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Vorratsdatenspeicherung nach Snowden: Lernen aus der Zukunft

Die Snowden-Enthüllungen wären eine perfekte Gelegenheit, um die Vorratsdatenspeicherung abzuschaffen. Aber die Befürworter der Praxis weigern sich, aus der Vergangenheit zu lernen - geschweige denn aus der Zukunft. Sascha Lobo zur Vorratsdatenpeicherung nach Snowden - SPIEGEL ONLINE

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Kamillo 07.01.2014, 16:50
40.

Zitat von frankenwagen
Ich wusste gar nicht, dass im "richtigen" oder "offline" Leben protokolliert wird wenn ich in einen Buchladen gehe, oder an wen ich Briefe schreibe, oder mit wem ich mich unterhalte ... und wo ich dies tue. Warum also musst dies im digitalen getan werden.
Briefe werden protokolliert, in jedem Postverteilungs-Center stehen die Scanner. Das hier ist nur der erste gefundene Treffer von ganz am Anfang der Google-Suche: Überwachung: Deutsche Post schickt Sendungsdaten in die USA - SPIEGEL ONLINE

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gegenrede 07.01.2014, 16:51
41.

Zitat von gedankensucher
Ich verstehe bei vielen Diskussionsteilnehmern nicht, was der eigentliche Punkt ist. Natürlich ist die Privatsphäre schützenswert. Aber wir akzeptieren doch auch, dass der Kriminalität verdächtige Personen analog (mit rechtsstaatlicher Erlaubnis) überwacht werden, Telefone können abgehört werden, Kreditkartenvorgänge mitgeschnitten werden. In der analogen Welt bin ich auch nicht anonym: Meine Einkäufe werden 10 Jahre lang im Handel gespeichert, meine Buchkäufe finden sich natürlich lange im Computer meines Händlers. Ich will ja auch reklamieren, Rechnungen nachvollziehen...
Sie haben aber die Möglichkeit anonym einzukaufen oder mit dem Zug/Bus zu fahren, das mit den Rechnungen ist doch im Zeitalter von Flatrates kein Argument mehr, wenn Sie bar bezahlen und den Kassenbon aufheben, können Sie auch reklamieren, sorry aber Ihre Argumente taugen nichts...
Bein schwerwiegenden konkreten Verdacht darf natürlich eine Hausdurchsuchung stattfinden, genauso verfahren die Behörden auch ohne VDS, ihre ganzes Kommunikationsverhalten wird dann überwacht. Was meinen Sie was das BKA mit den gefährlichen Islamisten hier macht, die werden auch ohne VDS rund um die Uhr überwacht....

Zitat von gedankensucher
Und digital: Meine Internetverbindungen werden vom Provider gespeichert (Rechnungen, Reklamationen...). Es ist in meinen Augen ein ziemlich überflüssiger Streit, ob das nun 3/6/12 Monate sinnvoll ist. Die Hauptsache ist, dass niemand Drittes an diese Daten kommt, es sei denn, ein unabhängiger Richter könnte bei mir Kriminelles vermuten. Dann hat die Allgemeinheit ein Recht auf Schutz. Es geht doch wirklich nur darum, dass der dafür nötige Bruch der Privatsphäre klar rechtlich geregelt ist und gegen Willkür und Fremdnutzung geschützt ist. Und zumindest bei unserem Geheimdienst müssten entsprechende Löschungsrichtlinien bestehen, eine Verletzung der Privatsphäre über Jahre geht genauso wenig wie eine Telefonüberwachung.
Wo meinen Sie denn ist eine Datensicherheit gewährleistet, wenn nicht einmal der größte und am besten ausgerüstete Geheimdienst NSA seine Daten sichern kann?
Der sicherste Datenschutz sind keine Daten.
Und was ein von den Anhängern der VDS so viel gepriesener Richtervorbehalt wert ist, konnten gerade 10 000e vor Weihnachten erleben, dort hat nämlich das Kölner Gericht die Daten rechtswidrig herausgerückt, Stichwort Redtube, falls Sie recherchieren möchten.

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gog-magog 07.01.2014, 16:52
42.

Zitat von runticket
Vorratsdatenspeicherung ist von enormen Wert für Staat und Wirtschaft, die demoskopische Auswertung verschafft einen entscheidenden Wissensvorsprung, denn es kann damit bereits im Vorfeld entschieden werden, welche Produkte in welcher Stückzahl hergestellt werden müssen.
Sie wollen also eine Art Planwirtschaft anstatt eines freien Marktes? Übrigens: es gibt keine Vorratsdatenspeicherung für Zwecke der Wirtschaft. Das ist illegal. Hier geht es allein um die Verbindungsdaten freier Menschen, die bei einem Telekommunikationsprovider liegen und durch das Postgeheimnis und die Informationsfreiheit grundgesetzlich geschützt sind.

Zitat von runticket
Vorratsdatenspeicherung dient auch dem Staat selbst dazu, demoskopische Veränderungen zeitig wahrzunehmen und entsprechend darauf zu reagieren, damit können Krisen und Unruhen frühzeitig verhindert werden.
Das ist leider hochgradiger Blödsinn. Welche Krisen und "Unruhen" sollen damit wie verhindert werden? Und vor allem warum? Glauben Sie ernsthaft das Kriegsministerium kauft Panzer, wenn viele Leute im Baumarkt anrufen und Rasendünger bestellen?

Zitat von runticket
In beiden Fällen dient Vorratsdatenspeicherung also der Witschaftskraft und der Stabilität.
Das können Sie doch nicht wirklich glauben.

Zitat von runticket
Wer ernsthaft die Abschaffung der Vorratsdatenspeicherung verlangt, gefährdet also die Stabilität seines Landes, und damit sich selbst. Vorratsdatenspeicherung ist eine Waffe von großer Kraft und hohem Wert, man kann sie nicht einfach aufgeben.
Doch. Es gibt keine solche "Waffe" und legal wäre sie ohnehin nicht.

Zitat von runticket
Wenn jemand mit dem Auto zu einem Banküberfall fahren will und man will dies verhindern, dann kann man das öffentlich machen, indem man ihn bei der Polizei anzeigt, oder man läßt ihm einfach die Luft aus den Reifen.
Aha. Jetzt ist also nicht mehr die Tat strafbar, sondern bereits der Gedanke daran? Ja, Sie sollten Orwell lesen.

Zitat von runticket
Das Ziel wäre in beiden Fällen erreicht.
Welches Ziel? Es gibt nicht einmal ein einziges Mittel, ein "gedachtes Verbrechen" zu verfolgen, also eines, das nie ausgeführt wurde. Ihre Forderung ist absurd.

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wibo2 07.01.2014, 17:00
43. Die Ideen, die wir heute totalitär nennen, sind so alt wie unsere Zivilisation selbst

Zitat von
Vorratsdatenspeicherung nach Snowden: Lernen aus der Zukunft Die Snowden-Enthüllungen wären eine perfekte Gelegenheit, um die Vorratsdatenspeicherung abzuschaffen. Aber die Befürworter der Praxis weigern sich, aus der Vergangenheit zu lernen - geschweige denn aus der Zukunft.
Zitat von felisconcolor
Es kann nur eine Lösung geben.
Die Ideen, die wir heute totalitär nennen, gehören einer Tradition an,
die ebenso alt oder ebenso jung ist wie unsere Zivilisation selbst.

Wenn jemand bemerkt, dass mit dem Staat etwas nicht stimmt,
d.h. er also unzufrieden ist, dann versucht der Geheimdienst
regelmäßig ihn in eine politische Ecke zu manipulieren oder gar
abzudrängen, die radikal, sei es links oder rechts, ist.

Die Gründe hierfür liegen darin, dass bürokratische Organisationen
einen außerordentlichen Drang zum Totalitären haben. Denn sie
wollen alles wissen und alles entscheiden. Und sie wollen sich immer
weiter ausdehnen und ihren Einfluss vergrößern.

Und dazu muß man die eigene Arbeit wichtig und unentbehrlich
machen. Notfalls schafft man sich bei Bedarf eben die Probleme, die
man nachher zu lösen vorgibt. Wenn nun aber diese Manipulation
außer Kontrolle gerät, wie es den Geheimdiensten schon das eine
oder andere mal passiert ist, dann in eine Richtung, die
den Verwaltungsbeamten gefällt. Nämlich in Richtung von noch
mehr Staat.

Oder sie mit nachrichtendienstlichen Mitteln aus dem Land entfernen. Nicht jeder wandert wegen des Wetters aus. Übrigens hat diese
Vertreibung aus politischen Gründen eine lange Tradition. So lebten
um 1848 alleine 20.000 Deutsche in Paris. Und heute findet man über
die ganze Welt verstreut Deutsche. Das muss doch irgendwie damit
zusammenhängen, dass der Apparat gehörig nachhilft.

Deshalb keine Vorratsdatenspeicherung in welcher Form auch immer!
Weil das geistig-moralische Niveau von BND und VS(BfV) zu niedrig
ist. Wie ihr Verhalten und das ihrer respektiven Vorgänger -
Organisationen in der Vergangenheit zu den schlimmsten
Befürchtungen für die Zukunft stets Anlass gab!

Danke, Sasche Lobo für diesen ausgezeichneten Artikel zur VDS!

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westin 07.01.2014, 17:08
44.

Die Justiz sollte seinem Volk mehr trauen,
dann sind wir alle fleissig,zahlen gerne steuern und verpfeifen die Kriminellen und Salafisten aus der Nachbarschaft.
Misstrauen schafft Misstrauen

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malte 07.01.2014, 17:13
45. Ist doch nicht so schwer zu verstehen....

Zitat von frankenwagen
Ich wusste gar nicht, dass im "richtigen" oder "offline" Leben protokolliert wird wenn ich in einen Buchladen gehe, oder an wen ich Briefe schreibe, oder mit wem ich mich unterhalte ... und wo ich dies tue. Warum also musst dies im digitalen getan werden.
Sie reden am Problem vorbei oder verstehen es einfach nicht. Ich plädiere nicht für eine konkrete Ausgestaltung der VDS, bin allerdings der Ansicht, dass IP-Adresse beim Provider gespeichert werden müssen. Es muss sichergestellt sein, nachdem Straftaten/Rechtsverletzungen festgestellt wurden (Richtervorbehalt), dass der Internetanschluss, bestenfalls der Täter ermittelt werden kann. Das funktioniert jetzt schon eingeschränkt und kann durch eine weitere gesetzliche Ausgestaltung noch optimiert werden. Bevor nicht die IP-Adresse mit den Daten des Providers und einem konkreten Nutzungsverhalten zu einem konkreten Zeitpunkt verküpft wird, weiß also niemand, was Sie oder ein andere gemacht haben. Insofern geht Ihr Vergleich fehl...

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eisbaerchen 07.01.2014, 17:25
46. Es ist leider so,

Zitat von pfzt
Na ja, sie können ja hier im Thread schon sehen das es immer noch eine Menge Leute gibt die es nicht aushalten können das man im Internet anonym sein konnte. Das macht vielen schwer zu schaffen (warum auch immer) und die haben dann bei der letzten Bundestagswahl mit großer Mehrheit Bosbach und Konsorten in den Bundestag gewählt. Vonn 99% dagegen kann also keine Rede sein. Leider.
dass die Vorstellungen darüber, was man mit einer synoptischen Betrachtung von personenbezogenen Daten alles anrichten und herausfinden kann keine klaren Vorstellungen bei der Mehrheit bestehen. Da gilt immer noch das Argument..."ich habe nichts zu verbergen"...Das ist so grenzenlos naiv, dass es erstmal eine umfassende Aufklärung geben muss (vor allem für Bosbach und Konsorten), was alles machbar ist. Und nicht zuletzt werden die Daten ja auch von Rechtsverdrehern benutzt, um Abmahnungen zu verschicken, und das ist nach geltendem Recht sogar legal... usw, usw.....

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gegenrede 07.01.2014, 17:29
47.

Zitat von westin
Misstrauen schafft Misstrauen
So ist es ein Staat der seine Bürger unter Generalverdacht stellt und ihnen damit kein Vertrauen entgegenbringt, wird auf Dauer auch das Vertrauen der Bürger verlieren. Und um diese Bürger festzustellen, die schon das Vertrauen verloren haben setzt der Staat noch mehr Überwachung ein, eine Eigendynamik beginnt, dessen Ende wir aus den Geschichtsbüchern kennen....

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eisbaerchen 07.01.2014, 17:31
48. Ach wie schön haben Sie das

Zitat von gedankensucher
Ich verstehe bei vielen Diskussionsteilnehmern nicht, was der eigentliche Punkt ist. Natürlich ist die Privatsphäre schützenswert. Aber wir akzeptieren doch auch, dass der Kriminalität verdächtige Personen analog (mit rechtsstaatlicher Erlaubnis) überwacht werden, Telefone können abgehört werden, Kreditkartenvorgänge mitgeschnitten werden. In der analogen Welt bin ich auch nicht anonym: Meine Einkäufe werden 10 Jahre lang im Handel gespeichert, meine Buchkäufe finden sich natürlich lange im Computer meines Händlers. Ich will ja auch reklamieren, Rechnungen nachvollziehen... Und digital: Meine Internetverbindungen werden vom Provider gespeichert (Rechnungen, Reklamationen...). Es ist in meinen Augen ein ziemlich überflüssiger Streit, ob das nun 3/6/12 Monate sinnvoll ist. Die Hauptsache ist, dass niemand Drittes an diese Daten kommt, es sei denn, ein unabhängiger Richter könnte bei mir Kriminelles vermuten. Dann hat die Allgemeinheit ein Recht auf Schutz. Es geht doch wirklich nur darum, dass der dafür nötige Bruch der Privatsphäre klar rechtlich geregelt ist und gegen Willkür und Fremdnutzung geschützt ist. Und zumindest bei unserem Geheimdienst müssten entsprechende Löschungsrichtlinien bestehen, eine Verletzung der Privatsphäre über Jahre geht genauso wenig wie eine Telefonüberwachung.
beschrieben, aber das ist genau der Punkt: Dritte sollen die Daten nicht bekommen können. Die besorgen sich die Daten aber nicht direkt von Ihrem Buchhändler (btw., da der einen Computer, vermutlich mit Internetanschluss benutzt, befinden Sie sich beim Einkauf auch nicht mehr in der analogen Welt) sondern von "Vierten", die sich durch entsprechende gesetzte dann in der Sammelwut legalisiert fühlen. Denken Sie mal in diese Richtung...

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vexierspiegel 07.01.2014, 17:44
49. Wehret den Anfängen!

Greife ich zu hoch, wenn ich sage, dass man am Anfang der NS- oder Stasi-Diktatur auch schon scheinbar harmlose Anzeichen gesehen hat, die sich später zu Monstern auswuchsen? Wenn RFID und "das Internet der Dinge" kommen, werdeen wir uns vorkommen wie Gulliver im Land der Zwerge: mit tausenden von dünnen (Informations-)Fäden gefesselt. SASCHA LOBO: WEITERKÄMPFEN!!!!!!

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