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Spott im Namen Darwins: Fisch frisst Fisch
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An der Frage von Schöpfung und Evolution entzündet sich der Konflikt zwischen religiösen Fundamentalisten und wissenschaftsorientierten Menschen. Charles Darwin wird zur Identifikations- und Symbolfigur der Skeptiker und Religionsgegner - sie spotten und provozieren in seinem Namen. Spott im Namen Darwins: Fisch frisst Fisch - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wissenschaft

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blowup 12.02.2012, 09:44
1. Warum entweder-oder?

Muß man gleich daran glauben, dass die Welt nur 5000 Jahre alt ist, wenn man Darwin kritisiert? Mein Glaube an die alles erklärende Evolutionstheorie a la Darwin hat in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen. Ich bin ein ausgesprochener Freund von Natur-Dokus und mit jeder Doku wachsen bei mir die Zweifel, ob Darwin dass alles erklären kann.

Ich denke heute, Darwin hat grundsätzlich Recht, aber es gibt mindestens noch einen Faktor, den er nicht berücksichtigt hat und den wir auch heute noch nicht kennen. Für mich geht dieser in Richtung der morphogenetischen Felder nach Sheldrake als eine ordnenden, bzw. verstärkenden, Richtung weisenden Kraft.

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Mastermason 12.02.2012, 09:50
2. Atheismus zwingend?

Die Erkenntnisse der Evolutionstheorie derart aggressiv zu leugnen, wie religiöse Fundamentalisten das gemeinhin tun, ist eine Mischung aus Borniertheit und Angst. Letztere vor allem deshalb, weil die Nichtexistenz einer von Gott inspirierten Schöpfung auch die Nichtexistenz Gottes und damit auch der Erlösung, Wiederauferstehung etc. nach sich zieht.
Trotzdem und auch auf die Gefahr, dass man mich in diesem Forum einen romantisierenden Spinner nennt, ist es für mich persönlich schwer, keine ordnende Intelligenz im Universum zu erkennen. Wie sagte (Zitat ohne Gewähr) Werner Heisenberg: „Der erste Schluck aus dem Becher der Erkenntnis führt zum Atheismus, aber auf dem Grund des Bechers wartet Gott“. Ich denke jedoch, dass diese Position nicht zur Leugnung der Evolutionstheorie führen darf, sondern geradewegs in den Agnostizismus.

Naja, nach meinem Tod weiß ich mehr...

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Bundeskanzler Ackermann 12.02.2012, 09:57
3. Die Schöpfungsgeschichte

Die meisten Fundamentalisten scheinen gar nicht zu wissen, dass es in der Bibel zwei Schöpfungsgeschichten gibt, die sich teilweise gegenseitig widersprechen (übrigens auch zwei Weihnachtsgeschichten, aber das ist eine andere Baustelle).

Den gläubigen Christen würde es gut tun, die Bibel als das zu begreifen was sie ist: eine Sammlung religiöser Texte, die von den verschiedensten Autoren zu den verschiedensten Zwecken über die Jahrhunderte verfasst wurden. Diese Schriften entsprechen natürlich dem Kenntnisstand bzw. der Vorstellungskraft der Menschen der jeweiligen Zeit. Behält man dies im Hinterkopf können die Texte durchaus lehrreich sein aber Wissen entwickelt sich eben auch weiter und obwohl wir heute längst nicht alles wissen, so doch wesentlich mehr als die Ziegenhirten aus biblischen Zeiten. Selbst wenn Moses wirklich mit Gott gesprochen haben sollte, hätte dieser ihm mangels Schulbildung sicher nicht die Welt in ihrer ganzen Komplexität erklären können.

Es mag also durchaus Kritikpunkte an der Evolutionstheorie geben, die Bibel ist aber schlicht und einfach kein Ersatz als Welterklärung.

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mr_supersonic 12.02.2012, 09:58
4. Guten Morgen...

Zitat von sysop
An der Frage von Schöpfung und Evolution entzündet sich der Konflikt zwischen religiösen Fundamentalisten und wissenschaftsorientierten Menschen. Charles Darwin wird zur Identifikations- und Symbolfigur der Skeptiker und Religionsgegner - sie spotten und provozieren in seinem Namen.
Ich finde das gut, dass es ein Gegengewicht zu den völlig verdrehten Vorstellungen und Aktionen der Kreationisten nicht nur in den USA gibt.

Was ich jedoch grenzwertig finde, ist, dass Wissenschaft und Forschung als quasi "Ersatz" für Religion gesehen wird. Nicht nur dass in unserer Geschichte schon aus solch einer Stimmung Profit geschlagen wurde.
Manch einer versucht derart verkrampft mit "Wissenschaftlichkeit" seine Meinung zu untermauern, was im Endeffekt nichts anderes ist als reine Glaubensfragen.

Die Kreationisten selbst bestechen Wissenschaftler, um Ihre Thesen verbreiten und stützen zu lassen.

Aufklärung und wissenschaftliche Nüchternheit brauchen alle, damit einerseits weniger "Aufgehetzt" werden kann und damit andererseits deutlich werden kann, dass sich Wissenschaft und Religion überhaupt nicht ausschliessen.

Z.B. indem jeder durchaus damit leben könnte, dass der Mensch biologisch evolutionär natürlich vom Affen abstammt. Dennoch ist der Mensch als Spezies dem Affen soweit überlegen, dass man sagen kann, dass wir "gesegnet" sind und uns bewusst sind wegen unserer Ausnahmenstellung.

Schönen Sonntag...

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veermaster 12.02.2012, 10:00
5. D e n k e n ?

Zitat von sysop
An der Frage von Schöpfung und Evolution entzündet sich der Konflikt zwischen religiösen Fundamentalisten und wissenschaftsorientierten Menschen. Charles Darwin wird zur Identifikations- und Symbolfigur der Skeptiker und Religionsgegner - sie spotten und provozieren in seinem Namen.
"Die Atheisten unter ihnen sehen das sogar als zunehmend notwendiges Gegengewicht zum Übermaß religiösen Denkens im öffentlichen Leben."

Es mag ja hochkarätige Denker unter Theologen geben - ganz bestimmt viele Jesuiten, aber auch deren Denken gereicht lediglich zu AMDG, zur höheren Ehre Gottes, fußt demnach auf Glauben!

Es gibt kein religiöses "Denken" im öffentlichen Leben, das Kind heißt "Glauben".

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cassandros 12.02.2012, 10:06
6. Morphogenese

Zitat von blowup
Ich denke heute, Darwin hat grundsätzlich Recht, aber es gibt mindestens noch einen Faktor, den er nicht berücksichtigt hat und den wir auch heute noch nicht kennen. Für mich geht dieser in Richtung der morphogenetischen Felder nach Sheldrake als eine ordnenden, bzw. verstärkenden, Richtung weisenden Kraft.
Ausgerechnet der bescheuerte Sheldrake und seine Geisterfelder. Das ist der antiwissenschaftlichste Mumpitz, den man sich denken kann. Ein Wissenschaftler wie ich läuft bei diesem Namen entweder vor Ärger rot an oder krümmt sich vor Lachen.

Tatsächlich ist es so: Je mehr wir in der Biologie lernen (und das heutige Wissen ist gewaltig!), desto mehr bestätigt sich die ungeheure Weitsicht Darwins, der die biologische Wahrheit klar gesehen hat, obwohl ihm die zugrundeliegenden Mechanismen noch nicht bekannt waren.

Staunen darf und soll man über die belebte Welt; eine Flucht in den Esoterismus ist weder irgendwo notwendig noch ratsam.

Die von S. gewählte Begriffsbildung ".... Felder" entlarvt ihn als geschickten und heimtückischen Scharlatan! Wir kennen in der Biologie die Morphologie als Disziplin, die Morphogenese als Entwicklungsprozess und auch morphogenetische Faktoren (allesamt chemisch charakterisierbare Stoffe). Irgendwelche ominösen Geisterfelder, die keiner nachweisen kann, braucht man nicht. Die Kreation eines solchen an wissenschaftliche Begriffe angelehnten Hokuspokusbegriffs ist typisch für die gefährlichste Form der Pseudowissenschaft!

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mr_supersonic 12.02.2012, 10:11
7. ...

Zitat von blowup
Muß man gleich daran glauben, dass die Welt nur 5000 Jahre alt ist, wenn man Darwin kritisiert? Mein Glaube an die alles erklärende Evolutionstheorie a la Darwin hat in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen. Ich bin ein ausgesprochener Freund von Natur-Dokus und mit jeder Doku wachsen bei mir die Zweifel, ob Darwin dass alles erklären kann. Ich denke heute, Darwin hat grundsätzlich Recht, aber es gibt mindestens noch einen Faktor, den er nicht berücksichtigt hat und den wir auch heute noch nicht kennen. Für mich geht dieser in Richtung der morphogenetischen Felder nach Sheldrake als eine ordnenden, bzw. verstärkenden, Richtung weisenden Kraft.
Diese ordnende Kraft ist schlicht und einfach das Prinzip des niedrigsten Energiepotentials.

Oder das streben nach "Ausgleich", man könnte sagen die Entropie.

Ich habe nur kurz nach ihren Feldern gegoogelt und musste sofort an Scientology denken. Tja, das meinte ich in meinem ersten Post: Es ist längst so, dass Wissenschaftlichkeit auf breiter Front missbraucht wird, erst recht von Sekten.

Z.B. der Aufmacher von Scientology: Natürlich kann jeder Mensch durch entsprechendes Training die geistige Leistung erhöhen. So wie Sportler trainieren.
Da stecken aber keine evolutionären Prinzipien dahinter, lediglich die Ausgangsbasis ist geprägt durch Vererbung.

Und wenn jemand seinen "Denkmuskel" sich selbst überlässt, findet man sofort parallelen zur nächstniedrigeren Stufe der Evolution.
Wo dann der Energieverbrauch für das menschliche Gehirn am niedrigsten ist, sozusagen "Standby".

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betty.ford 12.02.2012, 10:11
8. gegenaufklärung

Zitat von sysop
An der Frage von Schöpfung und Evolution entzündet sich der Konflikt zwischen religiösen Fundamentalisten und wissenschaftsorientierten Menschen. Charles Darwin wird zur Identifikations- und Symbolfigur der Skeptiker und Religionsgegner - sie spotten und provozieren in seinem Namen.
eine ursache für den hohen stellenwert religiöser weltdeutungen in den usa liegt wohl auch in der amerikanischen philosophietradition.
deren einflussreichste strömung, der pragmatismus, zielt ja grob gesagt auf die abschaffung philosophischer und kritischer erkenntnismodalitäten bzw. auf deren herabsetzung zu einer 'hilfsdisziplin' der naturwissenschaften.
in die leerstelle, die die pragmatistische bemessung des erkenntniswerts an der dienlichkeit fürs nutzenhandeln und die abwertung der philosophischen frage nach den erkenntnisvoraussetzungen hinterließ, rutschte zwangsläufig die ursprungslogik des religiösen.
fragen, die den bereich des utilitären und der 'feasibility' übersteigen, bleiben eben der zuständigkeit der religion überlassen.
daher auch der 'typisch amerikanische' polarismus: religion vs. wissenschaft. letzterer kommt so mitunter selbst der status einer art 'gegen-religion' zu.

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Thomasius111 12.02.2012, 10:15
9. Mag sein,

Zitat von blowup
Muß man gleich daran glauben, dass die Welt nur 5000 Jahre alt ist, wenn man Darwin kritisiert? Mein Glaube an die alles erklärende Evolutionstheorie a la Darwin hat in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen. Ich bin ein ausgesprochener Freund von Natur-Dokus und mit jeder Doku wachsen bei mir die Zweifel, ob Darwin dass alles erklären kann. Ich denke heute, Darwin hat grundsätzlich Recht, aber es gibt mindestens noch einen Faktor, den er nicht berücksichtigt hat und den wir auch heute noch nicht kennen. Für mich geht dieser in Richtung der morphogenetischen Felder nach Sheldrake als eine ordnenden, bzw. verstärkenden, Richtung weisenden Kraft.
aber seine Forschungen wiesen in die richtige Richtung. Und er hat lange akribisch geforscht. Und andere nach ihm. Vorher hatte er sicher auch ein religiöses Weltbild.
Was haben dagegen die Religiösen zu bieten?
Sie drücken die Welt in ihr Weltbild. Interpretationen statt Forschung.
"Der Mensch ist aus Lehm gemacht, und Schluss". Das ist die Erkenntnis der Welt von Hirten, die vor mehr als 3.000 Jahren lebten.
Wo ständen wir heute ohne Leute wie Darwin. Er war heutigen Theologen um Jahrhunderte vorraus!

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