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S.P.O.N. - Der Kritiker: Heidegger ein Nazi? Meister Propper!

Der deutsche Philosoph Martin Heidegger soll ein rechtsradikaler Platoniker sein? Ein überzeugter Nationalsozialist und Antisemit? Seine Tagebuchnotizen sprechen Bände - doch im deutschen Feuilleton reagiert man gerne mit der typischen deutschen Abwehrhaltung. Georg Diez über Martin Heidegger - SPIEGEL ONLINE

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cobden27 03.01.2014, 19:07
40. Ich finde das unenteressant

Mir geht es oft so, dass wenn ich ein Buch lese, anschließend den Namen des Autors vergesse. Mich interessiert nur, was in dem Buch steht, nicht was der Autor sonst so gemacht hat. Ich finde "Sein und Zeit" einfach ein geniales Buch. Ein Höhepunkt der Existenzphilosophie.Ob Heidegger nun Nazi war, oder vielleicht seine Frau und seinen Hund geschlagen und zum Nachtisch Kinder gegessen hat, ist für mich völlig irrelevant.

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walter_de_chepe 03.01.2014, 19:08
41. Zu einfach gemacht!

Dass Heidegger ein Nationalsozialist war, muss man schon sagen, weil er bis zuletzt Parteimitglied war. Er war jedoch alles andere als ein Chefideologe. Seine Philosophie hat für die Ideologie nichts hergegeben. Es war auch nicht im politischen Apparat beschäftigt und hat das Handeln des Staates nicht bestimmt, so wenig wie 99,5% der um die 600.000 Parteimitglider der aktuellen Volksparteien irgendetwas mit Hartz IV oder der Euro-Einführung zu tun haben.
Von der Wirkungsgeschichte her gesehen ist Heidegger allerdings alles andere als ein Nationalsozialist und das können biographische Betrachtungen nicht ändern. Wer zur Auseinandersetzung mit dem Werk nicht in der Lage ist, kann nicht zur Biographie flüchten. Besonders bei Heidegger bringt das nicht ein.

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katzenheld1 03.01.2014, 19:10
42. Au weia

Zitat von Alphabeta
bei der Kritik an der Verdinglichung der Welt, wo Heideggers Denken damals schon zurecht eingesetzt hatte, muß heute weiter gedacht werden. Gerade heute brauchen wir diesen feinsinnigen, naturverbundenen, selbstgenügsamen Geist so dringend, wie Heidegger ihn repräsentiert hat. "Anstatt über die Erde zu herrschen, soll der Mensch in ihr als sterblicher Gast wohnen und sie schonen". Das ist für mich typisch Heidegger, Heidegger-Essenz!
Na dann ist ja aller klar. Quintessenz einer „feinsinnigen, naturverbundenen, selbstgenügsamen“ Naziphilosophie: Je weniger Menschen die Erde bewohnen, desto besser kann man sie schonen?

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regula2 03.01.2014, 19:12
43. bedrückend

Es ist bedrückend, dass einen Idealisten heute noch immer solche Aufmerksamkeit entgegen gebracht wird.

Der Idealsimus ist Erkenntnistheoretisch durch Schopenhauer, spätestens durch Poppers Falsifizierungsbeweis als reiner Unsinn entlarvt worden und daran wird sich auch nichts mehr ändern.

Die Tatsache, dass der deutsche Staat für diesen Unsinn Jahr für Jahr Millionen "Forschungs"gelder verplempert, macht daraus auch nichts Sinnvolles, zeigt allerdings, wie sehr er intellektuell noch immer im Mythischen verhaftet ist und das 20. Jhd. offensichtlich noch nicht ganz erreicht hat.

Dann wird wohl das 21. Jhd. intellektuell ohne Deutschland stattfinden.

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Der Pinscher 03.01.2014, 19:16
44. Sagt...

Zitat von sysop
Der deutsche Philosoph Martin Heidegger soll ein rechtsradikaler Platoniker sein? Ein überzeugter Nationalsozialist und Antisemit? Seine Tagebuchnotizen sprechen Bände - doch im deutschen Feuilleton reagiert man gerne mit der typischen deutschen Abwehrhaltung.
... mir doch bitte, ach, sagt mir doch bitte, wann wird es in dieser unserer Republik mit der Nazimoralkeule ein Ende haben?

Es bleibt doch in der Geistesgeschichte wenig übrig, wenn wir all' diejenigen akademisch diskreditieren, die sich politisch-gesellschaftlich lächerlich gemacht haben, oder?

Das fängt doch mit Platon an und hört mit Foucault nicht auf. Soll ich jetzt meine halbe Bibliothek wegschmeißen, nur damit ich Herrn Diez' Denkerhygiene nachkomme?

Sind eigentlich die Bewunderer Heideggers (Celan, Char etc.) auch kontaminiert? Oder darf ich deren Werke im Regal belassen?

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Der Pinscher 03.01.2014, 19:21
45. Wen meinen...

Zitat von regula2
Es ist bedrückend, dass einen Idealisten heute noch immer solche Aufmerksamkeit entgegen gebracht wird. Der Idealsimus ist Erkenntnistheoretisch durch Schopenhauer, spätestens durch Poppers Falsifizierungsbeweis als reiner Unsinn entlarvt worden und daran wird sich auch nichts mehr ändern. Die Tatsache, dass der deutsche Staat für diesen Unsinn Jahr für Jahr Millionen "Forschungs"gelder verplempert, macht daraus auch nichts Sinnvolles, zeigt allerdings, wie sehr er intellektuell noch immer im Mythischen verhaftet ist und das 20. Jhd. offensichtlich noch nicht ganz erreicht hat. Dann wird wohl das 21. Jhd. intellektuell ohne Deutschland stattfinden.
... Sie denn bitte mit "Idealisten"? Doch wohl nicht den Martin vom Todtnauberg, oder?

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claricestarling 03.01.2014, 19:39
46. potz Blitz...

...Diez ein Anhänger von Adorno? Es gibt nichts Richtiges im Falschen?
Aber "geistesaristokratische Arschlochmentalität" ist ganz groß! Danke dafür.

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gantenbein3 03.01.2014, 20:11
47. Die Frage ist doch nicht...

Zitat von sysop
Wenn man nun wieder über die hässlichen Seiten seines Lebens redet, sollte man deshalb endlich auch wieder über die hässlichen Seiten seines Denkens reden, über das Raunende, Sektenhafte, Vernunft- und Menschenfeindliche, über die Sprachklumpen, den so dumpfen wie verführerischen, weil so einfach wie schwer verständlichen Technologie-Ekel, seinen Hölderlin-Kult auch und überhaupt die immer noch herumgeisternde Art von geistesaristokratischer Arschlochmentalität.
...dass Heidegger aus heutiger Sicht ein A*loch ist - da rennt Diez offene Türen ein - sondern warum er aus damaliger Sicht nicht als solches galt, sondern, ganz im Gegenteil, bei den Eliten so hoch im Kurs stand.

Heute ist es wohlfeil, Heidegger zu verdammen. Ich habe auch gar nichts dagegen. Aber was soll es nützen, auf einen toten Hund einzuprügeln oder eine Philosophie auseinander zu nehmen, die keine Rolle mehr spielt, außer bei den ewig Gestrigen vielleicht?

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socrateased 03.01.2014, 20:13
48. Ausgezeichneter Artikel!

Zitat von sysop
Der deutsche Philosoph Martin Heidegger soll ein rechtsradikaler Platoniker sein? Ein überzeugter Nationalsozialist und Antisemit? Seine Tagebuchnotizen sprechen Bände - doch im deutschen Feuilleton reagiert man gerne mit der typischen deutschen Abwehrhaltung.
Vielen Dank an Herrn Dietz für diesen hervorragenden, und vor allem auch schön zornigen Artikel.

Ja, es ist tatsächlich so: Heidegger ist trotz Hannah Arendts mit Sicherheit emotional aufreibend gewesener Person-Werk-Dissoziation noch lange nicht rehabilitiert.

Das wußte Hanna Arendt allerdings, da sie ihrem Mentor während ihres Studiums ja auch menschlich ziemlich nahe gekommen war, und obwohl er sie dann später einfach fallen ließ, genau wie er auch seinen eigenen Lehrer Edmund Husserl fallen ließ, wollte sie eine Art Extrakt des Unzerbrochenen, Wahren an Heideggers Denken "retten". Ihr ging es um den Bruch des menschlichen Denkens IM philosophischen Denken am Beispiel von Heideggers Denken, es ging ihr um den Bruch mit der Kultur dieses Denkens im historischen Gesamtkontext. Hannah Arendt wollte WISSEN, wie es um das politisch-philosophische Denken als solches bestellt war. Und sie hat diese Aufgabe letztlich sehr gut erfüllt, obwohl man an einer solchen Aufgabe eigentlich nur scheitern kann, denn ein Denken, das so dermaßen vergiftet ist, daß es zum pseudo-eschatologisch motivierten und "begründeten" Auschluß von Menschen aus der Menscheit führen MUSS, ist im Grunde als Ganzes nicht mehr zu retten.

Ja, Heidegger war ein Nazi und Antisemit, und ja, er war menschlich gesehen einfach ein Arschloch, und er war ein Parademitläufer, der mit Sicherheit massiv zur Aufwertung der NS-Ideologie durch den bis heute fortwirkenden, universitären Elitarismus in Deutschland (und teilweise darüber hinaus) beigetragen hat.

In seinem - im methodologischen Kern meisterlich beherrschten - Denken jedoch gibt es etwas, das weit zurückreicht bis in die Zeit der ersten christlichen Ideologen. Man sollte sich hier ausdrücklich mit der ersten Emanation überhaupt der seit jeher entstandenen, antijüdisch-"philosophischen" Ideologeme auseinandersetzen, das ist nämlich etwas, das auch einen Heidegger zutiefst geprägt hat, ohne daß er selbst - er, der vom Großen-an-sich besessene "die-Dinge-zuende-Denker - es jemals hätte ohne fremde Hilfe auflosen können:

http://en.wikipedia.org/wiki/Marcion_of_Sinope

Marcions perfide Unterstellung, der jüdische G'tt wäre ja eh nur Demiurg und nicht Schöpfer-Entität und "der Jude" an sich daher ein auf Diesseitigkeit festgelegtes, gleichsam zur "Dunkelheit" verdammtes Wesen, und daher im Diesseitigen von allem eigentlich-Weltschaffenden, ewig-Höheren ausgeschlossen, ist die erste, frühe und philosophiegängige Emanation der Denkgrundlagen zur späteren NS-Ideologie, welche dann historisch zur "Endlösung" führten.

Die philosophischen Basics des organisierten Christentums tragen so gesehen den Wunsch nach Vernichtung der jüdischen Kultur in sich.

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mielforte 03.01.2014, 20:23
49. Fuck you Goethe, fuck you Heidegger, fuck you Grass...

Die deutschen Intelektuellen müssen mal wieder herhalten. Herr Diez wagt sich mal wieder an einen Großen Deutschen und zerrt den Bewertungsmaßstab des Jahres 2014 in die Dreißiger Jahre. Tolle Leistung.

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