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Todesurteil gegen Pastor in Iran: Für den Glauben an den Galgen?

Er wurde vom Muslim zum Christen - dafür will ihn das Regime in Iran am Galgen sehen. Seit Jahren sitzt Yucef Nadarchani in der Todeszelle, trotz Protesten aus Berlin und Washington. Doch nun gibt es eine letzte Hoffnung für den evangelischen Pastor: die Milde von Ajatollah Ali Chamenei. Todesurteil gegen Pastor in Iran: Für den Glauben an den Galgen? - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik

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Meskiagkasher 04.03.2012, 11:54
50. Opium des Volkes, wie immer.

Zitat von dr.u.
Religion ist das Opium des Volkes. Und was zugedrönte Menschen anrichten können, ist ja kein Geheimnis. ...
Ah, das Marx-Zitat.
Marx versteht aber Religion nicht als das Rauschmittel sondern als das Schmerz- und Beruhigungsmittel des Volkes, um die Verzweiflung über die Unterdrückung und die eigenen Wertlosigkeit überhaupt zu ertragen. Religion ist die Illusion, um aus der Realität zu flüchten.

Zitat aus der Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie:
"Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen, das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volks.
Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks: Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist.
"

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perm 04.03.2012, 12:00
51. Ist wohl ein Versehen.

Zitat von intenso1
Gültige Gesetze sollen befolgt werden. Über ALLEN Gesetzen sollte aber die Glaubensfreiheit stehen.
Sie meinten doch sicherlich über ALLEN Gesetzen sollte die Pressefreiheit stehen.

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Asirdahan 04.03.2012, 12:07
52. ohne

Zitat von sysop
Er wurde vom Muslim zum Christen - dafür will ihn das Regime in Iran am Galgen sehen. Seit Jahren sitzt Yucef Nadarchani in der Todeszelle, trotz Protesten aus Berlin und Washington. Doch nun gibt es eine letzte Hoffnung für den evangelischen Pastor: die Milde von Ajatollah Ali Chamenei.
Von dem moralischen Aspekt einmal abgesehen, ist es doch logisch völlig inkonsequent, von einem Menschen unter Androhung der Todesstrafe zu verlangen, zum Islam zurückzukehren. Wenn er nun unterschriebe, ja, ich kehre zum Islam zurück, um die Todesstrafe zu vermeiden, dann ist doch jedem klar, dass dies nur eine oberflächliche Handlung wäre, die mit seinem Glauben absolut nichts zu tun hätte. Das beweist, dass es den Herrschenden überhaupt nicht um den wahren Glauben geht, sondern um die Staatsräson. Jeder hat sich zu unterwerfen. Punkt. Erhalt der Macht um jeden Preis.

Glaube kann doch nicht verordnet werden. Was mich daran wundert ist, dass diese Offensichtlichkeit den Gläubigen selbst nicht aufgeht.
Und das durch die Jahrhunderte, denn früher war es ja nicht anders. Man musste öffentlich abschwören. Und vielleicht noch ein paar äußerliche Rituale mit vollziehen. Das genügte dann der Kirche. Ich finde so ein Verhalten absolut lächerlich.

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tom-wa@web.de 04.03.2012, 12:12
53. Macht statt Glauben

Zitat von sysop
Er wurde vom Muslim zum Christen - dafür will ihn das Regime in Iran am Galgen sehen. Seit Jahren sitzt Yucef Nadarchani in der Todeszelle, trotz Protesten aus Berlin und Washington. Doch nun gibt es eine letzte Hoffnung für den evangelischen Pastor: die Milde von Ajatollah Ali Chamenei.
leute,
hier geht es bei den Anklägern nicht um Glauben, sondern um Macht - wie immer.
Die Motivation aller Verfolgungen war Macht und die Angst der Herrschenden vor Machtverlust.
Jede Religion ist eigentlich eine nicht vom Staat kontrollierte Institution, das ist das eigentlich "bedrohliche" für die Herrschenden.
Wenn jedoch, wie im Iran u.v.a. Staaten die Staats-und Religionsführung zusammen fallen, dann wird Religion zum Herrschaftsinstrument, wie bei uns im Mittelalter.
Ein großer Fortschritt war der säkulare Staat. Nur im Säkularismus kann es Religionsfreiheit geben. Keiner kann und darf sich über den anderen stellen. Nun gibt es zwischen den Religionen aber erhebliche Unterschiede in ihrem Verhältnis "Andersgläubigen", kurz zur Toleranz.
Ich bin für eine weitreichende Toleranz anderen Religionen gegenüber. Ich bin aber kompromisslos intolerant gegenüber Intoleranz. Wer mich nicht so leben läßt, wie ich will, ohne dass ich ihn schädige, der ist mein Gegner. Der bedroht meine Freiheit, der gehört bekämpft. Da ist es auch egal ob er Kreuz, Halbmond oder sonstige Symbole trägt.

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malanda 04.03.2012, 12:19
54. Jeder soll glauben ...

Zitat von dr.vonundzu
. Glauben Sie wirklich, dass es besser ist, wenn alle Menschen Atheisten wären und Verbrechen nur noch aus privaten Gründen geschehen würden? Wären das weniger? Wären die Opfer glücklicher, die Gesellschaft?
... was er will. Aber er hat es zu unterlassen, andere mit Gewalt von seinem Glauben zu überzeugen.

Verbrechen geschehen in der Regel aus macht-politischen Gedanken einzelner weniger "Führer" heraus, die Religion gibt im Zweifelsfall die Staffage dazu ab. Verbrecher rekrutieren sich aus dem Felder der Religiösen genauso wie aus dem der Nicht-Religiösen. Da sollte nicht versucht werden, Erbsen zu zählen.

Wenn ich meine Freiheit haben will, muss ich auch dem anderen Freiheit lassen. Ohne ihn um die Ecke bringen zu wollen, weil er meins nicht glaubt.

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earl grey 04.03.2012, 12:35
55. Kirchen abschaffen

Zitat von jseldis001
TWarum gelingt es nicht, weltweit eine Toleranz gegenüber Andersdenkenden einzuführen und klarzumachen, dass Gewalt und Terror nicht weiterführen.
Dazu müssten sie die Kirchen bzw. Religionen abschaffen - alle.

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petrapanther 04.03.2012, 12:39
56.

Zitat von muelli23
"Christen werden in Iran verfolgt, sie können ihren Glauben meist nur im Untergrund praktizieren." Wo hat der Autor das nur her? Im armenischen Viertel Esfahan leuchtet das Kreuz offen an jeder Kirche. Ich konnte eine solche auch ohne Probleme besuchen. Nebenbemerkt lebt im Iran auch die größte jüdische Minderheit aller islamischen Staaten, siehe z.B. hier: . Der Abfall vom muslimischen Glauben wird im Iran mit dem Tod bestraft, und natürlich ist das nicht akzeptabel, aber immer noch etwas ganz anderes als die generelle Verfolgung religiöser Minderheiten.
Richtig! Es ist noch anzumerken, dass Christen im Iran sogar besser gestellt sind als viele andere Religionsgemeinschaften. Offiziell gibt es nur drei nicht-muslimische Religionen im Iran: Christentum, Judentum und Zoroastrismus. Die Bahai, welche die grösste religiöse Minderheit darstellen, gelten als "nicht geschützte Ungläubige" und haben praktisch gar keine Rechte. Auch ist es im Iran nicht möglich, gar keine Religon zu haben - alle Bürger müssen sich zu einer der vier Religionen bekennen, wenn sie sich z.B. an einer Universität einschreiben (http://www.fidh.org/IMG/pdf/ir0108a.pdf).

Auch wurde der Pastor nicht verurteilt, weil er Christ ist, sondern weil er sich vom Islam abgewandt hat - hätte er sich zum Buddhismus bekannt oder sich als Atheist bezeichnet, wäre er genauso oder noch schlechter behandelt worden, nur hätte es im Westen wohl weniger Leute interessiert. Damit soll keineswegs das Urteil relativiert oder gar entschuldigt werden - es bleibt ein furchtbares Unrecht.

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Meskiagkasher 04.03.2012, 12:41
57. Glaube über Wissen?

Zitat von malanda
Jeder soll glauben, was er will.
Religiöser Glaube ist die Vortäuschung von Wissen. Da werden Aussagen über das Wesen des Universums gemacht, die auf keinerlei Versuch des tatsächlichen Untersuchens der Inhalte beruhen.

Also wieso ist Glaube eine Tugend? Wieso ist das Verharren auf substanzlosen Positionen gesellschaftlichen tolerabel? Ist das Eingeständnis von (noch) fehlender Erkenntnis so schmerzhaft, dass man erlaubt, das mit willkürlichen Spinnereien aufzufüllen?

Und sind Glaubensinhalte wirklich so harmlos, dass man jeden glauben lassen kann, was er will? Z.B. im Christentum: warum ist ein Menschenopfer geeignet, einen Gott zu befriedigen? Und ist stellvertretende Sühne, d.h. die Absolution von Verantwortung, Basis für eine Gesellschaft?

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petrapanther 04.03.2012, 13:02
58.

Zitat von dr.vonundzu
Selbstverständlich hat Mao z.B. Tibeter umbringen lassen, weil sie nicht bereit waren, von ihrer Religion abzulassen. Und Stalin hat im Namen des Kommunismus 100.000 ermorden lassen, wo ist da der Unterschied zur religiösen Verfolgung.
Sie sagen es selbst - diese Verbrechen geschahen im Namen des Kommunismus, nicht im Namen des Atheismus. Der Kommunismus trägt (ebenso wie der Nationalsozialismus) die Züge einer (Pseudo-)Religion.

Zitat von dr.vonundzu
Aber die These ist doch, dass wenn es keine Religionen mehr gibt, diese Welt friedlicher wäre und das ist ja wohl Quatsch.
Zumindest gäbe es keine Religionskriege mehr, und es würde wohl auch niemand mehr Flugzeuge in Hochhäuser fliegen.

Zitat von dr.vonundzu
Bei allem Verständnis für eine ach so schöne These ihrerseits, Hitler war kein Christ.
Ach, entscheiden Sie das? Hitler hat ständig davon gefaselt, "im Namen des Allmächtigen" zu handeln. Damit allein war er wohl mehr Christ als die meisten heutigen Kirchenmitglieder.

Zitat von dr.vonundzu
Er hat die Kirche und religiöse Symbole und die religiöse Sematik, vor allem anfangs gezielt verwendet, um Anhänger zu gewinnen.
Und? Trotzdem kann er selbst durchaus gläubig gewesen sein, wir wissen es nicht. Zumindest hat er die christliche Tradition des Antisemitismus aufgegriffen und auf die Spitze getrieben.

Zitat von dr.vonundzu
Die Kirchen haben ein unrühmliche Rolle im NS gespielt, daran gibt es keinen Zweifel. Aber das ist ein anderes Thema.
In der Tat.

Zitat von dr.vonundzu
Glauben Sie wirklich, dass es besser ist, wenn alle Menschen Atheisten wären und Verbrechen nur noch aus privaten Gründen geschehen würden? Wären das weniger? Wären die Opfer glücklicher, die Gesellschaft?
Zumindest gäbe es einen Grund weniger, sich gegenseitig umzubringen.

Zitat von dr.vonundzu
Ich finde, die meinsten Atheisten argumetieren da sehr gestrig und unoffen für die plurale Welt. Toleranz! Jeder darf glauben, was er will
Ja, absolut!

Zitat von dr.vonundzu
und verdient dafür den Respekt anderer.[...]
Definitiv nein! Niemand verdient Respekt dafür, dass er oder sie einem absurden Aberglauben anhängt. Unsinn muss als solcher bezeichnet werden, und es gibt kaum etwas Unsinnigeres als Religion.

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dr.vonundzu 04.03.2012, 13:12
59. Schade

Zitat von petrapanther
Sie sagen es selbst - diese Verbrechen geschahen im Namen des Kommunismus, nicht im Namen des Atheismus. Der Kommunismus trägt (ebenso wie der Nationalsozialismus) die Züge einer (Pseudo-)Religion. Zumindest gäbe es keine Religionskriege mehr, und es würde wohl auch niemand mehr Flugzeuge in Hochhäuser fliegen. Ach, entscheiden Sie das? Hitler hat ständig davon gefaselt, "im Namen des Allmächtigen" zu handeln. Damit allein war er wohl mehr Christ als die meisten heutigen Kirchenmitglieder. Und? Trotzdem kann er selbst durchaus gläubig gewesen sein, wir wissen es nicht. Zumindest hat er die christliche Tradition des Antisemitismus aufgegriffen und auf die Spitze getrieben. In der Tat. Zumindest gäbe es einen Grund weniger, sich gegenseitig umzubringen. Ja, absolut! Definitiv nein! Niemand verdient Respekt dafür, dass er oder sie einem absurden Aberglauben anhängt. Unsinn muss als solcher bezeichnet werden, und es gibt kaum etwas Unsinnigeres als Religion.
Schade, dass hier keine vernünftige Diskussion möglich ist. Mein Anliegen ist Toleranz, aber da gehört auch zu, dass man Gläubige nicht immer nur als minderbemittelte Idioten darstellt. Auch wenn es anscheinend wehtut, gibt es viele intelligente, gebildete Gläubige.
Meine Argumente wedren immer nur unvollständig zitiert und somit ins Lächerliche gezogen. Wäre ja auch unbequem, sich mal ernsthaft mit einer anderen Meinung auseinanderzusetzten, als immer nur im "Religion-ist-nur-was-für-Minderbemittelte-Strom mitzuschwimmen. Bleiben Sie bei ihren Vorurteilen und verweigern Sie sich weiter, wenn es Sie glücklich macht. Ich denke, damit werden Sie dem Anspruch eines gleichberechtigten, toleranten Diskurses nicht gerecht.

Ich gebe es auf.

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