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Schulen: Ende des Aussortierens

Eine Konvention der Uno verändert den deutschen Bildungsalltag: Immer häufiger klagen Eltern mit Erfolg dagegen, dass ihre Kinder auf Sonder- oder Förderschulen geschickt werden. Ein kompletter Zweig des deutschen Unterrichtssystems steht damit zur Disposition.

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Broko 12.12.2009, 09:06
1. Galoppierender Unsinn

Es wird immer schwerer, heutzutage eine Klasse zu halbwegs passablen Lernergebnissen zu führen - in sozialen Brennpunkten sowieso. Als Krönung will man jetzt also diesen Lerngruppen auch noch hochgradig verhaltensauffällige Schüler zuführen - was will dieses Land eigentlich? Ein Land von Analphabeten werden?

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nachtwut 12.12.2009, 09:11
2. Alles über einen Kamm??

Die nun geforderte Veränderung ist kein selbstheilendes System und wirft logischerweise neue Probleme auf.

Ein Aufbegehren gegen die Praxis von Schulbehörden "jeden Zappelphillip in eine Sonderschule abzuschieben", ist sicherlich in Mehr als einem Einzelfall ehrenhaft. allerdings darf man auch nicht vergessen, dass es häufig die Eltern selbst sind, die einen solchen Vorgang forcieren, erhoffen sie sich doch für ihr schwieriges Kind eine bessere Förderung. (Siehe auch Thema "Ritalin")

Und: Eine Klasse mit 22 Schülern (in einer teilprivaten Schule oder einer in einem so genannten "guten Viertel") verträgt vielleicht 5 (realistisch sind wohl max 3) "Förderschüler" - aber was ist mit der Realität: Klassen mit 30 bis 32 Schulern, möglicherweise in "Problemvierteln" oder einfach Klassen mit über 80% Migrationsshintergrund, also in Klassen, die mit "sich selbst" genug zu tun haben?

Und wie schützen wir diese speziellen Kinder, wenn wir schon so genannte gesunde Kinder nicht schützen können in den Ecken auf dem Schulhof... (siehe Thema "Gewalt an Schulen" ).

Kinder an Spezialschulen werden in der Regel durch gemeinnützige Fahrdienste in die Schule gebracht - Wie wird die neue Praxis aussehen? Der Leistungsdruck ist schon an den Grundschulen hoch - die irrrsinnige Einstufungspraxis des deutschen Schulsystems bringt das mit sich. Entstehen so nicht "neue Ungerechtigkeiten".

Man müsste mehr tun, wie nur ein paar Förderschulen schließen udn ein paar Sozialpadagogen mehr ausbilden...
Viel mehr...

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nachtwut 12.12.2009, 09:11
3. Alles über einen Kamm??

Die nun geforderte Veränderung ist kein selbstheilendes System und wirft logischerweise neue Probleme auf.

Ein Aufbegehren gegen die Praxis von Schulbehörden "jeden Zappelphillip in eine Sonderschule abzuschieben", ist sicherlich in Mehr als einem Einzelfall ehrenhaft. allerdings darf man auch nicht vergessen, dass es häufig die Eltern selbst sind, die einen solchen Vorgang forcieren, erhoffen sie sich doch für ihr schwieriges Kind eine bessere Förderung. (Siehe auch Thema "Ritalin")

Und: Eine Klasse mit 22 Schülern (in einer teilprivaten Schule oder einer in einem so genannten "guten Viertel") verträgt vielleicht 5 (realistisch sind wohl max 3) "Förderschüler" - aber was ist mit der Realität: Klassen mit 30 bis 32 Schulern, möglicherweise in "Problemvierteln" oder einfach Klassen mit über 80% Migrationsshintergrund, also in Klassen, die mit "sich selbst" genug zu tun haben?

Und wie schützen wir diese speziellen Kinder, wenn wir schon so genannte gesunde Kinder nicht schützen können in den Ecken auf dem Schulhof... (siehe Thema "Gewalt an Schulen" ).

Kinder an Spezialschulen werden in der Regel durch gemeinnützige Fahrdienste in die Schule gebracht - Wie wird die neue Praxis aussehen? Der Leistungsdruck ist schon an den Grundschulen hoch - die irrrsinnige Einstufungspraxis des deutschen Schulsystems bringt das mit sich. Entstehen so nicht "neue Ungerechtigkeiten".

Man müsste mehr tun, wie nur ein paar Förderschulen schließen udn ein paar Sozialpadagogen mehr ausbilden...
Viel mehr...

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tomberlin55 12.12.2009, 09:12
4. Was ist mit den Opfern?

Mein Sohn wurde jahrelang von einen der hier genanten fertig gemacht, geschlagen, beleidigt und so weiter.
Da die im Artikel beschriebene Wandeleung unser Gesellschaft hin zu den "asozialen", d.H. denen die nichts fürs Gemeinwohl leisten, passiert, traute sich die Schule nichts gegen den Jungen zu machen.
Was ist sagen will: was ist mit den anderen, den nicht lernbinderten oder auffälligen? Sollte sich der Staat nicht primär um diese kümmern und sie für den Rest nicht runterfallen lassen?
20 Kinder müssen sich einen Lehrer teilen, während für den Sonderschüler, dem das eh nichts nutzt, ein extra Lehrer abgestellt wird? Macht es nicht mehr sinn, den 20 einen 2. Lehrer zu stellen?

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indosolar 12.12.2009, 10:05
5. die Wahrheit ist schwer rauszufinden

weil selbst das sogenannte Fachpersonal nicht willens oder in der Lage ist, Ursachenforschung zu betreiben oder besorgte Eltern zu unterstuetzen.Fallballspiel meines eigenen Kindes:
Das Kind wuchs im Ausland auf, auslaendische Mutter, deutscher Vater. Weil die Mutter es nicht fertig brachte, dem Kind die Muttersprache beizubringen, wechselte ich zurueck nach Deutschland. Die Integration des Kindes im staatlichen Kindergarten war haarstraeubend, Nachfragen und Bitten um Hilfe wurden damit abgetan, das Kind entwickele sich ganz normal, haette keine Probleme, Feststellung des ASD ohne das Kind ueberhaupt gesehen zu haben. 8 Wochen spaeter stellt der Schularzt Nichtschulfaehigkeit fest, wegen Disylblie!? und verschiedener anderer Defekte. Die normale Intelligenz des Kindes wird erst festgestellt, nachdem ich als Vater darauf draengte, die Tests in englisch zu wiederholen. Danach Anweisung zur Foerderschule. Es wird beim ASD um mehr Hilfe gebeten, da die Probleme in der Erziehung auf die Mutter uebergreifen, die ihre eigene Verantwortung nicht erkennt. Dies fuehrt zum familiaeren Konflikt. Der wird vom ASD nicht etwa geklaert, sondern mit Hilfe von Frauenschutzorganisationen verstaerkt, als Rache gegen den Vater genutzt. Die Mutter trennt sich unter Mitnahme des Kindes, der ASD unterstuetzt es, ohne eine Argument gegen den Vater zu haben. Das Kind wird vor allem wegen der sprachlichen Schwierigkeiten, das Kind spricht mittlerweile nur noch deutsch und englisch, versteht seine eigene Muttersprache nicht mehr, erneut zur Foerderschuluntersuchung angewiesen. Die Lehrer fordern den Vater auf, mehr fuer die sprachliche Integration zu tun, das kann er aber nicht, weil er nur Umgang hat, denn das Kind muss in Deutschland immer zur Mutter (einziger Grund). Der Vater protestiert und bittet wenigstens um ein Wechselmodell mit dem Kind, zu dem er ein sehr gutes Verhaeltnis hat und das von der Mutter bei Lernschwierigkeiten misshandelt wird, mehr helfen zu koennen. Diese Bitte wird von der Kindesmutter mit Unterstuetzung des ASD und ihrer Anwaeltin als Grund gesehen, den Sorgerechtsentzug zu beantragen. Bleibt anzumerken, dass das Kind in zwei Jahren trotz einer blockierenden Mutter zureichend Deutsch gelernt hat, von seiner Schule und den Lehrern als ausserordentlich kreativ und in technischen und naturwissenschaftlichen Dingen als sehr begabt betrachtet wird, trotzdem auf der Strecke bleiben wird, da er erstens seiner sprachlichen Entwicklung beraubt werden soll und zweitens im Zweifelsfalls die Behoerde immer recht hat. Nicht fuer umsonst steht die deutsche Familienpolitik im Kreuzfeuer internationaler und Menschenrechtsorganisationen. Schulpolitik ist nicht trennbar von Familienpolitik und hier liegt der groesste Nachholbedarf in unserer Gesellschaft. Die ganzen Foerder- und Sonderschulen naehren wie die Entwicklungspolitk letztendlich nur ihre eigene Administration! Weg damit und mehr Geld und Aufwand fuer ganz normale Schulen. Integration die ausgrenzt ist keine!

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gunman 12.12.2009, 10:08
6. Yap ...

Zitat von Broko
Es wird immer schwerer, heutzutage eine Klasse zu halbwegs passablen Lernergebnissen zu führen - in sozialen Brennpunkten sowieso. Als Krönung will man jetzt also diesen Lerngruppen auch noch hochgradig verhaltensauffällige Schüler zuführen - was will dieses Land eigentlich? Ein Land von Analphabeten werden?
Yap, so bedauerlich es ist, wenn jemand geistig behindert oder verhaltensgestört ist, diese Menschen mit "Normalen" zu mixen, funktioniert weder im Alltag und sicher nicht in der Schule, wo halbfertige Menschen selber erst ihre Ausbildung erhalten.

Erinnere mich an meine Schulzeit. Da war auch jemand in der Klasse aufgetaucht, völlig durchgeknallt und verhaltensgestört. Der Unterricht war über Wochen kaum durchführbar, bis man diesen Jungen dann aus der Klasse genommen hat. Also dann, viel Spaß bei der Gleichmacherei im Namen des Gutmenschentums.

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nachtwut 12.12.2009, 10:16
7. neue Ängste

Zitat von tomberlin55
Was ist sagen will: was ist mit den anderen, den nicht lernbinderten oder auffälligen? Sollte sich der Staat nicht primär um diese kümmern und sie für den Rest nicht runterfallen lassen? 20 Kinder müssen sich einen Lehrer teilen, während für den Sonderschüler, dem das eh nichts nutzt, ein extra Lehrer abgestellt wird? Macht es nicht mehr sinn, den 20 einen 2. Lehrer zu stellen
..."dem das eh nichts nutzt,..." Dieser Satz zitiert sehr schön die gängige Verzweiflung. Nein, ich möchte jetzt nicht auf der in meinen Augen mangelnden Sozialkompetenz, die aus diesem Satz spricht, herumhacken.... Aber dieses Zitat illustriert ein gesellschaftliches Problem, das wir auch nicht einfach ausblenden können. Wir haben in dieser unserer leistungsorientierten Gesellschaft bereits die Schule zum Haifischbecken verkommen lassen. Dass da die Schwächeren der scheinbar Stärkeren zu den nächsten Barrikadegängern werden, ist nur logisch un es wäre fatal, diese Ängste einfach so zu ignorieren...

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twinketoe 12.12.2009, 10:24
8. Wie sieht Fairness aus?

Fördersschlen nach altem Konzept sind meiner Meinung nach kein Modell welches man weiterverfolgen sollte. Ich leite ehrenamtlich eine Gruppe geistig behinderter Erwachsener. Alle waren früher auf einer "Förderschule", jedenfalls die die ihre Behinderung nicht erst später erworben haben. Kein einziger hat es geschafft in den ersten Arbeitsmarkt, alle arbeiten in einer Behindertenwerkstatt und leben in einem Betreuten Wohnheim. oder bei den Eltern. Allerdings werde ich bei einigen den Eindruck nicht los, dass sie und ihre Potentiale in den ihnen gebotenen Schonräumen verkümmert sind. Viele machen jetzt erst mit anfang dreißig Schreibkurse in der Volkshochschule oder bei privaten Anbietern. Ich bin mir auch sicher, dass ettliche allein leben könnten wenn sie denn jemals Selbständigkeit gelernt hätten. Der Staat hatte jedoch bisher das rundum Sorglospaket gebucht. Schön isoliert und immer unter sich, haben sie kein Interesse daran plötzlich Teil unserer Gesellschaft zu sein. Auch behinderte Menschen bilden eine Parallelgesellschaft! Bei den Gehörlosen sieht das nicht anders aus, sie werden früh, meisst weit entfernt vom Elternhausin Internaten untergebracht und können nur wenige Berufe (mit fast 0% Berufschancen) wiederum im Internat erlernen. Dabei ist die Bandbreite der Intelligenz unter Gehörlosen genauso gestreut wie unter Leuten mit Gehör. Mit etwas Pech darf also jemand mit IQ 140 ne Ausbildung als Schneider machen...
Die Leute die mit den Kosten argumentieren sollten vielleicht mal überschlagen was es kostet a) Potentiale nicht zu nutzen b) jemanden ein Leben lang zu alimentieren.
Verhaltensauffällige Kinder gehören nicht zusammengestopft und isoliert in irgendwelche Anstalten sondern ihre Probleme gehören gelößt! Angefangen von Erziehungsunfähigen Eltern (und die sind nicht nur in HarzIV zu finden!) bis zu Krankheitssymptomen.
Und dann sollten wir mal überlegen ob ein Schulsystem in welchem Kinder mit 9 Jahren in Doof, na geht so und könnt was werden eingeteilt werden wirklich ein gutes ist.
Nicht Deutsch sprechende Kinder an Unterricht in deutscher Sprache teilnehmen zu lassen finde ich übrigens oberschwachsinnig!

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anders_denker 12.12.2009, 10:52
9. ich freue mich

schon darauf, wenn di ersten eltern als konsequenz dagegen gerichtlich vorgehen. die vermeindliche gleichmacherei, ist gleichfalls eine klassengesellschaftsbldung. alle müssen etwas mitmachen, weil eine wie auch immer gelagerte "einschränkung" es erfordert. sprich, langsammer lernen, störungen, für die ein per definition normales kind gerügt würde, akzeptieren etc.
schön, wenn man dann auch noch den schülern aus weniger vermögenden haushalten vorführt, das da ein extra betreuer, teure gebäudeumbauten etc. möglich sind, aber für ihre klassenfahrt das amt mal wieder scheerereien macht. eine gleichberechtigung die zur benachteiligung des normalos führt ist genau keine gleichberechtigung.

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