Forum: Blogs
S.P.O.N. - Helden der Gegenwart: Comeback eines vergessenen Körperteils
REUTERS

Sag mir, wie Du es mit der Vorhaut hältst! Nach Kruzifix und Kopftuch haben die Deutschen ein neues Debattenthema: Weil ein Arzt wegen Beschneidens verklagt wurde, zerrt man das Präputium nun ans Licht der Öffentlichkeit. Silke Burmester über das Comeback der Vorhaut - SPIEGEL ONLINE

Seite 1 von 22
allwinner 08.07.2012, 12:01
1. Auch wenn es ein altes Ritual ist - es ist wider die Natur

Das Thema ist ein nicht zu unterschätzendes heisses "Eisen" - weltweit.
Wenn man es genau betrachtet, ist die Beschneidung von Jungen und Mädchen ein archaisches Ritual aus einer aus heutiger Sicht animalischen Vorzeit.
Jungen werden damit in die patriarchalische Männer-gesellschaft aufgenommen mit dem Recht auf sexuelle Lust, symbolisch gefördert durch das Freilegen der Eichel.
Mädchen wird durch die Verstümmelung der Klitoris das Recht auf die Empfindung von Lust genommen und sie symbolisch zum Geschlecht zweiter Klasse in vorwiegend patriarchalischen Gesellschaften degradiert. Dann werden diese Rituale immer mit Religion in Zusammenhang gebracht. Das ist barer Unsinn. Das zeigt wiederum beispielhaft, wie Religion für andere Zwecke - hier Herrschaft und Unterdrückung - mißbraucht wird.
Das sage ich als Mann und deutscher Staatsbürger. Ich finde, wir sollten in Deutschland ruhig ein Beispiel setzen und solche Rituale an Kindern verbieten. Wenn ein Erwachsener in Selbstbestimmung über seinen Körper meint, dass er das machen muss, dann ist es seine freie Entscheidung.
Der Verweis auf gesundheitliche Aspekte der Beschneidung ist meines Erachtens an den Haaren herbeigezogen und zeigt, dass die "Zipfelabschneider" eine sehr gute Lobby haben.

Beitrag melden
ljugen 08.07.2012, 12:18
2.

Während "wir" uns wieder mal versuchen mit dem Thema objektiv und offen zu beschäftigen um zu einer Lösung zu kommen, lachen sich die betroffenen Religionsgemeinschaften doch in Fäustchen...

Der Vergleich mit dem Kopftuch hinkt doch auf mehrfache
Weise. Zum einen ist das Tragen eines Kopftuches vollkommen reversible, und zum anderen ist es auch im Islam optional (wird wenigstens immer so dargestellt!). Die Beschneidung dagegen ist (gottgegebene) Pflicht und endgültig!

Das Problem an der Diskussion ist aber vor allem die dogmatische Ansicht des Judentums und des Islam. Eine Kompromisslösung (etwa Beschneidung erst zur Religionsmündigkeit der Kinder) ist gar nicht möglich. Wie soll man mit jemanden über eine Lösung diskutieren der nur eine (und zwar seine!) jemals akzeptieren wird.

GG Art.4 wird von den religiösen Gemeinschaften immer gerne bemüht. GG Art. 1, 2 und 3 dagegen scheinen dabei gar nicht beachtet zu werden. Dabei habe ich auch gelernt das die Reihenfolge der Grundgesetze eine Wertung darstellt. Die Freiheit der Religionsausübung ist demnach Art 1, 2 und 3 untergeordnet! Nichts anderes sagt das Urteil.

Beitrag melden
Martin Franck 08.07.2012, 12:26
3. Tradition

So lange etwas nicht hinterfragt wurde, fiel es keinem auf. Eltern ließen ihre Jungen verstümmeln, und wo kein Kläger ist, ist auch kein Richter.
Als aber einmal ein Gericht sich die Sache genauer ansah, kam es zu dem einzig logischen Schluss.
Normalerweise hätte man als rational denkender Mensch sich sagen müssen: Acho so, ja dann hören wir doch sofort auf mit der Verstümmelung. Danke, dass ihr mich darauf aufmerksam gemacht habt.
Wer jedoch nicht logisch denken kann, gibt natürlich keinen Fehler zu, und versucht nun alles mögliche an Gründen heranzuziehen, ohne zu erkennen wie lächerlich er sich macht.
Es geht hier also um Logik versus Egozentrik.

Beitrag melden
heswer99 08.07.2012, 12:37
4. optional

1. Mose - Kapitel 17
Und der unbeschnittene Männliche, der am Fleische seiner Vorhaut nicht beschnitten wird, selbige Seele soll ausgerottet werden aus ihrem Volke; meinen Bund hat er gebrochen!

Ich bin weder Moslem noch Jude. Ich habe mich im Alter von 30 Jahren beschneiden lassen. Viel zu spät. Ich bedaure jedes Jahr, das ich unbeschnitten herumlaufen musste. Ich bin jetzt 86 Jahre alt.

In den USA sind 90 % aller Männer beschnitten. Ganz unideologisch. Nur medizinisch und hygienisch.

Beitrag melden
eigentlicher_Schwan 08.07.2012, 12:58
5.

Heikles Thema. Im Tierreich bringt die Mutter das Wichtigste den Kleinen bei. Menschenmütter müssten ihren Söhnen auch beibringen, wie es eine Eichel zu erkunden und rein zu halten gilt. Aber das ist auch wieder Tabu...
Mit der Schnippschnapp-Methode macht man/frau es sich doch etwas zu einfach.

Beitrag melden
jayjayjayjay 08.07.2012, 13:01
6.

Zitat von allwinner
Das Thema ist ein nicht zu unterschätzendes heisses "Eisen" - weltweit. Wenn man es genau betrachtet, ist die Beschneidung von Jungen und Mädchen ein archaisches Ritual aus einer aus heutiger Sicht animalischen Vorzeit. Jungen werden damit in die patriarchalische Männer-gesellschaft aufgenommen mit dem Recht auf sexuelle Lust, symbolisch gefördert durch das Freilegen der Eichel. Mädchen wird durch die Verstümmelung der Klitoris das Recht auf die Empfindung von Lust genommen und sie symbolisch zum Geschlecht zweiter Klasse in vorwiegend patriarchalischen Gesellschaften degradiert. Dann werden diese Rituale immer mit Religion in Zusammenhang gebracht. Das ist barer Unsinn. Das zeigt wiederum beispielhaft, wie Religion für andere Zwecke - hier Herrschaft und Unterdrückung - mißbraucht wird. Das sage ich als Mann und deutscher Staatsbürger. Ich finde, wir sollten in Deutschland ruhig ein Beispiel setzen und solche Rituale an Kindern verbieten. Wenn ein Erwachsener in Selbstbestimmung über seinen Körper meint, dass er das machen muss, dann ist es seine freie Entscheidung. Der Verweis auf gesundheitliche Aspekte der Beschneidung ist meines Erachtens an den Haaren herbeigezogen und zeigt, dass die "Zipfelabschneider" eine sehr gute Lobby haben.
sie sind also noch im bestitz ihrer vorhaut, die freie entscheidung zur beschneidung ist schwachsinn, die beschneidung bei jungen ist keine verstümmelung sondern erleichtert die hygiene und ist weitaus schmerzloser als eine beschneidung bei erwachsenen, ich aöls ehemaliger phimosepatient weiß wovon ich spreche. als nächstes sollte es dann auch verboten werden sein kind zu taufen, denn der eintritt in die religionsgemeinschaft ist wohl eine weitaus wichtigere entscheidung als die ob man einen in unser bekleideten gesellschaft irrelevanten hautfetzen abnehmen poder behalten soll. das beschneidungsverbot bei jungen ist ein eingriff in die souveränität der erziehungsberechtigten und fördert nur das abwandern in länder mit schlechterer medizinischer versorgung. so wie es bei mädchenbeschneidungen schon lange praxis ist.

Beitrag melden
HarryO 08.07.2012, 13:03
7. Homo sapiens sapiens

Religion: Herkunft:
im 16. Jahrhundert entlehnt von lateinisch religio → la „Gottesfurcht, Frömmigkeit, Heiligkeit“, allgemeiner: „Bedenken, Gewissenhaftigkeit“
die ältesten Quellen (daran anknüpfend auch die meisten Etymologen) führen religio zurück auf das Verb relegere → la wiederauflesen/-sammeln/-wickeln, bedenken, acht geben, beachten“, und in diesem Sinn wurde es im Latein der Römischen Republik auch benutzt.
Das was heute im allgemeinen Sprachgebrauch als Religion bezeichnet wird, sollte besser mit "Kirche" "Stammeskirche" oder "Glaubenssekte" benannt werden. Bedenken, Gewissenhaftigkeit oder gar acht geben, beachten hat mit dem was heute als Religion bezeichnet wird nichts mehr zu tun. Ich denke auch schon seit fast 2000 Jahren nicht mehr.

Ziemlich früh in der Geschichte des "Weisen, Wissenden Menschen" ging es um Regeln. Regeln des Zusammenlebens. Gewaltfreiheit war dabei eine wichtige Regel. Leider ist es aus vielerlei Gründen nicht gelungen, diese Regel durchzusetzen. Es gehört zur Macht über andere, Gewalt zu benutzen. Physisch und psychisch wurden die anderen Mitglieder der Sippe dazu gebracht, dem Mächtigen zu dienen.
Irgendwann hat dann ein anderes Mitglied der Sippe erkannt, wenn er ein imaginäres Wesen ins Spiel bringt, von dem er Befehle erhalten habe, kann er auch mächtig sein, ohne dem "Boss" in die Parade zu fahren. Das war die Geburtsstunde der Kirchensekten.
Menschen glauben lieber als wissen zu wollen: also besser "Homo glaubensis nonsapiens"
Egal nun, ob durch fehlendes Wasser keine Peniswaschung möglich war und die Hautfalte, wenn sie weg war, kein Krankheitsherd mehr darstellte oder der Kerl mehr Lust empfinden wollte und von seinem Weib nicht durch Lustschreie gestört werden wollte -also Klitoris weg-; es konnte ja auch eine Unterscheidungsmöglichkeit zu anderen Stämmen sein. Wenn so ein Stamm gerade mal 100 oder 1000 Leute umfasste geht das ja. Aber bitte nicht bei Millionen oder Milliarden Menschen einer Stammeskirche. Und schon gar nicht als Fehde zwischen Stammeskirche; ich bin besser - nein ich!
Gewaltfreiheit ist immer noch ein hohes Gut; ich bin froh, dass ein Richter sich dieses Gutes angenommen hat! Er glaubt vielleicht an den 2HOMO SAPIENS SAPIENS"

lIEBE gRÜSSE AN DAS fORUM
hARRYo

Beitrag melden
TylerD. 08.07.2012, 13:06
8.

Zitat von allwinner
...Dann werden diese Rituale immer mit Religion in Zusammenhang gebracht. Das ist barer Unsinn....
Naja man hat sie eben in die Religion integriert.
Seit Tausenden von Jahren verkaufen Menschen ihren Willen, ihre eigenen Vorstellungen von Sitte, Moral und Ordnung sowie ihre Ansicht der Welt als das Wort irgendwelcher Gottheiten.
Das muss ja nicht mal immer negativ sein.
Nehmen wir doch mal das Scheinefleisch dessen Verzehr in manchen Religionen verboten ist. Es machte damals schon Sinn dieses Nahrungsmittel besser nicht in heißen Gegenden zu verarbeiten und zu essen. Zumal eine mögliche Erkrankung durch Gammelfleisch ja auch schnell als göttliche Strafe für ein bestimmtes Verhalten gewertet wird.
Wenn man das ganze noch in ein Buch verpackt und darin sich selbst noch mehrmals bestätigt, dass dies das Wort des Gottes XY sei, dann wird das auch gern geglaubt.

Zitat von allwinner
...Das zeigt wiederum beispielhaft, wie Religion für andere Zwecke - hier Herrschaft und Unterdrückung - mißbraucht wird...
Richtig man macht seine Regeln, verkauft sie als das Wort Gottes und redet den Leuten ein, dass dieser Gott alles und jeden immer und überall beobachtet.
Sobald man im Gewissen der Menschen rumwerkelt, braucht man selbst nicht immer ständig auf allem den Finger zu haben.

Das natürliche Bedürfnis des Menschen sich und die Welt zu erklären, wird eben schon seit Tausenden von Jahren erfolgreich misbraucht.
Das spricht meiner Meinung nach nicht pauschal gegen jede Form von Religion aber man sollte immer kritisch damit umgehen und nicht allem blind nachlaufen.

Beitrag melden
alex-P 08.07.2012, 13:09
9. Logische Entscheidung

Auch für mich hat das Gericht die einzige logische Entscheidung getroffen. Es ist nicht akzeptabel, dass Eltern ohne medizinischen Gründen eine chirurgische, irreversible Veränderung am Körper eines Kindes durchführen lassen.

Trotzdem sehe ich ein großes Problem auf der verantwortungsethischen Ebene. Was bedeutet das Urteil in der Konsequenz? Überzeugte Anhänger des jüdischen und islamischen Glaubens, werden die Kinder nach wie vor beim mehr oder weniger gut ausgebildeten "Vorhautabschneidern ihres Vertrauens" durchführen lassen. Wem ist damit geholfen?

Die ideale Lösung wäre für mich:

Jeder junge Mann entscheidet erst bei Erreichen der Volljährigkeit, wie mit seinem Körper verfarhen wird. Bis dahin kann er ja beide Varianten ausgiebig testen und das Teil: "vor-zurück-vor-zurück ........ etc." schieben so oft er will!

Beitrag melden
Seite 1 von 22
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!