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Ungewöhnliche Direktkandidaten: Werben um die Erststimme fürs Grundeinkommen

Das bedingungslose Grundeinkommen wird seit Jahren diskutiert, von den meisten Parteien aber abgelehnt. Drei Hamburger möchten das Thema nun konkret wählbar machen - sie treten als parteilose Direktkandidaten bei der Bundestagswahl an. Direktkandidaten für Bedingungsloses Grundeinkommen - SPIEGEL ONLINE

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spon-facebook-638885033 23.09.2013, 14:09
400. Kaufkraftwirkung eines BGEs

Zitat von regreub
Sie wird nicht nur nicht getan; es werden erst gar nicht entsprechende Jobs ausgeschrieben. Das BGE würde es Interessierten natürlich ermöglichen, hier ehrenamtlich tätig zu werden.
Na ja, die Jobs, die heute nicht gemacht und ausgeschrieben werden, sind häufig Dienstleistungen für sozial schwache Menschen. Man sollte nicht vergessen, dass diese Menschen auch ein Grundeinkommen erhalten, dass sie auch für solche kleinen Dienste mit kleinen Aufwandsentschädigungen verbrauchen können.

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TheBear 23.09.2013, 14:16
401. Nahezu völlige Ubereinstimmung

Zitat von regreub
Wenn man sie ausschreibt, dann muß man sie auch bezahlen. Sie sprechen in erster Linie solche "notwendige Arbeit" an, die von der öffentlichen Hand beauftragt werden würde. Das können Sie finanzieren, indem Sie Einsparungen an anderer Stelle und/oder Steuererhöhungen vornehmen. Beides ist auch nicht viel beliebter als die Idee des BGE.
Ja, da stimme ich Ihnen fast 100% zu, denn ich bin mir sehr wohl bewusst, dass so wie unser Staat strukturiert ist (=Gesetze und Einstellung der Mehrheit der Bürger), es keine einfache Lösung gibt.

Ich gehe aber von folgenden nicht wegzuleugnenden Fakten aus, die immer wieder ignoriert oder absichtlich "unter den Tisch gefegt" werden:
- Es gibt eine so grosse Menge von nicht nur allgemein nützlicher, sondern sehr notwendiger Arbeit, dass es eine abgefeimte Lüge oder profunde Ignoranz ist, von "Mangel an Arbeit" zu sprechen
- Abgesehen von rein organisatorischen Problemen könnte man 100% der arbeitsfähigen Menschen eine sinnvolle Arbeit geben
- Die Lebensqualität der Bevölkerung insgesamt würde sich steigern, was ein (wohl unvermeidliches) Absinken der zur Zeit herrschenden Pseudoeffizienz akzeptabel machen würde, jedenfalls für einen sehr grossen Anteil der Bevölkerung.
(Pseudoeffiziens: Wenn ich meine Produktion erhöhe, z.B. dadurch dass ich Menschen regelrecht ausbeute oder die Umwelt schädige, habe ich ja nicht wirkliche meine Effizienz gesteigert).

Das BGE würde nur in einer Gesellschaft von Idealisten funktionieren, denn selbst sinnvolle Arbeit kann anstrengend, streckenweise unangenehm, oder für einen nicht hinreichend ausgebildeten Menschen unmöglich sein. Anstrengung zu vermeiden gehört aber heutzutage zur "Standardausstattung" des Normalbürgers.

Man muss das Prinzip:

Jemand der Dienste/Waren in Anspruch nimmt, muss sie bezahlen, Jemand der Dienste/Waren anbietet muss bezahlt werden

weiterhin respektieren, aber man muss erreichen, dass wieder (auch bei der Bezahlung) mehr auf den wirklichen Wert der Arbeit geachtet wird, und man nicht, wie zur Zeit, ein völlig verzerrtes Bild der Relation Arbeit/Wert hat.

Das BGE würde diese Relation nur noch undurchsichtiger machen.

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der_joerg 23.09.2013, 14:16
402. kein Problem

Zitat von warholandy
Ihr gutes Recht - wenn ihnen ein Grundeinkommen genügt.
Kein Problem, wenn die Anzahl derer, die meinen, das Grundeinkommen genügt nicht höher ist als die Anzahl derer die das nicht meinen.
Mein Geld ist immer zur Monatsmitte alle - gebt mir mehr!

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RioTokio 23.09.2013, 14:26
403.

Zitat von spiegelleser987
Früher konnten die Selbstänigen wie Arbeitnehmer die Kosten zu einem höheren betrag von der Steuer absetzen. Heute nicht. Heute werden die mit der KfZ-und anderen Versicherungen in einen Topf geworfen, ein geringer Grundbetrag abgezogen und dann sind dafür Steuern zu zahlen. Das BGE hat einen Vorteil: Der Staat kann bei Selbständigen nicht solange zugreifen, dass denen nichts mehr bleibt. Heute ist es so, dass H4-Empfänger keine Steuern zahlen müssen, Selbständige müssen es aber, auch wenn sie das gleiche Einkommen haben. In den 1990er Jahren sind weniger meiner Kunden pleite gegangen, ab 2000 wurden es plötzlich immer mehr. Deshalb habe ich mit mehreren mal geplaudert. Es war immer das Problem Versicherung und Finanzamt. Viele Selbständige bekommen erst nach mehreren Monaten Geld. Der Staat kassiert vorher. Und zum Jahresende werden noch Steuern auf an das Finanzamt überweisene Steuern berechnet. Und wenn sich der Steuerberater irrt, ist sowieso schon Schluß.
Von was für Selbständigen reden Sie?
Sind das die prekär Selbständigen oder reden Sie von Anwälten, Architekten, Steuerberatern, Handwerkern etc...

Klar ist nur, dass die Steuereinnahmen maximal zu erhöhen sind um jedem Heiopei ein BGE in die Hand zu drücken - egal, ob er Lust und Laune auf Arbeit hat oder nicht.
Da bluten auch die Selbständigen.
Am Ende bleibt wohl nicht viel mehr als das BGE übrig. Da kann man es auch ganz lassen mit der Selbständigkeit.

Denkwürdig ist nur, dass hier viele glauben das das Paradies auf Erden, bei dem einen die gebratenen Hühner quasi in den Mund fliegen, könnte tatsächlich realisiert werden - erstmalig und einmal in der Menschheitsgeschichte.
Ein tolles Modell, dass sicher auch die restlichen rd. 7 Milliarden Erdenbürger brennend interessiert.

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warholandy 23.09.2013, 14:43
404. hmm

Zitat von TheBear
Das BGE würde nur in einer Gesellschaft von Idealisten funktionieren, denn selbst sinnvolle Arbeit kann anstrengend, streckenweise unangenehm, oder für einen nicht hinreichend ausgebildeten Menschen unmöglich sein. Anstrengung zu vermeiden gehört aber heutzutage zur "Standardausstattung" des Normalbürgers.
Genau das halte ich für ein krasses Missverständnis bzgl. der Wirkung eines BGEs.
Anstrengende, unangenehme und hochqualifizierte Arbeit wird natürlich weiterhin stattfinden - das BGE ist doch eine GRUNDSICHERUNG und nicht eine Rundumsorglosversorgung!

Wer gibt sich denn heute mit einer Grundsicherung zufrieden?? Warum arbeiten denn HEUTE Menschen über die Grundsicherung hinaus in anstrengenden, unangenehmen Jobs? Warum legen nicht alle, nach erreichen eines Grundeinkommens, den Hammer aus der Hand und legen sich in die Sonne? Weil sie sich eben mehr leisten wollen!

Daran ändert auch ein BGE nichts.

Zitat von TheBear
Man muss das Prinzip: Jemand der Dienste/Waren in Anspruch nimmt, muss sie bezahlen, Jemand der Dienste/Waren anbietet muss bezahlt werden weiterhin respektieren, aber man muss erreichen, dass wieder (auch bei der Bezahlung) mehr auf den wirklichen Wert der Arbeit geachtet wird, und man nicht, wie zur Zeit, ein völlig verzerrtes Bild der Relation Arbeit/Wert hat.
Genau, und genau dafür braucht es das BGE. Warum? : Weil die Neubewertung von Arbeit, die sie zurecht einfordern, durch die Menschen geleistet werden muss, die sie leisten und durch die, die sie in Anspruch nehmen.

Die Leistungserbringer würden in die Lage versetzt, unabhängig(er), frei(er) als bisher, die Bewertung vorzunehmen und entsprechende Lohnforderungen zu stellen. So würde die Bewertung vermehrt von den Beteiligten Personen vorgenommen - das scheint mit die wesentliche Neuerung zu sein.


Zitat von TheBear
Das BGE würde diese Relation nur noch undurchsichtiger machen.
Das glaube ich eben nicht - es würde sie auf eine sinnvolle Basis stellen, weil jetzt diejenigen Personen mitentscheiden, die es angeht.
Nämlich die Leistungserbringer und die Empfänger der jeweiligen Dienstleistungen.

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warholandy 23.09.2013, 14:47
405. hmm

Zitat von der_joerg
Mein Geld ist immer zur Monatsmitte alle - gebt mir mehr!
Na dann sind sie doch DAS Paradebeispiel dessen, der eben mehr arbeiten muss. Mehr als Grundeinkommen ist nicht, soll nicht sein, und wird nicht werden! ;)

Es geht beim BGE nicht um mehr Geld sondern um die Freiheitsgrade des Einzelnen. Kein Euro mehr fließt in den Sozialetat bzw. kein Euro weniger fließt derzeit in unterschiedlichste Grundsicherungen, nur eben nicht ohne Bedingungen.

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der_joerg 23.09.2013, 14:57
406. Nein,

Zitat von RioTokio
Klar ist nur, dass die Steuereinnahmen maximal zu erhöhen sind um jedem Heiopei ein BGE in die Hand zu drücken - egal, ob er Lust und Laune auf Arbeit hat oder nicht. Da bluten auch die Selbständigen.
Nein, nach dem Willen des Gründers der Sekte soll nur die Mehrwertsteuer deutlich erhöht werden.
Dadurch lässt sich das Ganze entweder nur Global einführen oder mit einer hohen Mauer um das Versuchsgebiet. Beispiel Zigarettenschmuggel.
Nette Idee, muß nie funktionieren. Alle Kritiker habens nur noch nicht gerafft. Geht auch nur mit Bewußtseinstransformation. Sekte eben.

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warholandy 23.09.2013, 15:02
407. hmm

Zitat von RioTokio
Denkwürdig ist nur, dass hier viele glauben das das Paradies auf Erden, bei dem einen die gebratenen Hühner quasi in den Mund fliegen, könnte tatsächlich realisiert werden - erstmalig und einmal in der Menschheitsgeschichte.

Nur zwei Bemerkungen hierzu:

Viele Aspekte unserer heutigen Lebenswirklichkeit sind aus Sicht früherer Zeiten UNVORSTELLBAR gewesen. Erzählen sie mal jemand aus früheren Epochen, dass wir (in den entwickelten Ländern) mit dem Problem der ÜBERernährung zu kämpfen haben (von wegen Brathähnchen die quasi in den Mund fliegen).


Erstmalige Ereignisse der Menschheitsgeschichte finden permanent statt - das liegt daran, dass wir uns in Richtung Zukunft bewegen.

Daran ändert sich auch nichts, nur weil sie es erstaunlich finden.





Zitat von RioTokio
Ein tolles Modell, dass sicher auch die restlichen rd. 7 Milliarden Erdenbürger brennend interessiert.
So ist es - und es ist auch gut, wenn alle ein Grundeinkommen haben.

Was glauben sie wieviele Menschen heute bedingungslos über globale Organisiationen ernährt werden - Zugang erhalten zu Wasser und anderen Ressourcen ?!

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RioTokio 23.09.2013, 15:58
408.

Zitat von warholandy
Nur zwei Bemerkungen hierzu: Viele Aspekte unserer heutigen Lebenswirklichkeit sind aus Sicht früherer Zeiten UNVORSTELLBAR gewesen. Erzählen sie mal jemand aus früheren Epochen, dass wir (in den entwickelten Ländern) mit dem Problem der ÜBERernährung zu kämpfen haben (von wegen Brathähnchen die quasi in den Mund fliegen). Erstmalige Ereignisse der Menschheitsgeschichte finden permanent statt - das liegt daran, dass wir uns in Richtung Zukunft bewegen. Daran ändert sich auch nichts, nur weil sie es erstaunlich finden. So ist es - und es ist auch gut, wenn alle ein Grundeinkommen haben. Was glauben sie wieviele Menschen heute bedingungslos über globale Organisiationen ernährt werden - Zugang erhalten zu Wasser und anderen Ressourcen ?!
Bravo - Sie sind wenigstens konsequent.
BGE nicht nur für die auf deutschem Gebiet Lebenden - nein, für alle.
Eine einzuführende Weltregierung mit Weltsteuersystem und Weltpolizeisystem sowie entsprechende Umverteilungslogistik einführen und schon geht es los...

Da unsere Sozialhilfeempfänger im weltweiten Mittel gesehen sehr reich sind, müssen sich viele hier bei einem weltweiten BGE von ca. 2 Dollar pro Tag etwas einschränken.

Für die gute Sache sind sicher alle hier bereit zu verzichten...

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TheBear 23.09.2013, 15:58
409. Zuerst Umbewertung der Arbeit

Zitat von warholandy
Genau das halte ich für ein krasses Missverständnis bzgl. der Wirkung eines BGEs. Anstrengende, unangenehme und hochqualifizierte Arbeit wird natürlich weiterhin stattfinden - das BGE ist doch eine GRUNDSICHERUNG und nicht eine Rundumsorglosversorgung! .
Dann müsste es aber schon sehr niedrig sein.

Ich habe aber kein grosses Vertrauen in die heutigen Standardbürger, weil wir eben in einer völlig verzerrten Welt leben, in der nicht nur ein Mensch im wesentlichen nach seinem Einkommen beurteilt wird, sondern - und das ist ja das eigentlich Problem - das Einkommen fast völlig unabhängig vom wirklichen Wert der Arbeit geworden ist, für die es bezahlt wird.
Ja noch schlimmer: Gerade die Leute, die Arbeit mit einem negativen Wert machen, werden besonders gut bezahlt.

Ich sehe wirklich nicht, wie die korrekte Bewertung der Arbeit durch ein BGE gefördert werden könnte.
Zitat von
Die Leistungserbringer würden in die Lage versetzt, unabhängig(er), frei(er) als bisher, die Bewertung vorzunehmen und entsprechende Lohnforderungen zu stellen. So würde die Bewertung vermehrt von den Beteiligten Personen vorgenommen - das scheint mit die wesentliche Neuerung zu sein.
Vergessen Sie bitte nicht, dass viele dieser notwendigen und wertvollen Arbeiten eben nicht erbracht werden, weil der Nutzen dieser Arbeit nicht so direkt bei dem Nutzniesser ankommt (ist ja viel für das "Gemeinwohl").

Wenn der Staat nun keine Mittel mehr hat, weil alles fürs BGE draufgeht, kann er ja noch weniger als jetzt höhere Lohnforderungen erfüllen, selbst wenn die Verantwortlichen eine Umbewertung (höhere Bezahlung für höherwertige Arbeit) vorgenommen haben.

In einem Oelstaat, in dem das Geld für ein BGE vorhanden ist, könnte es funktionieren, bei uns nicht.

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