust dazu, würde ich dafür kein Geld verlangen. Je weniger Lust ich zu etwas habe, desto größer muss der Betrag sein, den ich für die Tätigkeit bekommen soll.

So einfach ist das. Versteht aber scheinbar trotzdem nicht jeder.

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Whitejack 27.10.2012, 18:23
183.

Natürlich muss man nicht schlagartig die Wunderwaffe herauszaubern, die jegliche Problematik mit einem Schlag löst. Es ist eher sinnvoll, mal die ganzen Lügen und Augenwischereien aufzulösen, die mit dem Thema verbunden sind.

Ein beliebtes Argument: Prostitution bestehe schließlich schon "seit 6000 Jahren". Ich weiß nicht, ob das komödiantisch gemeint ist, aber wenn jemand Religion so rechtfertigen würde, dann würde das Heiterkeit auslösen. Und wenn jemand Sklaverei oder Folter mit demselben Argument verteidigen würde, dann wäre es empörend. Wie kann dann dieselbe Argumentation ein Pro-Argument für Prostitution sein?

Ein weiteres, noch gravierenderes Argument: Prostitution sei notwendig, weil sonst die Vergewaltigungen massiv ansteigen würden. Gesetzt den Fall, es wäre so - was würde das bedeuten? Etwa eine Million Männer nutzen in Deutschland das Angebot der Prostitution pro Tag. Muss man also davon ausgehen, dass viele von ihnen ohne Prostitution unsere Töchter, Ehefrauen, Schwestern, Freundinnen usw. gewaltsam bespringen würden? Dass da draußen Hunderttausende, wenn nicht Millionen von Männern herumlaufen, die nur durch die Prostitution davon abgehalten werden, zu Vergewaltigern zu werden? Was würde das für das Männerbild implizieren, wenn man diese Argumentation wirklich aufrecht erhalten will, oder wenn sie sogar stimmen würde? Horden von triebgesteuerten Beinahevergewaltigern, denen sich die Huren heldenhaft in den Weg werfen, damit sie sich nicht gewaltsam durch die Vorstädte Deutschlands kopulieren? Hat irgendjemand, der diese Rechtfertigungen aufstellt, mal irgendwann sein Gehirn benutzt, oder läuft das nur durchs Rückenmark?

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c_c 27.10.2012, 18:28
184. ...

das kriminelle Millieu hat immer Entwicklungen vorausgesehen. Was wir heute Kapitalismus nennen ist nix anderes als diese Art der Kriminalität.

Arbeitnehmer -> Prostituierter

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fadenscheinig 27.10.2012, 18:29
185.

Wahrscheinlich brauchen wir die zertifizierte Prostitution, mit Gütesiegel durch die Verbraucherzentrale oder eine ähnliche Institution, mit Überwachung aller genannten Kriterien in diesen Beiträgen, mit fair sex Siegel, analog zu fair trade...

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atech 27.10.2012, 18:29
186. re: alle verkaufen ihren Körper

Zitat von materialist
Im Übrigen verkaufen alle berufstätigen Menschen ihren Körper (Muskeln und Kopf), nur die H4er tun das nicht.
trotzdem muss es wohl einen Unterschied zwischen der Prostitution und einem bürgerlichen 08/15-Job geben. Denn sonst könnte jeder Betreuuer auf der Arbeitsagentur zu jeder wohlgeformten Dame oder zu jedem gutgebauten Herren sagen: Sie, wenn Sie einen gutbezahlten Job suchen, da hätte ich was für Sie. Im Bordell/Escort-Service/etc. werden neue Kräfte händeringend gesucht...

Warum geht das wohl nicht? *grübel*

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d.nix 27.10.2012, 18:30
187. Okay

Wenn ich mal wieder so richtig wütend bin, wie die Regierung das Volk verarscht und sein Geld verbrät, freue ich mich wieder auf die knisternde Ofenwärme von Frau Sybilles Kolumne, an der Aladin noch seine Lampen reibt und Harun unerkannt durch Bagdads Straßen geistert.

- das älteste Gewerbe der Welt
hat Personal beiderlei Geschlechts, wobei die einen Stückpreise in Hotels haben und die anderen Monatslöhne in Büros. Um die Verschleierung des respektvollen Blicks auf letztere kümmert sich letzthin niemand mehr, leider auch nicht diese moralisch bewegte Kolumne.

- eine Bevölkerungsgruppe mit eindeutig mehr Macht verfügt über die Körper einer anderen
Die richtig Mächtigen verfügen sogar über die Seelen - in beiden Fällen. Das ist dann so viel Macht, daß keiner mehr etwas dazu sagt.

- Sexarbeiterorganisation beleidigt, ihre Mitglieder haben sogar Computer bei der Arbeit
Darf ich raten zu welchem Zweck? Vorfeldmarketing ist heute sehr in Mode.

- Ich bin keine Politikerin, ich habe 3000 Zeichen Raum
Politikern würde ich auch nur 17 Zeichen geben für ihren Standardsatz (alles ist bestens).
Na gut - Schluß damit und im Ernst:

¹ Ein großer Anteil unter käuflichen Frauen würde sich diesen Gelderwerb nicht freiwillig aussuchen. Mangels besserer Alternativen verkaufen sie den Körper, solange einer dafür zahlt. Die das tun, werden dabei genau so erniedrigt. Wer diesen Aspekt übersieht, ist nicht ehrlich und läd zu Witzen ein.
² Ein kleinerer Anteil Frauen hat nicht Spaß an solcher Art Sex, aber an dem Geld, und fühlt sich Lohnarbeitern überlegen, die mehr Mühe für wesentlich weniger Geld investieren. Daß vom Geld nie etwas übrig bleibt, merken sie erst, wenn keiner mehr für sie zahlt - in beiden Fällen.
³ In beiden Fällen ist der Grad der Freiwilligkeit vergleichbar und ebenso die menschlichen Tragödien. Wer nur einen beider Fälle hervorhebt, braucht eine bessere Begründung als seine Twitter der letzten drei Monate, die auch nur wissen, daß ein frivoles Thema mehr Aufmerksamkeitseffekt hat.

Mein vorherige Kommentar war nicht unfreundlich - es wirkt höchstens so. Ich bin immer ganz lieb.

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waldlergeist 27.10.2012, 18:41
188. Schicksale

Ich kann mit zwei Beispielen aus der (Berufs-)Praxis dienen: Eine 19 jährige, schwer bulimisch mit kaputten Zähnen, Körper und Seele. Sie erzählte mir von ihrem Einstieg als "Horizontale": Ihr erster Freier war ein Contergan-Geschädigter. Sie hat sich fast zu Tode geekelt. Sie erzählte, sie hätte ihn auch ablehnen können. Aber das haben sie ihr erst im Nachhinein gesagt (war wohl als Scherz gedacht). Sie erzählte weiter, am ersten Tag habe sie 800 Euro verdient. Um das Ganze zu ertragen, sei sie viel shoppen gegangen. Außerdem wäre viel Geld für Koks und Grass draufgegangen. Nur so hätte sie es überhaupt ertragen. Und wäre dadurch fast aus dem Haus rausgeflogen (so ein offenes Bordell in Köln), als sie beim Koksen erwischt wurde. Sie war nach einem Jahr am Ende und kam bei einem Stammfreier unter.
Die zweite Dame war in den 70er Jahren eine der bekanntesten Prostituierten in München. Sie hat sich schon lange zur Ruhe gesetzt und besitzt hier auf dem Land sechs Häuser.
Sie wirkt alles andere als geschädigt.
Eines noch: Die Suggestivfrage nach den 20 Freiern für meine Kinder erinnert mich frappierend an die "Gewissensprüfung" (ja, sowas gab es mal) als Kriegsdienstverweigerer. Frage:"Ich gehe mit meiner Freundin nachts in den Park und plötzlich springt der böse Vergewaltiger aus dem Busch. Zufällig habe ich eine Waffe bei mir. Und um das Schlimmste zu verhindern, muss ich den Bösewicht über den Haufen schießen. Was also mache ich?"
Der Trick war ja, wenn ich meine Freundin rette, muss ich das auch für mein Land tun. So die verquere Logik.
Ich darf ihn übrigens über den Haufen schießen ohne mein Land verteidigen zu müssen. Da gab es genügend Urteile.
Lange Rede, kurzer Sinn: Frau Berg, das können Sie besser.

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Waldknobi 27.10.2012, 18:44
189. Frau Berg hat Recht

Neben der hinfällig bekannten und verabscheuungswürdigen sexuellen Prostitution sollte aber auch gleich im Anschluss die stark zugenommene Arbeitsprostitution in Deutschland mit in den Verbotskatalog aufgenommen werden. Millionen Menschen die sich nicht wehren können, werden auf dem "Arbeitsmarkt" an Zeitarbeitsfirmen und anderen Ausbeutern "vermittelt", wo sie gegen ihren Willen und unter Androhung von "Sanktionen" für einen Hungerlohn ausgebeutet werden. Diese staatliche Zuhälterei muss ebenso aufhören! Und das ist nicht polemisch gemeint!

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