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Prozesse: 18 Sekunden Zündstoff

Der Schüler, der in einem Berliner U-Bahnhof einen Fremden brutal zusammentrat, bekam von der Boulevardpresse die Höchststrafe. Jetzt ist das Gericht an der Reihe.

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paradox_vn 06.09.2011, 11:11
160. Man kann es auch uebertreiben

Ich bin selber mit ca. 18 Jahren extrem ausgerastet und habe einen Mitschueler erheblich verletzt.
Natuerlich wurde ich angezeigt und hatte eine entsprechende Gerichtsverhandlung. Da ich vorher nie negativ aufgefallen war, fiel die Strafe verhaeltnismaeßig milde aus, zumal ich mich gestaendig und einsichtig gezeigt habe. Man haette mich, gemessen an der Schwere der Tat, auch deutlich haerter bestrafen koennen. Ich frage mich was gewesen waere, haette man mich rigoros weggesperrt.

Fakt ist, dass meine damalige Tat ein einmaliger Ausrutscher war und ich seitdem nicht wieder straffaellig oder explizit gewalttaetig wurde. ich bin jetzt fast 26, die Sache ist also rund 8 Jahre her.

Und jetzt will ein ganzes Volk einen Jungen fuer einen Ausrutscher lynchen, der auch noch falsch dargestellt wurde. Wenn es in Deutschland die Todesstrafe geben wuerde - die BILD und deren Leserschaft wuerde sie fordern. Es ist einfach absurd, wie wir als Menschen dauernd Fortschritt propagieren, aber gleichzeitig mittelalterliche Vergeltung fordern.

Es ist alles wie damals. Hetze, Hetze, Hetze - der Poebel braucht Unterhaltung und Ablenkung von sich selbst.

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Earendil77 06.09.2011, 11:11
161. ---

Zitat von hohggo
Deshalb ganz klar wegsperren - oder möchten Sie der Nächste sein der ihm begegnet? In der U-Bahn? Nachts? Am Wochenende?
So, wie es aussieht, besteht wohl keine große Rückfallgefahr. Ich hätte also keine Bedenken, ihm zu begegnen. Auch nicht nachts am Wochenende in der U-Bahn.

Zitat von OmaGeddon
Tatsache ist: wer sein Opfer auf den Kopf tritt, nimmt den Tod billigend in Kauf - gängige Rechtsprechung
So pauschal nicht. Tritte mit festem Schuhwerk - deshalb spielt ja die Härte der Sohle so eine Rolle. Gängige Rechtsprechung.

Zitat von heutedoch
2. Straftat unter Alkohol: Weit höhere Bestrafung, da dem Täter ja bekannt war wie er unter Alkohol reagiert.
Soweit man den Angaben des Täters folgt, wusste er eben nicht, wie er unter Alkohol reagiert.

Zitat von fantin-latour
Was ist bitte an einer "Bewährungsstrafe" eine "Strafe"?
Lesen Sie den Artikel, dort wird's zumindest kurz erwähnt.

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Elbfeger 06.09.2011, 11:20
162. Augenmaß

Grundsätzlich bleibt zunächst mal festzuhalten, dass die Justiz in unserem Lande sich zuweilen gar zu sehr um die Befindlichkeiten der Täter sorgt und die Opfer vernachlässigt. Es sei nur daran erinnert, dass Frauen, die nach einer Vergewaltigung an erheblichen psychischen Schäden leiden, mit diesen in aller Regel allein gelassen werden, vielfach Folge-Therapien auch noch aus eigener Tasche zahlen müssen. Während sich Heerscharen von Pädagogen um die Resozialisierung des Vergewaltigers sorgen.
In dem vorliegenden Fall sollte aber nicht vergessen werden, dass der Täter 18 Jahre alt ist, also keineswegs von einer bereits voll ausgeformten Persönlichkeit geredet werden kann. Deshalb ist die Abwägung zwischen Sühne für die unfassbare Tat, die man durchaus als Mordversuch einstufen kann (wobei mir hier Totschlag weit zutreffender zu sein scheint), und Augenmaß so schwierig. Hat der Staat das Recht, bei solch einer Tat dem noch sehr jungen Schuldigen manche Wege zu verbauen, weil er einmal im Suff ausgetickt ist?
Da der Junge selbst seine Tat mehr oder weniger exklusiv auf den Alkohol zurückführt, schiene mir bei einer Abwägung aller Interessen unter Einbeziehung des Verursacherprinzips folgendes Urteil am stimmigsten:
Eine Gefängnisstrafe zur Bewährung mit langer Bewährungsfrist - und absolutem Alkoholverbot für den Täter. Wird er auch nur einmal mit einem Alsterwasser erwischt, müsste er ins Gefängnis, da die ins Feld geführte Reue nicht mehr glaubhaft wäre. Da er so, der eigenen Argumentation folgend, wieder einen Schritt näher an einer Straftat wäre.
Das würde auch berücksichtigen, dass die meisten von uns selbst mit besoffenem Kopp unseren Mitmenschen kein Leid anzutun pflegen...

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postbote101 06.09.2011, 11:21
163. ...

Auch ich habe schon viel getrunken. Ich war auch schon so voll, dass ich erinnerungslücken hatte. Allerdings war ich dann kaum noch in der Lage zu laufen. Das war mehr taumeln und so hat mir der Torben im Video nicht ausgesehen.
Mir ist schon klar, dass jeder anders reagiert, doch wenn ich dem Glauben soll, was er angibt getrunken zu haben, dann klingt das für mich etwas übertrieben.

Wie auch immer. Ich bin davon überzeugt, dass Torben einen Anwalt hat, der genau weiss, was er tut. Und das Torben das heute bereut, was er damals getan hat, glaube ich ihm auch. Immerhin hat er seit dem einige Zeit gehabt darüber nachzudenken. Irgendwann kommt immer Einsicht oder Realisierung der Dinge.

Doch das darf alles nicht darüber hinwegtäuschen, dass dieser Torben einen Menschen vermutlich umbringen wollte. Anders lässt sich seine Aggression m.E. nicht erklären. Oder gibt es noch einen anderen Grund, warum jemand mit voller Wucht mehrmals auf den Kopf eintritt?
Nun hatte das Opfer Glück, dass es sich bei den Schuhen nicht um schwere Stiefel oder sogar Schuhen mit Stahlkappen gehandelt hat, sonst wäre das Drama vermutlich tödlich ausgegangen.
Für mich macht es da allerdings keinen Unterschied. Die Handlung von Torben wäre die selbe gewesen. Die Absicht zu verletzen als auch den Tod billigend in Kauf zu nehmen muss bestraft werden. Eine Bewährungsstrafe wäre wie der 5. Tritt auf den Kopf des Opfers. Ich vertraue da auf das Gericht, dass wir zukünftig vor solch einem Schläger geschützt werden, denn das was Torben getan hat, kann man nicht mit ein paar Tränen und gebückter Haltung entschuldigen.

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reuanmuc 06.09.2011, 11:22
164. .

Zitat von Teufelsabbiss
Wenn ich die ersten Kommentare lese, wird mir schlecht.
Meine Zustimmung, genauso ergeht es mir auch. Man kann sich selber erhöhen, indem man Andere erniedrigt. Man fühlt sich selber gleich viel besser, wenn man Andere eines Fehlers bezichtigen und verurteilen kann. Aber es ist Selbstbetrug, der natürlich nicht erkannt und erst recht nicht zugegeben wird. Oft genug sind es selber potenzielle Gewalttäter, die nur zu feige sind, ihre Gewalt auszuleben und sich daher verbal austoben.

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HenningPogwisch 06.09.2011, 11:22
165. Tendenziöses Rührstück

Es wirkt nicht überzeugend, wenn Frau Lakotta dem Gepolter der "anderen Medien" ein sentimentales, tendenziöses Rührstück entgegenstellt. Bspw:

"'weit ausholend und von oben herab', wie es in der Anklageschrift heißt."
"Wie es in der Anklageschrift heißt"? Wie es jeder auf dem Tatvideo sehen kann!!!
"beide Eltern sind schwerkrank und seit vielen Jahren Frührentner, die P.s wohnen in einer Genossenschaftswohnung."
Schnief (Tränendrüse reagiert)! Nun, Kinder von schwerkranken Frührentnern werden innerlich zu solchen Taten genötigt, sie haben Recht!

"'Wovor hatten Sie Angst?' - 'In meiner Vorstellung waren die Rollen von Angreifer und Angegriffenem vertauscht.'"

Eigenartige Vorstellung, wenn man schon seit einiger Zeit Leute wahllos anpöbelt und bedrängt!?


"Bei Nötzel weckt das Zweifel: 'Sonst wissen Sie noch erstaunlich viele Details', hält er ihm vor."

Dieser Vorwurf ist auch bei objektiver Sichtweise nicht abwegig. Sie könnten also auch zu dieser Einschätzung kommen!


"Eine Bewährungsstrafe bedeutet nicht, dass der Verurteilte einfach nach Hause gehen kann."

Nein, erfahrungsgemäß haben Bewährungsstrafen gravierende Belastungen für den Verurteilten zur Folge.....


Ich warte immer noch auf einen sachgerechten Artikel/Einschätzung dieses Falles in den Medien. Bisher war dieser/diese nicht zu finden.

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PdBOF 06.09.2011, 11:23
166. Egal

Zitat von morpheus1973
ich wundere mich immer wieder mit welcher Inbrunst hier nach Rache und hohen Strafen 'geschrien' wird... und das die Gleichen dann mit genau dem gleichen Halbwissen auf den Islam als 'rachsüchtige Religion' einprügeln. Dabei legen dieselben Leute die gleich Rachsucht an den Tag. Von der sooft beschrieben 'abendländlichen christlichen Kultur' scheint ...
Das Problem ist, dass fast alle Menschen einer jeden Kultur der Meinung sind, daß Verbrecher bestraft werden müssen.
Der Staat hat die Aufgabe, eine Angemessene Strafe zu verhängen und den Verbrecher wieder in die Gesellschaft einzugliedern auf das er wieder ein nützliches Mitglied der Gesellschaft wird.

Seit 1969 ist man dazu übergegangen kaum mehr zu strafen, sondern möglichst nur noch einzugliedern. Das kollidiert dann natürlich mit den Moralvorstellungen der Bevölkerung, die eine angemessene STRAFE als notwendig erachtet. Schließlich hat man ja sein Gewaltmonopol an den Staat abgegeben, damit dieser im Falle eines angetanen Unrechts Satisfaktion für einen ausübt.

In Bremen wurde vor 2-3 Jahren einem Studenten ohne jeden Grund ins Gesicht getreten, dieser wurde von der Wucht des Trittes umgeworfen und schlug mit dem Hinterkopf so stark auf, daß er seitdem geistig behindert ist. Sein Leben ist seitdem versaut, daß seiner Eltern und Freundin ebenso, und trotzdem haben die Täter nur eine Bewährungsstrafe bekommen, was einen Aufschrei in der Bevölkerung auslöste.

Wenn die Legislative und Judikative nicht aufpassen wird es irgendwann wieder massiv zu selbstjustiz kommen.

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Landegaard 06.09.2011, 11:24
167. .

Zitat von Shiraz
Sie haben natürlich Recht. Man muss niemandem auf dem Kopf rumtrampeln (hab ich auch noch nicht getan), und die Folgen für das Opfer sind sicherlich schwerwiegend. Allerdings hat das Opfer halt auch nicht viel davon, wenn der 18-Jährige für Jahre in den Knast wandert. Und die Gesellschaft hat dann halt doch ein kaum resozialisierbares Mitglied mehr – sprich einen Knasti ohne Ausbildung, der wohl sein Leben lang Hartz IV kassieren wird, statt zu arbeiten, Geld zu verdienen und Steuern zu zahlen, was er sonst wohl tun würde. Ich fände hier eine finanzielle Strafe tatsächlich sinnvoll. Soll er seinem Opfer 20 Jahre lang Schmerzensgeld zahlen. Da hat das Opfer etwas davon. Der Täter wird ständig an seine Tat erinnert, und kann gleichzeitig noch dankbar sein, so gut weggekommen zu sein.
Richtig. Ich gehe noch einen Schritt weiter: Da Gefängnisaufenthalte generell die berufliche und soziale Zukunft von Tätern negativ beeinflussen, sollten wir vielleicht darüber nachdenken, gänzlich darauf zu verzichten. Wäre ja blöd, in einem Vorstellungsgespräch so häßliche Dinge wie Knastaufenthalte potentiellen Arbeitgebern erklären zu müssen. Was halten Sie davon?

Das könnte vielen kaputten Typen eine Chance auf eine staatlich finanzierte Förderung geben. Einfach mal publikumswirsam jemanden Zusammenschlagen und schon gehts ins Förderprogramm. Bestimmt hat jeder ein krankes Familienmitglied vorzuweisen und ist vielleicht mal gehänselt worden.

Ich erwarte reife Gedankengänge, wie die der "Dankbarkeit, so gut weggekommen zu sein" nicht von Leuten, die anderen wehrlosen Menschen auf dem Kopf rumtanzen, eigentlich nicht und sollte Torben zu solchen Emotionen nun doch fähig sein, weiß ich nicht, warum sich der Staat darauf konzentrieren sollte, seine Entwicklung nicht zu gefährden. Er hat mit seiner Tat gezeigt, was für ein Typ er ist und auf der anderen Seite haben wir ein Opfer, dessen zukünftige psychische Entwicklung mir viel wichtiger ist, als das des Täters

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coloniaexpress 06.09.2011, 11:25
168. Ambivalent

Ich kann das Verhalten des Täters in gewissem Umfange nachempfinden. Da wird ein Junge während seiner Pubertät über einen sehr langen währenden Zeitraum von seinen Mitschülern gehänselt und drangsaliert. Aus einem nichtigen Auslöser heraus bricht sich die aufgestaute Wut Bahn und wird zur Raserei. Der Alkohol setzt die natürlich vorhandene Hemmschwelle auf Null. Im Nachhinein kann der sonst so gehemmte Täter seine Tat und sein Verhalten nicht erklären.
Soweit die Psychologie.

Aber aus Sicht des Opfers und der Gesellschaft ist die Tat in keiner Weise entschuldbar, der Alkohol kann die Schuld nicht mindern.
Sehen wir uns den Fall einmal fiktiv anders an:
Hätte derselbe Junge im Suff ein Auto gestohlen, wäre durch die Stadt gerast und hätte damit mit denselben Folgen einen Fußgänger überhauf gefahren, so käme ein anderes Strafmaß zum Zuge. Denn hier wird die vorsätzliche Herbeiführung eine Volltrunkenheit, der Einbruchdiebstahl, Fahren ohne Fahrerlaubnis und der gefährliche Eingriff in den Straßenverkehr ungleich höher im Strafmaß berücksichtigt. Zudem würde neben der Strafe auch ein Führerscheinentzug bzw. das Verbot zur Erlangung einer Fahrerlaubnis ausgesprochen.

Die Prognose und das Familienumfeld werden bei Jugendstraftätern IMMER zugunsten des Täters ausgelegt. Entweder ist die Prognose positiv und die Familie intakt (dann darf keine hohe Strafe ausgesprochen werden) oder der arme Täter entstammt einer kaputten Familie und hatte eine schreckliche Kindheit (das ist schuldmindernd und darf nicht hoch bestraft werden).

Auch und gerade bei Jugendstraftätern gehört die Abschreckung als "aktive Lernphase" zur Strafe dazu. Wie sollen die Schätzchen sonst lernen, dass sie mit ihrem Verhalten in dieser Gesellschaft nicht durchkommen? Denn werden sie nicht oder nur minimal bestraft, dann lernen sie ja gerade daraus fürs Leben und werden zu Intensivtätern.
Hier in diesem Falle erscheint mir aber der Strafansatz zur Abschreckung nicht in derselben Höhe wie bei Gewohnheitstätern angebracht, denn der Täter zeigt Einsicht und Reue. Es dürfte bei dem einmaligen "Ausrutscher" bleiben. Zudem dürfte er bei seiner Prognose ein produktives Mitglied der Gesellschaft werden und auf diese Weise selbst dafür sorgen können, die Folgen seiner Tat in monetärer Weise abzuarbeiten. Das ist bei asozialen Intensivtätern ja nur äußerst selten der Fall.

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Landegaard 06.09.2011, 11:26
169. .

Zitat von Earendil77
So pauschal nicht. Tritte - deshalb spielt ja die Härte der Sohle so eine Rolle. Gängige Rechtsprechung.
Diese "gängige Rechtsprechung" ist mir nicht bekannt. Können Sie da mal bitte was verlinken?

Jemand, der offensichtlich nicht über sein Handeln nachdenkt, macht sich aber doch Gedanken über die Festtigkeit seiner Schuhsohle? Allerliebst...

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