Forum: Blogs
Vier Professoren reden Klartext: Ihr Studenten nervt!
DPA

Unpünktlich, unvorbereitet, unwissend - Studenten können die Pest sein, wenn man sich von ihnen seit Jahren die gleichen Ausreden anhören muss. Vier Professoren ziehen vom Leder.

Seite 1 von 15
unzensierbar 03.11.2016, 10:33
1.

Und am Ende kann man doch all diese Dinge mehr oder weniger auf dasselbe Problem zurückführen. Studien und eigentlich unser gesamtes Bildungssystem und unsere Lebensart sind darauf ausgerichtet, möglichst produktiv zu arbeiten und so dem Arbeitgeber möglichst viel Profit verschaffen. Man darf nicht mehr studieren was man will, sonst bekommt man einfach keinen Job mehr. Man muss das studieren, was der Arbeitgeber will. Da würde ich mich natürlich auch nicht begeistert reinsetzen, sondern einfach meine Zeit absitzen und das Studium bestehen. Erst wurde die Arbeit entfremdet und jetzt leiden wir auch noch unter einer Entfremdung der Bildung.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
was-zum-teufel... 03.11.2016, 10:36
2. Der Rechtswissenschaftler weiß nicht mal...,

dass man erst mit vier Punkten in Jura "gerade so eben" noch bestanden hat. Gerade in Jura ist die Lehre sehr oft Müll. Den Professoren merkt man so oft an, dass sie keine Lust haben und die Lehre nur als Last empfinden. Ich weiß, wovon ich spreche, denn ich bin selbst Jurist.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
wolfi7777 03.11.2016, 10:50
3. Mit machen ist alles!

Mein Studium ist zwar schon einige Jahrzehnte her, aber ich kann mich noch an manches gut erinnern.
Ich habe schnell gemerkt, dass die meisten Dozenten darauf reagieren, wenn man aktiv mit macht und mitdenkt. Meine Lieblingsstory aus einer Mathe-Vorlesung: Der Dozent "versuchte" einen recht rechenaufwendigen Beweis - aber die Formeln entwickelten sich irgendwie nicht so wie erwartet, anstatt kürzen zu können, wurde alles komplizierter. Als er dann mal ein paar Schritte zurück trat um das Kuddelmuddel zu betrachten, erlaubte ich mir eine schüchterne Zwischenfrage: Herr Professor, fehlt da in der dritten Zeile von oben nicht bei dem einen Ausdruck der Faktor 2? Er schaute mich verblüfft an, ging zur Tafel zurück, korrigierte in Windeseile und voilá - alles löste sich zur Zufriedenheit auf ... Seitdem hatte ich bei ihm einen Stein im Brett. :)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
benchok 03.11.2016, 10:50
4. Ü30

Ich bin Mitte 30 und studiere berufsbegleitend. Viele der Ansichten teile ich. Gerade das Thema Unpünktlichkeit und Handy nimmt unverschämte Formen an. Auch habe ich den Eindruck, dass viele Studenten kein echtes Interesse haben an dem was sie tun. Kritisches Hinterfragen fehlt. Natürlich hab ich mit Berufs- und Lebenserfahrung andere Ansichten als die Jüngeren.
Bei vielen kann ich einfach nur den Kopf schütteln; "wie haben die es hierhin geschafft?", denke ich dann.
Zum Glück gibt es auch Ausnahmen, die in ihren jungen Jahren soviel Ideen haben und das Gewohnte in Frage stellen- ein Lichtblick.

Leider ist die Qualität der Lehrenden ebenso breit gefächert. Der eine kann es halt, der andere nicht. Auch Profs sollten ihre Lehrmethoden aus der Nachkriegszeit überdenken und anpassen: adopt, adapt, improve...;)
YiT

Beitrag melden Antworten / Zitieren
aberdasistdoch 03.11.2016, 10:59
5. Ich bin Teil der Ursache

Ich bin Lehrer an einer niedersächsischen Gesamtschule. Es ist doch alles sogar noch viel schlimmer! Wer heute kein Einserabitur macht, hat entweder die Abschlussklausur geschwänzt oder war so clever, nach der 10. Klasse eine anständige Ausbildung anzufangen.

Ich will hier nicht anfangen mit "Die Schüler werden von Jahr zu Jahr dümmer und unhöflicher", da mir die ganz Schlauen hier gleich die Sokrates-Zitate um die Ohren werfen werden. Daher formuliere ich es so: Anderswo auf der Welt werden die Schüler immer schneller immer schlauer und zeigen dabei gute Umgangsformen und interkulturelles Wissen. Der Chinese, doch eh nur damit beschäftigt ist, jeden Tag unsere anständige deutsche Wertarbeit zu kopieren, hat uns in Wahrheit doch schon überholt. Unser Land wird von einigen wenigen getragen, die bereit sind, Leistungen zu erbringen. Der Rest pimmelt - unter anderem in Medienstudiengängen - vor sich hin und überlegt, wie er durch Click-Bait-Artikel 'ne schnelle Mark machen kann.

Das Traurige ist - glaubt es oder nicht - das ist so gewollt. Ich weiß es, ich bin Teil des Systems und merke langsam, dass ich niemals Teil einer Lösung sein werden, da sich niemand für Lösungen interessiert.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
rolli 03.11.2016, 11:01
6.

Na, warum haben denn die Professoren klaglos der Verschulung des Studiums zugestimmt? Freiheit von Lehre und Forschung? Nicht mehr in Deutschland, und die Meckerer sind selber schuld daran.

rolli

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Freifrau von Hase 03.11.2016, 11:12
7.

"Auch habe ich den Eindruck, dass viele Studenten kein echtes Interesse haben an dem was sie tun."

Das wurde in Beitrag 1 bereits ganz gut angesprochen: Viele studieren nicht unbedingt das Fach, für das sie sich wirklich interessieren. Deutsch und Geschichte? Mutig, aber vielleicht doch lieber BWL, ist besser auf dem Arbeitsmarkt. Idealerweise verknüpft man ein "nützliches" Fach mit einem Lieblingsfach. Zum Beispiel (für Lehramt gut geeignet) Geschichte und Latein. Oder BWL und Sinologie (und dann geht man später vielleicht für eine große Firma nach China). Blöderweise bin ich auch erst mit 35 auf solche Ideen gekommen. Denn ein Problem ist, das man mit 19, 20 ggf. noch gar nicht weiß, was man nun beruflich machen will. Da es aber mittlerweile verpönnt ist, nach Lust und Neigungen zu studieren (auf die Forumsbeiträge achten!), werden Sicherheitsfächer wie eben BWL gewählt. Die man dann entsprechend lustlos durchzieht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
mistermoe 03.11.2016, 11:12
8. Professoren sind teilweise die Ursache des Problems

Was mir aus der Erfahrung in der eigenen Familie auffällt, ist das sich viele Professoren für Halbgötter halten. Sehr oft werden Unterlagen die zur Vorbereitung auf die Vorlesung vorgesehen sind, erst in der Nacht vor der der Vorlesung bereit gestellt, Fehler in den Unterlagen bzw. in der verwendeten Literatur werden dem Studenten zur Last gelegt, Hausaufgaben werden nicht direkt in der Vorlesung bzw. im Seminar bekannt gegeben sondern Freitag abend gemailt mit Deadline Montag früh etc.. Auf die Verwendung einer Anrede bzw. von Höflichkeitsfloskeln in Mails ist bei Professoren eher mangelware. Bei einer derartigen Einstellung der Lehrkräfte brauchen sie diese nicht wundern, wenn die Studenten diese Einstellung übernehmen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
NuclearSavety 03.11.2016, 11:13
9. Das Problem ist die Schule ....

.... mit der dortigen Kuschelpädagogik..... Meine Studenten waren am ersten Tag zunächst vollkommen entsetzt als ich ihnen sagte, dass ihnen nichts nachgetragen wird, dass sie nicht kommen brauchen die Klausur dann aber nicht bestehen werden, dass sie ihre Hausaufgaben abschreiben können aber dann ihre Klausur nicht bestehen werden, und dass hier keinem ein graues Haar wächst wenn sie nächstes Semester nicht mehr dabei sind.

Ergebnis, die eine Hälfte hat es nicht geglaubt, kam nicht zur Vorlesung, hat die Hausaufgaben abgeschrieben (mer ist ja nicht blöd, das merkt man), und siehe da, genau diese Leute sind reihenweise durch die Klausur gefallen.... willkommen Realität.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 15