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S.P.O.N. - Der Kritiker: Heidegger ein Nazi? Meister Propper!

Der deutsche Philosoph Martin Heidegger soll ein rechtsradikaler Platoniker sein? Ein überzeugter Nationalsozialist und Antisemit? Seine Tagebuchnotizen sprechen Bände - doch im deutschen Feuilleton reagiert man gerne mit der typischen deutschen Abwehrhaltung. Georg Diez über Martin Heidegger - SPIEGEL ONLINE

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Spiegelkritikus 03.01.2014, 21:48
60.

Zitat von AntiDe
...... Doch wie steht's mit Heideggers Philosophie? Hat sie irgendeinen _objektiv_ fassbaren Wert? Kaum. Hat Heideggers "Denken" die Naturwissenschaften sinnvoll informiert? .......
Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich Leute selber vorführen und disqualifizieren. Das erspart schon weitere Kritik.

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Liebäugelnde_Habseligkeit 03.01.2014, 21:57
61. Sollte man doch trennen

Zitat von sysop
Der deutsche Philosoph Martin Heidegger soll ein rechtsradikaler Platoniker sein? Ein überzeugter Nationalsozialist und Antisemit? Seine Tagebuchnotizen sprechen Bände - doch im deutschen Feuilleton reagiert man gerne mit der typischen deutschen Abwehrhaltung.
Die Nazis haben auch Düsenjets erfunden. Auf dieser Technologie basiert nun ein Großteil aller Flugzeuge. Müssen die jetzt alle am Boden bleiben?
Ich kenne Heidegger nicht. Der Wikipediaartikel lässt erahnen, dass er tatsächlich die Nationalideologie unterstützt hat. Damit ist er menschlich natürlich durchgefallen.
Seine Werke deshalb komplett zu verdammen ist aber falsch, unabhängig von Inhalt und Güte. Wenn es alles Mist ist, dann kann man das ja sicher leicht beweisen. Eine inhaltliche Auseinandersetzung habe ich aber nicht erkennen können.

Herr Diez ist für menschlich auch schon längst durchgefallen. Ein Mainstreamideologe vom Feinsten, einer der es sich immer leicht macht. Ein Schwarzweißdenker. Wer weiß schon, was aus ihm geworden wäre in Nazideutschland oder der DDR? Ein Bilderbuchparteifunktionär. Das beweist allein schon seine regelmäßige Hetze gegen "den weißen Mann". Als ob meine Hautfarbe (und mein Geschlecht) mir automatisch eine Kollektivschuld aufbürdet. Aber es ist heutzutage ja am Einfachsten, gegen das böse Europa und die weißen Männer zu hetzen. Da gibt es immer Applaus, und die herrschende Ideologie frohlockt. Und wer widerspricht, ist sowieso ein Nazi oder Sexist. Dabei ist Diez der Rassist (und Sexist).
Es war übrigens ein "weißer Mann", der das Penicillin erfunden hat. Ettliche Millionen, wenn nicht sogar über eine Milliarde Menschen verdanken dieser Erfindung ihr Leben. Behaupte ich deswegen, weiße Männer sind alle Lebensretter, nur weil einer etwas Bahnbrechendes entdeckt hat? Nein, weil er es nicht erfunden hat wegen seiner Hautfarbe. Und die bösen Kolonialherren aus Europa waren auch nicht böse wegen ihrer Hautfarbe und ihrem Geschlecht, sondern weil sie böse waren.

Ich denke, hätte der schlichte und nicht differenzierende Diez zur gleichen Zeit gelebt wie Heidegger, hätte er noch ganz andere Sprüche vom Stapel gelassen wie Heidegger und wäre ein glühenderer Ideologe gewesen. Das ist der Typ Mensch, vor dem uns die Geschichte tatsächlich warnt.

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AntiDe 03.01.2014, 22:00
62.

Zitat von Spiegelkritikus
Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich Leute selber vorführen und disqualifizieren. Das erspart schon weitere Kritik.
Es ist klar, dass von dieser Seite keine Sach-Argumente kommen (es gibt ja auch keine), sondern der vermeintlich "ungebildete" von oben herab dogmatisch abgekanzelt wird.

Im übrigen haben mehrere seriöse Philosophen (u.a. Carnap) Heideggers Unsinn entlarvt.

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socrateased 03.01.2014, 22:02
63. Ok

Zitat von to5824bo
Wenn es übrigens einen christlichen und deutschen Denker gab, der dem alten Ketzer Marcion den Hof gemacht hat, dann war es der Berliner Kirchenhistoriker und Dogmengeschichtler Adolf von Harnack.
Danke, guter Hinweis.
Übrigens: nur, weil die Christenheit den Notschalter Trinität (-> Hilfskonstrukt) implementiert hat, heißt das ja noch lange nicht, daß der Aufzug (Heilsversprechgen) stets sicher wäre. Marcion als seltsamer Widergänger im Rahmen der NS-Ideologie bleibt somit leider Teil der Geschichte.

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deglaboy 03.01.2014, 22:05
64. Unlesbar

Ich habe mit viel Hoffnung mehrfach, mit allerbestem Willen versucht Sein und Zeit zu lesen und zu verstehen. Bin grandios gescheitert. Nietzsche oder Schopenhauer waren da eine leichte Übung dagegen. Für mich war das eine Art esoterische Theologie als Philosophie maskiert. Leider ist mein Versuch, das sperrige Werk bei Momox zu verhökern auch gescheitert. Pech, jetzt hab ich´s bis zum Verscheiden an der Backe.

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Alphabeta 03.01.2014, 22:08
65. Die

hat Hannah Arendt am Beispiel der Nazis ganz richtig erkannt. Aber die meisten scheinen heute immer noch nicht zu wissen,daß das Dämonische in der Welt nie an einer Personengruppe festgemacht werden kann, sondern immer durch das Zusammenspiel aller menschlichen Schwächen auf der ganzen Welt entsteht. Hitler hat doch nur vordergründig den 2. Weltkrieg entzündet. In Wirklichkeit war er ein nützlicher Idiot für die Großfinanz, die diesen Krieg genauso bewusst provoziert hat, wie den davor! Daß bis heute immer noch diese krankhafte Sucht danach besteht, Leute, die in Wirklichkeit niemand etwas zuleide getan haben, post mortem noch als Nazis dämonisieren zu wollen, ist völlig abwegig und zeugt nur von naivem Nichtwissen! Genau der gleiche Vorgang hat sich doch dann in den 1970er Jahren in Chile wiederholt! Die Großfinanz wollte unbedingt am Ruder bleiben und als sich dann aber das Militär(mit Hilfe der CIA) an die Macht geputscht hatte, war der Teufel los und es wurde massenhaft gemordet und gefoltert, wenn auch nicht vergast! Natürlich haben wir das dritte Reich immer noch nicht aufgearbeitet, aber die ganze Welt hat es nicht aufgearbeitet und überall kommt es deshalb immer wieder zum Durchbruch! Und aus dieser Sicht hat das auch der angebliche "Nazi Heidegger" gesehen! Wovor ich mittlerweile noch viel mehr Angst habe, als vor den "Nazis", das ist diese blasierte Oberflächlichkeit mit der hier so selbstgerecht auch immer wieder gewissenlos die Nazikeule geschwungen wird, weil die noch viel flächendeckender aufritt!

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Barath 03.01.2014, 22:13
66.

Zitat von AntiDe
Es ist klar, dass von dieser Seite keine Sach-Argumente kommen (es gibt ja auch keine), sondern der vermeintlich "ungebildete" von oben herab dogmatisch abgekanzelt wird. Im übrigen haben mehrere seriöse Philosophen (u.a. Carnap) Heideggers Unsinn entlarvt.
Ich komme selber aus der analytischen Tradition, aber so einfach kann man es sich nicht machen.
Gerade Carnap hat selber eine Menge merkwürdige Sachen gemacht.
Die Nähe im Denken zwischen Heidegger und Wittgenstein haben die Erben des Letzteren mit verblüffend dichten Scheuklappen immer ignoriert... Auch wenn mir das analytische Denken weit sympathischer ist als Heideggers, den Anspruch darauf, die alleinig seriöse Philosophie zu betreiben, sprechen sich die Analytiker in der Regel nur selbst zu... und das ist ein bisschen unseriös.

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to5824bo 03.01.2014, 22:17
67. @socrateased

Zitat von socrateased
Danke, guter Hinweis. Übrigens: nur, weil die Christenheit den Notschalter Trinität (-> Hilfskonstrukt) implementiert hat, heißt das ja noch lange nicht, daß der Aufzug (Heilsversprechgen) stets sicher wäre. Marcion als seltsamer Widergänger im Rahmen der NS-Ideologie bleibt somit leider Teil der Geschichte.
Das würde ich auch sachlich nicht bestreiten. Natürlich gibt es Strukturparallelen zwischen dem marcionitischen Antijudaismus und dem nazistischen Antisemitismus.

Nur sollte man das "organisierte Christentum" nicht als direkten historischen Übermittler benennen. Dafür gibt es dort zu viele Stimmen, die dies ausdrücklich ablehnen.

Denken Sie nur an Luthers Lied "Ein feste Burg ist unser Gott":

"Fragst du, wer der ist
er heißt Jesu Christ
der Herr Zebaoth
und ist KEIN andrer Gott..."

Die Christenheit hat leider auf zigtausendfache Weise dem modernen Antisemitismus Vorschub geleistet.
Aber Marcions Denken wurde nie zur Grundlage der abendländischen Kirche.
Das hat von Harnack zwar behauptet, aber darin lag er falsch.

PS: Und ja, es gibt gute Gründe, die überkommene Trinitätslehre als eine "Hilfskonstruktion" zu sehen und sie - übrigens auch innerchristlich - zu kritisieren.
Aber dass sie immerhin eine Versuch war, den Gott, den die Hebräische Bibel bezeugt und den Gott, den die Christen bekennen, denkerisch zusammenzuhalten, sollte man schon würdigen.

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dr.joe.66 03.01.2014, 22:19
68. Es war einmal ein Künstler...

Zitat von deb2011
Der Künstler, der menschlich ein Schwein ist und trotzdem ein Künstler. Ein anderes Beispiel gefällig: Gottfried Benn war menschlich ebenfalls ein Schwein, politisch den Nazis am Anfrang sehr zugewandt - und hat trotzdem einige der schönsten und berührendsten deutschen Gedichte geschrieben. Das gilt es auszuhalten.
Nein, das gilt es nicht auszuhalten!

/IRONIE AN/

Es war einmal ein Künstler. Dieser besagte Künstler wurde aber leider verkannt, durfte nicht Malerei studieren, schaffte keinen Schulabschluss und lebte schließlich verarmt in einem Obdachlosenheim (fast wie van Gogh...).

Dann kam er in den Knast und widmete sich dort der Schriftstellerei.

Schon sein Erstlingswerk schlug ein wie eine Bombe und erreichte eine Auflage von fast 11 Millionen Exemplaren in deutscher Sprache, ein unglaublicher Erfolg (zum Vergleich: die Gesamtauflage aller Werke von Günter Grass liegt inklusive aller Übersetzungen gerade mal bei 12 Millionen).

Tja, bei dem Erfolg muss das ja nach ihrer Sichtweise ein wirklich bedeutender Schriftsteller gewesen sein...

/IRONIE AUS/

P.S.: Das besagte Buch heißt "Mein Kampf"...

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pablocremer 03.01.2014, 22:39
69. Herr Dietz, danke

Zitat von sysop
Der deutsche Philosoph Martin Heidegger soll ein rechtsradikaler Platoniker sein? Ein überzeugter Nationalsozialist und Antisemit? Seine Tagebuchnotizen sprechen Bände - doch im deutschen Feuilleton reagiert man gerne mit der typischen deutschen Abwehrhaltung.
fuer diesen Beitrag. Die immer verdraengte, nie ehrlich beantwortete Frage nach der braunen Vergangenheit so vieler bundesdeutscher
"Vorbilder".
Wir sind die Weltmeister in guten Ausreden, Besserwisserei und Pseudomoral.
Aber "Fremdschaemen", das koennen wir.

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