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Städtebau: Kampf um die Skyline

In Asien, Russland und am Golf wird wie im Rausch gebaut. Dagegen fehlt in etablierten Metropolen wie London oder New York das Geld für architektonische Höhenflüge - nicht nur wegen der Finanzkrise. Werden die westlichen Stadtbilder bald veralten? Entwickelt sich Europa sogar zum großen Museumsdorf?

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hansmaus 05.06.2008, 12:42
1. wollen wir das?

Die Frage ist halt ob wir das überhaupt wollen.
Also wenn ich mir Städte wie Stuttgart (Weinberge bis in die Innenstadt), Köln (der Dom unverbaut), Hamburg, Berlin oder München ansehe gefällt mir ganz persönlich das wesentlich besser als die Zugebauten Betonwüsten in Asien oder New York.
Sicher es beeindruckt im ersten Moment aber dann? Nennt mich hinterwäldler oder Bauer, ich fühle mich da derart unwohl das ich dort nicht tot über dem Zaun hängen wollte.
Ähnlich Dubai, einfach nur seelenlos, künstlich und hässlich.
Da lobe ich mir doch die heimlichen Fachwerkwinkel einiger deutscher Kleinstädte. Da gibt es das was auch 1000 Norman Fosters nicht hinbekommen:
das warme Gefühl von Geborgenheit.
Die modernen Glasbauten sind kalt abweisend und schlicht hässlich.
Es gibt so gut wie kein Hochhaus wo ich persönlich sage "das gefällt mir". Beeindrucken ist was anderes wie gefallen, für mich zumindest.

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l.augenstein 05.06.2008, 13:16
2. Stahlwüsten

Zitat von hansmaus
Die Frage ist halt ob wir das überhaupt wollen. Also wenn ich mir Städte wie Stuttgart (Weinberge bis in die Innenstadt), Köln (der Dom unverbaut), Hamburg, Berlin oder München ansehe gefällt mir ganz persönlich das wesentlich besser als die Zugebauten Betonwüsten in Asien oder New York. Sicher es beeindruckt .....
Ich bin auch sehr gerne Hinterwäldler und Bauer:-)
Leben in solchen Stahl/Betonwüsten? Nein, danke!

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Pelomaniaxx 05.06.2008, 13:19
3. Eintagsfliege

Aus meiner Sicht beweist die Planungs- und Baukultur in Asien nur eins: Das alle Länder die Erfahrungen der städtebaulichen Praxis scheinbar erst selbst machen müssen. Denn das, was wir in Europa und in Amerika in den 60er und 70er Jahren fabiziert haben und was in vielzitierten Aufsätzen von Jane Jacobs oder Alexander Mitscherlich zur Gänze diskutiert wurde, wiederholt sich m.E. gegenwärtig im asiatischen Städtebau.
Ergebnis sind Megastrukuren, bei welchen die Bedürfnisse der Menschen nach Sicherheit über Orientierung und Selbstbestimmtheit, nach sozialer Distanz und Dichte, sowie nach Mischung und Urbanität gänzlich unberücksichtigt bleiben. Die Folgen sind uns "alten Europäern" dabei zu genüge bekannt: Die Entfremdung des öffentlichen Raumes, der Zerfall der gesellschaftlichen Kohäsision und raumbezogenen Identät und letztendlich die Schaffung sozialer Brennpunkte in Megastädten ohne Zentrum oder Mitte.

Daher können wir gelassen unser Selbstvertrauen wahren. Denn Projekte, welche die Essenz städtebaulicher Erfahrungen des 20. Jahrhunderts bergen, gibt es neben der HafenCity in Deutschland zu genüge. Die Größe in Hektar oder Höhe in Metern ist dabei völlig sekundär - wiedereinmal geht dabei Qualität über Quantität in einer Maßstäblichkeit, die menschliche Bedürfnisse berücksichtigt.

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hansmaus 05.06.2008, 13:27
4. hmm

Pelomaniaxx, es scheint aber offensichtlich wichtig zu sein "den längsten" zu haben denn der Artikel um den es hier geht liest sich als würden wir in Armut und Elend versinken wenn wir nicht wie die bekloppten unsere Altstädte abreißen und durch Glaswüsten ersetzen in denen keiner Wohnt aber es dafür tolle Büros gibt (was ich persönlich auch anders empfinde).
Du hast aber vollkommen recht unsere Städte sind auch größtenteils schon so entfremdet wie es die chinesischen Städe noch werden.

@l.augenstein
Genau aus dem Grund lebe ich mittlerweile wieder auf einem Dorf mit 800 Einwohnern in einem Fachwerkhaus ;)

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roland.we 05.06.2008, 13:27
5. Nachhaltigkeit

Speziell im Nahen Osten wird meiner Meinung nach nicht nur buchstäblich, sondern auch im übertragenen Sinne "auf Sand gebaut". Die gigantischen Hochhäuser sind energie- und klimatechnisch auf dem Stand der 60er jahre, die ganze Infrastruktur ist auf das Auto ausgerichtet und das wenige Begleitgrün wird mit immensem Aufwand aus dem Meer oder der Tiefe gewässert.

Und wer soll die ganzen Paläste dann auf Dauer nutzen? Wenn man sich umhört, kommt der derzeitige Büroflächenbedarf in erster Linie von ausländischen Projektentwicklern und Baufirmen, nährt sich also selbst.

Sobald der Boom kippt, verlassen diese das Land und die ganzen Bürotürme und Shoppingmalls werden zu totem Beton. Es wird dann auch nicht helfen, dass die Franjos dieser Welt gelegentlich im teuersten Hotel Arabiens absteigen, denn auch touristisch hat Dubai nichts ausser neureichem Protz zu bieten. Auf Dauer werden sich Mitteleuropäer, Amerikaner und Asiaten wohl kaum an die religiös bedingten Einschränkungen gewöhnen und doch lieber in liberaleren Teilen der Welt urlauben und Geschäfte machen.

Übrigens, die ersten Dubai-Fonds geraten bereits in Liquiditäts-Schwierigkeiten. Wie bei jedem Boom zahlen die, die zuletzt einsteigen die Zeche für jene, die ihr Schäfchen schon im trockenen haben.

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Phini 05.06.2008, 13:35
6. Skylines

Nirgendwo auf der Welt gibt es ein so reiches und vielfältiges kulturelles Erbe wie in Europa. Dieses Erbe teilt sich in unseren europäischen Städten mit. Rom, Amsterdam, Antwerpen, Barcelona, Paris, Venedig, Helsinki, Wien etc.,etc.,etc.. Shanghai, Astana und Dubai können mir mit ihren seelenlosen neureichen Disneyland - Fassaden und der jämmerlichen Armut nur wenige Meilen ausserhalb von Downtown gestohlen bleiben.

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Tonsilgon 05.06.2008, 13:37
7. Woher kommt das Geld?

Man sollte sich fragen, woher das Geld z.B. in Moskau kommt, um solche Bauwerke entstehen zu lassen. Und wer dann davon profitiert.

Ich lebe lieber in einem Land, in dem auch das kleinste Dorf asphaltierte Strassen, ein (Ab-)Wasser- und Stromnetz und sonstige Infrastruktur hat.
Auch wenn dann in den Grosstaedten die Gebaeude nicht 400, sondern nur 50m hoch sind.

Wer hat denn in Zukunft was von "Moskau City"? (http://de.wikipedia.org/wiki/Moscow_City)
Klar, die Buerger duerfen stolz auf ihren Rossia-Tower sein und wenn das Wetter gut ist, spiegelt sich die Sonne im Glas. Aber sonst?
Ansonsten fehlt das dafuer ver(sch)wendete Geld an allen anderen Ecken und Enden in der Stadt. Und erst recht im restlichen Land ausser Moskau.

Ja, der groesste Teil solcher Gebaeude wird durch "private Investoren" erstellt. Aber wenn die soviel Geld fuer solche Gebaeude uebrig haben, dann stellt sich doch die Frage, ob die nicht vielleicht zu wenig Steuern zahlen, oder nicht lieber die Loehne erhoehen sollten.

Und in Dubai ist ja auch das Geld nicht gerade gleichmaessig verteilt....

Nein danke. Mir ist Deutschland mit seinen vielen kleinen, aber feinen Staedtchen viel lieber.

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Maenander 05.06.2008, 13:47
8. Was soll der Neid?

Voraussetzung für soclhe Bauten sind billige Arbeiter, man schaue sich an, wann der Wolkenkratzer-Boom in den USA seinen Höhepunkt hatte: Nach der Weltwirtschaftskrise, als die Arbeitslosen um Jobs bettelten, wurden das Chrysler und das Empire State Building gebaut.

Billigarbeiter stehen eben auch in Dubai und China zur Verfügung, und in Russland stammen die meisten Arbeiter auch aus Fernost.

Solange daran deutsche Firmen beteiligt sind, was desöftereren der Fall ist, ist das für Deutschland doch nur gut.

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Pelomaniaxx 05.06.2008, 13:54
9. "Stadtzerstörung Asia Style"

Meines Erachtens geht es ganricht um die Frage nach Stadt oder Land, denn eigentlich sind die deutschen Siedlungsstrukturen zur Schaffung eines ökologisch und sozial nachhaltigen Städtebaus und einer Reduzierung des Flächenverbrauchs auch noch lange nicht am Ziel (in diesem - sicherlich rein technischen - Sinn ist das 800 Seelen-Dorf per se auch keine Lösung).

Viel wichtiger ist die Frage, wie die Städte an sich strukturiert sind und da sind die Bezüge auf Europäische Städte wie Barcelona, Rom, etc. sicherlich wertvoll. Wichtig sind dabei neben der Historie aber auch neuere Entwicklungen. Man beachte dabei die genannte HafenCity, sowie aber auch die Südstadt in Tübingen oder Theresienhöhe, bzw. Arnulfpark in München. Hier wurden aus meiner Sicht die wichtigen Kriterien des Städtebaus realisiert! und das fast ganz ohne Hochhäuser (womit ich der Feststellung um diesen traurigen Wettlauf zustimme).

Das Paradoxe an der ganzen Sache ist ja, das beispielweise die alten innerstädtischen Wohngebiete in Peking oder Shanghai, sog. Hutongs, gerade Qualitäten städtischer und sozialer Dichte auwiesen, leider jedoch fast komplett den Glastürmen weichen mussten. "Stadtzerstörung Asia Style" eben.

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