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Ungarische Professorin: "Was bringt Talent, wenn die Universitäten nicht mehr frei si
Attila Kisbenedek/ AFP/ Getty Images

Die rechtskonservative Regierung von Viktor Orbán will Forschungsinstitute in Ungarn stärker kontrollieren. Eine Wissenschaftlerin erklärt, warum sie um die akademische Freiheit fürchtet.

quark2@mailinator.com 03.08.2019, 21:09
1.

Die akademische Freiheit ist weg, seit die Finanzierung der Unis von Firmen abhängt und seit die Lehrkräfte ihrer Posten nicht mehr sicher sind. Schließlich kann man ja nicht einfach an die Uni im Nachbardorf gehen, wenn man in der Hauptstadt wegen einer unliebsamen Meinung seinen Vertrag nicht verlängert bekommt. Diese finanzielle Kandarre ist wesentlich invasiver als etwaige Gesetze. Und sie betrifft nicht nur Ungarn.

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hannibalanteportas 04.08.2019, 01:09
2. Ich habe Zweifel,

wie frei die Universitäten je waren.
Sicherlich gibt es Fächer, die unter einem weniger großen Einfluss von Außen stehen.
Soweit ich das noch aus Studienzeiten erinnere, ist der bio-med. Sektor sehr stark mit entsprechenden Unternehmen verwoben. Und die geisteswissenschaftlichen Fächer sind auch seit jeher bestimmten Strömungen unterworfen. Ich habe es selbst miterlebt, wie ein alter Professor unsanft nach seiner Emeritierung „hinauskomplimentiert“ wurden. Nach der Emeritierung können Profs immer noch ihre Lehrbefugnis ausüben oder Doktorand*innen betreuen. Dem haben sie immer mehr Mittel und Leute gestrichen. Seine Art, bestimmte Lehrinhalte zu lehren war der neuen Sichtweise in unserem Fach ein Dorn im Auge. Am Ende hatte er einen Halbtags-HiWi und ein Mini-Büro im Keller.
Irgendwann hat er aufgegeben, hat aber zumindest weiter geprüft.
Geld und Ideologie sind große Faktoren.
Der Staat sollte nicht auch noch in der Art mitmischen. Und es sollten die erwähnten Einflüsse auch angegangen werden.

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brathbrandt 04.08.2019, 08:10
3. Wir sollten ganz still sein.

Wenn ein Staat über 30 Lehrstühle für "Genderforschung" hat, aber nur einen einizigen für Demographie: Glaubt jemand ernsthaft, dass das nichts mit politisch-strukturellen Eingriffen zu tun hat?

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pink15 04.08.2019, 10:55
4. Frei?

Bei uns in Deutschland sieht es nicht besser aus mit der "Freiheit der Forschung und Lehre". Ein wissenschaftliches Prekariat hangelt sich von Projektvertrag zu Projektvertrag, ohne realistische Hoffnung auf eine Festanstellung. Wie frei ist man bei solchen Arbeitsverträgen? Und dann haben wir noch den unheilvollen Einfluss der Bertelsmann- Stiftung, die die Universitäten fest im Griff hat.

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Brubeck 04.08.2019, 12:46
5. Gegen die Soros-Universität* hat die nichts?

Dort wird dogmatischer Neoliberalismus gepredigt. Gelehrt kann man ja nicht sagen. Zumindest in der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Central European University mit Sitz in New York, der CEU Business School mit Sitz in Budapest, jetzt Wien. Grauenhafte Gehirnwäsche, was dort mit den Studenten geschieht. Von Freiheit und offener Diskussion kann doch überhaupt keine Rede sein.

Dressiert werden ausschliesslich Raubtiere für´s Hamsterrad.

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vetris_molaud 04.08.2019, 12:52
6.

Es gibt keine Universität auf der Welt, in der die Gender-„Lehren“ passen, da das ganze Gender-Gedöns schlichtweg sehr viel mit Politik und Ideologie, mit Wissenschaft jedoch absolut nichts zu tun hat. Ergebnisse: keine, nur Phrasen auf unschuldiges Papier. Genderistinnen können nur eines: Steuergelder, die mehrheitlich von weißen, alten Männern erwirtschaftet haben, ohne reelle Gegenleistung zu verkonsumieren.

Ungarn ist auf dem Weg zur Personaldiktatur schon weit fortgeschritten, was jedoch nicht bedeutet, dass die Regierung nicht trotzdem die eine oder andere Sache richtig machen kann. Den Genderistinnen die Stühle vor der Tür zu stellen war absolut richtig. Mit der erworbenen Gender-Kompetenz können Dozentinnen und Studentinnen auf dem feien Arbeitsmarkt faktisch so gut wie nichts anfangen; höchstens eine Stelle als Teilzeitkraft in einem Esoterik-Buchladen können vielleicht drin sein ...

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Weltgeisterer 04.08.2019, 12:57
7. Ganz genau.

Ich schließe mich der Meinung hier an. Von echter Freiheit sind auch unsere Universitäten weit entfernt.
Ich habe selbst auch mitbekommen (in einem für "Investoren" unattraktiven geisteswissenschaftlichen Fach), wie sehr die Mittelvergabe vom Talent der Professoren für das Anwerben von Drittmitteln abhängt, die dafür aber auch wertvolle Forschungszeit opfern müssen. Vom bürokratischen Wahnsinn einmal ganz abgesehen, der hier noch zusätzlich blockiert. Wenn nicht glücklicherweise einer der Professoren mit einem hochdotierten Preis ausgezeichnet worden wäre, hätte es ganz düster ausgesehen.
Nun kann man sagen: das braucht keiner, deswegen wird es nicht finanziert, so ist der Markt.
Aber genau die Marktunabhängigkeit ist eigentlich der Sinn der "Freiheit von Lehre und Forschung".

In wirtschaftlich relevanten Fächern sieht es dann in der Tat so aus, dass die Forschung der verlängerte Arm von Wirtschaftsinteressen ist. Vorbei sind die Zeiten der "Kaiser-Wilhelm-Institute", deren Idee es war, Innovation unabhängig von Verwertbarkeit zu fördern. Immerhin geht es den heutigen Fraunhofer-Instituten ganz gut.

Bezeichnend ist die Lage in den Wirtschaftswissenschaften: ich kenne niemanden, der im Studium auf die zerstörerische Kraft des Zinsdrucks der heutigen Geldschöpfungsmechanik hingewiesen wurde. Es wird einfach davon ausgegangen dass Geld halt irgendwie im Umlauf ist - vor allem in BWL. Man kann dort alles über erfolgreiches Wirtschaften im System lernen, die Systemfrage wird natürlich nicht gestellt.
Universitäten hätten keine Probleme mehr, wenn endlich verstanden würde, dass man Geld einfach drucken und zinslos Kredit geben kann, und dass es Staatsschulden gar nicht geben dürfte.
Das bedeutet nicht, die Geldmenge unverantwortlich aufzublähen. Es muss ganz einfach alles Geld einer echten Arbeit gegenüberstehen.
Geld ist und bleibt nur Tauschmittel für Arbeit und kann auch nichts anderes sein.
Zum Beweis entferne man in Gedanken alles Geld der Welt und schaue dann hin: die einzigen Menschen, die arbeitslos wären, sind diejenigen, die mit Geld arbeiten. Man sieht dann sehr genau, wer eigentlich auf Kosten von wem lebt...

Natürlich, private Banken sind dann passé, es ist mir schon klar, warum es da Hindernisse gibt, und wer sich gegen so einen Systemwandel stellt, mit geradezu absurden Argumenten.
Diese werden auch von einseitigen Wirtschaftsideologien an den Unis verbreitet...

Wir müssen endlich anfangen, alle Probleme im Lichte der modernen Geldschöpfungsmechanik zu sehen. Dann sehen wir auch, dass wir sämtliche Probleme sehr einfach lösen könnten.

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mantrid 05.08.2019, 08:55
8. Gleichschaltung

Bei nur 54 Bedenkzeit bei einem solchen Thema wäre meine Antwort nach nur einer Sekunden NEIN! gewesen. Leider bereichtet SPON nicht, wie sich der Akademie-Präsident entscheiden hat. Wenn ein Angebot gut ist, hat es keine solche Ablaufzeit. Im Zweifel hat dann jemand anderes vor mir eineschlagen. Wissenschaft muss frein sein. Entwicklung kann nur dort stattfinden, wo Dinge in Frage gestellt werden. Eine gleichgeschlatgete Gesellschaft beraubt sich großer Potentiale.

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Hinrich7 05.08.2019, 10:06
9. Sehr anregende Kommentare zur Freiheit der Wissenschaft

denn die ist schon lange perdu, #WELTGEISTER beschreibt das Phänomen der Geldwirtschaft, die Freiheit hängt vom Gelde ab. Architektur z.B. wird nicht für Menschen gemacht, sondern ist vom Willen der Investoren ab, die Lehrstühle Architektur sind rein abhängige Institute der Immobilieninvestoren.

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