Forum: Blogs
Rentner: Tod im Paradies

Tausende deutscher Pensionäre leben im thailändischen Pattaya. In dem Hotel "Villa Germania" verwirklichen sie ihren Traum von Freiheit, mit Alkohol und Frauen. Es ist ein Leben unter der Zeitglocke: Ihr Kanzler heißt Helmut Schmidt, ihr Kapitän Franz Beckenbauer.

Seite 14 von 49
livedabei 28.03.2009, 11:34
130. realitätsnah und ausgezeichnet...Teil 1

Leider konnte ich mir nur die ersten drei Seiten an Kommentaren zu dem Artikel durchlesen, aber offensichtlich hat diese authentische Darstellung des Lebens in Thailand schon polarisiert.

Ich selbst lebe nun seit 3 Jahren in Thailand, und obwohl ich erst 26 Jahre alt bin, ziehe ich das "easy life" hier dem in Deutschland vor.

Zuallererst möchte ich erwähnen, dass der Autor voll und ganz den Kern der Sache getroffen hat, und in keinster Weise übertrieben. Auch wenn er nicht die sonst übliche "SPIEGEL"-Wortwahl nutzt, so macht er sehr guten Gebrauch von Stilmitteln, wie es sich für einen realitäts- und lebensnahen Bericht gehört. Der Stil des Artikels malt die Bilder auch für diejenigen, die noch nicht in Thailand gewesen sind.

Das gesagt, möchte ich mich nun trotzdem zu einigen Kommentaren, die ich zuvor gelesen hab, äußern.

1. Definitiv spielt diese Mischung aus Trinken, Frauen und Nichtstun eine weit verbreitete Rolle in Thailand. Thailand ist leider ein Magnet für soziale Verlierer, Kriminelle und Perverse und jeder Argumentation dagegen fehlt es an Realitätsbezug. Hier sind vor allem, wie auch in anderen Sex- oder Saufparadiesen (beispielsweise Mallorca oder Brasilien, welches kürzlich den ersten Platz in internationalem Sextourismus von Thailand errang), die Deutschen zusammen mit den Engländern ganz vorn mit dabei.

Einerseits ist es schändlich, gerade wenn man zu denen gehört, die nicht diesen Lebensstil pflegen, mit Leuten von dieser Gesellschaftschicht verglichen zu werden, vor allem, weil man nur die Staatsbürgerschaft mit denen gemein hat.

Andererseits sollte man sich von dem Vorurteil befreien, dass nur die sogenannten unteren Gesellschaftschichten sich dieser "Freuden" bedienen. Sie tun es nur in der Öffentlichkeit. Man soll nicht die Skandale bei VW vergessen, wo hochrangige Manager in Prostitutionsskandale verwickelt waren. Oder amerik. Toppolitiker die mit Huren erwischt wurden. Ich bin mir sicher, dass viele Leute, die sich als niveauvoller betrachten, schon einmal in dieser Situation befunden haben...ob das in Thailand, Tschechien oder auf der Reeperbahn war, macht keinen großen Unterschied. Gelegenheit mach Diebe...oder wie hier, Liebe! Und diejenigen, die am lautesten "Skandal" schreien, sind zumeist die schlimmsten (Eliot Spitzer Skandal, USA 2008).

2. Thailand hat ein Problem mit Sex. Jedoch geht dies viel tiefer als nur Sextourismus. Es ist eher ein gesellschaftliches Problem mit einem Mix aus Doppelmoral und endlosen Möglichkeiten, sowie niedrigen ethischen Standards, die nie in der Öffentlichkeit widergegeben werden.

Anders als vielleicht gedacht, ist Prostitution nicht allein ein Problem, das von Sextouristen oder Sexresidenten allein gefördert wird. In Thailand ist es ebenfalls für Einheimische Usus, jegliche Dienstleistungen zu nutzen. Auch hier zieht es sich durch alle Gesellschaftsschichten und je nach Budget steigt und fällt die Qualität.

Beitrag melden
livedabei 28.03.2009, 11:34
131. realitätsnah und ausgezeichnet...Teil 2

3. Man sollte die Leute in dem Artikel nicht anprangern, obgleich sie ein sehr schlechtes Bild für Deutsche im Allgemeinen darstellen. Leider werden derartige Szenen wie in Pattaya üblich, öffentlich und von jedermann geduldet. Man kann durch Rotlichviertel spazieren und sich allerlei Shows und Dienstleistungen zu Gemüte führen und die Polizei steht nebendran und heisst es gut. Politiker behaupten sogar öffentlich, dass Pattaya kein Sex-Problem hat. Wie gesagt, Doppelmoral regiert hier leider.

Auf der anderen Seite wollen sich diese alten Leute doch nur ihren Lebensabend versüßen. Und es wäre vermessen von den Rentnern zu glauben, dass diese jungen Mädels würden Sie wegen ihres Charms mögen. Auch die Thaimädchen machen das Beste, aus dem was sie haben und sind lieb, bis sie das Haus, oder Auto oder den Friseursalon bekommen, wie im Artikel beschrieben.

Und trotzdem sind alle "glücklich", denn jeder bekommt, was er will.

Fazit: Meiner Meinung nach sollte jeder tun was er mag, aber es nicht so öffentlich zur Schau stellen, wie die im Artikel Erwähnten, denn das bildet Stereotypen über ganze Völker. Gerade als "normaler" Deutscher wird man dann mit diesen Menschen verglichen, obwohl man sich doch differenziert.

Aber wie auch Thais oder andere Ausländer, die in Thailand leben, so haben auch genug Deutsche Stereotypen und Vorurteile ggü. Thailand.

Wie ein Poster vorher bemerkte, hat Thailand auch ganz andere Seiten, wie z.B. Phuket, wo abseits von Patong, welches Pattaya doch sehr ähnelt, sich eine gehobenere Klientel aus Millionären und Milliardären etabliert hat. Oder auch Bangkok, wo sich definitiv die intellektuelle und finanzielle Oberschicht Thailands befindet.

Leider machen diese Orte nicht genug Schlagzeilen oder schockieren nicht, deshalb muss das Bild von Thailand eben durch Artikel über Sexrentner geprägt werden.

Letzendlich sollten doch alle Leser froh sein, dass sich diese Leute nicht mehr in Deutschland befinden...wer würde sie denn dort wollen? Und die Herren fühlen sich wie "Gott in Frankreich" also sollen sie ihre letzten Tage noch geniessen.

Beitrag melden
LaraBerlin 28.03.2009, 11:36
132. In Goa leben ganz andere Rentner

Zitat von RogerT
Beruht auf Gegenseitigkeit, die Thaifrauen benutzen die Rentner genauso. Und die sind auch ziemlich abgebrüht, denen geht es nur ums Geld, da wird auch excellent geschauspielert... Ich gönne zwar den Rentnern auch in Thailand ihre Freude, trotzdem ist es ein komisches Gefühl, diese ungleichen Pärchen Hand in Hand auf der Strasse, z.B. in Bangkok, flanieren zu sehen. Aber das ist eine Geschäftsbeziehung, das wissen beide...
Vor 15 Jahren erlebt auf Koh Samui: In einem Club befanden sich zahlreiche ältere und alte Männer mit thailändischen Mädchen im Schlepptau. Auf der Bühne sangen junge Frauen (oder Transvestiten, war nicht ganz klar) "Dirty old men", das bekannte Lied. Die Herren hat das nicht gestört oder sie konnten noch nicht mal so viel Englisch, um das zu begreifen.

Alternative für alle Auswanderer über 60: Goa in Indien. Dort war ich gerade und habe einige Deutsche über 60 gesehen (68er). Dort läuft das Zusammenleben ganz anders ab. Man bemüht sich auf beiden Seiten um Respekt. Prostitution war überhaupt nicht erkennbar, und würde von den Indern auch nie in diesem Ausmmaß geduldet werden.

Das Wetter ist ähnlich, sehr warm, manchmal aber zu heiß.
(In den letzten Tagen über 40 Grad, weil die heisseste Zeit vor dem Monsun, dem wochenlangen großen Regen kommt), nachts konnte man kaum noch schlafen). Das Paradies hat eben auch immer Schattenseiten.

Ansonsten geht es den Auswanderern eben auch um die indische Kultur, es wird z. B. viel Yoga gemacht. Die Natur wird von den Touristen weniger verschandelt als von den Einheimischen. Auch die Begegnungen zwischen Indern und Touristen funktionieren zumindest gut in Orten, wo es noch nicht so viele laute und unmögliche Partyleute gibt (meist feierwütige Engländer). Wichtig ist, dass es eine Verständigungsmöglichkeit gibt: Englisch kann fast jeder, zumindest die Grundlagen.

Beitrag melden
Hercules Rockefeller 28.03.2009, 11:41
133. Auflehnung?

Zitat von flakes1000
In letzter Konsequenz ist es Auflehnung gegen ein überkommenes gesellschaftliches Dogma, das alles über 60 für Schrott erklärt.
Also als Auflehnung betrachte ich es nicht, wenn man von einem Klischee ins Nächste übergeht. Hier noch der angeblich scheintote Tattergreis, drüben der dauerbesoffene Viagraeimer. Wo ist denn da die Auflehnung, wo die persönliche Freiheit?

Mich wundert auch die hier gespielte Empörung, keine Frage. Als ob die Prostituierten in Thailand über Nacht verschwinden würden, wenn nicht der deutsche Rentner locken würde. Das ist doch Quatsch!

Zumal Prostitution ihren Zenit langsam überschritten hat. Wenn man sich mal die offiziellen Zahlen so anschaut, dann sterben die Freier langsam aus und die, die es noch gibt hängen im Ausland ab. Das Problem löst sich gerade von selber. Man siehts ja schon jetzt, abgesehen von ein paar verklemmten Amis sind die Bumbsbomber ausschließlich mit Rentnern bestückt. Die vermehren sich nicht mehr, Pattaya hat also ein großes Wirtschaftsproblem, kein drängendes Prostitutionsproblem.

Eigentlich ist der Artikel nichtssagend, wenn auch unterhaltsam geschrieben. Alte Säcke, die im Leben und an sich selbst gescheitert sind-who cares? Die Thais interessiert es nicht und uns doch eigentlich auch nicht. Die Welt geht davon auch nicht unter.

Beitrag melden
blowup 28.03.2009, 11:44
134. genau

Zitat von freewheeling
Voneinander lernen, nicht aufeinander herumhacken: Soweit mir bekannt, gibt es in TH uerhaupt keine Seniorenheime fuer Einheimische (ausser den Tempeln), weil die thailaendischen Senioren bis zu ihrem Tode von Verwandten liebevoll umsorgt und geplegt werden. Und das in einem sogenannten moralisch verdorbenen Entwicklungsland/Schwellenland. Gluecklich wer als deutscher Auswanderer eine ganz normale TH Ehefrau hat. Das ist die beste Pfegeversicherung. Thailaendische Kultur vom Feinsten. Wuerdevoller Tod im Paradies. Interessiert nur leider keinen ... Sex Sells.
Sie sagen es. Die lieben landsleute sind unheimlich schnell beim verurteilen und sehr unwillig beim verstehen. Da dekliniert man lieber seine eigenen Vorurteile rauf und runter, was soll man auch machen, in diesem tristen Land voller Neid.

Und ehrlich: wer hier moralisch verkommen ist, das muss sich erst noch zeigen. IN thailand zählt Moral eben noch was. Allerdings haben die ihre eigenen Vorstellungen. Aber im Gegensatz zu uns halten die sich daran. Dass das Verhältnis zum eigenen Körper und zu Sex ein ganz anderes ist als bei uns, gehört dazu. Das Verhältnis zu den Sextouristen ist ganz entspannt. Beide Parteien lächeln übereinander und machen ihre Witze. Und BEIDE profitieren davon. Das wollen die Moralisten hier einfach nicht wahr haben.

Beitrag melden
Grubert 28.03.2009, 11:59
135. Voll daneben.

Heinz hat alles richtig gemacht. Das würde der Autor dieses Artikels merken, wenn er mal in einem deutschen Altenheim recherchieren würde und dort ein paar "Schicksale" der älteren Leute und deren täglichen Lebensrhytmus beschreiben würde.

Der Spiegel nähert sich leider immer weiter dem Teil der Boulevardpresse, der sich mit den anderen Blättern mithilfe reißerischer "Berichte" um die Auflagenhöhe prügelt.

Aber sicher eine gute Gelegenheit, um den ewig Daheimgebliebenen mal ein paar nette Eindrücke vom verruchten Thailand zu geben, nebst ein paar in rotgefärbtes Licht getauchte Bilder. Wie armselig.

Grubert

Beitrag melden
freewheeling 28.03.2009, 12:01
136. schoenes Wochenende!

noch mal kurz ueberlegt wird es wahrschenlich so sein;
Der Autor ist ein renomierter Redakteur des Spiegels, ein Pfichtbeitrag musste von ihm her, seine Handschrift hat den literarischen Anstrich ... und so weiter. Passt gut in die Reihe "Last Exit Ko Lante", "Heino in Siam"

Die Fakten sind ja offensichtlich Quatsch. Aber wir sollten eigentlich nicht die Arbeit der Spiegelredaktion hier im Forum machen richtigzustellen was missverstaendlich ist. Die Damen und Herren Redakteure sind ja jetzt im Wochenende. Warum sich aufregen. Kuehles Herz bewahren wie die Thais sagen - und das Wochenende geniessen ist besser.

Cheers!

Beitrag melden
livedabei 28.03.2009, 12:15
137. scheinwelt

Zitat von blowup
Und ehrlich: wer hier moralisch verkommen ist, das muss sich erst noch zeigen. IN thailand zählt Moral eben noch was. Allerdings haben die ihre eigenen Vorstellungen. Aber im Gegensatz zu uns halten die sich daran. Dass das Verhältnis zum eigenen Körper und zu Sex ein ganz anderes ist als bei uns, gehört dazu. Das Verhältnis zu den Sextouristen ist ganz entspannt. Beide Parteien lächeln übereinander und machen ihre Witze. Und BEIDE profitieren davon. Das wollen die Moralisten hier einfach nicht wahr haben.
Leider leben sie anscheinend in der gleichen Scheinwelt wie die meisten Thais. Prostitution entsteht in Thailand, wie in den meisten Ländern, nicht daraus, dass es eine vergnügliche Beschäftigung ist, sondern weil diese Frauen versuchen ihre Familie zu ernähren.

Deshalb versuchen die meisten dieser Frauen, Männer langfristig an sich zu binden, wenn sie wissen, dass der Mann genug Geld hat, um ihre Wünsche und Bedürfnisse zu erfüllen. Dann brauchen sie nicht mehr mit jedem ins Bett, zumindest nicht für Geld...oftmals haben sie ja noch einen Thai-Ehemann in ihrem Heimatdorf, oder weitere Boyfriends im Ausland und lassen diese dann im Schichtsystem zu Besuch kommen.

Wo bitte zählt die Moral hier noch was?

Weil es von allen Seiten geduldet wird? Weil Prostitution ja illegal in Thailand ist und gar nicht existiert? Oder meinen Sie die Moralvorstellung, dass, wenn es jeder tut, es als normal gilt und nicht moralisch verwerflich?

Sie leben leider in genau derselben Scheinwelt, wie schon erwähnt und partizipieren in einem endlosen Kreislauf aus Bedürfnis nach materialistischen Werten und Bedürfnis nach Sex, von Leuten, die bereit sind dafür zu zahlen.

Mit einem haben Sie Recht: Beide profitieren davon. Und wenn man sich damit zufrieden gibt, ist es auch gut...aber viele Leute wollen vielleicht irgendwann mal echte Liebe....Leider kann man die wohl kaum in Pattaya finden

Beitrag melden
Benutzername1 28.03.2009, 12:25
138. Geld versus Moral

Drei Monate in Thailand gewesen möchte ich nicht behaupten ein "Kenner" des Landes zu sein.
Mir haben Land und Menschen sehr gut gefallen. Mit ist allerdings aufgefallen, dass viele "Farang" die Offenheit, Freundlichkeit und Zurückhaltung der Thais ausnutzen und sich im besten Fall so aufführen, als wären sie zu Hause - im schlimmsten Fall dort Dinge tun, welche sie in ihren eigenen Gesellschaften nie tun würden. Das war mir oft sehr peinlich und ich habe mich auch gefragt, warum sich die Thais das alles gefallen lassen - immerhin sind sie eigentlichs sehr patriotisch und werden auch nicht von Multikulti-Demagogen, "Erbschuld" oder Kulturelativismus geknechtet - so wie bei uns.
Meiner Ansicht nach ist es ein Zusammenspiel aus Gier, Mentalität und sozialen Verhältnissen.

Geld weicht eben die Moral auf. Jeder sollte sich mal überlegen, für welche Summe er selbst bereit ist bestimmte Dinge zu tun - welche er ansonsten aus "ekel-Gefühlen" nie tun würde - sieh "Dschungel-Camp". Und dann sollte er sich in die Lage eines armen, mittellosen Mädchens aus einem sozialen Brennpunkt in Bangkok hinein zu versetzen.

Zur Mentalität:
Höflichkeit wird großgeschrieben - allgemein bei den Asiaten -. Jemanden direkt die Meinung sagen, oder offen auf Konftontation gehen, wie es besonders in Deutschland gagn und gäbe ist, wird als "barbarisch" betrachtet. Als Westler ist man eben gewohnt, dass reagiert wird, wenn man Fehlverhalten zeigt. Jemand jedoch nur freundlich aufgesetztes Lächeln sieht erliegt man zumeist dem Irrglauben es wäre alles in Ordnung. Für solche Leute kann ich mich einfach nur schämen...

Aber im Grunde müssen die Thais, dieses ihr "Migrantenproblem" selber lösen - so wie wir auch. Dafür müssen sie sich aber wirtschaftlich unabhängiger machen. Dabei wünsche ich ihnen viel Glück.

Beitrag melden
christoph_brueckner 28.03.2009, 12:26
139. Verwendung des Wortes "klein"

Habe ich als Leserbrieg abgeschickt, passt aber finde ich auch in die Diskussion:

----

Sehr geehrter Herr Osang,
Sie haben einen guten und ausführlichen Artikel geschrieben - aber Ihre penetrante Verwendung des Wortes "klein" finde ich mehr als abstoßend.
Was bedeutet für Sie klein? Ist es eine moralische Wertung oder bezieht es sich auf die Körpergröße? Wenn es ersteres ist - bitte geben Sie dem Leser doch Zeit, sein eigenes moralisches Urteil zu bilden und nehmen Sie diese nicht gleich im ersten Absatz wiederholt vorweg.
Wenn es letzteres ist - nämlich dass es sich bei dem angesprochenen Rentner wirklich um einen unterdurchschnittlich groß gewachsenen Mann handelt - dann frage ich mich was dies in einem solchen Artikel verloren hat. Natürlich muss man die zentrale Figur auch äußerlich beschreiben, um sie plastischer zu machen. Aber die andauernde Wiederholung - wollen Sie den Lesern unterschieben, dass Sextouristen/Rassisten ("Neger", "Ding oder Dong")/Frustauswanderer/Verlierer in erster Linie klein gewachsen sind? Dass groß gewachsene Männer so etwas nicht tun und ihren Lebensabend moralisch einwandfreier verbringen? Einen größeren Schwachsinn könnte man nicht verzapfen, deshalb vermute ich eher folgendes: Sie vermischen die körperliche und charakterliche Ebene auf eine klischeeartige Weise, die z.B. aus Disney-Filmen bekannt ist: Dort sind die Helden groß gewachsen und ausgeglichen, und der Bösewicht(oder der aufgekratzte, sich dämlich benehmende Begleiter) ist klein und hat einen Napoleon-Komplex. Eine solche Verknüpfung ist aber ethisch gesehen nicht nur fragwürdig, sondern mit 100%iger Klarheit menschenverachtend.
Menschen kommen in allen Formen und Farben daher, und eine Verknüpfung eines äußerlichen Attributs mit einem charakterlichen ist im besten Fall Schubladendenken, im schlimmsten Fall Hetze. Angenommen der angesprochene Heinz hätte eine krumme Nase - wie würde Ihr Artikel klingen, wenn Sie jede Instanz des von Ihnen so geliebten und betonten Wortes "klein" durch "krummnasig" ersetzen würden?
Bitte lesen Sie Ihren Artikel doch noch einmal unter diesem Licht. Mit freundlichen Grüßen,
Christoph Brückner

Beitrag melden
Seite 14 von 49
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!