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Zugewanderte Mediziner: Kammerchef beklagt schlechtes Deutsch von Ärzten
Corbis

Deutschland gehen die Ärzte aus, deshalb werden sie zunehmend aus dem Ausland rekrutiert. Doch jetzt beklagt der Präsident der Berliner Ärztekammer: Die Mediziner könnten oft kaum Deutsch - das Risiko für Patienten steige. Klage über mangelhafte Deutschkenntnisse von Ärzten - SPIEGEL ONLINE

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Neuer Debattierer 02.01.2013, 18:29
310.

Zitat von bjuv
Es ist ein übles Politikersprech, nur auf die Arztzahlen abzustellen. Einzig zielführend ist die Anzahl der unter Beachtung der Arbeitszeitgesetze zulässigen ArztSTUNDEN. Und die wurden weniger, weil auch Ärzte den Feierabend und die 42Std/Woche sowie Teilzeit für sich in Anspruch nehmen. Wenn die Lufthansa so denken würde wie sie, wäre sie viele Probleme los. Einfach ein paar Piloten mehr einstellen, diese aber ein Drittel länger arbeiten lassen, auch wenn das gesetzlich verboten ist. Schönen Flug (OP) noch
Gerne können wir das unter dem Aspekt Arbeitsvolumen betrachten. Nur muss sich dann die Ärzteschaft entscheiden, ob sie mit Blick auf Vergütung und Bezahlung steigende Arbeitsvolumina anführt oder mit Blick auf Arztstellen und Ärztemangel sinkende Arbeitsvolumina wegen höherem Frauenanteil und mehr Teilzeit. Beides gleichzeitig geht nicht.

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zahlenmeister 02.01.2013, 18:34
311.

Zitat von sorry ich bin bloß arzt
Ärztemangel ist, wenn es tausende OFFENE Stellen gibt.
Damit haben Sie zwar Recht, aber Neuer Debattierer hat hiermit ebenfalls Recht:
Zitat von Neuer Debattierer
Jedes Jahr steigen die Zahlen der niedergelassenen und der Krankenhausärzte. Da wird also der Anstieg zum Mangel gemacht.
Zu dem Paradoxon „Ärztemagel trotz steigender Anzahl an berufstätigen Ärzten" hatte ich bereits vor etwa einem Jahr in einem anderen Thread diesen Beitrag geschrieben:

Das Ende des Paradoxons

Trotz starker Zunahme an in Krankenhäusern arbeitenden Ärzten gibt es relativ viele zur Besetzung ausgeschriebene Stellen. Die Ursache dafür liegt aber nicht, wie es auch in diesem Thread mehrfach behauptet wurde, darin, dass unseren Krankenhäusern Ärzte durch Abwanderumg abhanden kommen, sondern darin, dass

a) durch das vor einigen Jahren geänderte Arbeitszeitgesetz die legale durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit für Ärzte herabgesetzt wurde und sich Gott und dem Gesetzgeber sei Dank immer mehr Krankenhäuser daran halten,

b) der Anteil an Frauen unter den Medizinstudenten und Ärzten stark gestiegen ist und immer weiter steigt, und

c) der Anteil an Ärzten (männlich und weiblich), der zugunsten der work-life-balance auf ein größeres Zubrot durch „exzessive“ Dienste und Überstunden verzichtet, zugenommen hat.

Die unter a bis c genannten Fakten haben das Schaffen neuer Stellen nötig gemacht, für die es zur Zeit offensichtlich nicht genügend einheimische Bewerber gibt.

Gegen das Besetzen solcher Stellen mit ausländischen Bewerbern ist meiner Meinung nach aus Patientensicht nichts einzuwenden, sofern diese Ärzte die nötige fachliche und sprachliche Qualifikation besitzen. Allerdings erwarte ich als Patient, dass die fachlichen Qualifikationen dieser Bewerber vor der Einstellung sorgfältig überprüft werden und sie erst an Patienten arbeiten dürfen, nachdem sie die nötigen Sprachkenntnisse erworben haben.

Andererseits sollte man aus folgenden Gründen auch eine Erhöhung der Anzahl an Medizinstudienplätzen in Erwägung ziehen:

1. Vor eingen Jahren – zur Zeit der sogenannten Ärzteschwemme - ist die Anzahl an Medizinstudienplätzen gesenkt worden. Die vermeintliche oder tatsächliche Ärzteschwemme ist vorbei. Warum also nicht wieder zur ehemaligen Anzahl an Studienplätzen zurückkehren?

2. Der Frauenanteil unter den Medizinstudenten hat stark zugenommen. Man kann davon ausgehen, dass Frauen – im Durchschnitt - biologisch bedingt auf geringe Lebensarbeitszeitstunden kommen als Männer. Deshalb
bedeutet die Zunahme an Frauen in einem Beruf einen höheren Bedarf an in diesem Beruf tätigen Menschen und dafür benötigt man auch mehr Absolventen in diesem Studiengang.

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mitbestimmender wähler 02.01.2013, 18:46
312. Nordländer oder Schweiz

Zitat von c++
Niemand muss Arzt werden. Es gibt jede Menge Abiturienten, die gerne Medizin studieren würden und es nicht dürfen. Wem das Arztgehalt zu niedrig ist, kann ja BWL, Jura oder Mathe studieren und einen heiß begehrten Studienplatz frei machen. Aber in anderen Bereichen sind die Gehälter vermutlich auch zu niedrig. PS: woher haben Sie die Beträge für Handwerkerlöhne? Wie kommen Sie auf ein Anfangsgehalt von 3.600 Euro? Welcher Tarifvertrag?
Mensch ! Da fragt Ihr euch noch weshalb ein Arzt mit einiges mehr als 40Std/Wo und diesem Gehalt aus Deutschland mal temporär auswandert ?

Auflösung:

Er geht dorthin wo die Handwerker auswandern. In die Nordländer oder die Schweiz ;-)

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mitbestimmender wähler 02.01.2013, 18:57
313. Auflösung: Schweizer Tarife ;-)

Zitat von zahlenmeister
Wie kommen Sie zu diesen offensichtlich völlig falschen Zahlen? Die IG Metall liefert zu Tarifgehältern von Handwerkern ganz andere Zahlen: Ein Beispiel daraus: Tarifgehälter im Elektrohandwerk laut IG Metall: Auszug daraus: Brutto-Tarifgehälter für Elektriker in NRW im Tarifbereich der IG Metall: Entgeltgruppe 1 bis 7: 1.466,00; 1.630,00; 1.848,00; 1.956,00; 2.174,00; 2.283,00; 2.390,00 Euro Entgeltgruppe 8 bis 12 (Brutto-Tarifgehälter der Meister): 2.611,00; 2.936,00; 3.262,00; 3.372,00; 3.696,00 Euro Ich habe Angaben aus dem Bereich der IG Metall verwendet, weil das Lohn- und Gehaltsniveau in diesem Bereich als relativ hoch gilt. Trotzdem liegen die Zahlen zu den Tarifgehältern von angestellten Handwerkern weit unter den von Ihnen genannten angeblichen Handwerkergehältern. Sollten Sie Arzt oder Ärztelobbyist sein, hätten Sie Ihren Kollegen bzw. Klienten mit Ihrem Beitrag einen Bärendienst erwiesen.
Der deutsche Arzt fragt sich, wenn die ausgewanderten Handwerker ohne Sprachbarrieren dies dort erreichen können, weshalb soll Ich bei weniger Arbeit als hier nicht noch viel mehr dort erreichen können ?

Mit Frauchen mal zu Vorstellungsgespräch und die Schweiz hat das Paar üerzeugt, genügend Geld und die Kurzflüge in die Heimat oder die 2,5Std mit dem Auto nach München sind vergessen. Wetten Sie sind die Ärzte mindestens 10 Jahre bis nach der EU Krise los ?

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Gasfrau 02.01.2013, 19:00
314.

Recht so! Schlechte Arbeitsbedingungen, miese Bezahlung, befristete Verträge, Wochenenddienste, entsetzliche Hierarchien. Wer kann, stimmt mit den Füßen ab und geht dorthin, wo Wertschätzung und Bezahlung angemessen sind.

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mundi 02.01.2013, 19:02
315. Legendenbildung

Zitat von bjuv
...... Und seit dem mehr arabische Ärzte und Patienten hier arbeiten/behandelt werden, gibt es eine gehäufte Anzahl Acinetobacter baumanii-Infektionen (multiresistent), die zuvor nur in deren Heimatländer gehäuft vorkamen. Aus eigener Anschauung weiss ich auch: Viele Infektionskrankheiten werden dort gar nicht ausdiagnostiziert, sondern direkt mit Antibiotika behandelt, die hier nur als Reserve dienen.
Weder in Bremen noch in Berlin starben die Kleinkinder an Acinetobacter baumanii-Infektionen!
In den Niederlanden wäre es trotz Araber und Russen auch kaum möglich.

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mitbestimmender wähler 02.01.2013, 19:32
316. Die Medizininsel Schweiz

Der Neue Goldesel der Schweizer wird eines Euer nächsten EU Problem werden.

Nach der:

Golddrehscheibe Schweiz (2/3 des Weltmarktes)
Dem Bankenplatz (10% Institu.Welts Vermögen,27% der Privaten)
Dem Rohstoffhandelsplatz (1/3 des Welthandel versch. Rohstoffe)
Den Kontrollzentren der EU Trassen/Pipelines (NorthStream)
Den Datensicherheits-Bunkern (EZB, EU Konzerne)
Der Medizininsel

Werden die Schweizer Berlin/Brüssel auch in Zukunft beschäftigen, die Infrastruktur, Wertschöpfungskette, Qualität der Internationalen Angestellten der verschiedenen Branchen in der Schweiz ist in Sachen FullService unschlagbar geworden.

Jede Neue Branchen-Nische, Gesetzeslücken die aufgeht wird zum Goldesel dank schon vorhandenen Branchen-Stärke, Queroptimierung und Vorteilen.

Bringt die EU die Krisen und Verunsicherungen dieser EU/Welt nicht in den Griff, wird die Schweiz immer eine Sicherheits-Insel bleiben für Familiensilber, Div. Branchen und den Handel.

London City, Schweiz, Niederlande, Belgien, Luxemburg, Norwegen sind in dieser PremiumLeague Europas dabei ;-)

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sorry ich bin bloß arzt 02.01.2013, 21:46
317.

Zitat von zahlenmeister
Trotz starker Zunahme an in Krankenhäusern arbeitenden Ärzten gibt es relativ viele zur Besetzung ausgeschriebene Stellen.
Ich weiß garnicht, wo das Problem ist: Mangel ist, wenn etwas zu wenig da ist. Und den Mangel an Ärzten spürt mittlerweile jeder Patient, besonders auf dem Land.

Zitat von zahlenmeister
Andererseits sollte man aus folgenden Gründen auch eine Erhöhung der Anzahl an Medizinstudienplätzen in Erwägung ziehen: 1. Vor eingen Jahren – zur Zeit der sogenannten Ärzteschwemme - ist die Anzahl an Medizinstudienplätzen gesenkt worden. Die vermeintliche oder tatsächliche Ärzteschwemme ist vorbei. Warum also nicht wieder zur ehemaligen Anzahl an Studienplätzen zurückkehren?
Ärztemangel in D bekommt man nicht mit einer Erhöhung der Studienplätze in Griff, solange von den Absolventen der Unis nur rund zwei Drittel in der Medizin ankommen. Ärztemangel bekommt man nur in den Griff indem man die Arbeitsbedingungen und Gehalt so gestaltet, dass es attraktiv ist, in D zu bleiben und als Arzt zu arbeiten.

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andra85 02.01.2013, 23:38
318.

Zitat von sorry ich bin bloß arzt
Nun, was der deutsche Kollege aus England nicht geschrieben hat, ist, dass es dort im Vergleich zu Deutschland leider nur für Ärzte paradiesisch ist. Für Patienten ist es genau umgekehrt zu Deutschland.
Das sollte doch nicht IHRE Sorge sein, wenn (wenn!) es für Patienten dort schlecht wäre.

Was es nicht ist. Dort wird jeder im NHS (ist wie über GKV, nur ohne Beiträge) kostenfrei (keine ! Krankenkassenbeiträge in horrender Höhe) behandelt, wenn auch oft auf Warteliste, was nicht so schlimm ist, weil vieles nicht wirklich eilt, sondern behandelt werden kann, wenn es dran ist. Wie es ja auch in D heutzutage meist der Fall ist.

Ich "reservierte" mir z.B. am 18. Dezember 2012 einen (dringenden) Facharzttermin für den 18. Mai 2013 (!!!). Ich bezahle monatlich (samt AG-Anteilen, die meinem Lohn zugerechnet werden) in der GKV ca. 620 €!! Der Engländer bezahlt nichts (!) und wird nicht schlechter als ich behandelt - noch dazu von sehr freundlichen Ärzten und Schwestern (was man in D heutzutage auch nur noch seltenst antrifft).

Also tun Sie mal nicht so und bleiben gefälligst bei der Realität, nämlich dass das deutsche Gesundheitswesen ein Fass ohne Boden ist und die Unternehmer-Ärzte sich in vielen Fällen für ihre Patienten wesentlich weniger als für ihren Kontostand und ihr Einkommen interessieren.

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bjuv 03.01.2013, 09:20
319. Die Arbeitsbedingungen, nicht die Bezahlung sind die Gründe

warum deutsche Ärzte das System möglichst schnell verlassen wollen. Auch wenn der Marburger Bund gerne etwas anderes behauptet in den TArifauseinandersetzungen. Seine Mitglieder wollen, dass endlich die Stechuhr eingeführt wird, seit 2005, passieren tut da nix. Auch in den Verträgen von Ärzten steht: 42h/Woche, gelegentlich Beretischaftsdienste. Die Realität ist brutal anders. Und da, wo die Arbeitszeit leidlich eingehalten wird, müssen die gleiche Anzahl Patienten versorgt werden.

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