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Türkisches Modemagazin "Âlâ": Hoher Absatz, keuscher Blick

Das erste Modemagazin für Frauen mit Kopftuch ist in der Türkei ein Verkaufserfolg. "Âlâ" zeigt urbane Musliminnen, die konservativ bleiben, aber mit dem Trend gehen wollen. Die westlich gesinnten Großstädter entsetzt die Rückschrittlichkeit des Heftes - die streng Religiösen seine Freizügigkeit. Türkisches Modemagazin "Âlâ": Hoher Absatz, keuscher Blick - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Panorama

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grana 27.01.2012, 19:10
120.

Zitat von doctorwho
sie kennen sich aber gut aus . sprechen sie von verkehrsplanung ? ............. :-D
Ich hatte erst nach jedem Satz ein ;-) gesetzt, störte mich dann aber irgendwie

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Ein Daniel 27.01.2012, 19:12
121. Ausnahme, nicht Regel

Zitat von syracusa
Und ja: mir ist bekannt, dass es vereinzelt vorkommt, dass muslimische Eltern ihren Töchter zum Kopftuchtragen zwingen. Wo das geschieht, reicht unser existierendes Strafrecht völlig aus, gegen diese Form der Unterdrückung einzuschreiten. Gegen Ihren Unterdrückungsversuche schreite ich ein.
Sehen Sie, hier herrscht mit Ihnen und anderen hier, auch mir, der Dissens. Sie reden von "vereinzelt" und verkennen in meinen Augen ganz klar die auch wissenschaftlich und empirisch belegten Probleme. Und Sie müssen mir dann auch noch sagen, was Sie als Zwang ansehen, ich sehe darunter auch den subtilen Zwang und den Entzug von Wertschätzung der Community. Verneinen Sie die noch oft herrschenden sozialen Kontrollinstanzen dieser (Sub)Kulturen? Anscheinend.

War es früher noch eher das dumpfe Bild des türkischen Paschas, dessen Ehefrau kopfbetucht schwer schleppend hinter diesem hinterher ging, der vielen auffiel als partriarchales Machogehabe und Nichtachtung von Frauen, ist es heute auch in nicht wenigen Schulden der Unterschied in dem Ansehen und der Erwartung von Frauen und Männern, die für Konflikte sorgt.

Wo hier gerade im Westen eher der "ritterliche" Kodex als Höflichkeitsform herrscht: der Frau waren und sind Lasten abzunehmen und ihr hielt und hält man die Tür auf - und moderne Sichtweisen sich durchsetzten: die Tochter liest Pippi Langstrumpf, die rote Zora, und Mädchen werden ständig angehalten, sich durchzusetzen - da stößt eben ein für diesen Westen durchaus schlicht rückwärts gewandtes Verhalten und entsprechende Ansichten auf. Das ist dann nicht diskriminierend, sondern konsequent. Und das Kopftuch ist ja nicht verboten in der Öffentlichkeit - aber deren Bedeutung und Symbolik ist vielen eben durchaus bekannt - das mögen Sie anders sehen, und sicher würde es viele religiöse Patriarchen durchaus freuen, wenn dem Kopftuch dieses Stigma weggenommen würde - denn das wäre eine Win-Win Situation, das Kopftuch kann sich weiter etablieren, religiöse Werte sich durchsetzen, und wenn erst die Nachbarstochter ein Kopftuch trägt, ist es auch einfacher für Eltern und die Tochter selbst, sich dem zugedachten Rollenbild zu fügen.

Sie mögen ja die Tochter, die sich gegen den Wunsch der Eltern für ein Kopftuch entscheidet, als Norm hinstellen, als Regelfall - ich sehe diese weiter als Ausnahme.

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Krux 27.01.2012, 19:13
122. Die Schere im Kopf

Zitat von sysop
Das erste Modemagazin für Frauen mit Kopftuch ist in der Türkei ein Verkaufserfolg. "Âlâ" zeigt urbane Musliminnen, die konservativ bleiben, aber mit dem Trend gehen wollen. Die westlich gesinnten Großstädter entsetzt die Rückschrittlichkeit des Heftes - die streng Religiösen seine Freizügigkeit.
Zitat aus dem Artikel: "Sie vertreten konservative Werte, aber modernen Konsum." Die konservativen Werte scheinen dann also dem Konsum nicht zu widersprechen. Man kann also sehr religiös sein und trotzdem hemmungslos konsumieren. Da stimmt doch etwas nicht?

Ausserdem: Entweder geht man mit dem Trend oder man bleibt konservativ. Wenn man beides macht, versucht man, einen Widerspruch zu vereinen. Aber offenbar gefällt vielen Leuten dieses Leben mit der Schere im Kopf...

Und ich habe da noch ein anderes Zitat im Kopf: "Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon."

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tbax 27.01.2012, 19:13
123. Man sollte sie anzeigen.

Zitat von Persiflist
Man darf hier mit einer SS-Mütze herumlatschen? Das wäre mir aber neu... Und wenigstens sollte man den heutigen Tag abwarten...
Welch widerlicher Vergleich.

Man merkt meist sehr schnell aus welcher Richtung der eigentliche Wind kommt.

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grana 27.01.2012, 19:21
124. Erschreckend

Zitat von Persiflist
Wieso "Unterdrückung"? Nach Ihrer Aussage ist das doch nur eine "Rückbesinnung auf die eigene Kultur"... Abgesehen davon geht es hier nicht um einen Zwang zum Kopftuch, sondern vielmehr um die dahinterstehende Ideologie, die -jahrelang indoktriniert- dann zu dem führt, was ein Mitforist beschrieben hat: daß ein 17jähriger seiner kleinen Schwester mit der Faust ins Gesicht schlägt, weil diese kein Kopftuch tragen will. Das Problem ist ja nicht hausgemacht, sondern eingeschleppt. Dementsprechend werden dann auch die hier geltenden, über Jahrhunderte erkämpften Freiheiten mißbraucht. Und mit dem Strafrecht wird man hier genauso viel Erfolg haben, wie bei Sekten, nämlich quasi keinen. Ein anderes erfolgreiches Erziehungsinstrument, die soziale Ächtung, wird dagegen als Rechtsradikal verschrieen. Was also bitte bleibt dann übrig, daß zukünftige Generationen von kleinen Mädchen nicht ein paar in die Fresse kriegen, nur weil sie selber über ihre Kleidung bestimmen wollen?
wie hier einige nicht das tatsächliche Problem erkennen. Klar ist ein Kopftuch kein Angriff auf unsere Kultur, aber ein Kopftuch, dass hier im Beitrag erst als Mode verkauft wird und im weiteren Verlauf das Nichttragen eines Kopftuch als Sünde dargestellt wird, entlarft die Gründe dieser Zeitung.
Es gibt ja wirklich eine um sich greifende Islamisierung in der moslemischen Welt, die mit allen Mitteln Schritt für Schritt auf die Scharia hinführen soll. Bitte, zu stark ausgedrückt? Der Beitrag spricht Bände und die hier für das Kopftuch aussprechen haben entweder den Beitrag und die Bilderreihe nicht gelesen oder nicht verstanden.
Um die Freiheit aller, insbesondere der Frauen zu waren, muß der Staat einfach eine Grenze setzen. Deshalb bin ich für ein Kopfbedeckungsverbot in staatlichen Einrichtungen.

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general.brathahn 27.01.2012, 19:21
125. Mmh

Zitat von syracusa
Diese Rückbesinnung auf die eigene Kultur hat seit langem auch die türkischen Emigranten in Westeuropa erreicht. Vor allem jüngere Muslimas tragen - oft sogar gegen den Willen der Eltern - das Kopftuch als Zeichen eines selbstbewussten Bekenntnisses zur eigenen, von der Mehrheitsgesellschaft verschiedenen Kultur.
Dann sollte man sich aber mit dieser bewussten Abgrenzung auch nicht über die Reaktion der Mehrheitsgesellschaft wundern.

Sie haben Segregation in wenigen Worten besser dargestellt, als Ihnen vermutlich lieb ist.

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Ein Daniel 27.01.2012, 19:32
126. Dissens

Zitat von syracusa
Kopftuchträgerinnen werden hierzulande ganz offen diskriminiert.
Es ist ein Unterschied, ob Kopftuchträgerinnen diskriminiert werden, oder das Kopftuch. Zumal ist das Koptuch durch das Grundgesetz in der Öffentlichkeit gedeckt, wo sehen Sie hier eine Diskriminierung? Wo hingegen antiaufklärerrisches und antiemanzipatorisches Verhalten in der Bevölkerung auf Widerstand stößt, da sehe ich kein Problem - eher wird die Diskriminierung der Frau durch das Kopftuch als negativ angesehen - ich sehe da nichts negatives. Sondern positives - die Diskriminierung von Frauen und deren Symbolik wird eben geächtet. Das mögen Sie anders sehen, aber die Symbolik des Kopftuches und der Verschleierung mag eben auch einigen mehr gewahr sein als Ihnen.

Wo Frauen einfach als Person diskriminiert werden, ist dies stets abzulehnen, so zum Beispiel als Türkin, erkannt dann durch das Kopftuch. Das Kopftuch darf natürlich geächtet werden, nicht aber die Person, die es trägt, sofern diese die Ansichten des Patriarchats und Frauendiskriminierung aber teilt, dürfen auch deren Ansichten abgelehnt werden, aber nicht die Person.

Zitat von syracusa
In viel stärkerem Maße als beispielsweise Krawattenverweigerer im Bankgewerbe.
Es fällt auf, dass Sie das muslimische Koptuch immer wieder auf eine Modefunktion zurück führen, das aber trifft doch grundsätzlich nicht, wenn auch hier sicher in einigen Fällen gegeben.

Zitat von syracusa
Die Diskiminierung wird auch ganz offenbar durch die zahlreichen Beiträge hier in diesem Forum, und nicht zuletzt durch Ihren eigenen.
Ich diskriminiere die Diskriminierung.

Zitat von syracusa
Die allermeisten Frauen und Mädchen, die hierzulande ein Kopftuch tragen, tun das aus eigenem Antrieb und ohne Zwang.
Da sind wir klar im Dissens. Da genügt ja ein Besuch auf dem ein oder anderem Schulhof, ein Gespräch mit den dortigen männlichen Jugendlichen, um Zweifel an Ihrer These zu haben, abgesehen von all den soziologischen Untersuchungen der letzten Jahre. Immerhin schränken Sie es mit "hierzulande" ein. Übrigens wäre es mir neu, wenn Frauen hier erst mit 14 oder gar 18 das Kopftuch tragen?

Zitat von syracusa
Wenn, wie Sie das formulieren, Zwang ausgeübt wird, dann ist das eine Angelegenheit unseres Strafrechts, das ausreichend munitioniert ist, um den Justizbehörden Handhabe gegen diese Rechtsverletzungen zu geben.
Das sehe ich nicht so. Als Jurist.

Zitat von syracusa
Aber darum geht es mir und anderen gerade - gerade darum! Und das ist eben keine Diskriminierung - es sei denn der Eltern, die man daran hindert, ihren Kindern und gerade Töchtern grundgesetzliche Rechte vorzuhalten.

Zitat von syracusa
jede Frau in Deutschland darf in der Öffentlichkeit Kopftuch tragen. Wer sich dran stört, der muss alleine damit fertig werden!
Jede darf ein Kopftuch tragen - sich daran aus emanzipatorischer und antipatriarchaler Sicht zu stören, ist aber auch jedem gestattet, ja von vielen gewünscht.

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syracusa 27.01.2012, 19:38
127.

Zitat von Ein Daniel
Sehen Sie, hier herrscht mit Ihnen und anderen hier, auch mir, der Dissens. Sie reden von "vereinzelt" und verkennen in meinen Augen ganz klar die auch wissenschaftlich und empirisch belegten Probleme.
Da ich mit einer kurdischen Frau verheiratet war und in der türkisch-kurdischen Gemeinde gut verwurzelt bin, weiss ich, dass Ihrfe weissenschaftlichen und empirischen Belege frei erfunden sind. das genaue Gegenteil ist der Fall.

Ich weiss, dass von den Familien vereinzelt Zwang auf türkische/arabische Mädchen ausgeübt wird, das Kopftuch zu tragen, und ich finde, dass man dagegen sehr wohl mehr unternehmen müsste. Ich weiss aber auch sehr genau, dass dies tatsächlich nur vereinzelt vorkommt. Mir ist kein einziger Fall aus meinem weiteren Bekanntenkreis bekannt, wo das jemals vorgekommen wäre. Mir sind aber dutzende Fälle bekannt, wo sich die Mädchen in ihrer pubertierenden Entwicklung und um ihren Abnabelungsprozess aus den meist säkularen Elternhäusern sehr zum Leidwesen ihrer Eltern plötzlich ein Kopftuch umbinden.

Das Kopftuch ist in den allermeisten Fällen kein Werkzeug der Unterdrückung, sondern ganz im Gegenteil ein politisches Statement der Kopftuchträgerin! Das gilt übrigens auch für die Türkei selbst.

Am lustigsten fand ich die nun etwa 17jährige Tochter meines Gemüsehändlers. Der Händler, selbst als Jugendlicher in Begleitung seiner Eltern nach Deutschland gekommen, ist strammer Atheist. Um seine Überzeugung der türkischen Gemeinde zu kommunizieren, hält er in seinem Laden direkt gegenüber der Kasse ein Regal mit Alkoholika bereit, obwohl so gut wie niemals jemand Alkohol bei ihm kauft. Das Alkoholregal bringt ihm Verluste, aber es ist eben sein politisch-religiöses Bekenntnis.

Seine Tochter sitzt bei ihm an der Kasse, wo sie tieferen Einblick in die Verzweigungen ihres Hirschgeweih-Tattoos am Hintern bietet, als den meisten Kunden angenehm ist. Passend zu dem Hirschgeweih trägt sie ein Kopftuch.

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general.brathahn 27.01.2012, 19:39
128. Re Differenzierung

Zitat von Ein Daniel
[...] Das Kopftuch NICHT auch zu kritisierten, das wäre Ausgrenzung, das wäre Diskriminierung, das wäre Ignoranz, das wäre Gleichgültigkeit, das wäre Desinteresse. [...]
Vielen Dank für Ihre erfrischend sachlichen Beiträge.

Auch meine sind mitunter doch sehr impulsiv :-)

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Persiflist 27.01.2012, 19:40
129.

Zitat von tbax
Welch widerlicher Vergleich. Man merkt meist sehr schnell aus welcher Richtung der eigentliche Wind kommt.
Mimimimimi...

Das war kein Vergleich, sondern eine Replik auf die Behauptung, daß man in Deutschland mit jeder Kopfbedeckung herumlaufen dürfe. Komischerweise wurde darauf überhaupt nicht inhaltlich eingegangen, sondern nur ein "Igitt, ein Nazi" abgesondert.

Denn wenn man eine totale (sic!) Freiheit befürwortet, dann muß man auch das Tragen einer SS-Mütze erlauben. Wenn man das aber ablehnt, dann ist man ja anscheinend in der Lage zu differenzieren. Dann allerdings darf man sich nicht mehr auf "uneingeschränkte" Rechte berufen.

Das will man aber offenbar nicht, geht man damit doch seinem Hauptargument verlustig und müsste sich eventuell damit beschäftigen, daß eine Einschränkung eines persönlichen Rechtes im Hinblick auf die "Erziehung" der Gesellschaft manchmal nötig ist.

Ich persönlich würde sogar tatsächlich eine "Kleidungsfreiheit" befürworten und das Tragen verfassungsfeindlicher Symbole erlauben. Da weiß man wenigstens, woran man ist. Und kann denjenigen dann schön -natürlich ohne seine Freiheiten zu verletzen- diskriminieren, also z.B. die Nase rümpfen, die Straßenseite wechseln, aus fadenscheinigen Gründen Hausverbot erteilen, etc. Komischerweise ist das bei Rechtsradikalen sogar ausdrücklich erwünscht, während man bei religiösen Fanatikern aus irgendwelchen Gründen Rücksicht nehmen soll. Warum eigentlich?

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