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Verfolgung von Homosexuellen: Sepp Blatter und der Bodensatz des Verstands

Sechs arabische Länder wollen Ausländer auf Homosexualität testen, wenn diese bei ihnen arbeiten wollen. Darüber sollten wir uns aufregen. Regierungen, die Menschen für Liebe bestrafen, dürfen nicht unsere Freunde sein. Und Fifa-Funktionäre, die dazu hopsen, auch nicht. Sybille Berg über Staaten, die Homosexualität verbieten - SPIEGEL ONLINE

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Olaf 09.11.2013, 14:22
10.

Zitat von sysop
Sechs arabische Länder wollen Ausländer auf Homosexualität testen, wenn diese bei ihnen arbeiten wollen. Darüber sollten wir uns aufregen. Regierungen, die Menschen für Liebe bestrafen, dürfen nicht unsere Freunde sein. Und Fifa-Funktionäre, die dazu hopsen, auch nicht.
Hm, sonst wird doch so gerne von Verständnis für andere Kulturen gepredigt.

Und schon ist Europa wieder auf einem neuen Kreuzzug, die Wilden auf den rechten Pfad zu führen. Notfalls auch mit Druck.

So jedenfalls würde ein solches Verhalten von den arabischen Ländern gesehen.

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Wildes Herz 09.11.2013, 14:39
11. Man greift sich an den Kopf...!

Zitat von thapk
Hier findet sich kein Schwein zurecht. Die Echten sind falsch, die Falschen sind echt, und alles mischt sich im Topf, und Schmerz macht Spaß, und Lust zeugt Zorn, und Oben ist unten, und Hinten ist vorn. Man greift sich an den Kopf. Von mir aus, schlaft euch selber bei! Und schlaft mit Drossel, Fink und Star und Brehms gesamter Vogelschar! Mir ist es einerlei. Nur, schreit nicht dauernd wie am Spieß, was ihr für tolle Kerle wärt! Bloß weil ihr hintenrum verkehrt, seid ihr noch nicht Genies. Na ja, das wäre dies. Erich Kästner
Erich Kästner hin oder her: Das Gedicht ist übel. Lyrisch ziemlich holperig und ungelenk, und inhaltlich genau so, wie es Kästner in einer Gedichtzeile selbst schreibt: "Man greift sich an den Kopf"! Der Text trieft nur so vor homophobem Ressentiment und tief sitzendem Unverständnis für homosexuelle Liebe. Hier wird Homosexualität als "großes Durcheinander" dargestellt und sogar in perfider Weise mit Zoophilie ("Und schlaft mit Drossel, Fink und Star und Brehms gesamter Vogelschar") gleichgesetzt.

Ohne jeden Zweifel, ein trauriger Tiefpunkt in Kästners Werk... fragt sich nur, warum ausgerechnet diesem unter all seinen Werken hier posthum die Ehre zuteil wird, noch einmal aus der wohlverdienten Mottenkiste herausgekramt zu werden?

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Asta D. 09.11.2013, 14:40
12. Bürgerpflicht

Lieber chefrationalist
Dann könnte man auch fragen, ob es Bürgerpflicht ist, die Feuerwehr zu rufen, wenn das Haus meines Nachbarn brennt.
Kein Mensch sucht sich aus, wo oder wie er geboren wird. Und so sehe ich es als eine Pflicht an, den unterdrückten Minderheiten dort irgendwie zu helfen. Und sei es nur dadurch, Veranstaltungen, die nur des Geldes wegen dort stattfinden, aber die Regime unterstützten, zu boykottieren.
Sie haben das Glück, hier geboren zu sein, aber die Freiheit, die hier herrscht ist auch nicht naturgegeben. Wir können nur froh sein, dass das Naziregime im 2. WK besiegt wurde. Denn damals und auch früher wurde ein Zugewinn an Freiheit durch den Einsatz mutiger Menschen im In- und ( erst recht) im Ausland erkämpft. Auch das Leid von Menschen in anderen Ländern gehr uns etwas an. Das Glück der eigenen Geburtsumszände berechtigt nicht zu Überheblichkeit anderen Gegenüber.

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Steve Holmes 09.11.2013, 14:54
13. Ich warne vor Hochmut

Der § 175 des deutschen Strafgesetzbuches (§ 175 dStGB) existierte vom 1. Januar 1872 (Inkrafttreten des Reichsstrafgesetzbuches) bis zum 11. Juni 1994. ... Insgesamt wurden etwa 140.000 Männer nach den verschiedenen Fassungen des § 175 verurteilt.

Das ist noch keine zwanzig Jahre her.

Nach den Vorstellungen von Frau Berg hätte man also auch die Olympischen Spiele in München 1972 boykottieren sollen.

Es ist absolut falsch sportliche Veranstaltungen danach auszurichten ob in dem Austragungsland die eigenen politischen und gesellschaftlichen Vorstellungen verwirklicht sind.

Frau Berg hat natürlich Recht wenn sie sagt, „Regierungen, die Menschen für Liebe bestrafen, können keine Freunde sein“. Auf Freundschaft kommt es dabei auch nicht an, sondern ob es gemeinsame Interessen gibt.

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BrucyLee 09.11.2013, 14:59
14. Demokratie ist das, was mir gerade passt

hier wird wieder so getan, als ob Despoten und Fußballfunktionäre die Freiheit der Menschen unterdrücken. Lassen wir doch die Menschen in den genannten Staaten darüber abstimmen, wie sie zur Homosexualität stehen! Das Ergebnis wäre eindeutig. Die Schwulen hätte keine Chance. Nur wird diese klare Entscheidung nicht anerkannt. Dann sind die Araber halt zu doof, zu unterentwickelt, oder was weiß ich? Zwischen der Überheblichkeit und dem Imperialismus der heutigen "Meinungsmacher" in den westlichen Ländern und ihren ungeliebten Vorfahren aus dem 19. Jahrhundert sehe ich keinen Unterschied. Nur, dass heute ganz verschämt ein Pflästerchen mit Demokratie und Freiheit draufgeklebt wird.

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Wildes Herz 09.11.2013, 15:00
15.

Zitat von raber
In vielen Ländern, ich glaube auch Deutschand, müssen Nicht-EU-Ausländer gesundheitliche Tests durchlaufen bevor sie eine Aufenthaltsgenehmigung erhalten.
Wäre mir - zumindest in Bezug auf Deutschland - nicht bekannt. In welchem Gesetz soll eine solche Voraussetzung für einen Aufenthaltstitel stehen?

Zitat von raber
Warum sollen arabische Lander nicht Homosexuelle diskriminieren wenn es ihrer Kultur entspricht?
Setzen Sie für "arabische Länder" einfach mal "Deutschland" ein und für "Homosexuelle" eine beliebige andere Gruppe: Juden. Frauen. Behinderte. Dann wissen Sie vielleicht, warum das nicht einfach so locker-leicht hinnehmbar ist.

Zitat von raber
Schliesslich ist auch ein grösserer Teil der homo- und bisexuellen Bevölkerung an HIV infiziert als der der Heterosexuellen.
WO? In Südafrika z.B. ist ca. jeder fünfte Erwachsene HIV-positiv. Wollen Sie vielleicht behaupten, dass das alles Homosexuelle sind?

Nach Ihrer Logik müsste man dann also gezielt Südafrikaner diskriminieren. Als HIV-Risikogruppe. Es werden aber nicht Südafrikaner, sondern HOMOSEXUELLE diskriminiert. Und ganz bestimmt nicht aus gesundheitlichen Gründen. Wäre DAS der Grund, dann müsste man keinen Test auf Homosexualität, sondern auf HIV-Antikörper machen. Macht man aber nicht. Es geht nur um Homosexualität, und nicht um Aids!

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Steve Holmes 09.11.2013, 15:02
16.

Zitat von klarschiff
Die WM in Katar gehört boykottiert, ...
Es bleibt ihnen überlassen, ob sie sich die Spiele im Stadion oder am Fernseher ansehen. Keiner wird gezwungen.

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Steve Holmes 09.11.2013, 15:05
17.

Zitat von blauervogel
Wenn die Sportler tatsächlich für Menschenrechte einstehen würden, müssten sie solche Länder boykottieren.
Das sind Profis die ihrem hoch bezahlten Beruf nachgehen. Die werden sich nicht von Nebensächlichkeiten ablenken lassen.

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mahepoint 09.11.2013, 15:08
18. Andere Länder, andere Sitten

Liebe Frau Berg,

Sie schreiben, Zitat: Es scheint, daß jeder Schritt, den die Menschheit in ihrer Entwicklung nach vorne macht, durch zwei Rückwärtsschritte wieder außer Kraft gesetzt wird. (Zitatende). Damit ist wohl eine Welt gemeint, in der alles, was Spaß macht, erlaubt ist und alles andere, incl. anders Denkender und Handelnder nicht unbedingt verboten (denn Verbieten ist ja inzwischen auch verboten) aber verpöhnt oder zumindest verachtet ist. Nein, liebe arabische Mitmenschen, selbstverständlich dürft Ihr gern glauben, was und an wen Ihr wollt, nur handelt gefälligst nach unseren Moralvorstellungen, sonst müssen wir uns leider aufregen. Denn wir haben uns ja weiterentwickelt, Ihr leider nicht. Und deswegen dürfen wir auch urteilen, oder beurteilen, oder noch vorsichtiger ausgedrückt, wir dürfen unser Urteil mit Euch teilen. Vielleicht seid Ihr ja bereits so weit, daß Ihr dann diese zwei Schritte plus den Rest wieder mit uns nach vorn gehen könnt. Und dann wäre ja auch alles wieder gut, jeder könnte sich paaren mit wem oder was er will und wir könnten uns über wichtigere Dinge aufregen ....

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Thyphon 09.11.2013, 15:08
19. Omg

Ich musste erst mal aus dem Fenster schauen, und nein, es regnet keine Frösche, die Hölle ist nicht zugefroren und die Welt geht nicht unter.

Und doch: Zum ersten mal lese ich einen Artikel von Frau Berg, dem ich uneingeschränkt zustimmen kann. Keine billigen Klischees, kein abgedroschener Sexismus keine leeren Phrasen - es gibt doch noch Wunder.

Weiter so!

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