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Vier Professoren reden Klartext: Ihr Studenten nervt!
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Unpünktlich, unvorbereitet, unwissend - Studenten können die Pest sein, wenn man sich von ihnen seit Jahren die gleichen Ausreden anhören muss. Vier Professoren ziehen vom Leder.

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rempes 03.11.2016, 12:22
30. Ausgerechnet

Patzelt, der in den letzten jahren nur durch intellektuell zweifelhafte, wenn nicht gar unwürdige, Einlassungen aufgefallen ist, beklagt sich hier... Naja.

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rstevens 03.11.2016, 12:23
31.

Zitat von unzensierbar
Und am Ende kann man doch all diese Dinge mehr oder weniger auf dasselbe Problem zurückführen. Studien und eigentlich unser gesamtes Bildungssystem und unsere Lebensart sind darauf ausgerichtet, möglichst produktiv zu arbeiten und so dem Arbeitgeber möglichst viel Profit verschaffen. Man darf nicht mehr studieren was man will, sonst bekommt man einfach keinen Job mehr. Man muss das studieren, was der Arbeitgeber will. Da würde ich mich natürlich auch nicht begeistert reinsetzen, sondern einfach meine Zeit absitzen und das Studium bestehen. Erst wurde die Arbeit entfremdet und jetzt leiden wir auch noch unter einer Entfremdung der Bildung.
Was für eine verquere Sicht auf die Welt. Jeder darf studieren, was er will. Das ist auch heute so. Mir ist allerdings nicht klar, wie man eine Erwartungshaltung haben kann, dass einem eine Firma Geld gibt, wenn das, was man kann, dort nicht gebraucht wird.

Die Kette fängt im übrigen auch früher an. Firmen produzieren Dinge oder erbringen Dienstleistungen, die wir alle konsumieren. Dafür brauchen sie Leute, die entsprechende Tätigkeiten durchführen und diese auch beherrschen. Entsprechend ausgebildete Mitarbeiter sind da die deutlich sicherere Wette als Fachfremde oder Quereinsteiger. Aus dieser Verkettung ergibt sich halt auch, dass Absolventen bestimmter Fachrichtungen gefragter sind als andere.

Ich sehe nicht, wieso das heute grundlegend anders sein sollte, als früher. Ich kann mich also entscheiden. Ich kann also durchaus auch heute studieren, was ich will, dann muss ich aber auch damit leben, dass der Übergang zum Geldverdienen unter Umständen etwas schwieriger sein könnte, als bei anderen. Ich muss damit leben, dass ich vielleicht in einem anderen Bereich arbeite, als ich studiert habe. Oder ich studiere etwas, das gebraucht wird und mit dem ich mich anfreunden kann, dann fällt's nachher leichter, einen Job zu finden. So ist es halt und so ist es auch seit Jahrzehnten. Das bezeugen z.B. die vielen Quereinsteiger in der IT. Die Physiker bei SAP sind sogar zum Klischee geworden.

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buhmann 03.11.2016, 12:24
32. Widerspruch

Ich bin momentan wieder Informatik Student und kann hier jedem Punkt locker widersprechen.

1. (Prof. Dr. Hildegard Westphal) Ja, es wird oft auswendig gelernt. Warum auch nicht? Die meisten Klausuren, ob schriftlich oder mündlich, sind darauf ausgelegt, dass der Student die Inhalte runter predigt. Also soll man hier gegen den Strom schwimmen? Am Ende braucht man nunmal die Punkte und eine gute Note. Die Vorlesung mit Fragen zu stören wird auch oft negativ wahrgenommen, man soll doch die Übung (oft geleitet von billigen Hiwis ohne Ahnung) dafür nutzen.

2. (Prof. Dr. Thomas Hoeren) Bei EMail Nachrichten ist es meist der Fall, dass man auch hier mit 20-jährigen Hiwis kommuniziert. Da werde ich das nicht super förmlich machen. Des Weiteren bin ich nunmal Student und kein Bittsteller. Ich erwarte auch, dass der Lehrstuhl seinen Job macht. Sehr oft werden Fristen nicht eingehalten und ignoriert. Da muss man dann selber schon etwas nachhelfen. Das interessante ist ja, dass man sich als Student penibel an eine gegebene Frist halten muss. Irgendwas 30 min. zu spät abgeben, bedeutet nunmal oft durchgefallen. Fristen für Professoren sind schon laut Regelwerk keine wirklichen Fristen, sondern eher zeitliche Orientierungspunkte, was man dann auch oft genug zu spüren bekommt.

3. (Prof. Dr. Oliver Vornberger) Es gibt keine Anwesenheitspflicht. Damit muss der Herr Professor wohl erst zurecht kommen. Später kommen ist kein persönliches Statement. Das Verhältnis ist auch so (vor allem damals bei Studiengebühren), dass der Professor bezahlt wird und die Studenten direkt (oder indirekt) dafür bezahlen. Das sollte hier wohl nicht vergessen werden. Dazu kommt, dass Vorlesungen/Übungen teils komplett mit Scheuklappen zeitlich geplant werden. Da überschneiden sich zahlreiche Termine verschiedenster Lehrstühle. Dieses Semester hatte ich wieder am Mittwoch um 14:00 Uhr drei Fächer .... Zusätzlich hat jeder Lehrstuhl gerne sein eigenes kleines Anmelderitual. Das muss man bei nehazu jeder Vorlesung erstmal mitbekommen. Uni-Standards werden oft getrost ignoriert.

4. (Prof. Dr. Werner J. Patzelt) Im Informatik Bereich sind viele der Fächer vollkommen unnütz für einen Job später. Irgendwelche Vorgehensweisen, die rein theoretisch beschrieben sind, praktisch aber nirgends existieren. Damit erhält man später keinen Job. Eine Firma interessiert sich nunmal dafür, welchen Gewinn sie mit mir als Mitarbeiter hat. Und das ist nunmal auch der Grund warum Leute studieren. Es geht darum einen einigermaßen guten Job zu finden, indem man dann wachsen kann oder was auch immer. Des Weiteren gibt es zahlreiche fünf Punkte Fächer, die einen gigantischen Aufwand haben und acht Punkte Fächer, für die man max. 1 Stunde pro Woche braucht. Die Planung ist hier meist miserabel. Wenn man mehrere übermäßig aufwendige Fächer hat, dann muss man selber eben gezielt Kürzen. Wenn dann noch der Professor eine Vorlesung hält, in der er einfach nur aus seinem Buch vorliest, dann weiß ich nicht, wozu ich da bei null Mehrwert anwesend sein sollte. Ich brauche keinen schechten Vorleser, ich kann selber lesen.

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Pinin 03.11.2016, 12:25
33. Nicht-denkende Studenten ...

... und nicht-denkende Bürger sind doch das Ziel der herrschenden politischen Klasse. Sagt jemand der noch in der guten alten Zeit auf Diplom studiert und promoviert hat und damals auch noch Zeit hatte neben dem Physik-Studium C.G. Jung & Co. zu lesen.

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steffen.ganzmann 03.11.2016, 12:25
34.

Zitat von NuclearSavety
.... mit der dortigen Kuschelpädagogik..... Meine Studenten waren am ersten Tag zunächst vollkommen entsetzt als ich ihnen sagte, dass ihnen nichts nachgetragen wird, dass sie nicht kommen brauchen die Klausur dann aber nicht bestehen werden, dass sie ihre Hausaufgaben abschreiben können aber dann ihre Klausur nicht bestehen werden, und dass hier keinem ein graues Haar wächst wenn sie nächstes Semester nicht mehr dabei sind. Ergebnis, die eine Hälfte hat es nicht geglaubt, kam nicht zur Vorlesung, hat die Hausaufgaben abgeschrieben (mer ist ja nicht blöd, das merkt man), und siehe da, genau diese Leute sind reihenweise durch die Klausur gefallen.... willkommen Realität.
Nun sagen Sie mir bitte nicht, dass Ihr Deutsch im Bezug auf Zeichensetzung Usus bei heutigen deutschen Universitäten ist. Vor Allem setzen Sie sich mit dem Thema "Auslassungspunkte" auseinander (https://de.wikipedia.org/wiki/Auslassungspunkte).

Übrigens, wir lernten einst in der Schule noch den schönen Merksatz: "Wer "Brauchen" nicht mit "zu" gebraucht, braucht "Brauchen" überhaupt nicht zu gebrauchen."
Sie nicht mehr?

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RainerCologne 03.11.2016, 12:31
35.

Es ist nun mal so, dass der Großteil der Studenten nicht des Studiums wegen sondern wegen der Jobaussichten studiert.

Die wollen keine Akademiker werden, die wollen auch nicht auswendig lernen. Die wollen einfach nur einen guten Job am Ende haben.

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steffen.ganzmann 03.11.2016, 12:34
36.

Zitat von bembelsche
[...] Kommt ein Student auf einen deutschen Professor zu, denkt sich dieser: "Da kommt ein Student. Der weiß nichts." Passiert das gleiche in Großbritannien, denkt sich der britische Professor: "Da kommt ein Student. Der muss noch viel lernen!" [...]
Ähnlich ist es bei deutschen und schweizer Chefärzten. Fragt man als Student/Assistenzarzt den Deutschen, denkt dieser: "Der fragt so viel, der kann ja gar nichts!"

Fragt man dann später, noch deutsch gepolt, den Schweizer, glaubt jener: "Was für ein arroganter Sauschwob (für einen Schweizer ist jeder Deutsche ein Schwabe)! Fragt nichts, will also auch nichts lernen, will wohl schon alles können, was ich ihm eigentlich beibringen könnte." ...

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TheBear 03.11.2016, 12:38
37. Verständnis als Bürde

Wenn man das Bildungssystem - um Geld zu sparen - so aufzieht, dass wirkliches Verstehen als zu vermeidende Bürde gilt und es nur auf die "richtigen Antworten" ankommt, braucht man sich nicht zu wundern, dass Studenten heran gezogen werden, wie die hier beschriebenden.

Aber ist ja auch verständlich: Eine multiple-choice Arbeit zu korrigieren ist auch für den Lehrer einfacher als wirkliche Antworten zu durchforsten.

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steffen.ganzmann 03.11.2016, 12:43
38.

Zitat von chattagam
Jaa! Es ist schon amüsant, dass es auch nach 2010 Professoren gibt, die nicht einmal die Basishandgriffe für Windowssysteme (StrgAltEntf, AltF4, AltTab, StrgCStrgV, Neustart, ...) kennen. Bei einer unerwarteten Fehlfunktion von PowerPoint stehen die dann wie der Ochs vorm Berg bis ein Student eingreift und den Task beendet. Oder den selben Text 3 mal abtippen, anstatt Copy&Paste zu benutzen. (Kann aber auch Absicht sein, um Zeit zu schinden) Auf der anderen Seite "benutzen" die Studenten, oder posen vielmehr, mit ihren Apfelprodukten (für Professoren: Nein, Saft und Mus der Sündenfrucht der Rosaceae ist nicht gemeint) und spielen nebenbei CandyCrush.
Sie haben ja so Recht. Es stimmt, von Computern habe ich zugegeben genau so viel Ahnung wie meine letzte Frau von einem alten, britischen SU-Vergaser!

Aber was nutzt meinem "Nerdstudenten" im OP denn sein ganzes schönes Computerwissen, wenn er nicht gelernt hat, wie man ein grösseres Gefäss einfach umsticht und lieber zum 5. Mal versucht, dieses nur abzubinden, aber seine Ligaturen immer wieder abrutschen? Im OP gibt es "Dr. Google" nämlich nicht ... ;-)

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mic73 03.11.2016, 12:50
39. Ist aber genau so gewollt

Wer auswendig lernt und nachplappert kommt weiter(!)... im Studium, genauso wie im Job! "Gefährliche" Freidenker sind im Studium, im Job und gesellschaftlich im Allgemeinen unerwünscht! Sie scheitern zumindest im Beruflichen regelmäßig. Ist letztlich nicht anders, wie in der DDR!

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