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Soziale Ungleichheit: Herkunft wird benotet

Je gebildeter und reicher die Eltern, desto besser die Note.*Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie und zeigt: Seit Pisa hat das deutsche Bildungssystem nicht*genug dazu gelernt. Experten warnen zwar vor Lehrerschelte* - attackieren aber die derzeitige Notengebung. Soziale Ungleichheit: Auch Herkunft wird benotet - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - SchulSPIEGEL

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DanielaMund 15.12.2011, 11:28
60.

Wie war denn das Studiendesign wirklich? Wie genau haben die Forscher die Notengebung in einer Klasse mit zum Beispiel der TIMMS-Erhebung korreliert? Die Forscher werden ja wahrscheinlich keine Zweitkorrektur der geschriebenen Klassenarbeiten/Untersuchungen gemacht haben. es ist die Rede von "standardisierten Tests", die Leistung, Leistungsbereitschaft, etc messen sollen, aber haben die wirklich einen Test mit der Jahresendnote verbunden, die verschiedene Arbeiten, Beteiligung, etc korreliert? was zum geier sind "Arbeiterkinder"? Mein Vater hat Tankwart gelernt und danach EDV-Kaufmann, bin ich jetzt ein Kind von einem Arbeiter oder Angestellten, und wie ist das mit "Mischehen"? Woher haben die die Anzahl der Bücher im Haus?

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Pens 15.12.2011, 11:36
61.

Zitat von quabah
Alle 3 Schüler sind von den Leistungen und Noten genau in der Mitter zwischen Gymmi und Realschule. Schüler A: geordnetes Elternhaus, Mutter "Nurhausfrau" macht mit Sebastian jeden Tag gemeinsam Hausaufgaben und übt mit dem Kind regelmäßig Mathe und Diktate. Sebastians Hausaufgaben -insbesondere den Aufsätzen- merkt man an, dass er sie nicht selbständig gemacht hat, dafür sind .....
Ihr Beitrag macht (gottseidank) klar, dass "Bewertung" und Empfehlung von Schülern für z.B. das Gymnasium ein weitaus umfassenderer Prozess ist, als die meisten politisch korrekten Schreihälse durchschauen- und leider haben offensichtlich auch die Autoren der Studie nicht begriffen, [b]was[/] sie untersuchen.

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Steve Holmes 15.12.2011, 11:50
62.

Weit verbreitete Meinung, aber weitgehend Spekulation. Wenn man da etwas tiefer gräbt, stößt man auf unbelegte Annahmen noch und nöcher. Da streiten sich Intelligenzforscher um genetische Determiniertheit / Vererbungsanteile zwischen 30% und 70%. Gesichertes Wissen sieht anders aus. Problematisch ist hierbei, dass hier Spekulationen als unumstößliche Fakten verkauft werden. Ob die genetische Vererbung wirklich bei erfolgreichen Eltern intelligentere Kinder hervorbring mag bezweifelt werden. Die Bedeutung des sozialen Umfelds und der Förderung im Elternhaus lässt sich aber nicht wegdiskutieren.
Das wissen auch die Lehrer die eine Gymnasialempfehlung aussprechen sollen. Der Weg bis zum Abitur ist für die meisten Kinder nicht ohne Schwierigkeiten. Ohne die familiäre Förderung scheitern viele. Da ist die Haupt- oder Realschule vielleicht der bessere Weg mit weniger Frustration.

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widower+2 15.12.2011, 11:56
63. Wohlwollende Empfehlungen?

Zitat von philathei
Außerdem gibt es bei der Übergangsempfehlung einen großen Spielraum. Wer keine Empfehlung für das Gymnasium erhält, der ist so durchgehend leistungsschwach, daß irgendeine Beeinflussung der Lehrkräfte durch den m ö g l i c h e r w e i s e bekannten Sozialstatus der Eltern nicht mehr entscheidend ist. Und in der Regel wird doch heute eher wohlwollend empfohlen als restriktiv.
Ihrer Logik nach wären beispielsweise in Niedersachen 75% der Grundschüler "so durchgehend leistungsschwach". Hier erhalten nur ca. 25 % eine Gymnasialempfehlung. Allgemein für erforderlich gehalten, um den Fachkräfte- und Akademikerbedarf in Deutschland zu decken, wird eine Abiturientenquote von mindestens 40%.

Bei Gymnasialempfehlungen wird also - zumindest in Niedersachsen - deutlich zu restriktiv verfahren!

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postmaterialist2011 15.12.2011, 12:03
64. Danke !

Zitat von mauimeyer
Vorweg: Ich bin nicht Lehrer. Aber als ehemaliger Ehemann einer Lehrerin und als Vater, der auch schon mal zur Schulplegschaft ging, habe ich so einiges erlebt. Es ist überhaupt nicht neu, daß Kinder aus "privilegierten" Elternhäsern bessere.....
Einer der wenigen Beiträge eines Insiders, der den Nagel auf den Kopf trifft. Es ist teilweise erschreckend, was hier von abstiegsgefährdeten Mittelschichtlern ( mit solch abstrusen Foristennamen wie "Nationalliberal" etc.) zum Besten gegeben wird. Die Wohlstandsverwahrlosung vieler Kinder der "Erfolgreichen" ist teilweise erschreckend, da man aber Geld hat wird der Nachhilfelehrer dauerhaft beschäftigt, Mitschüler werden fürs Abschreibenlassen belohnt und beim Elternabend wird das Bildungsbürgertum konkret, was dem Lehrer droht wenn der kleine Maximillian-Ezechiel oder die süsse Victoria-Charlotte keine Gymnasialempfehlung bekommen sollte. Ich habe im Freundeskreis mehr als einmal erlebt, dass Kinder aus besseren Schichten frühzeitig zu Rhetorik und Elite-Kurse geschickt werden. Dort lernen sie dann das Rüstzeug um viel heisse Luft mit möglichst wenig konkretem Inhalt abzulassen. Da ist es doch verständlich, dass solch ein Kind eher eine Empfehlung für eine höhere Schule bekommt, als der kleine Kevin oder Mustafa, die von einem pädagogisch anspruchsvollen Kindergarten bzw. einer Ganztagsschule mit intensiver Betreuung profitiert hätten, denen aber beides vorenthalten wurde.

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riolouco 15.12.2011, 12:09
65. Entlarvend

Die Aussage "auch der Bücherbesitz der Eltern wird mitbenotet" entlarvt die Studie als schlampig. Kaum ein Lehrer wird die Eltern seiner Schüler besuchen und damit um deren Bücherbesitz wissen.

Es ist wohl vielmehr so, dass einige Eltern in der Lage sind, ihren Kindern mehr mitzugeben als andere (genetisch, Umfeld, Erziehung), und diese Eltern haben im Schnitt mehr Bücher.

Die Korrellation ist leicht erklärbar und die Studie hat wohl die Unabhängigkeit der Faktoren vorausgesetzt.

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cluster15 15.12.2011, 12:58
66. schon auch spannend

Zitat von riolouco
Die Aussage "auch der Bücherbesitz der Eltern wird mitbenotet" entlarvt die Studie als schlampig. Kaum ein Lehrer wird die Eltern seiner Schüler besuchen und damit um deren Bücherbesitz wissen. Es ist wohl vielmehr so, dass einige Eltern in der Lage sind, ihren Kindern mehr mitzugeben als andere (genetisch, Umfeld, Erziehung), und diese Eltern haben im Schnitt mehr Bücher. Die Korrellation ist leicht erklärbar und die Studie hat wohl die Unabhängigkeit der Faktoren vorausgesetzt.
wenn Sie hier eine Studie schlampig nennen, von der Sie höchstens den SPON Artikel kennen. Vor so einem Urteil hätte ich mir die die Originalstudien angesehen.....

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testthewest 15.12.2011, 13:01
67. Titel

Zitat von widower+2
. Hier erhalten nur ca. 25 % eine Gymnasialempfehlung. Allgemein für erforderlich gehalten, um den Fachkräfte- und Akademikerbedarf in Deutschland zu decken, wird eine Abiturientenquote von mindestens 40%. Bei Gymnasialempfehlungen wird also - zumindest in Niedersachsen - deutlich zu restriktiv verfahren!

Das ist ein Denkfehler ihrerseits, wenn sie glauben Niedersachsen sei zu restriktiv.
Es mag ja sein, das 40% Abiturienten bebraucht werden, dass bedeutet allerdings nicht, dass man die Wunschvorstellungen erfüllen kann.

Senkung der Leistungsanforderungen ist eine typische Beamtenlösung: Vordergründig, oberflächlich, am Ende kontraproduktiv.

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cluster15 15.12.2011, 13:07
68. nette Idee

Zitat von Steve Holmes
Ob die genetische Vererbung wirklich bei erfolgreichen Eltern intelligentere Kinder hervorbring mag bezweifelt werden. Die Bedeutung des sozialen Umfelds und der Förderung im Elternhaus lässt sich aber nicht wegdiskutieren. Das wissen auch die Lehrer die eine Gymnasialempfehlung aussprechen sollen. Der Weg bis zum Abitur ist für die meisten Kinder nicht ohne Schwierigkeiten. Ohne die familiäre Förderung scheitern viele. Da ist die Haupt- oder Realschule vielleicht der bessere Weg mit weniger Frustration.
Da darf man in keinem Fall stehenbleiben. Das kann man doch sicher weiterführen:

Die Abinoten und damit der Zugang zur Uni werden mit den Prognosen der Lehrer für den späteren Erfolg in Uni und Beruf gewichtet. Sicher sind Kinder aus besserem Elternhaus später die besseren Anwälte Mediziner und sie haben es auch viel leichter im Studium, weil sie nicht noch nebenbei arbeiten müssen, um ihr Studium zu verdienen.

Man sollte das unbedingt einführen. (Ironie aus)

Interessant ist, dass die Verfechter von solchen Dingen ansonsten immer gerne das Leistungsprinzip in Anspruch nehmen: "Gleiche Leistung ==> gleicher Erfolg". Aber hier heißt es offensichtlich "Gleiche Leistung ==> gleicher Erfolg bei gleichen Aussichten"?

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Brungs 15.12.2011, 13:58
69. Hurra die Schule brennt

Zitat von mm01
es evtl. daran liegen, dass "gebildete und reiche" Eltern mehr Interesse daran haben, dass ihre Kinder lernen? Notfalls wird eben mit Nachhilfeunterricht nachgeholfen.
Immer die gleiche Leier. Unser Schulsystem ist von der Mehrheit in Deutschland so gewollt. Die Mehrheit will keine Reformen!
Das Gymnasium ist heute nun einmal der letzte Hort für die zukünftige Mittelschicht und Oberschicht.

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