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Protest: Traktate der schlechten Laune

Der Kapitalismus ist ein Monster, das Internet macht dumm, die Leistungsgesellschaft führt in die Depression - viele Sachbücher dieses Herbstes erklären unsere Gesellschaft für krank. Es sind die Wutbücher eines aufgebrachten Bürgertums.

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roadcrew 04.12.2010, 12:24
50. SPON sollte etwas mehr hinter den Spiegel schauen

Zitat von sysop
Der Kapitalismus ist ein Monster, das Internet macht dumm, die Leistungsgesellschaft führt in die Depression - viele Sachbücher dieses Herbstes erklären unsere Gesellschaft für krank. Es sind die Wutbücher eines aufgebrachten Bürgertums.
Sorry, ich habe das Lesen dieses Textes mittendrin abgebrochen. Spiegel online macht es sich mal wieder etliche Portionen zu leicht. Wenn das Klagelied nicht aus der eigenen Feder stammt, kann man es zerpflücken. Jungs, das ist einfach zu billig.

SPON ist doch seit jeher in vorderster Linie dabei, wenn es ums Bashing der neuesten Sau geht, die es durchs Dorf zu jagen gilt. Beispiel gefällig? Derzeit mach SPON einen auf dicke Hose in Sachen wikileaks. Als wären diese Plattheiten, die da serviert werden, umwerfende Neuigkeiten. Dass Diplomaten klare Urteile abzugeben haben, ist ja offenbar was Ungeheuerliches.
SPON hat es prompt auch nicht vermocht, vernünftig zu trennen. Diese despektierlichen Meinungen über Merkel & The Wave sind genauso nett wie unbedeutend. Entscheidend sind doch bloß die Aussagen über die "archaischeren" Jungs etwa im nahen oder fernen Osten. Aber weil Tratsch zählt, spinnt SPON gerne auch den unbedeutenden heimischen Faden dick.

In gleicher Weise ist SPON auch in der Kapitalismuskritik früh aktiv gewesen. Dass nun andere auf dem Markt der Möglichkeiten ebenfalls was einholen wollen, wird dann kritisch hinterfragt. GÄHN! Das Feld ist eben bereitet. Die Stagnation bei den Normalos ist ebenso greifbar wie die fast dauerhaft steigenden Einkommen einer kleinen Oberschicht. Das kann man alles im SPON lesen. Das über diese Schieflage nun philosophiert und publiziert wird, ergibt sich von allein. Lieber SPON, richtig cool würde das alles erst, wenn Ihr mal hinter den Spiegel schauen würdet.

Wie viele weltanklagende, -kritische oder auch bloß -erklärende Bücher wurden denn bislang von Spiegelautoren verfasst? Steingart etc... Na? Und wie groß war Eure vergleichende und synoptische Kritik daran? Eben! Klarer Fall von Blinder Fleck...

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Scheidungskind 04.12.2010, 12:26
51. ...

Zitat von Topf00
Ein kollektiver Angst-Zustand ist also für das neue "wutbürgerliche" Gebaren in Deutschland verantwortlich. Wichtiger als diese Analyse wäre aber die Frage, woher diese Angst kommt und was sie bedeutet! Woher kommt es, dass große Teile der Mittelschicht mittlerweile ein diffuses Angstgefühl teilen; woher kommt es, dass selbst vergleichsweise banale Aufhänger zum kollektiven Aufschrei führen? Wir erleben aktuell einen völligen Paradigmenwechsel, der aus dieser kollektiven Angst resultiert. Es geht neuerdings um "das System" an sich - aber ist die Angst vorm System weniger relevant, weil man Teil des Systems ist? Eine mögliche Antwort: Das fragile Gleichgewicht zwischen Arbeit und Kapital, welches die soziale Marktwirtschaft Nachkriegsdeutschlands hervorgebracht, ist dahin. Die "kritische Masse" derer, denen das System Sicherheit, Wohlstand und Freiheit GARANTIERT. Wer früher Teil des Systems war, weiß heute nicht, ob ers morgen noch ist. Die früheren Profiteure regen sich, weil ihre Privilegien dahin sind - die Mittelschicht schrumpft, die Mittelschicht hat Angst. Mit schlechter Laune hat das relativ wenig zu tun.
Die schlechte Laune ist durchaus ein Indikator, dass mehr Menschen mit irgendetwas nicht zufrieden sind.

Das kann an den äußeren Zuständen in Gesellschaft, Familie, etc. liegen, die sich ändern oder geändert haben mögen - oder:

An den betroffenen Menschen selber.

Haben wir uns verändert? Unsere Gene? Unsere frühkindlichen Erfahrungen? Unser Unbewußtes? Unsere Gefühle?

Schließlich sind manche Menschen oft schlecht gelaunt - gerade junge und schöne. Warum nur, wenn sie doch in der selben Welt wie wir leben - und so zu beneiden sind?

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Ylex 04.12.2010, 12:27
52. Die Weltsicht der neoliberalen Einpauker

Zitat von FMK
...die gar nicht einmal die Zeit haben sich mit solchem esoterischen Unsinn wie fundamentale Kapitalismuskritik zu befassen.
Kapitalismuskritik ist weder unsinnig noch esoterisch, sie ist überlebensnotwenig – natürlich nicht für Sie, denn Sie packen ja an, Sie haben ja Realitätssinn. Mit diesem nassforschen Optimismus rennen wir aber kollektiv gegen eine Wand. Vielleicht werden Sie dann auch zu denjenigen gehören, die sich gewaltig den Kopf stoßen und plötzlich nicht mehr wissen, was um sie herum passiert. Die Weltsicht der neoliberalen Einpauker lässt einfach alles weg, was nicht ins Bild passt, so entsteht ein Zerrbild, das uns als Zukunftsvision angedreht werden soll. Die Leute glauben nicht mehr an diesen Quatsch – besonders die vielen sogenannten Verlierer des Systems wissen inzwischen, dass diese ausgeuferte Form des Kaptalismus über Leichen geht und Menschen verachtet.

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philmus 04.12.2010, 12:30
53. irreführend

Zitat von Von F.
Wie schön, dass ich immer noch genug Menschen begegne, die ein positives Lebensgefühl ausstrahlen, die die Dinge anpacken und die vor allem zu schätzen wissen, dass sie in einem Land leben dürfen, dass im internationalen Vergleich als freiheitlich, sicher und wohlhabend gilt.
Nur gibt es sicher Überschneidungen zwischen den "Positiven", "Anpackenden" und denen, die sich durchaus auch kritisch engagieren, eben nicht alles hinnehmen, was ihnen die regierende Kaste so auftischt.
Insofern ist die Gegenüberstellung irreführend.

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Mirko_K 04.12.2010, 12:30
54. Ich kann nicht glauben ...

... was hier im Forum geschrieben wird.

Mit Blick auf Länder wie China, Nordkorea, Russland, die halbe arabische Welt mit dem Iran an der Spitze und ganz aktuell Kasachstan kann ich ganz ernsthaft in keinster Weise glauben was hier im Forum abgeht!!!

Ich bin in der DDR groß geworden, deswegen weiß ich, was für ein Mist kollektive, sozialistische Tagträume nach sich ziehen.

Und hier regen sich tatsächlich 90% der Leute über Deutschland auf? Ich glaube, meine Herren, Sie leiden am Realitätswahn oder haben einfach Langeweile.

Der Blick auf die Realität zeigt, dass es ziemlich vielen Menschen hier bei uns ziemlich gut geht, und zwar besser, als es jemals war. Und das gilt für die Mehrheit!

Also was genau ist eigentlich das Problem? Was wollen Sie eigentlich? Ein neuer Versuch, den tollen Sozialismus einzuführen, der bisher wirklich immer super geklappt hat? Oder lieber Anarchie?

Bisher konnte keiner, wirklich keiner mal formulieren, was er wirklich will.

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philmus 04.12.2010, 12:36
55. Ersatz

Zitat von Scheidungskind
Schließlich sind manche Menschen oft schlecht gelaunt - gerade junge und schöne. Warum nur, wenn sie doch in der selben Welt wie wir leben - und so zu beneiden sind?
Auch das diffuse Gefühl, für sein Glück nichts zu können, kann ja zu schlechter Laune führen...

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Interessierter0815 04.12.2010, 12:36
56. .

Zitat von herr n. aus b.
In meiner Jugend und im Zuge sozialpolitischer Bildung wurde ich Anfang der 80er von meinem ehemaligen Berufsschulklassenlehrer zusammen mit dem Rest der Klasse ins Kino gescheucht, "Farm der Tiere" gucken. Ich hätte nie gedacht, das Schweine einmal die ganze Welt regieren; ich freue mich spitzbübisch auf das Ende dieses Films, wenn das Gegrunze endlich aufhört... Das Manifest "Der kommende Aufstand" (linke Spalte Bücherwerbung im Artikel) ist übrigens zur freien Verbreitung gedacht, so steht es in der Titelei dieses Werks geschrieben. Das Dreckskapitalisten daraus auch noch Profit schlagen ist nur symptomatisch, deshalb süße Pille Downloadlink:
Danke, wird gedruckt und gelesen.

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H.Ehrenthal 04.12.2010, 12:36
57. .

Zitat von herr n. aus b.
In meiner Jugend und im Zuge sozialpolitischer Bildung wurde ich Anfang der 80er von meinem ehemaligen Berufsschulklassenlehrer zusammen mit dem Rest der Klasse ins Kino gescheucht, "Farm der Tiere" gucken. Ich hätte nie gedacht, das Schweine einmal die ganze Welt regieren; ich freue mich spitzbübisch auf das Ende dieses Films, wenn das Gegrunze endlich aufhört... Das Manifest "Der kommende Aufstand" (linke Spalte Bücherwerbung im Artikel) ist übrigens zur freien Verbreitung gedacht, so steht es in der Titelei dieses Werks geschrieben. Das Dreckskapitalisten daraus auch noch Profit schlagen ist nur symptomatisch, deshalb süße Pille Downloadlink:
Es war nicht nur einer der ersten, die 2005 die heutige Situation beschrieben, er hat auch in die Zukunft geschnüffelt:
http://www.oberrat-brack.de/index.html

Das Quieken und Gegrunze wird zwangsläufig bald vorbei sein.
Und ich bin sicher, daß die notorischen Grinsknochen fröhlich und optimistisch unter dem Galgen stehen.
Gut so!

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Mirko_K 04.12.2010, 12:40
58. Naja

Zitat von Ylex
Kapitalismuskritik ist weder unsinnig noch esoterisch, sie ist überlebensnotwenig – natürlich nicht für Sie, denn Sie packen ja an, Sie haben ja Realitätssinn. Mit diesem nassforschen Optimismus rennen wir aber kollektiv gegen eine Wand. Vielleicht werden Sie dann auch zu denjenigen gehören, die sich gewaltig den Kopf stoßen und plötzlich nicht mehr wissen, was um sie herum passiert. Die Weltsicht der neoliberalen Einpauker lässt einfach alles weg, was nicht ins Bild passt, so entsteht ein Zerrbild, das uns als Zukunftsvision angedreht werden soll. Die Leute glauben nicht mehr an diesen Quatsch – besonders die vielen sogenannten Verlierer des Systems wissen inzwischen, dass diese ausgeuferte Form des Kaptalismus über Leichen geht und Menschen verachtet.
Tja, aber leider hat ihr Vorredner recht. Denn im Gegensatz zu Ihnen hat er zumindest etwas gesagt. Sie schreiben hier doch ein großes BlaBla ohne auch nur durch ein Beispiel oder sonstiges hier hier wilden Thesen - und mehr ist es nicht - zu belegen.

Nur weil man tolle Wörter wie "nassforsch" oder "liberale Einpauker" benutzt, hat man noch lange nicht recht.

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sponwurm 04.12.2010, 12:40
59. Es sind noch viel zu Wenige,

die als so genannte Intellektuelle eine Auseinandersetzung mit den Veränderungen dieser Zeit wagen. Wo sie denn seien, die Dichter und Denker, so wird gerade auch im Spiegel gerne kritisch-kess gefragt, ohne auch nur annähernd einen eigenen Beitrag zur Entwicklung von Lösungsansätzen zu leisten.
Informations- und reizüberflutet wie wir sind, bedarf es einer massiven Offensive, um die Kräfte zum Umdenken und Umlenken zu bündeln. Vereinzelte Stimmen, Bücher und sonstige Beiträge versintern doch allenthalben ungehört. So auch der eigentliche Beitrag des jetzt gefeierten Helden von Stuttgart, der laut aber kaum weiter unkommuniziert seinen Spruch damit begründete, dass Geld genug vorhanden, leider aber falsch verteilt sei. Wo steht denn geschrieben, dass eine moralisch und ethisch bessere Welt nur um Preis der Miesepetrigkeit zu erlangen sei?
Schon aus der Schule wissen wir, dass die verschriftlichte Sprache je nach Gusto als sehr gut oder mangelhaft bewertet wird, und in der Tat stimmt es m.E., dass nicht alle Wutbücher auch Gutbücher sind. Aber freuen wir uns doch, dass für die Summe der Veröffentlichungen wenigstens die Gauߒsche Normalverteilung gilt, wobei der Beitrag des Redakteurs m. E. entweder am Anfang oder am Ende der Kurve anzusiedeln ist. Aber auch für ihn mag gelten: Nur der Mittelmäßige ist ständig in Höchstform!
Und eines noch zum Schluss: Compassion ist keine Frage der Bekleidung, der Konsumgewohnheiten, des Konto- sonstigen Standes, sondern eine des Herzens.

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