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Venedig: Die Letzten ihrer Art
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Venedig, die Stadt der Künstler, der Touristen und der Geschäftemacher - wie lebt sie mit dem Erbe ihrer Geschichte? Kann sie für ihre Bewohner noch Heimat sein?

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Oberleerer 05.06.2012, 07:47
1.

Die Grundsteuer abgeschafft. Berlusconi hat also den Feudalismus wieder eingeführt, mit Großgrundbesitzern und Landlosen.
Wenns nicht so traurig wäre.
Hatten die Italiener eigentlich schonmal eine Revolution aus dem Volk oder haben die sich bisher schon immer am Nasenring durch die Manege führen lassen?

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MrStoneStupid 05.06.2012, 08:21
2. Einige einfache Maßnahmen

- zweite Wohnsitze so hoch besteuern, bis deren Anzahl akzeptabel ist,
- hohe Gebühren für alles was nervt und nicht dem Gemeinwohl dient,
- hohe Gebühr für jeden Touristen, Venedig kann sich das leisten.

Mit dem Geld wird Venedig saniert und so lebenswerter für Einheimische und begehrenswerter für Touris (deren Anzahl aber mit Gebühren begrenzt werden muss). Ein Problem ist vermutlich auch die Mafia und der lokale Klüngel und da hilft bekanntlich eine wirksamere Verbrechensbekämpfung. (alles imho)

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hitman67 05.06.2012, 08:37
3. Venedig hat 2 Gesichter

Alles was in diesem Artikel beschrieben wird ist - leider - wahr. Ich selbst war in den vergangenen 20 Jahren mehr als ein Dutzend Mal in Venedig. Immer mehr Markennamen prangen an den Fassaden der historischen Gebäude. Ich finde das auch mehr als bedauerlich, aber es scheint angesichts der ökonomischen Rahmenbedingungen eine Notwendigkeit. Eine Alternative wären horrende Gebühren für den Besuch von Venedig zu verlangen.
Die Touristenströme waren schon immer da und tagsüber sind die meist besuchten Attraktionen stets hoffnungslos überfüllt.
Das Problem ist, dass es zwei Gruppen Touristen gibt. Die weitaus größte Gruppe stellen die "Tagestouristen" die ab dem frühen Morgen in die Stadt eindringen wie das regelmäßige Hochwasser. Im Schnitt lassen diese Touristen nur wenig Geld in der Stadt und leisten damit keinen besonders hohen Beitrag zu deren Erhalt.
Auf der anderen Seite gibt es die Touristen die in Venedig wohnen. Diese kommen in den Genuss das "wahre Gesicht" der Stadt kennenzulernen, wenn es so was überhaupt noch gibt. Ab 19 Uhr wird es angenehm ruhig und in den späten Abendstunden hört man selbst unweit des Markusplatzes die sprichwörtliche Stecknadel fallen. In den Restaurants tummeln sich ebenso viele Einheimische wie Touristen.
Venedig ist und bleibt eine traumhafte Stadt mit wundervollen Künstlern, hervorragenden Restaurants und Kulturgütern.

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Ylex 05.06.2012, 08:38
4. Untergang im Menschenmeer

Venedig ist eine Touristenattraktion von Weltrang, so wie Chinesische Mauer oder die ägyptischen Pyramiden – aber letztere sind unbewohnt, sie ertragen den Rummel gleichmütig, sie leiden nicht ablesbar unter dem Druck der Menschenmassen und des Geldes, die alles kaputt zu machen drohen.

Zitat: „Die Privatwirtschaft, so sieht es Giorgio Orsoni, der Bürgermeister, habe bei der Rettung der Palazzi eine "essentielle Funktion". In einer Zeit, "da die staatlichen Fonds für den Schutz des Denkmalbestands Venedigs praktisch auf null reduziert worden sind", habe die Stadt ja dennoch Verantwortung für den enormen Reichtum, den sie geerbt habe. Aber dafür die Sozialkassen plündern? Nein. Man brauche sie, die Privaten. Man müsse allerdings künftig darauf achten, dass das große Erbe "für einen öffentlichen Gebrauch zugänglich bleibt, und verhindern, dass Hotels daraus werden."

Das klingt deprimierend, fast wie eine Kapitulation. Die Italiener allein haben die Verantwortung für diese einmalige Lagunenstadt, sie allein können die Einwohner vor den viel zu vielen Besuchern und vor den ständigen Angriffen des Kapitals schützen. Die Privaten werden nur deshalb gebraucht, weil Italien in Bezug auf Venedig falsche Grundsatzentscheidungen getroffen hat – Italien lässt es zu, dass die Stadt immer gnadenloser vermarktet wird. Diese Vermarktung zerstört Venedig, seine Atmosphäre, den unvergleichlichen Hauch des Morbiden, das Geheimnisvolle, das Eindringliche.

Ja, die Häuserfassaden, der Canal Grande, die Palazzos, ja sie sind herrlich anzusehen, ein einzigartiges Ensemble, das allerdings zum Vehikel für kreischende und sich die Finger wund knipsende Schönheitskonsumenten verkommen ist, für die Abhaker des Romance-Feeling, für die stampfenden, das Empfindsame dieser Stadt niedertrampelnden Horden, die unablässig aus den Kreuzfahrt-Hochhäusern strömen, die Venedig jeden Tag wie ein Heuschreckenschwarm überfallen.

Der Zugang zu Venedig muss reglementiert werden – das ist der einzige Ausweg aus dem drohenden Untergang Venedigs, nicht im Meer, sondern im Menschenmeer. Zurück zum Niedergang, zur faszinierenden Dekadenz der Lagunenstadt. Die Venezianer müssen aufschreien, sie müssen gegen die gnadenlose Ausbeutung ihrer Heimat aufbegehren – und sie müssen gehört werden. Keine touristische No-Go-Area, aber Eintrittskarten für Venedig wären notwendig, sie müssten nicht teuer sein, nur ihre Zahl müsste begrenzt sein.

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apakker 05.06.2012, 08:42
5. Händlerzeichen versus grafffiti

"und auch mit den in Stein geritzten "Händlerzeichen", durch die die Bewohner, ähnlich wie Graffiti-Sprayer von heute, dafür sorgen wollten, dass eine Spur von ihnen blieb".

Händlerzeichen und Graffiti in einem Satz logisch miteinander zuverknüpfen halte ich für gewagt. Oder die Aussage ist dann banal.

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intenso1 05.06.2012, 08:51
6. Hohe Gebühren?

Zitat von MrStoneStupid
- zweite Wohnsitze so hoch besteuern, bis deren Anzahl akzeptabel ist, - hohe Gebühren für alles was nervt und nicht dem Gemeinwohl dient, - hohe Gebühr für jeden Touristen, Venedig kann sich das leisten. Mit dem Geld wird Venedig saniert und so lebenswerter für Einheimische und begehrenswerter für Touris (deren Anzahl aber mit Gebühren begrenzt werden muss). Ein Problem ist vermutlich auch die Mafia und der lokale Klüngel und da hilft bekanntlich eine wirksamere Verbrechensbekämpfung. (alles imho)
Hohe Gebühren für Touristen?
Übernachtungen in Venedig sind im Preis überhöht. Wenn man sich nicht auskennt wird ein Besuch in einer Lokalität leicht zum Luxus.
Sicherlich ist es für die "Eingeborenen" eine Belastung aber Venedig lebt von den Touristen.
Wenn das Unternehmen "Touristen" um xx % sinken würde würde hätte es für die Anbieter; Gondelfahrt, Hotel, Restaurants, Museen usw. katastrophale Auswirkungen und somit auch für Venedig direkt.

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MrStoneStupid 05.06.2012, 09:03
7. Das Geld muss auch an den Staat fließen

Zitat von intenso1
Hohe Gebühren für Touristen? Übernachtungen in Venedig sind im Preis überhöht. Wenn man sich nicht auskennt wird ein Besuch in einer Lokalität leicht zum Luxus. Sicherlich ist es für die "Eingeborenen" eine Belastung aber Venedig lebt von den Touristen. Wenn das Unternehmen "Touristen" um xx % sinken würde würde hätte es für die Anbieter; Gondelfahrt, Hotel, Restaurants, Museen usw. katastrophale Auswirkungen und somit auch für Venedig direkt.
Da wäre doch erstmal zu prüfen, wie reich die Profiteure sind und ob sie auch brav alle Steuern zahlen. Wie viel Geld lassen die Touristen in Venedig und wie viel Geld kommt beim Staat (bzw. der Stadtverwaltung) an? (imho)

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lalaidama 05.06.2012, 09:20
8. una notte a venezia

una gondola sul mar.....singt Franco Andolfo Padovese....die Leute , die in Venedig arbeiten, lebten immer schon großteils auswärts..eben in Padova oder Mestre....und hinter dem canale grande, da leben noch einige alte Leute im Substandard....quasi una malavoglia....

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Ylex 05.06.2012, 10:37
9. Cappuccino 12 Euro

Zitat von intenso1
Wenn das Unternehmen "Touristen" um xx % sinken würde würde hätte es für die Anbieter; Gondelfahrt, Hotel, Restaurants, Museen usw. katastrophale Auswirkungen und somit auch für Venedig direkt.
Das notorische Totschlagsargument: wirtschaftliche Einbußen, mehr Arbeitslosigkeit. Vor 15 Jaqhren besuchten noch deutlich weniger Touristen Venedig - da ging es doch auch, da konnte sich noch niemand vorstellen, wie hoffnungslos überlaufen die Stadt heute ist. Venedig steht auch symbolhaft für den ungezügelten Wachstumswahnsinn, der, wie man hier sieht, ins Chaos führt. Die Antwort kann nicht sein, einfach abzuwinken und mit dem Chaos zu leben.

Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, als es in Venedig besucherarme Tage gab, als nur ein paar über den Markusplatz schlenderten, als die Gondoliere Karten spielten und als man vom Restaurantbesitzer persönlich zu einem der vielen leeren Tische geleitet wurde – diese Zeiten sind vorbei. Heute ist man froh, überhaupt einen freien Tisch zu ergattern... wobei mir gerade dieser ultimative Tomatensalat einfällt, den ich voriges Jahr unter anderem bestellte: Es war eine große, grünlich-rote Tomate, zwar in Scheiben geschnitten, aber nicht auseinandergelegt, so dass die Form der Tomate noch auf dem Teller erhalten blieb, nichts anderes war auf dem Teller, nichts, nur diese Tomate – der „Tomatensalat“ kostete 8,90 Euro. Ob das allerdings eine Möglichkeit darstellt, den Touristenstrom zu begrenzen, ist zweifelhaft, auch nicht der Cappuccino für 12 Euro im Café auf dem Markusplatz. Nach Venedig bin ich schon mehrere Male gefahren, aber inzwischen habe ich schon fast ein schlechtes Gewissen, wenn ich dort auftauche – man überlegt sich ernsthaft, ob es nicht besser wäre, da ganz wegzubleiben. Hier ein Foto, das die verfahrene Lage der Stadt illustriert:
Zwei Hochhaus-Kreuzfahrer in Venedig - Bild & Foto von willi08 aus Venezia - Fotografie (14440057) | fotocommunity

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