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ZDF-Krimi zum Fall Metzler: Das Recht und sein Knecht
ZDF

Darf die Androhung von Folter das letzte Mittel im Kampf um das Leben eines Kindes sein? Der furiose ZDF-Film "Der Fall Jakob von Metzler", der die Entführung aus dem Jahr 2002 nachstellt, hält eine nüchterne Erkenntnis parat: Der Rechtsstaat braucht keine Helden. "Der Fall Jakob von Metzler": ZDF-Krimi zum realen Entführungsfall - SPIEGEL ONLINE

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vincent1958 24.09.2012, 10:58
60. Da...

Zitat von kdshp
Hallo, was soll das? Hier werden wieder gelder der gez gebührenzahler zum fenster rausgeworfen für etwas was schon geklärt ist DAS hat mit einer grundversorgung ja wohl nichts mehr zu tuen. Gibt es eigentlich ein GEZ schwarzbuch?
..bin ich ganz bei Ihnen!Zu diesem Fall wurde und ist alles gesagt worden.Diese Verfilmung(mangels anderer guter Themen)beschwört nur wieder die Stimmen der "Kopf ab "Stammtischler herauf!

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olaf_b. 24.09.2012, 10:58
61. Wie weit wäre er gegangen?

Zitat von merkel123
Fazit: Das Einschalten der Polizei verengt den Handlungsspielraum des angegriffenen Buergers erheblich.
Genau deswegen behält sich unser Staat das Gewaltmonopol vor. Denn wenn erst der Pöbel das Recht in die Hand nimmt, dann gnade uns Gott - siehe aktuell die "Proteste" gegen Mohammed-Videos etc.

Daschner will als Mensch gehandelt haben. Gut. Damit war seine Entscheidung, wie alles menschliche, fehlbar.
Hätte er als allein dem Recht verpflichteter Beamter gehandelt, wäre er niemals auf die Idee gekommen, Folter anzudrohen.
Wenn Daschner „als Mensch“ sich für die Folter entschieden hätte, wie weiter wäre er gegangen? Faustschläge, Elektroschocks an den Genitalien, Streckbank, Daumenschraube, Eiserne Jungfrau? Wer setzt staatlich sanktionierter Folter eine Grenze? Allein der Gedanke ist unerträglich!
Als Daschner sich zur Androhung von Folter entschied, handelte er als Vertreter des Rechts gegen das Recht. Die Konsequenz daraus hätte ihm klar sein müssen Am nächsten Tag hätte er vor die Öffentlichkeit treten uns zugeben sollen: „Als Polizeibeamter habe ich gegen das Recht gehandelt, um als Mensch vor mir selbst glaubwürdig zu bleiben. Darum kann ich nicht länger Polizist bleiben.“
Daschner hätte Courage bewiesen. So aber bleibt der fade Nachgeschmack, dass Daschner das unveräußerliche Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit beiseite schob, um seine Karriere zu begünstigen.

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Michael-Kreuzberg 24.09.2012, 11:01
62. Das

Recht darf keine Unterschiede machen.

Insofern hat natürlich auch der fieseste Straftäter das gleiche Recht wie sein Opfer.

Auch muss eindeutig sicher gestellt sein das Menschen in staatlicher "Obhut" kein Leid angetan wird. Egal was sie getan haben. Dieses muss absolut sichergestellt sein. Übergriffe an gefangene müssen rigoros geahndet werden.

Sowei sollte es allgemeiner Konsens in der Gesellschaft sein.

Auch für diesen speziellen Fall kann und darf es kein zweites Recht geben, somit war die Verurteilung natürlich korrekt.

Menschlich gesehen ist es natürlich tragisch und eben auch unverständlich, da gehört alle Sympathie den Polizeibeamten. Den Rechtsbruch müssen sie am Ende mit sich selbst abmachen. Manchmal muss man eben auch das Recht brechen, mit allen Konsequenzen, um sich selbst später noch im Spiegel betrachten zu können. Das ist eine individuelle Entscheidung, die muss eben auch jeder für sich treffen.

Moralisch also vertretbar, Rechtlich eindeutig falsch.

Die Moral verändert sich im laufe der Zeit, das Recht ändert sich ebenfalls. Was sich aber keinesfalls ändern darf sind die Grundrechte, die Menschenrechte.

Das Recht auf körperliche Unversehrtheit haben beide . Täter und Opfer.

In diesem speziellen Fall hat der Jurastudent Gäfken wohl genau dieses Dilemma eindeutig provozieren wollen. Er wollte wohl genau diese Reaktion, um später den Staat zu verklage, um ein reduziertes Strafmass für sich zu erwirken.

Aber das ist wohl Spekulation.

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graf_krolock 24.09.2012, 11:03
63. Gerechtigkeit aus dem Bauch heraus

Zitat von kalzifer
Nur weil es Gesetze gibt, wird ein Staat noch lange nicht zum Rechtsstaat im Sinne von "Gerechtigkeit". Ein Rechtsstaat, der den Namen auch wirklich verdient, würde niemals einen Täter über das Opfer stellen. Oder anders ausgedrückt: Wenn das Leben eines Kindes in Gefahr ist, müsste auch so etwas wie Folter in gewissem Rahmen erlaubt sein. Dessen müsste sich jeder Täter bewusst sein. Das ist meine ganz persönliche Meinung, die ich hier äussere.
Wessen auch sonst? Aber gibt Ihnen dieser Fall Recht? Jakob vo Metzler ist tot und war es zu dem Zeitpunkt bereits. Und wo stellt der Rechtsstaat den Täter über das Opfer? Der Täter hat hier das Opfer unter seine persönlichen materiellen Interessen gestellt. Daschner hat sich selbst und sein Rechtsempfinden über den Rechtsstaat gestellt, wofür man in diesem Fall Verständnis aufbringen mag. Das darf sich aber nicht auf die Gesetzgebung auswirken. Die Folgen wären verheerend.

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CMDR 24.09.2012, 11:06
64. optional

Was wäre wenn....

... das Kind tatsächlich noch gelebt hätte, und der Beamte es durch die Folterandrohung hätte retten können?

Dann wäre der Vorgang wahrscheinlich anders bewertet worden. Oder wer möchte dann immer noch daran festhalten, das Kind lieber sterben zu lassen, als Folter anzudrohen?

Daschner konnte nur verlieren, er hat sich aber für das Leben des Kindes eingesetzt, und sich zwar nicht rechtmäßig, aber dennoch richtig entschieden.

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spiegelleser987 24.09.2012, 11:06
65. Ich habe damals ...

Zitat von sysop
Darf die Androhung von Folter das letzte Mittel im Kampf um das Leben eines Kindes sein? Der furiose ZDF-Film "Der Fall Jakob von Metzler", der die Entführung aus dem Jahr 2002 nachstellt, hält eine nüchterne Erkenntnis parat: Der Rechtsstaat braucht keine Helden.
Ich habe damals darüber lange nachgedacht. Ein Kind hat zur Rettung seines Lebens gegenüber einem Verbrecher keine Chance zur Notwehr. Also habe ich das damals als "Notwehr durch Dritte" bezeichnet.

Ein Mörder sollte, wenn er noch ein bisschen Ethik im Kopf hat, einfach die Schnauze halten. Er wurde nicht gefoltert.

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zurecht 24.09.2012, 11:14
66. Zweierlei Maß....

Die generelle Androhung von Gewalt mag ja den normal denkenden Manschen anwiedern. Wenn aber durch diese Maßnahme auch nur ein einziges unschuldiges Leben gerettet werden kann bleibe ich dabei: Es muß legitim sein.
Wer urteilt denn darüber, ob bei Befreiungsaktionen das SEK o. MEK "Verdächtige auschaltet". Es gilt Unschuldige zu schützen!! Kaum jemand hätte in einer so ausweglosen Situation anders gehandelt.

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Glossator 24.09.2012, 11:15
67.

Zitat von donadoni
Klagen vor dem Sozialgericht sind kostenfrei und somit ohne Kostenrisiko für die Kläger. Die Kosten übernimmt der Staat. Und die Rechtsanwälte verdienen sich dumm und dämlich.
Das ist, was die Rechtsanwälte betrifft, mit Verlaub, grober Unsinn.
Verfahren, die sich oft jahrelang hinziehen, bei denen oft Aktenordner voller Bescheide gesichtet werden müssen, bei denen oft auch die Klientel schwierig ist, sind bei den geltenden Pauschalen von idR um die 500 € für ein Verfahren, sind, wenn Sie die Grundkosten eines Anwaltsbüros mit einigen tausend Euro monatlich decken müssen, kaum geeignet, sich "dumm und dämlich zu verdienen.

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beschwingt 24.09.2012, 11:15
68.

Zitat von
=franks meinung: Ich habe vor beiden Polizeibeamten tiefen Respekt. Sie mussten sich für oder gegen die Rettung eines Menschenlebens entscheiden. Sie haben sich für das Leben des Kindes entschieden und dafür, das Recht des Täters zu begrenzen.
Es ist weder Aufgabe, noch im Ermessen der Polizei irgendwelche Rechte zu begrenzen. Rechte werden aufgrund von Gesetzen eingeschränkt. - Es handelt sich dabei um etwas aus dem Dunstkreis des offenbar vollkommen überholten Prinzips der "Gewaltenteilung".-

Zitat von
(...) Fehler sollte man nicht einen Beamten ausbaden lassen, der in dem Moment unter diesem unmenschlichen Druck entscheiden muss und von dessen Entscheidung dann das Leben eines Menschen abhängt.(...) Noch schlimmer ist es für einen Polizisten, wenn er von seiner Schusswaffe Gebrauch machen muss. Dann hat er meist nur den Bruchteil einer Sekunde und nicht die Zeit einer mehrmonatigen Gerichtsverhandlung in der Mann dann die Richtigkeit seines Entscheidung überprüft. Jeder, der nun mit Fingern auf diese Beamten zeigt, sollte sich mal versuchen, in die Lage zu versetzen(...)
Doch! Beamte sollen Ihre Fehler ausbaden müssen! So wie alle anderen Menschen auch. Nicht mehr, nicht weniger. Wenn jemandem durch den Staatapparat in Form von Beamten Unrecht angetan wird, kann es nicht sein, daß Diese sich hinter einem "Sonderstatus" verstecken dürfen. Ihre Denke führt zu einer Zweiklassenjustiz, die mittlerweile dazu führt, daß überfallene Rentner für Notwehrhandlungen abgeurteilt werden, während geschulte Polizisten bei offenbaren Gewaltexzessen einen "Stress-Bonus" erhalten.

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mischubo 24.09.2012, 11:17
69. Rechtsstaat bedeutet,

Zitat von sojherde
Ich habe den Eindruck, dass in diesem Kriminal Artikel die Akzente verschoben werden. Auf einmal ist das Opfer nicht mehr zu schützen, sondern der Täter! Diese ganze Geschichte ist doch schief,nach meinem Empfinden. Dem Mörder darf keine Angst gemacht werden!? Dabei hat dieser Mann ein Menschenleben auf dem Gewissen,dem er durch seinen grausamen Mord unvergleich größere seelische und körperliche Qualen zugefügt hat. Was bedeutet denn das Wort "Rechtsstaat"?
dass jeder (Drecksack), der in der Gewalt des Staates ist, Rechte besitzt, weil eben der Staat das Monopol auf Gewaltanwendung hat und entsprechend vorsichtig und rechtstreu agieren muss.
Spätestens dann, wenn man Ihnen in der Untersuchungshaft die Elektroden an die Eier klemmt und Sie auffordert, den Kennedy-Mord zu gestehen, werden Sie die Errungenschaften der StPO und des absoluten (!) Folterverbots zu schätzen wissen. Der Staat kann sich nicht ohne weiteres auf rechtfertigenden Notstand berufen, weil "seine" Konfliktsituation eine ganz andere ist als bei persönlich involvierten Privatpersonen.
Hätte man Gäfgen der Familie überlassen und die hätten ihm im Keller die heißen Kohlen gezeigt - ich hätte nachträglich applaudiert. Und die Familie wäre mit Sicherheit mit geringen Strafen davongekommen. Der Staat darf dies nicht. Punkt!

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