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Schirach-Verfilmung von "Terror": Schuldig oder nicht schuldig?
ARD Degeto/Moovie GmbH/Julia Ter

Der ARD-Film "Terror" fragt: Darf man ein Passagierjet abschießen, um Zehntausende zu retten? Der ehemalige Innenminister Otto Schily erklärt im Gastbeitrag seine Position.

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derdings123 17.10.2016, 14:46
1.

Ein sehr guter Beitrag, dem ich vollkommen zustimme.

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prisma-4d 17.10.2016, 14:52
2. ...Moral oder Recht?

Die Entscheidung zum Film ist (zu-)einfach. Wenn es so ist wie beschrieben, dass das Flugzeug von Terroristen entführt wurde mit der Absicht es abstürzen zu lassen, dann wäre ich als betroffener Flugzeuginsasse dafür abgeschossen zu werden. Ich sterbe bei jedem Scenario... und als Christ... liebe deinen Nächsten. Alles andere sind juristische Grundsatzdiskussionen. Einzig die Gewissheit dass es keinen Ausweg gibt... die muß von den Überlebenden aufgearbeitet werden. Aber das war ja nicht die Frage.

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trompetenmann 17.10.2016, 14:54
3. Mal im großen Maßstab denken...

... darf man z. B. mit Nuklear- oder Biowaffen die Überbevölkerung bekämpfen - in dem man 1/3 der Menschheit auslöscht? Und so das Überleben der Menschheit sichert?

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prisma-4d 17.10.2016, 15:29
4. ...jetzt sind wir bei den Naturgesetzen...

Zitat von trompetenmann
... darf man z. B. mit Nuklear- oder Biowaffen die Überbevölkerung bekämpfen - in dem man 1/3 der Menschheit auslöscht? Und so das Überleben der Menschheit sichert?
...und diese haben nichts mit den juristischen Gesetzen zu tun. Unsere Gesetze regeln das Zusammenleben aber nicht das Überleben. Wenn sich die Frage des Zusammenlebens nicht mehr stellt bleibt das Überleben... und da überleben die Stärksten. Das ist nicht besonders nett... aber dafür besonders Effektiv. Und danach gilt wie immer: "Der Sieger hat Recht"

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paddyman 17.10.2016, 15:31
5. Kriegsdienstverweigerer wissen mehr

Das Prozedere erinnert an meine mündliche Gewissensprüfung als Kriegsdienstverweigerer 1983. Wäre mir diese Frage damals gestellt worden und ich hätte für Nichtabschuss votiert, mir wäre meine pazifistische Grundhaltung nicht geglaubt worden. Auch heute könnte ich diese Frage pauschal nicht beantworten. Niemand kann das wirklich nichtreal entscheiden, schon gar nicht diejenigen, die jetzt DOCH sagen werden. Hoffen wir, dass es niemals dazu kommt.

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prisma-4d 17.10.2016, 15:39
6. ...und Jakob von Metzler?

Zitat von paddyman
Das Prozedere erinnert an meine mündliche Gewissensprüfung als Kriegsdienstverweigerer 1983. Wäre mir diese Frage damals gestellt worden und ich hätte für Nichtabschuss votiert, mir wäre meine pazifistische Grundhaltung nicht geglaubt worden. Auch heute könnte ich diese Frage pauschal nicht beantworten. Niemand kann das wirklich nichtreal entscheiden, schon gar nicht diejenigen, die jetzt DOCH sagen werden. Hoffen wir, dass es niemals dazu kommt.
Hatten wir schon... und die Fragestellung ist nicht besonders abstrakt.
Die einzige Frage die sich wirklich stellt: Bin ich als ausführende Person bereit mein Schicksal in die Hände der bürokratischen Justiz zu legen? Denn nach deren Gesetzen ist sowohl der Pilot als auch der Komisar schuldig. Das echte Leben hinterläßt keine strahlenden Helden... wenn es Tote gibt!

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hmueller0 17.10.2016, 15:57
7. Viel wichtigere Frage: Weshalb bekommt Schily hier eine Plattform geboten?

Privat darf er ja denken was er will, *ich* denke Privat, dass Schily nicht gerade zum Moralapostel taugt. In seiner Amtszeit einige höcht fragwürdige Entscheidungen getroffen (immer schön auf der "Kampf-gegen-den-Terror-Welle") - ua Biometrische pässe - wo er zufällig selbst mit im Aufsichtsrat bei der entspr. Firma saß etc. Und btw: für Jemand der früher echte Terroristen verteidigt hat doch eine erstaunliche Entwicklung. Kurz: Was soll das Ganze? Und was hier im SPON? Wen Interessiert die Interpretation eines fiktiven Werkes? Oder geht es darum, Stimmung zu machen? "Verfassungsgericht hat dagegen entscheiden ... aber die Mehrheit der Zuschauer ist dafür"... ergo ... wirds schon passen? Laufen wohl mal wieder Planspiele, was die Bevölkerung für angeblich mehr Sicherheit bereit ist zu akzeptieren? Wäre natürlich auch nur Konsequent, im Zweifelsfall die "wertvolleren" Menschen (also allen Voran Spitzenpolitiker) zuerst zu retten. Frau Müller von nebenan kann da als Kassiererin beim Diskounter sich gaaaanz hinten anstellen (aber natürlich immer noch vor ... usw).

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hmueller0 17.10.2016, 16:04
8. @Otto Schily

Na Herr Schily, wenn Sie schon auf die gut-böse-Moral-Suggestiv-Tour kommen - warum in die Ferne schweifen. Wie wäre es denn damit: Ein Mitarbeiter des Staates macht Informationen öffentlich, die zeigen, dass der Staat gegen geltendes Recht und/oder grundlegende moralische/ethische Fragen verstößt (Menschenrechte etc) und dies zu vertuschen versucht. Na? Der sollte doch auf jeden Fall freigesprochen werden - ach was sag ich - belobigt werden, oder Herr Schily? Oder gilt das da dann nicht (vgl. Snowden), weil es da ja um die Interessen des Staates (= eher die einzelner Vertreter) geht? Da kann man natürlich nicht die selben Maßstäbe anlegen, wie bei den einfachen Bürgern, oder?

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klappermaus 17.10.2016, 16:33
9. Urteil unmöglich

In der Alternative, wie sie im Film vorgegeben ist: schuldig oder unschuldig, ist ein Urteil, das sowohl den rechtlichen als auch den moralischen Aspekten gerecht wird, völlig unmöglich. Man kann sich auch nicht damit herausreden, man hätte auch einfach nichts machen können und sich so der Verantwortung entziehen. Auch nicht zu handeln kann eben so schuldhaft sein als zu handeln. Wie immer der Entscheider sich verhält, macht er sich schuldig.
Letztendlich kann ein Gericht nur zu dem Schluss kommen, dass der Entscheider sich in einer ausweglosen Situation befand, in der ein eindeutig moralisches Handeln nicht mehr möglich war und er sich somit in einem Notstand befand der ihm dazu zwang so oder so Menschen in den Tod zu schicken.
Wir kennen aus der deutschen Geschichte mehrere Beispiele, in denen Polizisten, die eine Person erschossen hatten, obwohl sie von ihr nicht bedroht wurden, mit der Begründung des "putativen Notstands" freigesprochen wurden.
M.E, wäre hier ein vergleichbares Urteil zu fällen: Freispruch wegen putativer Notstand.

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