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Prostitutionsdebatte: Willige Dame für Love-Box gesucht

Na, wie steht's? Haben Sie Lust, zwanzig Freier in einer Nacht zu bedienen? Nein? Vielleicht gibt es ja Frauen, die freiwillig mit Fremden für Geld verkehren. Aber es dürften sehr wenige sein. Wir müssen eine Lösung finden, damit nur diejenigen als Prostituierte arbeiten, die das wirklich wollen. Sibylle Berg über Prostitution und Gleichberechtigung - SPIEGEL ONLINE

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Spiegelkritikus 27.10.2012, 11:45
50. Wann liegt Zwang vor?

Zitat von sysop
Na, wie steht's? Haben Sie Lust, zwanzig Freier in einer Nacht zu bedienen? Nein? Vielleicht gibt es ja Frauen, die freiwillig mit Fremden für Geld verkehren. Aber es dürften sehr wenige sein. Wir müssen eine Lösung finden, damit nur diejenigen als Prostituierte arbeiten, die das wirklich wollen.
Na, das klingt doch schon realistischer, nachdem Frau Berg das letzte Mal forsch ein generelles Prostitutionsverbot gefordert hat. Dennoch dürfte sie mit ihrer Behauptung, 90% der weiblichen Prostituierten würden zu ihrer Tätigkeit gezwungen, gründlich daneben liegen.

Klar, auf dem wenig komfortablen Strassen- und Boxenstrich bieten viele Frauen ihre Dienste an, die aus armen Ländern eingereist sind oder eingeschleppt wurden. Ob nun Zuhälter unmittelbaren Zwang ausüben oder die Frauen früherer materieller Not entfliehen wollen und sich aus eigenen Stücken prostituieren, kann natürlich nicht pauschal festgestellt werden. Dazu müßte man die konkreten Verhältnisse beispielsweise in Zürich genau untersuchen.

Das große Wohlstandsgefälle zwischen der Schweiz und sagen wir Rumänien läßt sich freilich nicht hinwegdiskutieren. Handelt eine Rumänin, die sich ohne direkten Zwang durch Männer prostituiert, nun freiwillig oder nicht? Die mangels ausreichender Sprachkenntnisse und Qualifikation auf dem normalen Arbeitsmarkt kaum Chancen hätte?
Die einen Teil ihrer Einkünfte an Familie und Verwandte in der armen Heimat überweist?

Wie kann vor einem solchen Hintergrund die Lösung aussehen, daß "nur diejenigen als Prostituierte arbeiten, die das wirklich wollen"? Wie man sieht, ist diese berechtigte Frage bei näherer Betrachtung nicht einfach zu beantworten. Die eigentlich logische Antwort, man müsse die enormen Wohlstandsgefälle in dieser Welt beseitigen, so daß niemand aus materiellen Gründen sich prostituert bzw. als billiger Arbeitssklave verdingt (wie bekanntlich auch viele Männer aus armen Ländern), ist zwar richtig, für unabsehbare Zeit jedoch nicht umzusetzen. Wir haben es hier mit einem grundsätzlichen Problem des globalisierten Kapitalismus zu tun, das sich leider nicht von heute auf morgen lösen läßt.

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Nr43587 27.10.2012, 11:45
51. Zweiter Versuch

Zitat von sysop
Na, wie steht's? Haben Sie Lust, zwanzig Freier in einer Nacht zu bedienen? Nein? Vielleicht gibt es ja Frauen, die freiwillig mit Fremden für Geld verkehren. Aber es dürften sehr wenige sein. Wir müssen eine Lösung finden, damit nur diejenigen als Prostituierte arbeiten, die das wirklich wollen.
(erster in der Zensur hängengeblieben)
Ich schlage vor, dass alle Prostituierten, die keine Lust mehr auf ihre Arbeit haben, Kolumnistinnen werden.

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Einweckglas 27.10.2012, 11:46
52. Vorschlag an Frau Berg

Liebe Sybille... ich schlage in diesem Fall vor, erst einmal in entsprechende Themen einzutauchen, bevor man darüber schreibt. Das erspart Ihnen und Ihren Lesern dann auch die Enttäuschung. Mit Eintauchen meine ich nicht nur die schriftliche Recherche, sondern den direkten Umgang mit Prostetuierten. Der Spiegel ist doch in HH ansässig, da ist der Weg zum Kiez oder dem Strassenstrich von St Georg doch nicht weit. Einfach mal bei einem Drink und einer Zigarette über die "Arbeit" zu quatschen ist doch nun wirklich nicht schwer und hätte Ihren Berichten von Anfang an eine andere Färbung gegeben.

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panzerknacker51 27.10.2012, 11:47
53. Sasha Grey?

Zitat von poco4
Sie erfrechen sich, gegen einen unausgesprochenen gesellschaftlichen Konsens anzuschreiben, ein bürgerliches Augenzwinkern der Mitverschwörer, die die Dienste der Damen nutzen. Prügel werden Sie für ihre Kollumne wohl nicht bekommen, wenn das Thema ausgeschwiegen wird, wissen Sie aber, dass sie auf dem richtigen Weg sind. Mein Vorschlag: Wie in Schweden die Frauen entkriminalisieren, die Freier bestrafen und an den Pranger! Sonst hört dieses Unterdrückungssystem nie auf, zuviele befriedigte Kunden, zuviel Geld zu verdienen durch sprachlose und ausgegrenzte Opfer. Ich kenne das Elend Osteuropas aus eigener Anschauung, wenn da jemand in Deutchland anschaffen geht, was ist da noch "freiwillig", wenn zuhause nicht mal Geld für Brot da ist? Die Verelendung der Menschen dort lässt sich nicht sofort abschaffen oder verbieten. Aber wenigsten gegen die wiederlichste Spitze des Eisbergs, die Zwangsprostitution, sollte etwas getan werden. Dass Politiker aller Parteien einen Stillhalte- und Legalisierungskonsens einhalten, finde ich schon sehr merkwürdig. Entweder pflegen sie eine verlogene Pretty-Woman-Romantik der freien Selbstbestimmung (in 90% der Fälle Bullshit) oder sie haben selbst persönlichen Dreck am stecken. Eine andere Erklärung fällt mir nicht ein. Der Spiegel macht übrigens auch bei dem Spielchen der Verharmlosung mit: Artikelchen über Sasha Grey werfen Glanz und Glamour auf den käuflichen Sex, da sehen dann auch die Verrichtungsbuden nicht mehr so elend aus.
War da nicht ein Artikel gestern oder so? Wenn ich den Artikel richtig in Erinnerung habe, macht die jetzt Musik und kommt aus dem Porno-Business. Hat die auch als Hure gearbeitet oder wollen Sie jetzt auch noch gleich die Porno-Filme mit verbieten?

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soulless72 27.10.2012, 11:47
54.

Zitat von sysop
Na, wie steht's? Haben Sie Lust, zwanzig Freier in einer Nacht zu bedienen? Nein? Vielleicht gibt es ja Frauen, die freiwillig mit Fremden für Geld verkehren. Aber es dürften sehr wenige sein. Wir müssen eine Lösung finden, damit nur diejenigen als Prostituierte arbeiten, die das wirklich wollen.
Da entscheiden sich also einige das es besser ist 20 Freier die Nacht zu bedienen als gar kein Geld zu haben weil sie ansonsten unter noch unwürdigeren Umständen leben müssen und die Lösung ist Prostitution schwerer zu machen.

Gegen Verschleppung muss und wird vorgegangen, da hat noch niemand etwas anderes gesagt. Ob der / die Verschleppte dann als Sexarbeiter oder Putze oder sonstiges Zwangsarbeiten muss ist irrelevant. Das ist Menschenhandel und illegal.

Aber auch das hat nichts mit Prostitution zu tun.

Wenn Sie, Fr. Berg, wollen das nur noch die als Prostituierte arbeiten die daran Spass haben dann sollten sie als erstes mal fordern das jeder Mensch das Recht und die Möglichkeit auf ein würdiges Leben hat ohne solche Möglichkeiten als die besseren Alternativen in Erwägung zu ziehen.

Drogen freigeben, Mindestlohn, eine Existenzgrundlage für jeden .... kurz gesagt eine Gesellschaft in der niemand gezwungen ist sich selbst zu verkaufen (sei es als Sexarbeiter oder auch als 60h / Woche Dreckwegputzer) um am Leben zu bleiben ist der Schritt dorthin. Nicht verbote.

Auch wenn Sie sich das in ihrem warmen Zimmer vor ihrem Computer mit 3000 zu füllenden Zeichen nicht vorstellen können ... es gibt Lebensumstände da sind zwanzig Freier / Nacht eine nicht allzu schlechte Alternative.

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osos1009 27.10.2012, 11:48
55. Balken im Auge.

Liebe Jeanne d'Arc Berg. Sie wettern (noch?) zu einäugig. Denn (biblisch gesprochen) in Ihrem anderen Auge steckt ein großer Balken. Sie sehen außerhalb Ihrer eigenen Situation etwas Besonderes, das sie speziell empört. Doch Sie scheinen das Generelle dahinter, in welches sie selbst verstrickt sind, nicht zu erkennen. Jeder Mensch, der in irgend einer Form für fremde Zwecke "sich verkaufen" muss, prostituiert sich. Das ist das Prinzip der Lohnarbeit und jeglicher Art von sonstiger Ausbeutung schlechthin. Damit sind weltweit 99% der Menschen Prostituierte, die in einem gigantischen Bordell bzw. Straßenstrich leben. Der Rest sind die "Freier", d.h. die Privilegierten, Geldpotenten, welche die Sich-Anbieten-Müssenden kaufen und für ihre idiotischen, weil gesellschaftlich und ökologisch abgesonderten Bedürfnisse, gebrauchen. Zu letzteren gehören aber auch Sie, Frau Berg. In Ihrer "arbeitsteiligen" Rolle als Autorin werden sie von anderen am Leben erhalten. Sie bedienen sich der Körper und Gehirne anderer, die Ihren wirklichen Lebensunterhalt bestreiten, die Ihre reale menschliche Lebensnot in dieser Natur für Sie bewältigen. Diese anderen in den Kuhställen der Schweiz, auf den Reisfeldern Thailands, in den Nähstuben Indiens, etc. sind Ihre Prostituierten, die sie täglich, stündlich, minütlich hernehmen. Freilich wird Ihnen das nicht bewusst sein. Doch es ist eine Tatsache. Sie sind, wenn auch nicht de jure, de facto hunderttausendfacher Freier. Sie sind als Schweizerin weltweit sowieso, aber auch innerhalb ihrer konkret umgebenden Gesellschaft eine Privilegierte. Aber (und das müssen wir alle erkennen): Auch die "Freier" sind arme Schweine, denn auch sie leben in einer Welt der Lüge, der Fremde, der Isolierung und der menschlichen Kälte. Diese kranke Gesamtsituation kann man nicht einfach durch punktuelle Gesetze ("Freier" bestrafen, Bordelle abschaffen, etc. …) ändern. Es bedarf der völligen Um- bzw. Abkehr! Aller. Freiwillig.

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roulaison 27.10.2012, 11:48
56. Ich

...finde es immer ein wenig anmaßend, von sich auf andere zu schliessen, und dann die Welt retten zu wollen. Das kommt mir hier ein wenig vor, wie die Bestrebungen der USA unter G.W. Bush, Demokratie anderen Ländern aufpflanzen zu wollen. Intention ok, aber doch reichlich naiv.

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Preppy 27.10.2012, 11:51
57. Willige Dame für Müllentsorgung gesucht

Der Knackpunkt an der Forderung ist doch das Wort "wollen".

Die Forderung lässt sich schliesslich problemlos auf jede Berufsgruppe ausweiten: Auch als Putzfrau, Müllmann, Kanalreiniger, "Auffüller" im Supermarkt, Arbeiter im Klärwerk, Fahrkartenkontrolleur, usw. sollte schliesslich idealerweise nur der arbeiten, der das wirklich will.

Was aber soll das bedeuten? Dass solche Jobs nur Leute machen sollen, denen die entsprechende Tätigkeit so sehr gefällt, dass sie sie auch dann ausüben würden wenn sie überhaupt kein Geld dafür bekämen?
Dann würden am Montag wohl fast niemand mehr auf der Arbeit erscheinen.

Bis auf vielleicht ein paar wenige Ausnahmen ist der ausgeübte Beruf doch immer ein Kompromiss: man tut etwas, was man rein ehrenamtlich vermutlich nicht tun würde, weil man im Gegenzug etwas bekommt was man zwingend zum Leben benötigt: Geld.
Oder wie es mein Geschichtslehrer ausgedrückt hat, als er uns am Ende der Gymnasialzeit folgende Worte mit auf den Weg gab:
"Im Berufsleben müsst Ihr euch alle prostituieren. Wichtig ist nur, dass ihr es möglichst teuer tut."

Ich halte es für völlig richtig, dieses heutzutage als selbstverständlich hingenommene System zu hinterfragen (zu dem schon vor langer Zeit festgestellt wurde, dass es die moderne Form der Sklaverei ist) und nach besseren Lösungen zu suchen. Aber die dahinter stehende Problematik betrifft jede Berufsgruppe, nicht nur Prostituierte.

Und das ist meines Wissens nach ja auch der Hauptgedanke hinter der Forderung nach dem bedingungslosen Grundeinkommen: Die Menschen sollen freier in ihrer Berufswahl sein, weil sie nicht mehr gezwungen sind jede noch so verhasste Tätigkeit anzunehmen, um zu überleben.

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Esib 27.10.2012, 11:56
58. Aha

Zitat von poco4
Was ist freiwillige, was unfreiwillige Prostitution? Das kann man nicht immer klar entscheiden. Deshalb halte ich das schwedische Modell für sehr hilfreich.
Und warum werden da rechtsstaatswidrig nur die Freier bestraft? Immerhin sind an der Sache auch die Prostitutierten und die Zuhälter(innen) beteiligt. Zumindest die Prostituierten gehen straffrei aus und können dem Gewerbe weiter nachgehen, während die nächsten Freier wieder bestraft werden.
Das ist ungefähr so, als würde man den Drogenkonsumenten bestrafen, den Dealer aber laufen lassen, damit er an der nächsten Ecke weiter Drogen verkaufen kann...

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panzerknacker51 27.10.2012, 11:56
59. wenn die Pfeife juckt

Zitat von Nevermeind
Da besteht keineswegs ein durchgaengiger Konsens, sonst wuerden die Freier ja nicht zu Frauen gehen, bei denen es ganz offensichtlich oder zumindest sehr wahrscheinlich ist, dass sie gezwungen werden. Zudem gibt es nun mal nur sehr wenige Frauen, die sich gerne prostituieren. Als Mann sollte einem klar sein, was man tut, wenn man zu einer Prostituierten geht - man kann es eben auch nicht tun, und wenn die Pfeife noch so juckt. Ist das so schwer?
Nach mehreren langjährigen Beziehungen und zwei im Einvernehmen beendeten Ehen kann ich die Foristen verstehen, die das eheliche Miteinander in die Nähe von Prostitution rücken. Den Zwang zum wie auch immer gearteten Umgang mit dem anderen Geschlecht kann ich allerdings nicht nachvollziehen; wenn "es juckt", gibt's doch immer noch die gute alte Handarbeit; eröffnet (für viele) ungeahnte Möglichkeiten und, wie wunderbar, es gibt keine Mißverständnisse ;-)

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