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Trotz Bologna-Reform: Und ewig bummelt der Langzeitstudent
Florian Generotzky/ UNI SPIEGEL

Langzeitstudenten? Die sollte es nach der Umstellung auf das Bachelor-Master-System eigentlich nicht mehr geben. Aber: von wegen. Und die Langstreckler sind orientierungsloser denn je.

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Marlo 03.01.2017, 13:49
80.

So ist das halt. Einige sind fleißiger als andere. Was soll dran schlimm sein? Wenn alle von Anfang bis Ende rein hauen, wollen auch alle Chef werden, und das ist nicht möglich. So gibt es diejenigen, die Medizin, Jura oder Chemie und Ing studieren und mit 25 fertig sind und Karriere machen und andere wissen bis 25 nicht, was sie überhaupt machen wolllen. Das ist doch ok. Manchmal dauert es halt länger, bis man weiß, was zu einem passt. Die Vorstellung, dass das alle schon mit 18/19 wissen sollten, ist ziemlich old school. Und Eltern,welche über das Berufsleben ihrer Kinder quasi entscheiden und alles dafür tun, gibt es auch nicht so viele. Ich finde sowieso,dass die Eltern sich da komplett raus halten sollten. Jeder muss hier eine eigene Entscheidung treffen und sich nicht reinreden lassen. Korrigieren kann man die Entscheidung immer bzw fast immer. Meine eigene Motivation für Weiterbildungen oder Aufstieg ist zb ziemlich niedrig. Mich haben schon sehr viele jüngere, mit sehr viel mehr Ehrgeiz als ich, was Position und Gehalt betrifft, überholt. Na und? Mich stört das nicht, denn ich bin ja selbst Schuld. Würde ich mich mehr anstrengen, könnte ich auch mehr verdienen. Aber will ich das? Muss man das wollen? Ganz klar nein. Man muss nur damit umgehen können. Und das kann man vor allem dann, wenn man seinen Beruf als das betrachtet, was er ist: Ein Job. Und nichts anderes.

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Der_schmale_Grat 04.01.2017, 11:19
81. An Kommentare 7, 13 und 37

Danke, Sie haben die wichtigsten Aspelkte knackig zusammengefasst, ohne Herabschauen auf andere. Ich habe bereits 2009 in einer sehr großen Uni eines NC-Faches Teile Ihrer Kritik an die versammelte Professorenschaft gerichtet: Die größte Unterstützung erhielt ich von den Studierenden, die hatten es bereits gespürt, was ihnen da mit Bologna vorgesetzt wurde. Mittlerweile gab es in dem FB die x-te Überarbeitung der Prüfungsordnung, aber wenn ich auf einem "Güllehaufen ein paar Blumen streue, stinkt es immer noch" (O-Ton eines Vize-Rektors einer anderen renommierten Uni.

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creusa 11.11.2017, 09:35
82. völlig übertriebene Herablassung

Ich verstehe diese Herablassung gegenüber Langzeitstudenten nicht. Die Studien- und/oder Berufswahl ist eine der schwierigsten Entscheidungen des Lebens, die man leider in einer Zeit treffen muss, in der einem die Erfahrung noch fehlt. Da passieren natürlich Fehler.
Ich kenne sehr viele Studenten, darunter auch den ein oder anderen Langzeitstudenten. Und ich kann bloß sagen, dass die Gründe vielfältig sind, wobei die Faulheit, die ihnen so oft vorgeworfen wird, eigentlich nie das Hauptproblem ist. Allermeistens ist es ein Fachwechsel, der sie ins Hintertreffen gebracht und der, so wie oben beschrieben, nicht immer ganz reibungslos abgelaufen ist. Häufig dauert es auch eine Weile, bis sie sich wirklich eingestehen können, dass sie in ihrem Fach nicht richtig sind, was für viele ne ziemliche Krisenerfahrung darstellt, Danach kommt dann der Druck, als nächsten dann aber das genau richtige finden zu müssen, einen neuen Weg zu finden.
Die meisten dieser Studenten sind sich schmerzlich bewusst, dass sie Fehler gemacht haben, Zeit verloren haben, nicht schnell genug waren. Solange sie es aber dann eben mit Verzögerung schaffen, einen Abschluss zu machen, im Berufsleben anzukommen, ist das doch wohl in Ordnung. Natürlich sollte man versuchen, die Zahl der Langzeitstudenten gering zu halten. Aber eben doch eher über entsprechende Hilfs- und Beratungsangebote und sinnvoll gestaltete Studiengänge, nicht so sehr über Zwangsexmatrikulation und derartige Maßnahmen.

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